Optionen vs. Futures – Was ist der Unterschied?

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Optionen vs. Futures – Unterschiede

Optionen sind bedingte Terminkontrakte, da nur der Verkäufer zur Erfüllung verpflichtet ist, während der Käufer ein Wahlrecht besitzt. Futures sind dagegen unbedingte Terminkontrakte, bei denen beide Parteien – Käufer und Verkäufer – zur Durchführung des Geschäfts verpflichtet sind.

Optionen vs Futures - Die wichtigsten Unterschiede

1. Unterschied: Verpflichtung vs. Recht

Futures binden beide Parteien vertraglich: Zum Fälligkeitstermin ist der Kauf/Verkauf des Basiswerts zum festgelegten Preis zu erfüllen – je nach Kontrakt durch physische Lieferung oder Barausgleich (unbedingtes Termingeschäft).

Optionen geben dem Käufer das Recht, nicht die Pflicht, den Basiswert zum Strike zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put). Übt der Käufer aus bzw. wird er zugeteilt, ist der Verkäufer/(Stillhalter) zur Erfüllung verpflichtet (bedingtes Termingeschäft). Ob eine Ausübung jederzeit oder nur am Verfall möglich ist, hängt vom Ausübungsstil (amerikanisch/europäisch) der Option ab.

Der Kernunterschied liegt somit in der Art der Verpflichtung: symmetrische Verpflichtung bei Futures vs. asymmetrisches Wahlrecht (Käufer) und Pflicht (Stillhalter) bei Optionen.

Futures: Es besteht eine beiderseitige Verpflichtung bis zur Fälligkeit, die entweder durch Lieferung oder durch Cash-Settlement erfüllt wird.
Optionen: Der Käufer hat ein Wahlrecht, während der Stillhalter die Verpflichtung bei Ausübung/Zuteilung trägt.

2. Unterschied: Optionsprämie vs. Margin

Bei Optionen fließt zu Beginn eine Optionsprämie vom Käufer an den Verkäufer (Stillhalter). Sie ist der „Preis der Wahlmöglichkeit“ und spiegelt u. a. Kurs des Basiswerts, Strike, Restlaufzeit, Zinsen/Dividenden und vor allem (implizite) Volatilität wider.

  • Käufer: Der maximale Verlust entspricht der gezahlten Prämie und es besteht keine Nachschusspflicht.
  • Stillhalter: Vereinnahmt die Prämie, muss aber eine Margin hinterlegen, da das Verlustpotenzial theoretisch unbegrenzt sein kann.

Bei Futures gibt es keine Prämie zu Beginn. Beide Seiten leisten stattdessen Initial Margin und halten eine Maintenance Margin ein. Gewinne/Verluste werden täglich per Mark-to-Market gutgeschrieben bzw. nachgeschossen (Variation Margin).

Optionen: Der Käufer zahlt dem Verkäufer eine Prämie.
Futures: Es gibt keinen Upfront-Preis wie die Optionsprämie, sondern eine Futures-Margin.

3. Unterschied: Preisbildung von Optionen und Futures

Der Preis einer Option setzt sich aus dem inneren Wert und dem Zeitwert zusammen. Einen inneren Wert besitzen ausschließlich Optionen im Geld (ITM). Am Geld (ATM) und aus dem Geld (OTM) ist der innere Wert null.

Grundsätzlich hat vor dem Verfall jede Option einen (meist positiven) Zeitwert. Ausnahme: Bei bestimmten amerikanischen Optionen kann eine frühzeitige Ausübung optimal sein (z. B. sehr tief ITM Puts bzw. bei Dividenden/Finanzierungseffekten). Dann kann der Marktpreis näher am inneren Wert liegen.

Preis~einer~Option = innerer~Wert + Zeitwert

Die Preisbildung bei Futures folgt einem anderen Konzept. Der Preis eines Future-Kontrakts leitet sich aus dem Spotpreis (Kassakurs) und den sogenannten Cost of Carry ab. Zu den Cost of Carry zählen u. a. Finanzierungskosten sowie Lager-/Versicherungskosten.

Abgezogen wird eine Verfügbarkeitsprämie (Convenience Yield). Das ist der Vorteil aus dem unmittelbaren Besitz/der Verfügbarkeit des Gutes (z. B. Versorgungssicherheit, Prozess-Kontinuität).

Für kurze Laufzeiten wird oft näherungsweise additiv geschrieben:

F0 ≈ Spotpreis + Cost~of~Carry - Verfügbarkeitsprämie

Optionen: Der Preis setzt sich aus dem inneren Wert und dem Zeitwert zusammen, wobei der Zeitwert stark von der Volatilität und der Laufzeit abhängt.
Futures: Der Preis leitet sich (vereinfacht) aus dem Spotpreis ± Haltekosten ab. 

4. Unterschied: Handelsstrategien

Eine einzelne Future-Position ist typischerweise direktional (Long profitiert von steigenden, Short von fallenden Preisen). Bei einem reinen Seitwärtstrend des Basiswerts ist in der Regel kein Gewinn zu erzielen. Future-Spreads können jedoch durch Veränderungen der Basis oder der Terminkurve Gewinne erzielen.

Durch die Kombination mehrerer Optionen lassen sich hingegen Auszahlungsprofile aufbauen, die von Richtung unabhängig sind oder gezielt auf Volatilität setzen. Ein klassisches Beispiel ist der Long Straddle (Call + Put am selben Strike): Er profitiert von starken Bewegungen nach oben oder unten. Wirklich konstante Kurse wirken hier negativ (Zeitwertverfall).

Long Straddle - Optionsstrategie
Auszahlungsprofil der Long Straddle Optionsstrategie

Optionen vs. Futures – Gemeinsamkeiten

Optionen und Futures gehören beide zu den derivativen Finanzprodukten. Sie beziehen sich auf einen Basiswert und verbriefen ein Handelsrecht. Beide Derivate werden an Terminbörsen wie der EUREX gehandelt.

Die gängigste Finanzderivate im Übersicht

Standardisierung

Options- und Future-Kontrakte sind streng standardisiert, um einen reibungslosen Handel an Terminbörsen zu gewährleisten. Wesentliche Merkmale wie Bezugsverhältnis, Kontraktgröße und Verfallstag sind festgelegt und können zwischen den Handelspartnern nicht individuell vereinbart werden.

Händler können bei beiden Produkten sowohl Long- als auch Short-Positionen eingehen. Futures und Optionen lassen sich somit nicht nur kaufen, sondern auch durch den initialen Verkauf eines Kontrakts eröffnen.

Leverage-Effekt

Unabhängig davon, ob Futures oder Optionen gehandelt werden, ermöglicht der Leverage-Effekt den Einsatz von vergleichsweise geringem Kapital. Das erforderliche Kapital für den Erwerb einer Option oder eines Futures ist aufgrund des Bezugsverhältnisses deutlich niedriger als der Betrag, der zum Kauf des zugrunde liegenden Basiswerts notwendig wäre.

Margin

Beim Handel mit Futures sowie beim Verkauf von Optionen auf Margin muss der Händler eine Sicherheitsleistung, die sogenannte Margin, hinterlegen. Diese fällt geringer aus als der Gegenwert des Basiswerts, wodurch weniger Eigenkapital gebunden wird. Gewinne können dadurch die Eigenkapitalrendite überproportional erhöhen – Verluste jedoch ebenso verstärken. Der Leverage-Effekt wirkt somit in beide Richtungen.

Hinweis: Optionen und Futures können grundsätzlich auch außerbörslich gehandelt werden. In diesem Fall entfällt die Standardisierung durch die Terminbörse. Vertragsbedingungen müssen individuell vereinbart und geprüft werden. Solche direkt gehandelten Kontrakte werden als OTC-Geschäfte („Over The Counter“) bezeichnet.

Absicherungsstrategien (Hedging)

Eine weitere Gemeinsamkeit von Optionen und Futures ist die Absicherung gegen verschiedene finanzielle Risiken. So können sich Anleger und Unternehmen beispielsweise gegen Kurs- oder Zinsschwankungen absichern. Dieser Vorgang wird auch als Hedging bezeichnet. Zum Hedging können sowohl Optionen als auch Futures eingesetzt werden. Bei beiden Finanzprodukten sind jedoch einige Besonderheiten beim Hedging zu beachten.

Hinweis: Grundsätzlich können im Rahmen des Hedging alle Vermögenswerte abgesichert werden, die auch als Basiswerte für Futures und Optionen möglich sind.

Hedging mit Optionen

Optionen können genutzt werden, um Long- oder Short-Positionen in Aktien oder ETFs abzusichern. Voraussetzung ist, dass das Bezugsverhältnis der Option eine vollständige Absicherung der Position ermöglicht.

Dabei ist zu beachten, dass sich der Basiswert und der Optionspreis nicht proportional zueinander entwickeln. Das Delta einer Option gibt Auskunft über diese Beziehung. Ziel des Hedging mit Optionen ist häufig die Herstellung einer delta-neutralen Position, bei der Kursänderungen des Basiswerts durch gegenläufige Bewegungen der Option kompensiert werden.

Beispiel: Absicherung mit Aktienoptionen

Aktienoptionen haben ein Bezugsverhältnis von 1:100. Folglich lassen sich mit einem Optionskontrakt 100 Aktien des gleichen Unternehmens absichern. Bei einer Position von 50 Aktien wäre der Investor mit einem Optionskontrakt überversichert. Würde er 150 Aktien besitzen, könnte ein einzelner Optionskontrakt nicht das gesamte Risiko abdecken.

Hinweis: Mit Optionen können nicht nur Basiswerte von Optionen, sondern auch Optionspositionen selbst abgesichert werden. Eine mögliche Strategie in diesem Zusammenhang ist das Delta Hedging.

Hedging mit Futures

Wertpapierpositionen – etwa Indizes oder Aktien – können neben Optionen auch mit Futures abgesichert werden. Zudem dienen Futures Unternehmen zur Reduzierung operativer Risiken.

Unternehmen müssen häufig langfristige Rohstoffbedarfe decken oder verfügen über Forderungen und Verbindlichkeiten in Fremdwährungen. Schwankende Rohstoffpreise oder Wechselkurse stellen dabei ein Risiko für das Geschäft dar, das durch den Einsatz von Futures verringert oder vollständig eliminiert werden kann.

Im Unternehmenskontext zielt Hedging meist auf eine langfristige Absicherung, etwa über ein gesamtes Geschäftsjahr. Dabei wird eine mögliche Gewinnbegrenzung in Kauf genommen: Fällt beispielsweise der Weizenpreis, profitiert das Unternehmen nicht davon, ist jedoch gegen steigende Preise geschützt.

Da Unternehmen ihre Gewinne primär aus dem operativen Geschäft erzielen, wiegt dieser Nachteil weniger schwer als bei Privatanlegern. Für Letztere ist eine langfristige Absicherung mit Futures meist wenig sinnvoll, da während der Laufzeit keine positive Rendite der abgesicherten Position erzielt werden kann.

Beispiel: Absicherung mit Weizenfutures

Ein Unternehmen produziert Brot und benötigt dafür jährlich 5.000 Tonnen Weizen. Der Preis für das verkaufte Brot ändert sich nicht, da mit den Supermärkten, in denen das Brot verkauft wird, Rahmenverträge abgeschlossen wurden. Ein Hauptrisiko liegt daher in den schwankenden Rohstoffpreisen. Mit Hilfe von Weizenterminkontrakten kann sich das Unternehmen einen festen Weizenpreis für die gesamte Vertragslaufzeit sichern. Gleichzeitig muss sich das Unternehmen nicht um die Lagerung kümmern, auch wenn diese indirekt über die Cost of Carry bezahlt wird.

Hinweis: Im Umgang mit Futures wird der Begriff Cross-Hedge verwendet. Dieser beschreibt ein Hedgingvorgang, bei dem sich der Future-Kontrakt und die abzusichernde Position nicht exakt entsprechen, aber zumindest stark korreliert sind. Dies ist etwa der Fall, wenn ein Investor eine Position auf den DAX mit einem Index-Future auf den EURO STOXX 50 absichert.

Optionen vs. Futures – Was handeln?

In diesem Video werden Optionen und Futures einfach und verständlich gegenübergestellt.

Was sind diese Finanzprodukte genau? Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede stecken dahinter? Ist das eine wirklich besser als das andere? Und, vor allem, was können Anleger beachten, um mit solchen Finanzprodukten erfolgreich an der Börse zu agieren?

Optionen vs. Futures auf einen Blick

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die verschiedenen Merkmale von Optionen und Futures im direkten Vergleich.

Merkmal Optionen Futures
Geringer Eigenkapitaleinsatz / Hebelwirkung ✔️ ✔️
Stillhaltegeschäfte möglich ✔️
Standardisiertes Finanzprodukt ✔️ ✔️
Absicherungsstrategie (Hedging) möglich ✔️ ✔️
Ausübungswahlrecht des Käufers ✔️
Handelbar auf Aktien ✔️ ✔️
Handelbar auf Rohstoffe ✔️
Handelbar auf Zinsen & Währungen ✔️
Handelbar auf Futures ✔️
Börsengehandelt ✔️ ✔️

Häufige Fragen

Was sind Futures?

Ein Future ist ein standardisierter Terminkontrakt, der Käufer und Verkäufer dazu verpflichtet, einen Basiswert zu einem vorher vereinbarten Preis an einem festgelegten Fälligkeitstermin zu handeln. Am Ende der Laufzeit kann die Abwicklung physisch (d. h. Lieferung des Basiswerts) oder in bar (d. h. Ausgleich in Geld) erfolgen.

Beim Handel eine Margin zu hinterlegen. Gewinne und Verluste werden täglich durch Mark-to-Market realisiert, weshalb Nachschussforderungen entstehen können.

Je nachdem, ob ein unbedingter Terminkontrakt an einer Terminbörse gehandelt wird, spricht man von einem Future oder einem Forward. Futures können an Börsen gehandelt werden, Forwards nur im bilateralen Direkthandel.

Was ist eine Option?

Eine Option gibt dem Käufer das Recht, aber nicht die Pflicht, einen Basiswert zu einem bestimmten Preis (Strike) zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put).

Optionen unterscheiden sich in ihrem Ausübungsrecht: Europäische Optionen sind nur am Verfallstag ausübbar, amerikanische Optionen hingegen jederzeit bis zum Verfall.

Der Preis einer Option (die Prämie) setzt sich aus dem inneren Wert und dem Zeitwert zusammen. Der Zeitwert hängt positiv mit der Restlaufzeit und der Volatilität zusammen und wird durch Zinssätze sowie die erwarteten Dividenden des Basiswerts beeinflusst.

Für den Käufer ist der maximale Verlust auf die gezahlte Prämie begrenzt. Der Schreiber hingegen trägt potenziell hohe Verpflichtungen.

Was sind Optionen auf Futures?

Optionen auf Futures sind Optionskontrakte, deren Basiswert ein Future ist. Bei Ausübung kommt es typischerweise zur Eröffnung einer Long- oder Short-Future-Position (alternativ erfolgt eine Barausgleichszahlung).

Da eine Option auf einen Future ein „Derivat im Derivat“ ist, unterscheidet sie sich in einigen Punkten von anderen Optionsarten. So ist der Fremdkapitalhebel (Leverage) bei Future-Optionen in der Regel höher als bei einzelnen Derivaten, und ihre Verfallstermine können abweichen.

Was sind Derivate?

Ein Derivat ist ein Finanzinstrument, dessen Wert von der Entwicklung eines zugrunde liegenden Basiswerts (z. B. Aktie, Rohstoff oder Zinssatz) abhängt. Es wird häufig zur Absicherung (Hedging) oder zur Spekulation genutzt.

Zu den Derivaten zählen Optionsscheine, Zertifikate, Optionen, Futures und CFDs.

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