Bezugsverhältnis von Optionen – Definition & Berechnung

Autor: - Inhaltlich geprüft von: Philipp-Malte Lingnau

Das Bezugsverhältnis von Optionen, auch bekannt als „Contract Size“, „Optionsverhältnis“ oder „Kontraktgröße“ gibt Auskunft, auf wie viele Anteile des Basiswertes sich ein Optionskontrakt bezieht. Eine Aktienoption bezieht sich beispielsweise jeweils auf 100 Aktien. Im Folgenden werden die Besonderheiten der Bezugsverhältnisse von Optionen, aber auch anderen Derivaten wie Futures und Optionsscheinen, näher erläutert.

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Was ist eine Option?

Eine Option verbrieft das Recht, einen Basiswert (Underlying) zu einem vereinbarten Basispreis (Strike) und an einem vereinbarten Zeitraum oder Datum (Verfallstag) zu kaufen oder zu verkaufen. Für den Erwerb dieses Rechts bezahlt der Käufer eine Prämie an den Verkäufer. Dieser tritt als Stillhalter auf und kann keinen Einfluss darauf nehmen, ob die Option ausgeübt wird oder nicht. Optionen können sich auf verschiedene Basiswerte, wie Aktien, Indizes oder Futures beziehen.

In der Praxis beinhaltet ein Optionskontrakt nicht das Recht zum Kauf oder Verkauf von genau einem Anteil des Basiswertes. Stattdessen wird mit Derivaten ein Vielfaches des Basiswertes gehandelt. Aktienoptionen verbriefen das Recht zum Kauf oder Verkauf von 100 Anteilen des Basiswertes.

Bezugsverhältnis von Optionen – Definition

Das Bezugsverhältnis gibt an, wie viele Anteile des Basiswertes eine Option verbrieft. Der Basispreis der Option (Strike) wird, ungeachtet des Bezugsverhältnisses, pro Anteil des Basiswertes angegeben.

Bezugsverhältnis von Optionen - Beispiel aus TWS
Bezugsverhältnis von Optionen am Beispiel einer SAP-Aktienoption im TWS
Um den Gesamtpreis der Anteile bei einem möglichen Kauf oder Verkauf zu berechnen, muss der Strike daher mit der Anzahl der Anteile im Optionskontrakt multipliziert werden. Darüber hinaus ist eine Einschätzung der Hebelwirkung möglich, sofern das Bezugsverhältnis bekannt ist.

Bezugsverhältnis von Optionen – Berechnung

Der Strike einer Aktienoption auf die Volkswagen AG liegt beispielsweise bei 140 Euro. Das Gesamtvolumen des Optionskontraktes kann jedoch erst durch das Bezugsverhältnis herausgefunden werden und beträgt nicht 140 Euro, sondern 14.000 Euro.

Die Formel für das Bezugsverhältnis von Optionen lautet somit:

Gesamtvolumen~des~Kontraktes=Strike~Preis*Bezugsverhältnis

Das Bezugsverhältnis kann mit verschiedenen Methoden abgebildet werden. Beispielsweise bedeutet das Verhältnis 1:100, dass ein Optionskontrakt 100 Anteile des Basiswertes handelt. Ebenfalls möglich ist die Darstellung als Dezimalzahl. In diesem Fall wäre dies ein Wert von 0,01 (1 geteilt durch 100).

Bei anderen Derivaten, wie Futures oder Optionsscheinen sind, abhängig vom Basiswert, auch andere Bezugsverhältnisse möglich.

Hinweis: Das Bezugsverhältnis von Aktienoptionen beträgt 1:100. Mini-Optionen bilden mit einem Verhältnis von 1:10 eine Ausnahme. Diese festgelegten Bezugsverhältnisse gelten für klassische Optionen, also standardisierte Kontrakte. Bei exotischen Optionen, die nicht über die Terminbörsen gehandelt werden, können andere Bezugsverhältnisse vereinbart werden.

Abweichendes Bezugsverhältnis von Optionen

Eine Besonderheit in Hinblick auf das Bezugsverhältnis weisen sogenannte Mini-Optionen auf. Diese werden aktuell auf Indizes aufgelegt, wie etwa die Mini-SPX Indexoptionen (XSP). Mit einem Bezugsverhältnis von 1:100 würde sich hinter einem Optionskontrakt auf den SPX, der beispielsweise bei 4000 Punkte notiert, ein Handelsvolumen von über 400.000 Euro verbergen. Mit einer Mini-Option reduziert sich das Bezugsverhältnis jedoch auf 1:10. Das Volumen sinkt folglich auf ein Zehntel des ursprünglichen Betrages.

Bei Micro-Optionen, die beispielsweise auf die Micro E-mini S&P 500 Index Futures (MES) aufgelegt werden, beträgt die Kontraktgröße sogar die Hälfte einer Mini-Option.

Optionskontrakte können ebenfalls länderabhängig variieren und müssen daher immer auf ihr Bezugsverhältnis geprüft werden. In Großbritannien ist eine Kontraktgröße von 1.000 Anteilen pro Optionskontrakt möglich. Das Bezugsverhältnis von Optionen aus Großbritannien kann also bei 1:1.000 oder 0,001 liegen. In Italien gibt es zudem Optionen mit Bezugsverhältnissen von 1:500.

Hinweis: Vor dem Kauf oder Verkauf einer Option sollte geprüft werden, welches Bezugsverhältnis für die jeweilige Option gilt. Nur so ist eine Beurteilung der Chancen und Risiken verlässlich möglich.

Bezugsverhältnis von Optionsscheinen und Futures

Bei Optionsscheinen, die sich primär durch den Emittenten von Optionen unterschieden, sind die Bezugsverhältnisse anders als bei Optionen. Nicht selten werden diese Derivate mit einem Bezugsverhältnis von 1:1 ausgegeben. Ein Optionsschein bezieht sich folglich auf ein Stück des Basiswertes. Denkbar ist auch ein Bezugsverhältnis, das pro Optionsschein nur den Bruchteil eines Basiswertes ergibt. Mit dem Verhältnis 5:1 werden mit einem Optionsschein nur 0,2 Anteile des Basiswertes gehandelt.

Der Handel mit Rohstoffen und Währungen wird häufig mit Futures abgebildet. Anders als bei Optionen handelt es sich bei Futures um unbedingte Terminkontrakte. Es besteht also keine Option zur Ausübung. Diese findet verpflichtend am Fälligkeitstag statt. Das Bezugsverhältnis von Futures kann aufgrund der unterschiedlichen Basiswerte stark schwanken. Im Handel mit Futures sind ebenfalls die Maßeinheiten zu beachten.

Beispiel: Ein Futurekontrakt auf den kanadischen Dollar beinhaltet jeweils 100.000 CAD. Dagegen werden Sojabohnen in der Volumeneinheit „Bushel“ gehandelt. Ein Bushel entspricht 35,24 kg. Ein Kontrakt auf Sojabohnen enthält 5.000 Bushel, also 176.200 kg. Im Gegensatz dazu werden Edelmetalle primär in Unzen gehandelt. Ein Gold-Future kann beispielsweise 100 Unzen umfassen. Eine Preisänderung von einem Euro pro Unze hätte daher eine Preisänderung des Futures von 100 Euro zur Folge.

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