Optionskontrakt – Erklärung & Bedeutung

Autor: Pit Wilkens Inhaltlich geprüft von: Philipp-Malte Lingnau

Ein Optionskontrakt ist ein Finanzinstrument, das dem Inhaber das Recht einräumt, eine bestimmte Menge eines Basiswerts (bspw. einer Aktie) zu einem festgelegten Preis innerhalb eines definierten Zeitraums oder zu einem bestimmten Zeitpunkt zu kaufen oder zu verkaufen. Optionen können genutzt werden, um auf Kursentwicklungen zu spekulieren, Prämieneinnahmen zu erzielen oder bestehende Depotpositionen gegen mögliche Verluste abzusichern.

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Optionskontrakt – Definition

Ein börsengehandelter Optionskontrakt ist ein standardisierter Vertrag, der das Recht (aber nicht die Pflicht) verbrieft, einen bestimmten Basiswert zu einem bestimmten Preis (Strike) bis zu einem bestimmten Zeitpunkt oder an einem bestimmten Zeitpunkt zu kaufen oder zu verkaufen.

Je nach Kontraktspezifikation kann die Erfüllung durch physische Lieferung des Basiswerts oder per Barausgleich erfolgen. Aktienoptionen werden häufig physisch erfüllt, während viele Indexoptionen per Barausgleich abgerechnet werden.

Optionskontrakt und Bezugsverhältnis einer Option

Im Zusammenhang mit Optionen steht „Kontrakt” auch für eine handelsübliche, standardisierte Einheit. Beispiel: 1 Optionskontrakt auf eine Aktie mit Multiplikator 100 = das Recht auf den Handel von 100 Aktien.

Der Bezug von Aktien richtet sich nach der Anzahl der Optionskontrakte und der Größe des Multiplikators.
Der Bezug von Aktien richtet sich nach der Anzahl der Optionskontrakte und der Größe des Multiplikators.

Bestandteile einer Option

Ein Optionskontrakt setzt sich aus mehreren im Voraus festgelegten Bestandteilen zusammen.

  • Kontraktgröße: legt fest, auf welche Menge des Basiswerts sich ein einzelner Kontrakt bezieht. Beispielsweise entspricht eine Aktienoption 100 Aktien des jeweiligen Unternehmens. Die Kontraktgröße wird auch als Multiplikator bezeichnet.
  • Optionsart: Es gibt zwei grundlegende Arten von Optionen:
    • Call-Optionen gewähren dem Käufer das Recht, den Basiswert während der Laufzeit oder am Verfallstag zum festgelegten Preis zu kaufen. Der Wert einer Call-Option steigt in der Regel, wenn der Kurs des Basiswerts steigt.
    • Put-Optionen geben dem Käufer das Recht, den Basiswert zum vereinbarten Preis zu verkaufen. Sie gewinnen typischerweise an Wert, wenn der Kurs des Basiswerts fällt.
  • Verfallstag (Expiration Date): Er definiert den Zeitpunkt, bis zu dem oder an dem das Optionsrecht ausgeübt werden kann. Bei amerikanischen Optionen ist dies grundsätzlich jederzeit bis zum Verfallstag möglich, bei europäischen nur am Verfallstag selbst.
  • Strike-Preis (Ausübungspreis): Der Preis, zu dem der Basiswert gekauft (bei Calls) oder verkauft (bei Puts) werden kann. Er dient als Referenzwert zur Beurteilung, ob eine Option In The Money (ITM), Out of The Money (OTM) oder  At The Money (ATM) ist.

Aus diesen Hauptkomponenten ergibt sich die Optionsprämie – der Preis, den der Käufer für das Optionsrecht an den Verkäufer (auch Stillhalter genannt) zahlt. Die Prämie besteht aus innerem Wert und Zeitwert, bildet sich aus Angebot und Nachfrage an der Terminbörse und wird zusätzlich von Faktoren wie Kurs des Basiswerts, Volatilität und Restlaufzeit beeinflusst.

Das gilt es zu beachten beim Optionskontrakt

Die Hebelwirkung durch den Multiplikator eines Optionskontrakts ist sowohl für Käufer als auch für Verkäufer von zentraler Bedeutung.

Beim Optionskauf

Da ein Standardoptionskontrakt in der Regel 100 Einheiten des Basiswerts abbildet, kann die tatsächliche Investitionssumme bei Ausübung oder Zuteilung erheblich sein.

Beispiel: Eine Call-Option mit einem Strike von 100 EUR erfordert beim Kauf der zugrunde liegenden Aktien im Rahmen der Ausübung 10.000 EUR (100 EUR × 100 Aktien).

Bei Stillhaltergeschäfte

Auch Verkäufer (Stillhalter) tragen bedeutende Verpflichtungen. Anders als Käufer sind Stillhalter verpflichtet, den Basiswert zu kaufen (bei Put-Optionen) oder zu verkaufen (bei Call-Optionen), sofern der Käufer sein Optionsrecht ausübt und der Verkäufer zugeteilt wird.

Beispiel: Beim Verkauf einer physisch erfüllten Put-Option (Short Put) kann der Verkäufer bei Zuteilung verpflichtet sein, 100 Aktien zum Strike-Preis zu kaufen. Bei amerikanischen Optionen kann eine solche Zuteilung auch vor dem Verfall erfolgen. Bei einem Strike von 100 EUR entspricht das 10.000 EUR vor Berücksichtigung der erhaltenen Optionsprämie und möglicher Kosten.

Tipps zum Handel mit Optionskontrakten

  • Kontraktgröße genau prüfen: Standardmäßig bezieht sich eine Aktienoption häufig auf 100 Aktien.
    • Es gibt jedoch Ausnahmen: Je nach Börse und Basiswert können beispielsweise 1, 10, 100, 500, 1.000, 2.500 oder 5.000 Stücke pro Kontrakt vorgesehen sein.
    • Zudem können Kapitalmaßnahmen wie Aktiensplits oder Sonderdividenden die Kontraktgröße verändern. Vor dem Einstieg in den Handel ist es daher wichtig, die konkrete Kontraktgröße zu kennen – insbesondere bei ausländischen oder weniger bekannten Basiswerten.
  • Kapitalbedarf realistisch einschätzen: Der Strike-Preis (Ausübungspreis) bezieht sich immer auf eine Einheit des Basiswerts.
    • Um den tatsächlichen Geldbetrag zu berechnen, der bei Ausübung oder Zuteilung nötig wäre, multipliziert man den Strike-Preis mit der Kontraktgröße.
    • Beispiel: 100 EUR Strike bei 100 Aktien = 10.000 EUR Kapitalbedarf.
  • Zeitwertverlust (Time Decay) berücksichtigen: Optionen verlieren bei ansonsten unveränderten Faktoren mit abnehmender Restlaufzeit typischerweise an Zeitwert, besonders in den letzten Wochen vor Verfall und insbesondere bei Optionen am Geld (ATM).
  • Marktvolatilität beachten: Die Volatilität des Basiswerts hat erheblichen Einfluss auf die Optionsprämie.
    • In Phasen hoher impliziter Volatilität steigen Prämien tendenziell – was Chancen für Verkäufer, aber Risiken für Käufer bedeuten kann.
    • Optionsstrategien wie Straddles oder Strangles setzen gezielt auf Volatilitätsveränderungen: Long Straddles und Long Strangles profitieren typischerweise von starken Kursbewegungen bzw. steigender impliziter Volatilität, während Short Straddles und Short Strangles eher auf fallende Volatilität oder ausbleibende Kursbewegungen setzen.

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