Single Stock Futures (Aktienfutures) – Erklärung & Beispiel

Autor: Pit Wilkens Inhaltlich geprüft von: Philipp Berger

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Single Stock Futures – Definition

Single Stock Futures sind Terminkontrakte mit einer Aktie als Basiswert. Diese Kontrakte verpflichten beide Handelsparteien (Käufer und Verkäufer), am Fälligkeitstag eine bestimmte Anzahl von Aktienanteilen zu einem im Voraus festgelegten Preis zu kaufen bzw. zu liefern. Je nach Kontrakt kann die Erfüllung durch physische Lieferung oder per Barausgleich erfolgen.

Hinweis: Single Stock Futures sind nicht zu verwechseln mit Aktienindex-Futures. Ein Single Stock Future bezieht sich auf die Aktie eines einzelnen Unternehmens, während ein Aktienindex-Future die Entwicklung eines gesamten Aktienindexes, wie etwa des DAX oder des S&P 500, abbildet.

Wo werden Single Stock Futures gehandelt?

Single Stock Futures werden an Terminbörsen gehandelt. In Europa zählt die EUREX weiterhin zu den wichtigsten Handelsplätzen und bietet ein breites Sortiment an Kontrakten auf Einzelaktien aus mehreren Ländern.

Nachdem der Handel mit US-amerikanischen Single-Stock-Futures im September 2020 beendet wurde, gewinnt das Thema auch in den USA wieder an Aufmerksamkeit.

Die CME Group kündigte im Februar 2026 an, im Sommer 2026 neue bar erfüllte Single Stock Futures auf mehr als 50 große US-Aktien einführen zu wollen, darunter Alphabet, Meta, NVIDIA und Tesla. Damit könnte sich der Markt für Aktienfutures in den USA nach Jahren geringer Bedeutung wieder beleben.

Single Stock Futures im Überblick

Bei Single Stock Futures handelt es sich um ein standardisiertes Finanzprodukt. Wesentliche Eigenschaften der Kontrakte sind damit von der Terminbörse vorgegeben. Dies soll die Liquidität der Futures erhöhen und sich insgesamt positiv auf den Handel auswirken.

Folgende Merkmale hat beispielsweise ein Aktienfuture, der an der EUREX gehandelt wird.

Eigenschaften von Single Stock Futures
Basiswert Aktie
Verfallsdatum standardisierte monatliche Fälligkeiten, je nach Börse und Produkt zusätzlich Jahresfälligkeiten
Kontraktgröße je nach Titel z. B. 10, 100 oder 1.000 Aktien, in Sonderfällen 1 Aktie
Letzter Handelstag häufig der dritte Freitag des Verfallsmonats; Abweichungen möglich
Lieferart je nach Kontrakt Barausgleich oder physische Lieferung; für ausgewählte Titel existieren teils getrennte Produktvarianten
Handelszeiten produkt-, börsen- und underlyingabhängig; maßgeblich sind die aktuellen Produktspezifikationen der jeweiligen Terminbörse

Hinweis: Jede Terminbörse kann Futures mit eigenen Eigenschaften aufsetzen. Daher können sich die Kontraktgröße, die Lieferart, die Handelszeiten und andere Parameter unterscheiden, wenn die Futures an verschiedenen Börsen gehandelt werden.

Margin im Handel mit Aktienfutures

EUREX Clearing kalkuliert die erforderliche Initial Margin (IM) für jeden Single Stock Future täglich mit dem risikobasierten PRISMA-Modell. Der Satz ist also dynamisch und hängt unter anderem von Volatilität, Konzentrations- und Event-Risiken (z. B. Kapitalmaßnahmen) sowie der Liquidität der jeweiligen Aktie ab.

Typische Bandbreite (Richtwerte):

  • Liquide Blue Chips: ≈ 10 – 15 % des Kontraktwerts
  • Mittelgroße bzw. volatilere Titel: ≈ 20 – 30 %
  • Spezialfälle / Corporate-Action-Szenarien: > 30 %

Die Futures-Margin wird regelmäßig neu berechnet und über die Variation Margin (VM) laufend ausgeglichen. Sinkt die Kontodeckung unter das geforderte Niveau, kommt es zu einem Margin Call bzw. zur automatischen Schließung der Position.

Beispiel für eine Margin bei Aktienfutures
Zeitpunkt Kurs × Kontraktgröße angenommener IM-Satz 15 % erforderliche IM
Eröffnung 40 EUR × 100 = 4.000 EUR 15 % 600 EUR
nach Kursanstieg auf 42 EUR 42 EUR × 100 = 4.200 EUR 15 % 630 EUR
  • Long-Seite: 200 EUR Buchgewinn, aber 30 EUR zusätzliche IM nötig.
  • Short-Seite: 200 EUR VM-Nachschuss + 30 EUR höhere IM = 230 EUR Nachzahlung.

Das Beispiel zeigt, dass Margin-Pflichten laufend schwanken. Händler müssen ihre Futures-Positionen deshalb eng überwachen.

Hinweis: Für Privatanleger mit Wohnsitz in Deutschland gelten seit dem 1. Januar 2023 besondere Schutzvorgaben der BaFin gegen unbegrenzte Verluste im Futures-Handel. Außerhalb Deutschlands kann die Handhabung von Nachschüssen und Margin Calls abweichen.

Hedging mit Single Stock Futures

Aktienfutures können von Anlegern zur Absicherung (Hedging) bestehender Positionen genutzt werden. Dabei sichert der Inhaber einer Aktienposition das Kursrisiko ab, indem er eine entgegengesetzte Position in einem entsprechenden Aktienfuture eingeht.

  • Eine Long-Position (Kauf von Aktien) wird durch den Verkauf eines Single Stock Futures abgesichert.
  • Eine Short-Position (Verkauf von geliehenen Aktien) durch den Kauf des passenden Aktienfutures.

Damit Kursschwankungen möglichst vollständig kompensiert werden, muss die Anzahl der gehaltenen Aktien zur Kontraktgröße des Futures passen.

Beispiel für ein Hedging mit Single Stock Futures

Ein Investor hält 100 Aktien, die er zu je 30 EUR gekauft hat. Der aktuelle Kurs liegt bei 40 EUR – ein unrealisierter Gewinn von 10 EUR pro Aktie. Da bald eine Dividende ausgezahlt wird, plant er, die Aktien noch zwei Monate zu halten.

Um sich in dieser Zeit gegen Kursverluste abzusichern, verkauft er einen Short Single Stock Future mit einem Futurespreis von 40 EUR. Ein Kursrückgang würde in diesem Fall grundsätzlich durch Gewinne aus dem Future kompensiert. Der aktuelle Kursbereich um 40 EUR ist damit weitgehend abgesichert.

Nach dem Dividendentermin kann der Investor den Future glattstellen und die ursprüngliche Long-Position weiterführen oder auflösen.

Hinweis: In der Praxis ist eine Absicherung nur dann wirklich effizient, wenn der gewählte Future ausreichend liquide ist. Zusätzlich können Basis-, Dividenden- und Carry-Effekte zu kleineren Abweichungen führen.

Beispiel: So funktioniert der Handel mit einem Single Stock Future

Ein Händler kauft einen Single Stock Future (einen Terminkontrakt auf 100 Aktien) zu einem Kurs von 30 EUR pro Aktie. Bei einer angenommenen Initial Margin von 450 EUR muss er dafür nicht den vollen Kontraktwert von 3.000 EUR (30 EUR × 100 Aktien) zahlen, sondern nur die Sicherheitsleistung hinterlegen.

  • Kurs steigt: Der Aktienkurs steigt auf 36 EUR. Damit steigt auch der Wert des Futures näherungsweise um 6 EUR je Aktie, also um 600 EUR insgesamt bei einem Einsatz von nur 450 EUR. Das entspricht – bezogen auf die hinterlegte Initial Margin – einer Rendite von 133 %.
  • Kurs fällt: Ein Rückgang um 4,50 EUR je Aktie entspräche bereits einem Verlust von 450 EUR und damit der Höhe der hinterlegten Initial Margin. Bei noch stärkeren Kursbewegungen kann es zu Nachschüssen oder einer automatischen Glattstellung kommen.

Beim Direktkauf von 100 Aktien für 3.000 EUR wäre bei einem Kursanstieg auf 36 EUR ebenfalls ein Gewinn von 600 EUR entstanden, was einer Rendite von 20 % entspricht. Diese fällt deutlich geringer aus als die Rendite auf die hinterlegte Margin beim Future – allerdings ist auch das Verlustrisiko beim Einsatz von Hebel deutlich höher.

Vorteile von Aktienfutures

Single Stock Futures bieten gegenüber dem Handel mit einer Aktie eine Reihe von Vorteilen.

  • Hebelwirkung: Die Marginanforderungen bei Aktienfutures fallen niedriger aus als bei einem Direktkauf der Aktie. Neben einer potenziellen Erhöhung der Rendite kann ein Händler mit dem gleichen Kapital mehr Kontrakte handeln.
  • Unkompliziertes Shorten: Short-Positionen können gegenüber dem Leerverkauf einer Aktie mit Single Stock Futures vergleichsweise einfach eingegangen werden. Zudem ist es oft weniger kostspielig und operativ einfacher, eine bestehende Position wieder aufzulösen.
  • Flexibilität: Single Stock Futures sind ein flexibles Kapitalmarktinstrument, das zum Spekulieren, Hedgen oder als Teil verschiedener Handelsstrategien eingesetzt werden kann.

Nachteile und Risiken

Gleichzeitig sind Händler von Aktienfutures zusätzlichen Risiken ausgesetzt, die beim direkten Aktienbesitz so nicht in derselben Form auftreten.

  • Margin Call: Viele Broker beenden Positionen automatisch, wenn das Konto nicht mehr ausreichend gedeckt ist. Dennoch können zusätzliche Zahlungsverpflichtungen nicht in jedem Fall ausgeschlossen werden.
  • Kein Aktienbesitz: Dem Inhaber von Single Stock Futures stehen keine Aktionärsrechte zu. Der Käufer eines Futures hat daher weder Anspruch auf eine direkte Dividende noch ein Stimmrecht auf der Hauptversammlung. Dividendenerwartungen werden stattdessen typischerweise im Futurespreis berücksichtigt.
  • Corporate Actions: Bei Aktiensplits, Kapitalerhöhungen, Sonderdividenden oder anderen Kapitalmaßnahmen können Kontraktgröße, Preisreferenz oder andere Vertragsmerkmale angepasst werden.
  • Zeitaufwand: Aufgrund des Risikos eines Margin Calls und kurzfristiger Preisänderungen erfordern Aktienfutures ein enges Monitoring. Sie sollten daher regelmäßig überwacht werden. Dies kann einen erhöhten Zeitaufwand für den Händler bedeuten.
  • Liquiditätsrisiko: Nicht jeder Single Stock Future wird gleich aktiv gehandelt. Geringe Liquidität kann zu größeren Spreads, schlechterer Ausführung und höheren Rollkosten führen.

Single Stock Futures vs. Optionen

Futures und Optionen zählen beide zu den Derivaten und beruhen auf einem ähnlichen Grundprinzip. Sie unterscheiden sich jedoch in mehreren wesentlichen Punkten. Ein Single Stock Future ist daher nicht mit einer Aktienoption gleichzusetzen.

Die wichtigsten Unterschiede im Überblick:

  • Ausübungsrecht:
    • Optionen sind bedingte Terminkontrakte. Der Käufer einer Option hat das Recht, aber nicht die Pflicht, das Optionsgeschäft auszuüben. Der Verkäufer (Stillhalter) ist hingegen zur Erfüllung verpflichtet, wenn der Käufer sein Recht wahrnimmt.
    • Futures sind dagegen unbedingte Terminkontrakte: Beide Vertragsparteien sind zur Erfüllung verpflichtet.
  • Preisbildung:
  • Kursentwicklung:
    • Mit Optionen können auch dann Gewinne erzielt werden, wenn sich der Kurs des Basiswerts kaum verändert – etwa im Rahmen von Stillhalterstrategien.
    • Ein Aktienfuture reagiert dagegen primär auf Bewegungen des Basiswerts. Bei ansonsten seitwärts laufendem Kassakurs fallen mögliche Preisveränderungen meist deutlich geringer aus als bei Optionen.
  • Margin:
    • Beim Kauf von Optionen ist in der Regel keine Margin erforderlich. Der Stillhalter muss hingegen eine Sicherheitsleistung hinterlegen.
    • Bei Futures müssen beide Vertragsparteien eine Margin einzahlen, da beide zur Vertragserfüllung verpflichtet sind.
  • Vergütung:
    • Optionen werden mit einer Prämie gehandelt, die der Käufer an den Verkäufer zahlt – als Entschädigung für das eingegangene Risiko.
    • Bei Futures entfällt eine solche Prämie, da beide Seiten gleichermaßen verpflichtet sind. Stattdessen ist lediglich die Stellung einer Sicherheitsleistung erforderlich.

Geschichte der Single Stock Futures

In Europa wurden moderne Single Stock Futures im Januar 2001 zunächst an der LIFFE eingeführt. Euronext übernahm LIFFE im Dezember 2001. An der EUREX startete der Handel mit Aktienfutures am 24. Oktober 2005.

Mit der Eröffnung von OneChicago wurde am 8. November 2002 erstmals der regulierte Handel mit Single Stock Futures in den USA ermöglicht. Zuvor waren diese dort aufgrund regulatorischer Unsicherheiten nicht handelbar. Der Handel mit US-amerikanischen Single Stock Futures endete schließlich im September 2020 mit der Schließung von OneChicago.

Häufige Fragen

Wie erkennt man, ob ein Single Stock Future ausreichend liquide ist?

Wichtige Anhaltspunkte sind Handelsvolumen, Open Interest und ein möglichst enger Bid-Ask-Spread.

Was passiert mit einem Single Stock Future bei einem Aktiensplit oder einer Sonderdividende?

In solchen Fällen passt die Terminbörse den Kontrakt in der Regel so an, dass sein wirtschaftlicher Wert möglichst unverändert bleibt.

Gibt es aktuell auch in den USA wieder Single Stock Futures?

Die CME Group hat im Februar 2026 die Einführung von Single-Stock-Futures auf über 50 US-Aktien angekündigt. Die Produkte sollen im Sommer 2026 auf den Markt kommen, vorbehaltlich der erforderlichen regulatorischen Freigaben.

Welche Kontraktdetails sollte man vor dem Handel prüfen?

Vor dem Handel mit Single Stock Futures sollten insbesondere Kontraktgröße, Tick Size, Fälligkeit, Tick Value, Settlement-Art und die Methode zur Preisfeststellung geprüft werden.

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