Aktienoptionen – Erklärung & Beispiele
Aktienoptionen (englisch: Stock Options) geben dem Inhaber das Recht, eine Aktie zu einem festgelegten Ausübungspreis bis oder an einem bestimmten Termin zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put). Eine Option bezieht sich häufig auf 100 Aktien. Die wichtigsten Punkte haben wir in diesem Artikel für Sie zusammengefasst.
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Aktienoptionen – Definition
Aktienoptionen gehören zur Kategorie der Derivate. Der Wert einer Aktienoption basiert auf dem Wert der zugrunde liegenden Aktie bzw. leitet sich grundsätzlich davon ab.
Eine Aktienoption stellt also keinen Anteil an einem Unternehmen dar, sondern verbrieft das Recht, eine Aktie zu einem vordefinierten Ausübungspreis bei Ausübung in einer festgelegten Stückzahl zu kaufen oder zu verkaufen.
Merkmale von Aktienoptionen
Im Wesentlichen stellen Aktienoptionen einen Vertrag zwischen zwei Parteien dar, der hinsichtlich vertraglicher Spezifikationen standardisiert ist. Jede Aktienoption besitzt
- einen festen Fälligkeitstermin und eine entsprechende Laufzeit bis zu diesem Termin,
- einen vordefinierten Ausübungspreis, der auch Basispreis oder Strike genannt wird,
- eine festgelegte Quantität des Underlyings (bei Aktienoptionen sind das im Allgemeinen 100 Aktien), die bei Ausübung zum Strike-Preis geliefert oder übernommen werden kann.
Wie funktioniert der Handel mit Aktienoptionen?
Aktienoptionen sind Termingeschäfte, die zwischen zwei Parteien, dem Stillhalter (Verkäufer) und dem Inhaber (Käufer) vereinbart werden. Der Stillhalter erhält zu Beginn des Termingeschäfts die sogenannte Optionsprämie vom Inhaber, im Tausch gegen die Aktienoption. Fortan ist der Stillhalter verpflichtet, dem Inhaber die vereinbarte Leistung bei Ausübung zu gewähren, sofern dieser das möchte.
- Die Ausübung macht für den Optionskäufer wirtschaftlich in der Regel nur Sinn, wenn sich die Aktienoption In The Money (im Geld) befindet.
- Entsprechend möchte der Stillhalter, dass die Aktienoption wertlos verfällt, da er so die komplette Optionsprämie vereinnahmen kann.
Dabei gilt es zu beachten, dass dem Inhaber der Aktienoption ein Wahlrecht eingeräumt wird. Entscheidet sich der Inhaber für die Ausübung der Aktienoption, dann besteht für den Stillhalter die bindende Verpflichtung zur Erbringung der vereinbarten Leistung. Aus diesem Grund handelt es sich bei Aktienoptionen um bedingte Termingeschäfte.
Haupttypen von Optionen
Es gibt zwei Typen von Aktienoptionen bzw. Optionen im Allgemeinen, aus denen gewählt werden kann: Die Put-Option wird auch als Verkaufsoption oder Put bezeichnet, während die Call-Option auch Kaufoption oder Call genannt wird.
Nachfolgend wird der Sachverhalt in tabellarischer Form dargestellt.
| Call-Aktienoption (Kaufrecht) | Put-Aktienoption (Verkaufsrecht) |
|---|---|
Dem Inhaber wird das Recht eingeräumt
|
Dem Inhaber wird das Recht eingeräumt
|
Die vier möglichen Grundpositionen einer Aktienoption
Beim Handel mit Optionen kann jede Partei entweder als Käufer (Inhaber) oder Verkäufer (Stillhalter) auftreten kann. Aktienoptionen können also initial gekauft (Long-Position) oder verkauft werden (Short-Position). Es ergeben sich somit vier mögliche Positionen, die sich jeweils anders in Bezug auf das Verhalten des Basiswerts verhalten.
Erläuterung der grundlegenden Positionen von Aktienoptionen
- Long Call
- Kauf eines Calls, der dem Käufer das Recht einräumt, eine Aktie während einer bestimmten Laufzeit bzw. bei Fälligkeit zu einem festgelegten Preis zu kaufen.
- Ein Long Call profitiert von steigenden Kursen.
- Long Put
- Kauf eines Puts, der dem Käufer das Recht einräumt, eine Aktie während einer bestimmten Laufzeit bzw. bei Fälligkeit zu einem festgelegten Preis zu verkaufen.
- Ein Long Put profitiert von fallenden Kursen.
- Short Call
- Verkauf eines Calls, der den Stillhalter verpflichtet, bei Ausübung eine Aktie zu einem festgelegten Preis zu verkaufen.
- Ein Short Call profitiert von stagnierenden oder fallenden Kursen.
- Short Put
- Verkauf eines Puts, der den Stillhalter verpflichtet, bei Ausübung eine Aktie zu einem festgelegten Preis zu kaufen.
- Ein Short Put profitiert von stagnierenden oder steigenden Kursen.
Fortgeschrittene Anleger kombinieren Optionen außerdem zu Optionsspreads. Mehr zu den verschiedenen Handelsmöglichkeiten steht im Artikel Optionsstrategien.
Ausübungspreis und Beispiele
Der Ausübungspreis einer Aktienoption, der in der Fachsprache Strike genannt wird, gibt an, zu welchem Preis das zugrundeliegende Underlying im Fall der Ausübung erworben oder veräußert werden kann.
Ob eine Aktienoption einen tatsächlichen inneren Wert besitzt, hängt von der Differenz zwischen Strike und aktuellem Kurs des Underlyings ab. Nachfolgend soll dies anhand von zwei Beispielen verdeutlicht werden.
Strike und Call-Preis
Call-Aktienoptionen besitzen immer dann einen sogenannten inneren Wert, wenn der Aktienkurs über dem Strike des Calls notiert.
Beispiel: Ausübung eines Aktiencalls
Angenommen, der Strike des Calls liegt bei 100 EUR und der Aktienkurs bei 120 EUR, beträgt der innere Wert des Calls 20 EUR.
Übt der Inhaber den Call aus, kann er 100 Aktien zum Preis von 100 EUR je Aktie per physischer Lieferung vom Stillhalter beziehen. Im Depot werden ihm somit 100 Aktien eingebucht, für die er insgesamt 10.000 EUR zahlt.
Da der aktuelle Marktpreis 120 EUR beträgt, ergibt sich ein Buchgewinn von 2.000 EUR abzüglich der gezahlten Optionsprämie. Ein Barausgleich erfolgt nur, wenn die jeweilige Option entsprechend ausgestaltet ist.
Strike und Put-Preis
Put-Aktienoptionen besitzen entsprechend immer dann einen inneren Wert, wenn der Aktienkurs unter dem Strike des Puts notiert.
Beispiel: Ausübung eines Aktienputs
Angenommen, der Strike des Puts liegt bei 90 EUR und der Aktienkurs bei 80 EUR, beträgt der innere Wert des Puts 10 EUR.
Bei Ausübung kann der Inhaber die Aktie für 80 EUR am Markt kaufen und sie für 90 EUR an den Stillhalter verkaufen. Die Differenz von 10 EUR pro Aktie stellt den Gewinn dar, abzüglich der gezahlten Optionsprämie.
Stile und Ausübungsmodalitäten
Aktienoptionen lassen sich hinsichtlich der Ausübungsmöglichkeit in zwei sogenannte Stile einteilen.
- Aktienoptionen, die während der gesamten Laufzeit ausgeübt werden können, bezeichnet man als amerikanische Optionen.
- Ist die Ausübung ausschließlich bei Fälligkeit möglich, spricht man von europäischen Optionen.
Viele börsengehandelte Aktienoptionen, insbesondere im US-Markt, sind amerikanischen Ausübungstyps. Amerikanische Optionen werden jedoch häufig nicht vor ihrem Verfallstag ausgeübt. Der Grund dafür ist, dass der Inhaber sonst den zusätzlichen Wert der Restlaufzeit (Zeitwert) verlieren würde, den er nur durch den Verkauf der Option realisieren kann. In bestimmten Fällen kann eine vorzeitige Ausübung dennoch sinnvoll sein, etwa bei tief im Geld liegenden Optionen mit geringem Zeitwert oder rund um Dividendentermine.
Vorteile von Aktienoptionen
Aktienoptionen als Vergütung
Aktienoptionen können Mitarbeitern börsennotierter Unternehmen als Teil der Vergütung oder Bonuszahlung gewährt werden. Sie ermöglichen die Teilnahme an steigenden Aktienkursen und schaffen Anreize für den Unternehmenserfolg. Mitarbeiteroptionen unterliegen jedoch meist Vesting- und Sperrfristen und unterscheiden sich von standardisierten Börsenoptionen.
Absicherung von Positionen
Aktienoptionen eignen sich zur Depotabsicherung (Hedging). Put-Optionen können Long-Positionen schützen, während Calls zur Absicherung von Short-Positionen genutzt werden. Für den Schutz fällt eine Optionsprämie an. Da ein Optionskontrakt in der Regel 100 Aktien umfasst, sollte die passende Hedge Ratio berücksichtigt werden.
Handel und Zusatzerträge
Viele Anleger nutzen Aktienoptionen, um von steigenden oder fallenden Kursen zu profitieren. Dank der Hebelwirkung ist dafür oft weniger Kapital erforderlich als beim direkten Aktienkauf, was sowohl Gewinn- als auch Verlustchancen erhöht.
Darüber hinaus lassen sich mit Strategien wie Covered Calls oder Cash-Secured Puts zusätzliche Prämieneinnahmen erzielen. Diese können Dividenden und Kursgewinne ergänzen und sich auch für langfristig orientierte Anleger eignen.
Risiken und Nachteile von Aktienoptionen
Im Allgemeinen besteht ein Risiko darin, dass sich der Aktienkurs nicht wie erwartet entwickelt. Aufgrund der Hebelwirkung können die Verluste – je nach gewählter Optionsposition – entsprechend überproportional hoch ausfallen.
- Wurde eine Aktienoption initial gekauft, liegt das Risiko für den Inhaber im wertlosen Verfall der Aktienoption. In diesem Fall würde der Inhaber Kapital in Höhe der gezahlten Optionsprämie verlieren.
- Beim initialen Verkauf einer Aktienoption, also beim Agieren als Stillhalter, ist das Risiko dagegen wesentlich höher.
Zusammenfassung der Begriffe
Nachfolgend soll in tabellarischer Form eine Übersicht über die wichtigsten Terme beim Handel mit Aktienoptionen gegeben werden. Zu beachten ist, dass es sich um grobe Kurzerklärungen handelt. Für weiterführende Informationen sollten die entsprechenden Artikel zu den Begrifflichkeiten gelesen werden.
| Begriff | Erklärung |
|---|---|
| Amerikanische Option | Option, die theoretisch jederzeit während der Laufzeit ausgeübt werden kann |
| Broker | Vermittler für Börsengeschäfte |
| Delta | Kennzahl, die misst, wie stark sich eine Option im Verhältnis zum Basiswert verändert |
| Derivat | Finanzinstrument, dessen Wert von einem anderen Wertpapier abgeleitet wird |
| Emittent | Herausgeber eines Finanzinstruments; bei börsengehandelten Optionen ist der Begriff nur eingeschränkt passend, da diese durch Käufer und Stillhalter gehandelt bzw. geschrieben werden |
| emittieren | Die Herausgabe eines Finanzinstruments, bei börsengehandelten Optionen spricht man eher vom Schreiben einer Option durch den Stillhalter |
| Europäische Option | Option, die nur bei Fälligkeit ausgeübt werden kann |
| Innerer Wert | Wert, der sich aus der positiven Differenz zwischen Aktienkurs und Ausübungspreis ergibt; bei Calls entspricht er dem Aktienkurs abzüglich Strike, bei Puts dem Strike abzüglich Aktienkurs |
| Kontraktgröße | Gibt an, auf wie viele Anteile des Underlyings sich eine Option bezieht (bei Aktienoptionen normalerweise 100 Aktien) |
| Leverage-Effekt | Implizite Hebelwirkung eines Finanzinstruments |
| Margin | Zu hinterlegende Sicherheitsleistung beim Broker |
| Optionsprämie | Der Marktpreis einer Option; sie wird vom Käufer gezahlt und vom Stillhalter vereinnahmt |
| Stillhalter | Verkäufer einer Option |
| Strike | Ausübungspreis einer Option |
| Underlying | Der Basiswert einer Option (bspw. eine Aktie) |
Häufige Fragen
Was ist eine Aktienoption?
Eine Aktienoption ist ein Derivat, das dem Inhaber das Recht gibt, eine bestimmte Aktie zu einem festgelegten Preis innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put).
Was ist eine Call-Aktienoption?
Eine Call-Aktienoption gewährt dem Inhaber das Recht, das zugrundeliegende Underlying zu kaufen. Wird der Call ausgeübt, muss der Stillhalter eine definierte Stückzahl, in diesem Fall 100 Aktien, zu einem festgelegten Preis an den Inhaber liefern.
Eine Ausübung des Calls macht wirtschaftlich nur Sinn, wenn der Aktienkurs über dem sogenannten Break-even Point (Gewinnschwelle) des Call-Inhabers liegt. Der Break-even Point berechnet sich, indem zum Strike des Calls die gezahlte Optionsprämie addiert wird.
Was ist eine Put-Aktienoption?
Eine Put-Aktienoption gewährt dem Inhaber das Recht, das zugrundeliegende Underlying zu verkaufen. Wird der Put ausgeübt, muss der Stillhalter eine definierte Stückzahl, in diesem Fall 100 Aktien, zu einem festgelegten Preis vom Inhaber abnehmen.
Eine Ausübung macht wirtschaftlich nur Sinn, wenn der Aktienkurs unter dem sogenannten Break-even Point (Gewinnschwelle) des Put-Inhabers liegt. Der Break-even Point berechnet sich, indem vom Strike des Puts die gezahlte Optionsprämie subtrahiert wird.
Was ist der Unterschied zwischen Aktienoptionen und Optionsscheine auf Aktien?
Der Unterschied zwischen Aktienoptionen und Optionsscheinen liegt darin, dass Aktienoptionen standardisierte, an Terminbörsen gehandelte Derivate sind, während Optionsscheine von Banken emittierte, nicht standardisierte Produkte sind, die außerbörslich gehandelt werden.
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