EUREX – Terminbörse für Optionen und Futures
EUREX (European Exchange) ist eine der führenden Terminbörsen in Europa und ein zentraler Handelsplatz für standardisierte Derivate (insbesondere Futures und Optionen) auf u. a. Indizes, Aktien, Zinsen, Währungen und Rohstoffe. Mit ihrer Tochtergesellschaft EUREX Clearing verfügt die EUREX zudem über einen weltweit führenden Clearing-Anbieter.
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Eurex – Definition
Die EUREX (European Exchange) ist eine führende internationale Terminbörse, die in Europa ansässig ist. Sie entstand 1998 aus der Zusammenführung der Deutschen Terminbörse (DTB) und der Swiss Options and Financial Futures Exchange (SOFFEX). Das gemeinsame Eurex-System wurde von der Deutsche Börse AG und der damaligen Schweizer Börse getragen.
Die Derivatebörse bietet eine breite Palette von Produkten an, darunter Optionen und Futures auf verschiedene Arten von Basiswerten wie Aktien, Indizes, Zinsprodukte, Währungen und Rohstoffe.
Der Handel über die EUREX
Der Handel an der EUREX ist institutionellen Anlegern und Unternehmen vorbehalten. Hierbei ist es erforderlich, dass diese als EUREX-Handelsteilnehmer zugelassen sind. Eine EUREX-Mitgliedschaft für Privatanleger ist nicht möglich, weshalb diese auch nicht direkt an der EUREX handeln können.
Wer also als Privatperson an der EUREX handeln möchte, muss dies über einen entsprechenden Broker tun, der für den Terminhandel an der EUREX zugelassen ist.
Handelszeiten
Die Handelszeiten an der EUREX sind produktspezifisch und können direkt bei EUREX geprüft werden. Als Orientierung gilt: Für viele Produkte liegt die reguläre Handelszeit typischerweise zwischen 08:00 Uhr und 22:00 Uhr (MEZ/MESZ).
DAX-Futures (FDAX) verfügen über verlängerte Handelszeiten. Nach der aktuellen Eurex-Produktspezifikation beginnt für den FDAX die Pre-Trading-Phase um 02:00 Uhr und der kontinuierliche Börsenhandel um 02:10 Uhr.
Handelsphasen
Der Handelstag an der EUREX gliedert sich übergeordnet in drei Handelsphasen:
- Pre-Trading
- Trading
- Post-Trading
Innerhalb dieses Tagesablaufs existieren zusätzlich das Opening sowie für bestimmte Produkte ein Closing mit Schlussauktion.
Pre-Trading
Während der Pre-Trading-Phase können die Marktteilnehmer Eingaben und Anfragen in der Handelssoftware vornehmen. Darüber hinaus können sie Orders ändern oder löschen. Tatsächliche Abschlüsse erfolgen in dieser Phase nicht. Für viele Produkte beginnt diese Phase an der EUREX beispielsweise um 07:30 Uhr (MEZ/MESZ).
Opening
Das Opening an der European Exchange umfasst mehrere aufeinanderfolgende Prozesse.
- Während der Pre-Opening-Periode können Orders und Quotes in das System eingegeben werden. Auf Basis der vorhandenen Auftragslage können potenzielle Eröffnungspreise berechnet werden.
- Für einzelne Produkte kann die EUREX während der Pre-Opening-Periode einen sogenannten Freeze durchführen, damit die Market Supervision einen potenziellen Eröffnungspreis prüfen kann. Während einer solchen Freeze-Phase können Orders und Quotes nicht neu eingegeben, geändert oder gelöscht werden.
- Im anschließenden Netting werden die vorhandenen Kauf- und Verkaufsinteressen gegeneinander abgeglichen. Dabei werden, soweit möglich, ein Eröffnungspreis und entsprechende Eröffnungsgeschäfte ermittelt. Maßgeblich ist insbesondere das größtmögliche ausführbare Auftragsvolumen.
- Es ist nicht erforderlich, dass für jedes Produkt ein Eröffnungspreis festgestellt wird. Die Netting-Periode kann auch ohne Ermittlung eines Eröffnungspreises enden.
- Nach Abschluss des Opening-Prozesses erfolgt der Übergang in den kontinuierlichen Handel („Trading“).
Netting
Der Begriff „Netting“ kann im Finanzmarkt grundsätzlich die Verrechnung von Positionen bzw. Verpflichtungen im Clearing-/Post-Trade-Bereich bezeichnen. Im EUREX-Handelssystem wird der Begriff jedoch zusätzlich für den Ausgleichsprozess einer Auktion verwendet.
Beim Opening bezeichnet Netting den Prozess, in dem die vorhandenen Orders und Quotes miteinander abgeglichen und daraus – soweit möglich – Eröffnungspreise sowie Eröffnungsgeschäfte ermittelt werden. Die Preisermittlung orientiert sich dabei insbesondere am größtmöglichen ausführbaren Auftragsvolumen.
Trading
Die Trading-Phase nimmt den Großteil des Handelstages ein. Während dieses Zeitraums werden die im Orderbuch vorhandenen Kauf- und Verkaufsaufträge sowie neu eingehende Orders fortlaufend miteinander verglichen. Treffen kompatible Kauf- und Verkaufsinteressen aufeinander, werden diese entsprechend den Matching-Regeln des Handelssystems ausgeführt.
Ist eine neu eingehende Order nicht unmittelbar ausführbar, kann sie im zentralen Auftragsbuch verbleiben. Ob und wie lange eine Order im Orderbuch verbleibt, richtet sich nach ihren jeweiligen Order- und Gültigkeitsbedingungen.
Closing Auction
Für ausgewählte Futures wird im Closing eine Schlussauktion zur Ermittlung des Schlusskurses durchgeführt. Noch offene Orders und Quotes können in diese Phase übernommen werden. Außerdem können Orders weiterhin eingegeben sowie bestehende Orders einzeln geändert oder gelöscht werden.
Als Schlusskurs wird grundsätzlich der Preis ermittelt, zu dem das größtmögliche Handelsvolumen ausgeführt werden kann. Die vorhandenen Kauf- und Verkaufsinteressen werden hierzu im Netting-Prozess des Closings gegeneinander abgeglichen.
Weicht ein potenzieller Schlusskurs erheblich von einem Referenzpreis ab, der auf den zuvor herrschenden Marktbedingungen basiert, kann die Schlussauktion abgebrochen werden. Unabhängig davon kann das Closing ohne Festlegung eines Schlusskurses enden, wenn keine für eine Preisermittlung ausreichenden bzw. ausführbaren Orders vorhanden sind.
Post-Trading
Nach dem Ende der Schlussphase bleibt das EUREX-Handelssystem für einen definierten Zeitraum weiterhin verfügbar. In dieser Post-Trading-Zeit können insbesondere Datenabfragen durchgeführt sowie bestimmte Eingaben (z. B. für den nächsten Handelstag) vorbereitet werden.
In der aktuellen EUREX-Systematik kann die Post-Trading-Phase in mehrere aufeinanderfolgende Perioden unterteilt sein:
- Post-Trading Full: In diesem Zeitraum stehen noch umfangreiche Post-Trade-Funktionen und Datenabfragen zur Verfügung.
- Post-Trading Late 1: Gegenüber der Full-Periode sind die verfügbaren Funktionen weiter eingeschränkt. Insbesondere ist die Eingabe bestimmter OTC-Transaktionen nicht mehr möglich.
- Post-Trading Late 2: Diese Periode ist vor allem für bestimmte Optionsprodukte relevant. Für amerikanische Aktienoptionen steht sie an jedem Handelstag zur Verfügung. Für europäische Aktien- und Aktienindexoptionen sowie Zinsoptionen gilt sie nur am jeweiligen letzten Handelstag.
- Restricted Post-Trading: In dieser abschließenden Phase sind im Wesentlichen nur noch Datenabfragen möglich. Optionsausübungen werden nicht mehr angenommen.
Für Optionen gelten zusätzlich produktspezifische Fristen und Prozesse rund um die Ausübung. Ob und bis wann eine Ausübung möglich ist, hängt u. a. vom Optionstyp (amerikanisch/europäisch) sowie den in den EUREX-Regelwerken und Produktspezifikationen definierten Cut-off-Zeiten ab.
EUREX-Produkte
Zu den Produkten, die an der EUREX auf diverse Basiswerte angeboten werden, zählen Aktien-, Index-, Zins- und Volatilitätsderivate sowie Derivate auf börsengehandelte Fonds (z. B. ETFs) und ausgewählte Rohstoff-/ETC-Strukturen.
Die konkrete Produktpalette sowie die jeweils handelbaren Kontrakte ändern sich laufend und sind in den offiziellen EUREX-Produktübersichten einsehbar.
- Aktienderivate: An der EUREX sind sowohl Optionen als auch Futures auf Aktien handelbar. Im Aktienoptionssegment stehen mehr als 700 Optionen auf mehrere hundert Underlyings zur Verfügung. Im Bereich Single Stock Futures umfasst das Angebot mittlerweile rund 900 Kontrakte auf internationale Einzeltitel.
- Aktienindexderivate: Indexderivate können an der EUREX auf globale, europäische oder nationale Indizes gehandelt werden. Dazu zählen beispielsweise der EURO STOXX 50, der DAX sowie gängige MSCI-Indizes. Je nach Index stehen Futures und/oder Optionen mit unterschiedlichen Laufzeiten und Ausstattungsmerkmalen zur Verfügung.
- Volatilitätsderivate: Für die gezielte Steuerung von Volatilitätsrisiken bietet die Eurex u. a. Derivate auf den europäischen Volatilitätsbenchmark VSTOXX® (Futures und Optionen auf VSTOXX®-Futures).
- FX-Derivate (Forex-Derivate): Im FX-Handel ermöglicht die EUREX den Handel mit Währungsfutures sowie Optionen auf FX-Futures für verschiedene Währungspaare und Laufzeiten. Die früher angebotenen FX Rolling Spot Futures gehören dagegen nicht mehr zur aktuellen Produktpalette.
- Rohstoff-, ETC- und ETF-bezogene Derivate: Rohstoffexponierungen können an der EUREX je nach Produkt über Indizes, ETFs oder Exchange Traded Commodities (ETCs) abgebildet werden. Solche Instrumente können zur Diversifikation eines Portfolios beitragen.
- Zinsderivate: Derivate, die sich auf nationale und internationale Zinssätze und Zinsindizes beziehen, zählen zu den wichtigsten Produktsegmenten der EUREX. Dazu gehören insbesondere Futures und Optionen auf europäische Staatsanleihen sowie weitere standardisierte Zinsprodukte.
EUREX Bonds und EUREX Repo
Neben dem börslichen Derivatehandel gibt es innerhalb der EUREX-Gruppe auch Angebote rund um den Repo-Markt. Historisch existierte zudem mit „EUREX Bonds“ eine Plattform für bestimmte Rentenhandelsaktivitäten.
EUREX Bonds
Eurex Bonds war eine elektronische Handelsplattform (MTF) für den Handel mit festverzinslichen Wertpapieren. Die Geschäftstätigkeit von EUREX Bonds wurde jedoch zum 31.12.2017 eingestellt.
EUREX Repo
Die EUREX Repo ist ein etablierter Marktplatz für den elektronischen Handel von Repos (Rückkaufvereinbarungen). Gehandelt werden u. a. Repo-Märkte in Euro und Schweizer Franken sowie GC-Pooling-Segmente.
Das Leistungsspektrum richtet sich an institutionelle Marktteilnehmer, die die jeweiligen Zulassungs- und Teilnahmevoraussetzungen erfüllen. Diese können sich unter anderem mit Repogeschäften refinanzieren oder überschüssige Finanzmittel anlegen.
Geschichte und Bedeutung der EUREX
Die EUREX ging 1998 aus dem Zusammenschluss der Deutschen Terminbörse (DTB) und der Swiss Options and Financial Futures Exchange (SOFFEX) hervor. Ziel war es, eine gemeinsame, weitgehend elektronische Plattform für den Handel und das Clearing standardisierter Derivate in Europa zu schaffen.
Bereits im Gründungsjahr 1998 wurden rund 248 Millionen Kontrakte gehandelt. In den Folgejahren wurde das Produktangebot kontinuierlich ausgebaut und die EUREX entwickelte sich zu einem der wichtigsten europäischen Handelsplätze für Finanzderivate. Ein weiterer Entwicklungsschritt war die Einführung von Produkten mit wöchentlichen Verfallsterminen (Weekly Options) auf zentrale Indexprodukte, die seit April 2006 verfügbar sind.
Betreiberin der Handelsplattform ist die EUREX Frankfurt AG. Bis Anfang 2012 wurde die EUREX-Gruppe im Rahmen eines Joint Ventures von der Deutschen Börse und der Schweizer Börsengruppe (SIX, ehemals SWX Swiss Exchange) getragen. Seit 2012 ist die EUREX vollständig in die Deutsche Börse Gruppe integriert, nachdem die Deutsche Börse die verbleibenden Anteile übernommen hat.
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