Optionen auf Futures – Erklärung & Beispiel
Optionen auf Futures (auch: Futures-Optionen oder FOP, englisch: Options on Futures) ähneln in ihrer Struktur den herkömmlichen Optionen auf Aktien. Der wesentliche Unterschied besteht im zugrundeliegenden Basiswert. Futures-Optionen beziehen sich auf einen bestimmten Future-Kontrakt, während Aktienoptionen auf der entsprechenden Aktie basieren.
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Optionen auf Futures – Definition
Eine Option auf Futures gibt dem Inhaber das Recht, einen definierten Future bzw. Terminkontrakt zu einem vorab festgelegten Preis (Strike) je nach Ausübungsart entweder jederzeit bis einschließlich des Verfalltags (American Style) oder nur am Verfalltag (European Style) zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put).
Der Optionskäufer hat das Recht, aber nicht die Pflicht, zum Kauf oder Verkauf des Basiswerts (Underlying) besitzt. In der Fachsprache wird hier auch vom sog. Optionsrecht gesprochen. Dieses Optionsrecht bezieht sich auf den jeweiligen Futures-Kontrakt.
Wie funktionieren Future-Optionen?
Eine Option auf Futures ist als Derivat eines Derivats zu verstehen. Eine Option auf einen S&P 500 Futures-Kontrakt kann beispielsweise als sekundäres Derivat des S&P 500 Index angesehen werden. Der Futures-Kontrakt selbst ist dabei das primäre Derivat des Index.
Daher sind bei Optionen auf Futures mehr Variablen zu berücksichtigen, da sowohl die Option als auch der Futures-Kontrakt eigene Fälligkeiten besitzen und eigene Produktprofile haben. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sich auch die Hebelwirkungen der Derivate gegenseitig aufaddieren.
- Wird ein Call auf Futures ausgeübt, entsteht in der Regel eine Long-Position im zugrunde liegenden Future.
- Wird ein Put auf Futures ausgeübt, entsteht entsprechend eine Short-Position im zugrunde liegenden Future.
Die Futures-Option selbst kann der Inhaber während der Handelszeiten grundsätzlich durch ein Gegengeschäft veräußern bzw. glattstellen, sofern ausreichend Liquidität vorhanden ist.
Bekannte Futures-Optionen
Die bekanntesten Optionen auf Futures beziehen sich typischerweise auf liquide Terminmärkte wie Aktienindizes, Edelmetalle, Energie, Agrarrohstoffe, Währungen oder Zinsen. Daneben gibt es in einigen Märkten kleinere Micro Futures, die geringere Kapital- und Marginanforderungen stellen können.
Die folgende Tabelle bietet einen Überblick über bekannte Futures-Optionen.
| Basiswert / Markt | Futures-Option | Zugrunde liegender Future | Kleinere Variante |
|---|---|---|---|
| S&P 500 | Optionen auf E-Mini S&P 500 Futures | E-Mini S&P 500 Futures (ES) | Micro E-Mini S&P 500 Futures (MES) |
| Nasdaq 100 | Optionen auf E-Mini Nasdaq-100 Futures | E-Mini Nasdaq-100 Futures (NQ) | Micro E-Mini Nasdaq-100 Futures (MNQ) |
| Dow Jones | Optionen auf E-Mini Dow Jones Futures | E-Mini Dow Jones Futures (YM) | Micro E-Mini Dow Jones Futures (MYM) |
| Gold | Gold-Future-Optionen (OG) | Gold Futures (GC) | Micro Gold Futures (MGC) |
| Silber | Silber-Future-Optionen (SO) | Silver Futures (SI) | Micro Silver Futures (SIL) |
| WTI Rohöl | Optionen auf WTI Crude Oil Futures | WTI Crude Oil Futures (CL) | Micro WTI Crude Oil Futures (MCL) |
| Erdgas | Optionen auf Henry Hub Natural Gas Futures | Natural Gas Futures (NG) | Micro Henry Hub Natural Gas Futures (MNG) |
| Mais | Optionen auf Corn Futures | Corn Futures (ZC) | Mini Corn Futures (XC) |
| EUR/USD | Optionen auf Euro FX Futures | EUR/USD Futures (6E) | Micro EUR/USD Futures (M6E) |
| 10-Year U.S. Treasury Note | Optionen auf 10-Year T-Note Futures | 10-Year T-Note Futures (ZN) | – |
Beispiel – Optionen auf E-Mini S&P 500 Futures
Nachfolgend soll die Funktionsweise anhand einer E-Mini S&P 500 Futures-Option erläutert werden. Der E-Mini S&P 500 Future weist eine Kontraktgröße von 50 USD pro Indexpunkt auf. Der Kontraktwert ergibt sich aus dem jeweiligen Futureskurs multipliziert mit 50 USD.
Kapitalbindung und Margin beim direkten Futures-Handel
Angenommen, der relevante E-Mini S&P 500 Futures-Kontrakt steigt um 1 %, also von 4.000 Punkten auf 4.040 Punkte. Demnach würde der Kontraktwert des E-Mini-Futures-Kontrakts auf 202.000 USD ansteigen, was einer absoluten Steigerung von 2.000 USD entspricht.
Da die erforderliche Margin, um den E-Mini zu handeln, in diesem vereinfachten Beispiel 10.000 USD beträgt, würde diese Kurssteigerung von 2.000 USD einer rechnerischen Veränderung von 20 % bezogen auf die hinterlegte Margin entsprechen.
| Berechnung | Wert |
|---|---|
| Kontraktwert zu Beginn: 4.000 Punkte × 50 USD | 200.000 USD |
| Kontraktwert nach Kursanstieg: 4.040 Punkte × 50 USD | 202.000 USD |
| Absolute Veränderung des Futures-Kontrakts | + 2.000 USD |
| Angenommene Margin | 10.000 USD |
| Rechnerische Rendite bezogen auf die Margin | 20 % |
Kapitalbindung bei Optionen auf Futures
Betrachtet man nun den gleichen Fall für eine Option auf Futures, dann würde sich folgendes Ergebnis darstellen lassen.
Angenommen, der relevante E-Mini S&P 500 Futures-Kontrakt notiert bei 4.000 Punkten und eine Call-Option auf diesen Future besitzt einen Strike von 4.010 Punkten mit einer Laufzeit von zwei Wochen. Der Preis der Futures-Option soll 15 Indexpunkte betragen.
In diesem Fall müsste ein Käufer dieser Futures-Option bei einer klassischen, im Voraus zu zahlenden Optionsprämie keine 10.000 USD als Margin auf seinem Konto hinterlegen, sondern zunächst lediglich die Optionsprämie zuzüglich möglicher Gebühren zahlen.
Wie bereits dargestellt, besitzt ein E-Mini S&P 500 Futures-Kontrakt einen Multiplier von 50 USD pro Indexpunkt. Entsprechend beläuft sich die Optionsprämie, die der Käufer im Beispiel zahlt, auf 750 USD (15 Indexpunkte x 50 USD).
Folge: Die anfängliche Liquiditätsbelastung bei einer gekauften Option auf den E-Mini S&P 500 Futures fällt in diesem Beispiel knapp 93 % geringer aus als die angenommene Margin für den direkten Handel des E-Mini S&P 500 Futures.
| Position | Basiswert | Strike-Preis | Laufzeit | Wert |
|---|---|---|---|---|
| Long Call | E-Mini S&P 500 Future | 4.010 Punkte | 2 Wochen | 15 Punkte Prämie |
| Multiplier | 50 USD je Indexpunkt | |||
| Gezahlte Optionsprämie: 15 Punkte × 50 USD | – 750 USD | |||
| Angenommene Margin beim direkten Futures-Handel | 10.000 USD | |||
| Anfängliche Liquiditätsbelastung gegenüber Futures-Margin | ca. 93 % geringer | |||
Renditevergleich: Futures-Option vs. Future
Obwohl der Futures-Option der gleiche Multiplikator wie dem Futures-Kontrakt zugrunde liegt (50 USD pro Indexpunkt), kann die Hebelwirkung in Bezug auf den anfänglichen Kapitaleinsatz erheblich höher ausfallen.
Ausgehend vom zuvor dargestellten Fall, in dem der relevante E-Mini-S&P-500-Futures-Kontrakt um 1 % von 4.000 Punkten auf 4.040 Punkte steigt, würde die Futures-Option bei Fälligkeit einen inneren Wer von 30 Indexpunkten besitzen (der Strike liegt bei 4.010 Punkten). Der Optionswert läge damit bei Fälligkeit bei 1.500 USD (30 Indexpunkte x 50 USD). Abzüglich der gezahlten Prämie von 750 USD ergäbe sich ein Gewinn von 750 USD. Diese Wertsteigerung wäre absolut betrachtet um 1.250 USD geringer als beim direkten Kauf des Futures-Kontrakts.
Der Break-even der Call-Option läge in diesem vereinfachten Beispiel ohne Transaktionskosten bei 4.025 Punkten (Strike von 4.010 Punkten plus gezahlte Prämie von 15 Indexpunkten). Erst oberhalb dieses Niveaus würde für den Käufer ein Gewinn entstehen.
Bezogen auf die eingesetzte Optionsprämie bzw. die angenommene Futures-Margin würde die prozentuale Rendite der Futures-Option 100 % betragen, während die Rendite des Futures-Kontrakts rechnerisch bei 20 % läge.
| Berechnung | Futures-Option | Direkter Future |
|---|---|---|
| Futureskurs zu Beginn | 4.000 Punkte | 4.000 Punkte |
| Futureskurs bei Fälligkeit / nach Kursanstieg | 4.040 Punkte | 4.040 Punkte |
| Strike-Preis der Call-Option | 4.010 Punkte | – |
| Innerer Wert bei Fälligkeit | 30 Punkte | 40 Punkte Kursgewinn |
| Wertveränderung vor Prämie / Margin-Bezug | 1.500 USD | 2.000 USD |
| Gezahlte Optionsprämie | – 750 USD | – |
| Gewinn im Beispiel | + 750 USD | + 2.000 USD |
| Bezugsgröße | 750 USD Optionsprämie | 10.000 USD Margin |
| Rechnerische Rendite | 100 % | 20 % |
Zur Erinnerung: In beiden Betrachtungen ist der Futures-Kontrakt lediglich um 1 % gestiegen.
Hinweis zu Optionsverkäufern
Die vorstehenden Beispiele beziehen sich auf den Kauf einer Futures-Option. Verkäufer bzw. Stillhalter von Optionen auf Futures haben ein anderes Risikoprofil. Sie vereinnahmen zwar die Optionsprämie, müssen in der Regel jedoch Margin hinterlegen und können Verluste erleiden, die deutlich über die vereinnahmte Prämie hinausgehen. Wird eine verkaufte Futures-Option ausgeübt oder zugeteilt, kann daraus ebenfalls eine Long- oder Short-Position im zugrunde liegenden Futures-Kontrakt entstehen.
Wichtige Kontraktspezifikationen bei Futures-Optionen
Futures-Optionen sind standardisierte Börsenprodukte. Die genauen Eigenschaften einer Option auf Futures ergeben sich aus den jeweiligen Kontraktspezifikationen. Diese können sich je nach Basiswert, Börse und Laufzeit deutlich unterscheiden.
Vor dem Handel sollten insbesondere folgende Merkmale geprüft werden:
- Underlying: Auf welchen Futures-Kontrakt bezieht sich die Option?
- Kontraktmultiplikator: Mit welchem Faktor wird der Optionspreis in den tatsächlichen Geldbetrag umgerechnet?
- Tick-Größe: In welchen Mindestschritten kann sich der Optionspreis bewegen?
- Laufzeit und letzter Handelstag: Bis wann kann die Option gehandelt werden?
- Ausübungsart: Handelt es sich um eine American-Style- oder European-Style-Option?
- Abwicklung: Erfolgt die Abwicklung durch eine Futures-Position oder per Barausgleich?
- Margining: Wird die Optionsprämie im Voraus gezahlt oder erfolgt eine tägliche Mark-to-Market-Abrechnung?
Diese Punkte sind besonders relevant, weil Futures-Optionen nicht nur von der Entwicklung des Basiswerts, sondern auch von den Regeln des jeweiligen Futures- und Optionskontrakts beeinflusst werden.
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