Convenience Yield (Verfügbarkeitsprämie) – Definition & Berechnung

Autor: Maik Engelkamp Inhaltlich geprüft von: Philipp Berger

Der Convenience Yield (deutsch: Verfügbarkeitsprämie bzw. Verfügbarkeitsrendite) bezeichnet den Vorteil, den der physische Besitz eines Basiswerts gegenüber dem Halten eines Derivats (meist eines Futures) bietet. Das Konzept ist besonders relevant für Rohstoffe wie Öl, Metalle und Agrarprodukte, bei denen physischer Besitz praktische Vorteile bringt.

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Convenience Yield – Definition

Der Convenience Yield misst den zusätzlichen Nutzen, der sich aus dem physischen Halten eines Rohstoffs im Vergleich zum Halten eines Derivats (z. B. Futures) ergibt. In der Praxis wird er meist implizit aus Kassakurs, Terminpreis und angenommenen Haltekosten (Cost of Carry) abgeleitet. Er ist kein direkt notierter Marktpreis.

Nach der Theory of Storage hängt die Convenience Yield typischerweise invers mit den Lagerbeständen zusammen: Bei niedrigen Beständen ist der Nutzen sofortiger Verfügbarkeit häufig hoch, während er bei hohen Beständen meist sinkt. Die Beziehung spiegelt vor allem den praktischen Nutzen physischer Bestände sowie die Absicherung gegen Lieferengpässe wider.

Beispiel: Wer über ein volles Lager mit Weizen verfügt, kann bei einer plötzlichen Dürre Lieferengpässe ausgleichen und höhere Spotpreise erzielen. Dieser zusätzliche Vorteil gegenüber dem Halten eines Futures, der durch die Verfügbarkeit entsteht, wird als Verfügbarkeitsprämie bezeichnet.

Berechnung der Convenience Yield

Der Convenience Yield ergibt sich unter den Annahmen des Cost-of-Carry-Modells aus der Differenz zwischen den Brutto-Haltekosten (z. B. Finanzierungskosten, Lagerkosten und Versicherung, als kontinuierlich verzinster Jahreszins) und dem annualisierten logarithmischen Verhältnis von Terminkurs zu Kassakurs.

Convenience~Yield=c-\frac{1}{T}*LN\frac{F}{S}

Dabei gilt:

  • c: Cost of Carry bzw. Brutto-Haltekosten (kontinuierlich verzinster Jahreszins — z. B. Finanzierungskosten, Lagerkosten und Versicherung)
  • F: Terminkurs / Forwardpreis bzw. Futurespreis
  • S: Kassakurs / Spotpreis
  • T: Restlaufzeit in Jahren

Falls Lagerkosten nicht als Prozentsatz, sondern als absoluter Betrag je Einheit angegeben werden, muss die Formel entsprechend angepasst werden. Für eine vereinfachte Darstellung wird häufig allgemein vom Terminpreis gesprochen. Bei börsengehandelten Rohstoffkontrakten handelt es sich meist um Futurespreise, bei außerbörslichen Geschäften um Forwardpreise.

Hinweis: In der Praxis wird teilweise auch die Net Convenience Yield betrachtet. Sie ist hilfreich, wenn Lagerkosten oder andere Haltekosten nicht vollständig beobachtbar sind. Dabei wird eine Nettogröße aus Kassakurs, Terminpreis und Finanzierungskosten abgeleitet. Sie ist daher nicht immer direkt mit einer Convenience Yield vergleichbar, bei der sämtliche Brutto-Haltekosten separat berücksichtigt werden.

Convenience Yield und die Forward Curve

Die Verfügbarkeitsprämie hängt eng mit den Spot- und Terminpreisen eines Rohstoffs zusammen. Deren zeitliche Struktur wird in der Terminstrukturkurve (Forwardkurve) dargestellt: Sie zeigt den aktuellen Kassapreis (sofortige Lieferung) sowie die Terminpreise für spätere Lieferungen. Neben Markterwartungen wirken unter anderem Finanzierungskosten, Lagerkosten, Versicherungen, Risikoprämien und die Convenience Yield auf ihre Form.

Es lassen sich zwei Grundformen unterscheiden.

Contango

Von Contango spricht man, wenn die Terminpreise über dem Kassapreis liegen. Dies tritt häufig auf, wenn die Brutto-Haltekosten (z. B. Finanzierung, Lagerung und Versicherung) die Convenience Yield übersteigen. Die Forwardkurve steigt dann mit zunehmender Laufzeit.

In einem Contango-Markt ist die Verfügbarkeitsprämie typischerweise niedriger als die Brutto-Haltekosten. Bei sehr hohen Beständen kann sie sehr niedrig und in Einzelfällen auch negativ sein.

Contango bei Futures am Beispiel eines Futurespreis-Fälligkeits-Diagramms
Entstehung eines Contango veranschaulicht durch ein Diagramm der Futurepreise in Abhängigkeit von der Fälligkeit (Futurepreise auf der y-Achse, verschiedene Fälligkeiten auf der x-Achse)

Backwardation

Von Backwardation spricht man, wenn der Kassapreis über den Terminpreisen liegt. Die Forwardkurve fällt also mit zunehmender Laufzeit.

Backwardation ist konsistent mit einer hohen Verfügbarkeitsprämie. In diesem Fall ist der physische Besitz des Rohstoffs vorteilhaft, da sofortige Lieferung höher bewertet wird als spätere. Der daraus resultierende Nutzen wird als Verfügbarkeitsprämie (Convenience Yield) bezeichnet.

Backwardation bei Futures - Beispieldiagramm
Entstehung von Backwardation, dargestellt als Preis-Fälligkeits-Diagramm (Future-Preise auf der y-Achse, verschiedene Fälligkeiten auf der x-Achse)

Hinweis: Backwardation ist häufig ein Indiz für eine hohe Verfügbarkeitsprämie, da der Spotpreis dann über dem Forwardpreis liegt. Im Cost-of-Carry-Modell entsteht Backwardation, wenn die Convenience Yield die Brutto-Haltekosten übersteigt.

Beispiel für eine Verfügbarkeitsprämie

Angenommen, ein Händler möchte die Rendite für Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) mit Lieferung in einem Jahr ab heute berechnen.

Die annualisierten Brutto-Haltekosten (Cost of Carry) betragen 2 %, der Kassakurs für WTI-Rohöl liegt bei 50,50 USD und der Futurepreis für Rohölkontrakte mit Fälligkeit in einem Jahr bei 45,50 USD.

Daraus ergibt sich eine Rendite von etwa 12,43 %, die kontinuierlich annualisiert ist:

Verfügbarkeitsprämie=2\%-\frac{1}{1}*LN\frac{45,50\$}{50,50\$}

Eine positive Verfügbarkeitsprämie von 12,43 % signalisiert in diesem Beispiel, dass der physische Besitz von WTI während der Laufzeit bis zur Fälligkeit einen modellimpliziten Vorteil gegenüber dem Halten des Futures bietet (bei angenommenen Brutto-Haltekosten von 2 %). Dies kann beispielsweise an Lieferengpässen, Lagerknappheit oder dem praktischen Nutzen des Bestands liegen.

Hinweis: Das Ergebnis hängt direkt davon ab, ob alle Haltekosten enthalten sind, und davon, dass die Cost of Carry als kontinuierlicher Jahreszins interpretiert wird. Außerdem handelt es sich um eine implizite Modellgröße, die aus Kassakurs, Terminpreis, Laufzeit und Haltekosten abgeleitet wird.

Weiterführende Informationen

Warum entsteht eine Convenience Yield?

Der wirtschaftliche Grund für eine Convenience Yield liegt in der sofortigen Verfügbarkeit eines Rohstoffs. Wer den Basiswert physisch besitzt, kann ihn unmittelbar einsetzen, verkaufen oder zur Erfüllung von Lieferverpflichtungen nutzen. Ein Future oder Forward verschafft dagegen in der Regel nur einen Anspruch auf Lieferung zu einem späteren Zeitpunkt.

Besonders relevant ist die Verfügbarkeitsprämie bei sogenannten Verbrauchs- oder Produktionsgütern („Consumption Assets“), also Rohstoffen, die tatsächlich verarbeitet, verbraucht oder für laufende Produktionsprozesse benötigt werden. Beispiele sind Rohöl, Erdgas, Industriemetalle oder Agrarrohstoffe.

Ökonomisch kann die Convenience Yield auch als Wert einer Absicherung gegen kurzfristige Preis- und Verfügbarkeitsrisiken verstanden werden. Unternehmen mit physischen Beständen können Produktionsunterbrechungen vermeiden, Lieferengpässe überbrücken oder bei temporärer Knappheit flexibel reagieren.

Die Höhe der Convenience Yield ist dabei nicht konstant. Sie verändert sich unter anderem mit Lagerbeständen, Nachfrage, Transport- und Lagerkapazitäten sowie saisonalen Faktoren.


Convenience Yield außerhalb von Rohstoffen

Obwohl der Begriff vor allem bei Rohstoffen verwendet wird, kann eine Convenience Yield auch bei anderen Vermögenswerten auftreten. Bei besonders sicheren oder liquiden Anlagen, etwa Staatsanleihen, beschreibt sie den zusätzlichen Nutzen aus Sicherheit, Liquidität oder regulatorischer Verwendbarkeit.

Die Bedeutung unterscheidet sich jedoch vom Rohstoffkontext: Bei Rohstoffen steht die physische Verfügbarkeit im Vordergrund, während bei Finanzinstrumenten meist Liquidität, Sicherheit oder die Funktion als Sicherheiteninstrument entscheidend sind.

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