OTC-Optionen handeln – Erklärung mit Beispiel

Autor: - Inhaltlich geprüft von: Philipp-Malte Lingnau

Optionskontrakte werden in der Praxis hauptsächlich an Terminbörsen gehandelt. Der Käufer und Verkäufer einer Option treten folglich nicht direkt miteinander in Kontakt. Als Alternative zu dieser indirekten, börslichen Ausführung hat sich der Direkthandel etabliert. Auch als außerbörslicher Handel bezeichnet, werden Wertpapiere hier OTC (Over the Counter), also ohne eine weitere Partei gehandelt. Bei OTC-Optionen handelt es sich um Kontrakte, die ausschließlich im Direkthandel abgewickelt werden.

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Grundlagen von OTC-Optionen

Optionshändler verwenden OTC-Optionen häufig dann, wenn herkömmliche (börsengehandelte) Optionen nicht die Anforderungen einer bestimmten Handelsstrategie erfüllen. Im Vergleich mit börsengehandelten Optionen sind OTC-Optionen oft flexibler, weil es keine Standardisierung von Strike-Preisen oder Verfallsdaten gibt. Bei OTC-Transaktionen gibt es außerdem keinen Intermediär – die Option wird also bilateral zwischen Käufer und Verkäufer gehandelt.

Hinweis: Auch wenn OTC-Optionen selbst wenig reguliert sind, unterstehen die OTC-Broker, bei denen diese Derivate gehandelt werden, üblicherweise Finanzaufsichten, wie beispielsweise der FINRA oder der BAFIN.

Der OTC-Handel selbst findet zwischen Kreditinstituten und Anlegern oder ausschließlich unter Kreditinstituten statt. Grundsätzlich können drei Formen im Direkthandel unterschieden werden:

  • Handel von börsennotierten Wertpapieren außerhalb der gängigen Handelszeiten
  • Handel mit außerbörslichen Derivaten (z. B. OTC-Optionen)
  • Handel mit Wertpapieren, die nicht zum Handel an der Börse zugelassen sind

Unternehmen, insbesondere Banken, nutzen den OTC-Derivathandel primär zur Absicherung gegen finanzielle Risiken. Neben der hohen Flexibilität der Produkte müssen die Transaktionen nicht öffentlich bekannt gegeben werden, was eine erhöhte Diskretion gewährleistet.

Vorteile und Nachteile von OTC-Optionen

Der wesentliche Vorteil von OTC-Optionen ergibt sich aus der freien Gestaltung der Vertragsbedingungen. Selbst wenn beispielsweise eine börsengehandelte Strategie nur mit mehreren Optionslegs abgebildet werden kann, ist dies mit OTC-Optionen möglicherweise mit einer einzigen Transaktion umsetzbar. Ein Optionshändler kann folglich deutlich genauer oder kostengünstiger die gewünschte Transaktion durchführen. Zudem entfallen die Börsengebühren im OTC-Trading.

Der Nachteil von OTC-Optionen ist, dass ein gesteigertes Kontrahentenrisiko gibt. Dieses bedeutet, dass der Handelspartner seinen Verpflichtungen möglicherweise nicht nachkommt oder nachkommen kann.

Zusätzlich, weil es keinen Markt für die gehandelten Optionskontrakte gibt, kann eine Optionsposition nur durch eine Gegenposition geschlossen werden. Daraus ergibt sich das Risiko für den Optionshändler, keinen Handelspartner für die Ausgleichstransaktion zu finden, oder nur ungünstige Konditionen angeboten zu bekommen.

Generell genießen Händler an regulierten Handelsplätzen einen höheren Schutz und können auf eine höhere Liquidität im Markt setzen, als im Fall von (ausschließlich) OTC gehandelten Produkten.

Exkurs: Die möglichen Risiken von OTC-Derivaten haben sich während der Finanzkrise im Jahr 2008 gezeigt. Durch die Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers verloren viele Derivate ihren Wert, weil Lehman als Kontrahent der Papiere auftrat. Unabhängig der Entwicklung von Basiswerten haben Anleger hier teilweise Geld verloren. Die Handelspartner von Lehman traten zum Teil selbst als Kontrahent von Derivaten auf, weshalb sich eine Kettenreaktion entwickelte, die die Krise deutlich verschärft hat.

Aus diesen Gründen ist das tatsächliche Risiko von OTC-Optionen nie vollkommen einschätzbar.

frei gestaltete Vertragsbedingungen
geringere Kosten

Kontrahentenrisiko
geringere Marktliquidität
fehlende Regulierung

Hinweis: Nicht zuletzt aufgrund der hohen Risiken nutzen primär institutionelle Anleger OTC-Optionen, um ihre Interessen bestmöglich abzubilden. Für private Händler sind OTC-Optionen eher unüblich.

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