OTC-Optionen handeln – Erklärung mit Beispiel
OTC-Optionen (englisch: Over-the-Counter Options, deutsch: „außerbörsliche Optionen“) sind maßgeschneiderte, außerbörslich gehandelte Derivate, die das Recht (aber nicht die Pflicht) einräumen, einen Basiswert zu einem bestimmten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Sie bieten mehr Flexibilität als reguläre Optionen, da Vertragsbedingungen individuell angepasst werden können, sind aber auch mit höheren Risiken verbunden.
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Was sind OTC-Optionen?
OTC-Optionen geben dem Käufer das Recht (aber nicht die Pflicht), einen Basiswert zu einem festgelegten Preis zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put). Sie lassen sich individuell strukturieren, etwa mit besonderen Ausübungsrechten oder speziellen Laufzeiten. Beispiele sind Bermuda-Optionen oder Swaptions.
Diese Flexibilität macht OTC-Optionen für maßgeschneiderte Absicherungs- und Handelsstrategien attraktiv. Gleichzeitig besteht jedoch ein höheres Kontrahentenrisiko, da die Abwicklung häufig bilateral erfolgt und nicht automatisch über eine zentrale Clearingstelle abgesichert ist.
Anwendungsfälle von OTC-Optionen
OTC-Optionen werden häufig genutzt, wenn börsengehandelte Optionen die spezifischen Anforderungen einer Handelsstrategie nicht erfüllen. Der OTC-Handel findet meist zwischen Kreditinstituten und Anlegern oder zwischen Kreditinstituten statt. Unter anderem können folgende Strategien angewandt werden.
Hedging (Absicherung)
Händler von OTC-Optionen können sich gegen fallende Aktienkurse absichern, ohne ihre Bestände verkaufen zu müssen. Auch eine Absicherung von Short-Positionen gegen steigende Kurse ist möglich.
Absicherungsbeispiel
Eine Bank hält eine große Aktienposition an einem Unternehmen, das sie langfristig für vielversprechend hält. Sie befürchtet jedoch kurzfristige Kursschwankungen und möchte sich dagegen absichern, ohne die Aktie tatsächlich zu verkaufen.
Sie erwirbt eine OTC-Put-Option, die ihr das Recht gibt, die Aktie zu einem vorher festgelegten Preis zu verkaufen. Fällt der Aktienkurs, steigt der Wert der Put-Option und gleicht den Verlust ganz oder teilweise aus.
Spekulation
Mithilfe von OTC-Optionen können professionelle Investoren auf bestimmte Unternehmen oder Branchen spekulieren, ohne die entsprechenden Aktien direkt erwerben zu müssen.
Beispiel 1: Gezielte Tech-Spekulation mit OTC-Call-Optionen
Ein Großinvestor ist überzeugt, dass die Technologiebranche in den nächsten Monaten besser abschneiden wird als der Gesamtmarkt, will aber nicht in alle Technologieaktien investieren. Er kauft eine OTC-Call-Option auf einen Korb ausgewählter Tech-Aktien. So kann er gezielt auf die Performance bestimmter Unternehmen setzen, ohne das Kapital für den direkten Aktienkauf binden zu müssen.
Beispiel 2: OTC-Call-Optionen als Übernahmespekulation
Ein Hedgefonds spekuliert darauf, dass ein bestimmtes Unternehmen bald übernommen wird und der Aktienkurs steigen wird. Statt Aktien zu kaufen, erwirbt der Fonds OTC-Call-Optionen mit einem Strike nahe dem erwarteten Übernahmepreis. Falls die Übernahme eintritt, profitiert der Fonds von der Wertsteigerung der Optionen.
Marktzugang zu speziellen Investments
OTC-Optionen ermöglichen Investitionen in Aktien, die nicht an regulären Börsen gehandelt werden, oder bieten Zugang zu schwer zugänglichen Märkten. Auch bestimmte American Depositary Receipts (ADRs) oder delistete Unternehmen können über OTC-Derivate gehandelt werden, was Investoren weitere Möglichkeiten eröffnet.
Beispiel einer OTC-Spekulation auf Schwellenländeraktien
Ein globaler Investmentfonds möchte in Schwellenländer-Aktien investieren, aber der direkte Kauf ist aufgrund regulatorischer Beschränkungen oder mangelnder Liquidität schwierig. Er schließt OTC-Optionen mit einer Investmentbank ab, die Zugang zu diesen Aktien hat. Dadurch kann der Fonds trotzdem von Kursbewegungen profitieren.
Diversifikation
OTC-Optionen erleichtern die gleichzeitige Umsetzung von Long- und Short-Positionen innerhalb eines Sektors oder einer bestimmten Marktstrategie.
Beispiel für eine maßgeschneiderte OTC-Strategie
Ein Hedgefonds ist optimistisch für ein Pharmaunternehmen, erwartet aber, dass der Gesamtsektor unter Druck bleibt. Er kauft eine OTC-Call-Option auf das favorisierte Unternehmen und sichert sich gleichzeitig mit OTC-Put-Optionen auf Konkurrenten innerhalb der Branche ab. Dadurch kann er auf die relative Outperformance setzen, ohne ein hohes Marktrisiko einzugehen.
Welche Vorteile haben OTC-Optionen?
Der größte Vorteil von OTC-Optionen liegt in der freien Vertragsgestaltung. Im Gegensatz zu Vanilla-Optionen, die weitgehend standardisiert sind, können Strikes, Verfallstermine, Laufzeiten, Ausübungsrechte und Abwicklungsmodalitäten individuell zwischen Käufer und Verkäufer vereinbart werden. Dadurch lassen sich Strategien sehr gezielt auf ein bestimmtes Risiko- oder Marktprofil zuschneiden.
Ein weiterer Vorteil liegt in der strukturellen Flexibilität. OTC-Optionen können Positionen abbilden, die im börslichen Handel nur mit mehreren Optionslegs oder gar nicht effizient umsetzbar wären. Das kann die operative Umsetzung vereinfachen und in Einzelfällen auch Kosten sparen.
Nachteile der OTC-Optionen
Ein wesentlicher Nachteil von OTC-Optionen ist das erhöhte Kontrahentenrisiko. Da diese Geschäfte meist bilateral vereinbart werden, besteht das Risiko, dass eine Partei ihren Verpflichtungen nicht nachkommt oder aufgrund finanzieller Probleme nicht nachkommen kann.
Ein weiteres Problem ergibt sich aus der geringeren Standardisierung und Liquidität. OTC-Optionen werden nicht über ein zentrales Orderbuch gehandelt. Deshalb existiert häufig kein geregelter Sekundärmarkt, auf dem sich eine Position einfach glattstellen lässt. Ein Ausstieg ist oft nur über eine Gegenvereinbarung, eine Neuverhandlung oder eine individuelle Ausgleichstransaktion möglich.
Hinzu kommt, dass OTC-Optionen schwieriger zu bewerten sein können als standardisierte Börsenoptionen. Je individueller die Struktur, desto höher sind in der Regel der Modellierungs- und Überwachungsaufwand.
Börsengehandelte Optionen bieten in vielen Fällen mehr Transparenz, standardisierte Prozesse und eine höhere Liquidität. In diesem Punkt sind OTC-Optionen anspruchsvoller, da sie stärker von der Bonität und Verfügbarkeit eines passenden Handelspartners abhängen.
Häufige Fragen
Was ist OTC-Trading?
OTC-Trading bezeichnet grundsätzlich den bilateralen Handel außerhalb eines regulären Börsenorderbuchs. Im Bereich der Optionen und anderer Derivate erfolgt dieser Handel typischerweise über Banken, Broker-Dealer oder spezialisierte Marktteilnehmer und nicht über eine Terminbörse wie die Chicago Board Options Exchange (CBOE).
Wann kann OTC-Trading sinnvoll sein?
Im Derivatebereich ist OTC-Handel vor allem in folgenden Fällen relevant:
- Individuell strukturierte Derivategeschäfte
– Vertragsbedingungen wie Laufzeit, Strike, Ausübungsstil oder Erfüllung können gezielt an die Anforderungen der Handelspartner angepasst werden. - Handel mit weniger standardisierten oder wenig liquiden Instrumenten
– OTC-Strukturen kommen häufig dann zum Einsatz, wenn ein börsengehandeltes Produkt die gewünschte Marktmeinung oder Absicherung nicht präzise abbildet. - Zugang zu speziellen Basiswerten oder Märkten
– OTC-Derivate ermöglichen mitunter eine Position zu Märkten, Basiswerten oder Risikoprofilen, die börslich nur eingeschränkt oder gar nicht verfügbar sind.
Welche anderen Arten von OTC-Derivaten gibt es?
Andere außerbörsliche Derivate sind:
- Swaps sind Derivatekontrakte, bei denen zwei Parteien Zahlungsströme oder Verpflichtungen aus unterschiedlichen Finanzinstrumenten austauschen. Ein Beispiel ist der Credit Default Swap, mit dem das Ausfallrisiko eines Kredits oder einer Anleihe gegen Zahlung einer Prämie auf eine Gegenpartei übertragen wird.
- Forwards sind individuell ausgehandelte Terminkontrakte, die den Kauf oder Verkauf eines Basiswertes zu einem festgelegten zukünftigen Zeitpunkt ermöglichen. Im Gegensatz zu börsengehandelten Futures sind Forwards nicht standardisiert.
- Contracts for Difference (CFDs) sind Finanzkontrakte mit Barausgleich, bei denen die Differenz zwischen Eröffnungs- und Schlusskurs eines Basiswerts ausgeglichen wird. Sie bieten eine Hebelwirkung, werden häufig spekulativ genutzt und unterliegen je nach Marktgebiet regulatorischen Beschränkungen.
- Sonstige OTC-Strukturen umfassen exotische Derivate, die speziell auf bestimmte Marktmeinungen oder Absicherungsziele zugeschnitten werden. Beispiele sind Barrier-Optionen, die nur bei Erreichen eines bestimmten Kursniveaus wirksam werden, oder Lookback-Optionen, bei denen rückblickend ein günstiger Kurs innerhalb eines Zeitraums berücksichtigt wird.
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