Futures Margin – Definition & Berechnung
Die Futures Margin drückt aus, wie viel liquide Mittel oder andere zulässige Sicherheiten auf einem Handelskonto vorhanden sein bzw. hinterlegt sein müssen, um eine Futures-Position einzugehen. Dieser Betrag stellt eine Sicherheit dar, die nur einen Bruchteil des Gesamtwerts des Kontrakts ausmacht. Damit sollen das Risiko und die potenziellen Verluste in einem stark gehebelten Markt wie dem Terminhandel begrenzt werden.
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Futures Margin – Erklärung
Im Wesentlichen gibt die Futures Margin den Geldbetrag bzw. den Wert zulässiger Sicherheiten an, den ein Händler auf seinem Handelskonto hinterlegt haben muss, um einen Futures-Kontrakt zu „kontrollieren“.
Dabei gilt es zu beachten, dass es sich bei der Futures Margin um keine Anzahlung oder Ähnliches handelt. Vielmehr verfolgt die Futures Margin die Intention einer Erfüllungsgarantie, die sicherstellen soll, dass ein Händler seinen finanziellen Verpflichtungen nachkommen kann.
Festsetzung der Futures Margin-Sätze
Die Mindestanforderungen der zu hinterlegenden Futures Margin werden je nach Markt von den Terminbörsen bzw. den zugehörigen Clearinghäusern (bspw. EUREX oder COMEX) festgelegt. Es kommt jedoch vor, dass Broker höhere Margin-Anforderungen als die festgelegten Mindestwerte verlangen, um ihr eigenes Risiko zu verringern.
Im Allgemeinen wird die Sicherheitsleistung auf Basis der Marktvolatilität und des Preisänderungsrisikos festgesetzt. Deshalb gilt grundsätzlich, wenn die Marktvolatilität oder die Preisschwankungen am Terminmarkt zunehmen, steigen die Margin-Sätze an.
Berechnung der Futures Margin
Viele Terminbörsen und Clearinghäuser kalkulieren die Sicherheitsleistung für Futures mit Hilfe risikobasierter computergestützter Systeme. Ein weit verbreitetes System ist SPAN (Standardized Portfolio Analysis of Risk).
Das System basiert auf Algorithmen, die die Margin-Anforderungen anhand des Gesamtportfoliorisikos bewerten, indem sie den größtmöglichen Verlust berechnen, den ein Portfolio aus derivativen und physischen Finanzinstrumenten über einen bestimmten Zeitraum (normalerweise einen Handelstag) erleiden könnte.
Diese Bewertung erfolgt durch Berechnung der Gewinne und Verluste, die dem Portfolio unter verschiedenen Marktbedingungen entstehen würden. Der wichtigste Faktor bei der Festlegung der Margin-Anforderungen ist die aktuelle und zukünftige Volatilität des jeweiligen Terminmarkts. Die Börsen passen ihre Margin-Anforderungen entsprechend kontinuierlich an die Marktbedingungen an.
Zu beachten ist jedoch, dass nicht alle Börsen ausschließlich mit SPAN arbeiten. So verwendet die EUREX beispielsweise mit Prisma ein eigenes risikobasiertes Margin-Modell.
Futures Margin Kennzahlen – Erläuterung & Beispiele
Nachfolgend werden einige wichtige Begrifflichkeiten und Kennzahlen erläutert, denen Anleger beim Handel mit Futures-Kontrakten begegnen.
Initial Margin
Die Initial Margin weist den Geldbetrag aus, den ein Händler benötigt, um einen Futures-Kontrakt initial zu kaufen oder initial zu verkaufen. Anders formuliert entspricht die Initial Margin dem Geldbetrag, den ein Händler benötigt, um eine Long- oder Short-Position im Futures-Kontrakt zu eröffnen.
Angenommen sei eine Initial Margin für einen DAX Futures-Kontrakt von 8 %. Der Käufer eines DAX Futures-Kontrakts im Wert von 375.000 EUR (DAX Indexstand 15.000 Punkte x Multiplier 25 EUR) muss aufgrund der Initial Margin aber keine 375.000 EUR hinterlegen, sondern nur 30.000 EUR bzw. 8 % des Kontraktwerts.
Maintenance Margin
Die Maintenance Margin (engl. Maintenance = dt. Erhaltung) ist der Geldbetrag, den ein Händler nach der Eröffnung einer Futures-Position zu jedem Zeitpunkt der Haltedauer auf seinem Handelskonto hinterlegt haben muss, um etwaige Verluste decken und eine Zwangsschließung der Futures-Position vermeiden zu können.
Angenommen, die Initial Margin für einen Weizen Futures-Kontrakt (Kontraktwert 35.000 USD) beträgt 11 % bzw. 4.000 USD und die Maintenance Margin beträgt 9 % bzw. 3.200 USD. Der initiale Kauf eines Weizen-Futures-Kontrakts erfordert also liquide Mittel in Höhe von 4.000 USD, die auf dem Handelskonto hinterlegt sein müssen.
Um die Position aufrechtzuerhalten, muss hingegen jederzeit ein Geldbetrag in Höhe von 3.200 USD auf dem Handelskonto zur Verfügung stehen. Kann dies nicht mehr gewährleistet werden, kommt es zu einem sog. Margin Call.
Variation Margin
Die Variation Margin bezeichnet die Gewinne und Verluste, die aus offenen Futures-Positionen durch die tägliche bzw. untertägige Bewertung zu aktuellen Marktpreisen entstehen und dem Handelskonto gutgeschrieben oder belastet werden. Dadurch werden offene Positionen laufend zum Marktwert abgerechnet.
Wenn der Kontowert infolge dieser laufenden Verlustverrechnung unter das Level der Maintenance Margin für eine Handelsposition fällt, muss der Anleger in der Regel zusätzliche Gelder nachschießen. Diese Nachschussaufforderung wird als Margin Call bezeichnet. Häufig muss der Kontostand dabei wieder auf das Niveau der Initial Margin angehoben werden.
Angenommen die Initial Margin für einen E-mini S&P 500 Future-Kontrakt beträgt 12.650 USD und die Maintenance Margin beträgt 11.500 USD. Fällt der Kontowert infolge täglicher Verluste unter 11.500 USD, kommt es zu einem Margin Call. Beträgt der Kontowert beispielsweise nur noch 11.500 USD statt 12.650 USD, müsste der Händler mindestens 1.150 USD nachschießen, um den Kontostand wieder auf 12.650 USD zu bringen.
Intraday-/Day-Trade-Margin vs. Overnight-Margin
Einige Broker unterscheiden beim Futures-Handel zwischen einer reduzierten Intraday- bzw. Day-Trade-Margin und der regulären Overnight-Margin. Die Intraday-Margin gilt dabei in der Regel nur dann, wenn eine Position innerhalb des laufenden Handelstags eröffnet und wieder geschlossen wird. Wird die Position hingegen über das Ende der maßgeblichen Handelssitzung hinaus gehalten, greift üblicherweise die höhere Overnight-Margin.
Für Händler ist diese Unterscheidung von großer Bedeutung, denn ein zunächst geringer Margin-Bedarf bedeutet nicht, dass eine Position auch über Nacht mit derselben Sicherheitsleistung gehalten werden kann.
Net Liquidation Value (Liquidationswert)
Der Liquidationswert, häufig auch als Net Liquidation Value bezeichnet, ist eine brokerseitig verwendete Kontokennzahl. Er beschreibt den aktuellen Kontowert, der sich aus den liquiden Mitteln, offenen Gewinnen und Verlusten sowie dem aktuellen Marktwert aller offenen Positionen ergibt.
Beim Einsatz von Margin muss, zusätzlich zu der Initial und Maintenance Margin für eine bestimmte Handelsposition, ebenfalls darauf geachtet werden, dass der Kontowert ein bestimmtes Niveau einhält.
- Wenn der Händler Long-Positionen besitzt, entspricht der Liquidationswert vereinfacht dem aktuellen Betrag, den der Anleger oder Händler bei Schließung der Positionen vereinnahmen würde.
- Wenn der Händler Short-Positionen einnimmt, berücksichtigt der Liquidationswert entsprechend die aktuellen Kosten, die für den Rückkauf bzw. die Glattstellung der Positionen anfallen würden.
Um ein Margin Call bzw. das Schließen von bestehenden Positionen aufgrund eines zu niedrigen Kontowerts zu verhindern, werden meist zusätzliche Barmittel auf das Handelskonto eingezahlt. Es können auch andere Formen von Sicherheiten verwendet werden.
Margin Call bei Futures
Margin Calls werden ausgelöst, wenn der Wert der Sicherheiten, die auf dem Handelskonto hinterlegt sind, unter das erforderliche Level der Maintenance Margin fällt.
Nachschusspflicht
Angenommen der Wert fällt auf 2.500 USD. Um die Weizen Futures-Position aus dem obigen Beispiel weiterhin aufrechterhalten zu können, müsste der Händler Sicherheiten in Höhe von mindestens 1.500 USD auf das Konto nachschießen. Erst dann wäre der Wert der Sicherheiten wieder auf dem Niveau der geforderten Initial Margin von 4.000 USD.
Handelsmöglichkeiten
In diesem Szenario hat der Händler eine von drei Möglichkeiten, um sein Margin-Defizit von 1.500 USD auszugleichen:
- Einzahlung von 1.500 USD in Bar auf das Handelskonto
- Einzahlung von beleihbaren Wertpapieren im Wert von 1.500 USD auf das Handelskonto, wodurch der Wert der Sicherheiten wieder auf 4.000 USD steigt
- Positionen schließen, um dem Margin-Defizit nachzukommen
Intraday Margin Calls
Es besteht häufig die Annahme, dass ein Margin Call erst nach Handelsschluss ausgelöst werden kann. Im Futures-Handel ist es jedoch auch möglich, dass ein Broker bereits während des laufenden Handelstags zusätzliche Sicherheiten verlangt. Ein solcher Fall wird als Intraday Margin Call bezeichnet.
Hierzu kann es insbesondere dann kommen, wenn sich der Markt sehr stark gegen die Position des Händlers bewegt, sich die Margin-Anforderungen kurzfristig erhöhen oder eine zunächst mit Intraday-Margin eröffnete Position nicht rechtzeitig vor dem Wechsel auf die höhere Overnight-Margin geschlossen wird. Erfolgt kein rechtzeitiger Ausgleich des Defizits, kann der Broker Positionen teilweise oder vollständig glattstellen.
Regulatorische Änderungen (Deutschland)
Seit dem 1. Januar 2023 gelten in Deutschland neue Regeln der BaFin, die Kleinanleger mit Wohnsitz in Deutschland vor zusätzlichen Zahlungspflichten im Futures-Handel schützen:
- Beschränkung von Futures mit zusätzlicher Zahlungspflicht: Broker dürfen Futures für Kleinanleger in Deutschland grundsätzlich nur noch anbieten, wenn vertraglich sichergestellt ist, dass keine über das eingesetzte Kapital hinausgehende Zahlungspflicht entstehen kann.
- Ausnahme für Hedging-Fälle: Die Beschränkung greift nicht, wenn Futures nachweislich zur Absicherung bereits bestehender Risiken eingesetzt werden.
- Erhöhte Margin-Anforderungen und automatisches Risikomanagement: Um das Risiko für Broker zu begrenzen, haben viele Anbieter die Margin-Anforderungen für Privatanleger erhöht und sichern sich zusätzlich durch automatische Risikomanagement-Systeme ab.
Die grundsätzlichen Mechanismen eines Margin Calls und der täglichen Verlustverrechnung bleiben also bestehen. Allerdings dürfen Kleinanleger mit Wohnsitz in Deutschland bei neuen Futures-Geschäften grundsätzlich nicht mehr in eine unbegrenzte zusätzliche Zahlungspflicht geraten, sofern kein zulässiger Hedging-Fall vorliegt und der Broker die BaFin-Vorgaben einhält. Für das Schließen bereits vor Inkrafttreten eröffneter Positionen gelten gesonderte Ausnahmen.
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