Optionsscheine – Erklärung & Strategien

Autor: - Inhaltlich geprüft von: Philipp Berger

Inhalt

Optionsscheine sind strukturierte Wertpapiere, die zur Kategorie der Hebelprodukte zählen. Rechtlich betrachtet stellen Optionsscheine Inhaberschuldverschreibungen dar, die ein entsprechendes Optionsrecht verbriefen. Einfach erklärt gestatten Optionsscheine einem Anleger von steigenden (Call-Optionsschein) oder fallenden (Put-Optionsschein) Kursen eines zugrundeliegenden Underlying zu profitieren. Bspw. ein Anleger partizipiert mit DAX Optionsscheinen an der Kursentwicklung des deutschen Leitindex.

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Optionsscheine – Definition & Erklärung der Grundlagen

Bei Optionsscheinen handelt es sich um verbriefte Optionen, die als strukturiertes Wertpapier ausgestaltet und von einer emittierenden Bank ausgegeben werden. Grundsätzlich erlaubt ein Optionsschein seinem Inhaber einen definierten Basiswert (Underlying) zu einem vorab festgelegten Preis (Strike) und innerhalb einer vorgegebenen Laufzeit zu kaufen oder zu verkaufen.

Wichtig ist dabei, dass der Inhaber das Recht aber nicht die Pflicht zum Kauf oder Verkauf des Underlying besitzt. In der Fachsprache wird hier auch vom sog. Optionsrecht gesprochen. Den Optionsschein selbst kann der Inhaber allerdings jederzeit vor Ende der Laufzeit veräußern.

Im Privatanlegersegment wird oft der Begriff strukturierte Wertpapiere als Synonym für Derivate verwendet. Dabei stellen diese Finanzprodukte lediglich ein Teilsegment des kompletten Derivatemarkts dar. Grundsätzlich kann also festgehalten werden, strukturierte Wertpapiere wie Optionsscheine beziehen sich immer auf einen zugrunde liegenden Basiswert, besitzen eine derivative Komponente und werden von einer emittierenden Bank ausgegeben.

Bezugsverhältnis

Eine der wichtigsten Kennzahlen von strukturierten Wertpapieren ist das sog. Bezugsverhältnis. Dieses drückt aus, auf wie viele Einheiten des Underlying sich das strukturierte Wertpapier bezieht. Ist ein Optionsschein bspw. mit einem Bezugsverhältnis von 0,01 ausgestattet, dann benötigt der Inhaber 100 Optionsscheine in seinem Besitz, um eine Einheit des Underlying (bspw. eine Aktie) erwerben oder veräußern zu können.

Die emittierende Bank schafft mit dem Bezugsverhältnis für Privatanleger die Möglichkeit an Termingeschäften zu partizipieren, da der Erwerb eines Optionsscheins aufgrund des Bezugsverhältnisses wesentlich weniger Kapital erfordert als der Kauf einer Option. Bei Aktienoptionen beträgt das Bezugsverhältnis in aller Regel 100. Eine Aktienoption verbriefen somit das Recht zum Kauf oder Verkauf von 100 Aktien des Unternehmens. Strukturierte Wertpapiere sind also speziell auf das Privatanlegersegment zugeschnittene Finanzinstrumente mit entsprechender Wertpapierkennnummer (WKN).

Anlageprodukte vs. Hebelprodukte

Die Produktgattung der strukturierten Wertpapiere lässt sich weiter in die Untergruppen Anlageprodukte und Hebelprodukte einteilen. Zur ersten Gruppe zählen unter anderem Discount-, Bonus- und Partizipationszertifikate. Zwar besitzt sie jeweils spezifische Eigenschaften, die Wertentwicklung des zugrunde liegenden Underlying wird aber im Verhältnis 1:1 auf das jeweilige Finanzprodukt übertragen.

Hebelprodukte partizipieren hingegen mit einer Hebelwirkung an den Bewegungen des Underlying, weshalb sie gegenüber Anlageprodukten einen spekulativeren Charakter besitzen. Gleichzeitig räumen diese Produkte den Markteilnehmern die Möglichkeit ein, aufgrund ihrer Hebelwirkung mit einem wesentlich geringeren Kapitaleinsatz am Markt agieren zu können (eine genauere Betrachtung der Hebelwirkung findet im Unterkapitel „Omega“ statt). Zur Gruppe der Hebelprodukte gehören unter anderem Optionsscheine und Knock-out Produkte.

Generell liegt den strukturierten Wertpapieren die Funktionsweise der klassischen Derivate zugrunde, die an Terminmärkten gehandelt werden. Bei diesen Derivaten handelt es sich um Optionen und Futures. Sie bilden die beiden Hauptgruppen der Derivate und dienen als Basis für die strukturierten Wertpapiere. Das Verständnis dieser Derivate ist daher von essenzieller Bedeutung, da durch den Handel von Optionsscheinen Termingeschäfte abgeschlossen werden.

Termingeschäft – Terminologie & Differenzierung

Bei einem Termingeschäft sind der Vertragsabschluss und die eigentliche Vertragserfüllung zeitlich voneinander getrennt. Das heißt, anders als bei einem Kassageschäft, bei dem die Lieferung „sofort*“ vollzogen wird, findet die Vertragserfüllung des Termingeschäfts zu einem in der Zukunft liegenden Zeitpunkt statt. Das zugrunde liegende Derivat regelt dabei die genauen Geschäftskonditionen. Die Trennung in zwei unterschiedliche Märkte ist daher zwingend notwendig: Kassamarkt und Terminmarkt.

Auf dem Kassamarkt können ausschließlich Kassageschäfte wie bspw. Aktienkäufe abgeschlossen werden, während auf einem Terminmarkt ausschließlich Termingeschäfte wie bspw. Käufe von Aktienoptionen getätigt werden können. In der Regel gibt es für jedes Finanzmarktprodukt, das auf dem Kassamarkt gehandelt werden kann, einen entsprechenden Terminmarkt, auf dem sich Marktteilnehmer mithilfe entsprechender Derivate absichern können.

Aus diesem Grund ist es wichtig hervorzuheben, dass mit Finanzmarktprodukten Finanzierungs- und Anlageentscheidungen umgesetzt werden, während mit Derivaten Risiken zwischen Marktteilnehmer transferiert werden, die in den Finanzmarktprodukten stecken.

Unbedingtes vs. bedingtes Termingeschäft

Termingeschäfte selbst unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Verpflichtung zur Vertragserfüllung und können somit in zwei Kategorien eingeteilt werden. Bei einem unbedingten Termingeschäft besteht für jede Vertragspartei die bindende Verpflichtung zur Erfüllung des Geschäfts zum vereinbarten Termin zu den vereinbarten Konditionen. Unter diese Kategorie fallen unter anderem Derivate wie Futures und Forwards, die wiederum die Basis von Knock-out Produkten darstellen.

Bei einem bedingten Termingeschäft besteht lediglich für eine Vertragspartei die bindende Verpflichtung zur Erfüllung des Geschäfts zum vereinbarten Termin zu den vereinbarten Konditionen. Der anderen Partei wird das Wahlrecht, auch Optionsrecht genannt, eingeräumt, darüber zu entscheiden, ob das Geschäft erfüllt wird oder nicht. Dieser Kategorie gehören Optionen an. Wie es der Name vermuten lässt, basieren Optionsscheine auf diesen Derivaten.

* In Deutschland liegen zwischen dem Kauftag und dem Valutatag, an dem das Kassageschäft rechtlich abgeschlossen ist, üblicherweise zwei Werktage.

Optionsscheine Grundtypen – Call vs. Put

Optionsscheine werden in zwei Grundtypen gegliedert: Call-Optionsschein und Put-Optionsschein.

Wie im vorherigen Kapitel erläutert, wird dem Inhaber eines Optionsscheins ein Wahlrecht eingeräumt. Dieses Recht erwirbt er durch die Bezahlung des Optionsscheinpreises, der auch als Optionsscheinprämie bezeichnet wird, an den Verkäufer des Optionsscheins (hier: emittierende Bank). Dieser verpflichtet sich im Gegenzug zur Erfüllung der Rechte des Inhabers. Der Verkäufer wird in der Fachsprache als Stillhalter bezeichnet.

Die Unterscheidung der Grundtypen bezieht sich auf die Wahlrechte, die dem Inhaber durch den Erwerb eines Call- oder Put-Optionsscheins eingeräumt werden:

Call Optionsschein (Kaufrecht) Put Optionsschein (Verkaufsrecht)
Dem Inhaber wird das Recht eingeräumt

  • einen zugrunde liegenden Basiswert
    (engl. Underlying)
  • in einer bestimmten Menge
    (Kontraktgröße, engl. Contract Size)
  • innerhalb einer bestimmten Frist
    (Restlaufzeit)
  • oder zu einem bestimmten Termin
    (Fälligkeitstag, engl. Expiration Date)
  • zu einem fest definierten Ausübungspreis
    (Basispreis, engl. Strike)
  • kaufen zu dürfen
Dem Inhaber wird das Recht eingeräumt

  • einen zugrunde liegenden Basiswert
    (engl. Underlying)
  • in einer bestimmten Menge
    (Kontraktgröße, engl. Contract Size)
  • innerhalb einer bestimmten Frist
    (Restlaufzeit)
  • oder zu einem bestimmten Termin
    (Fälligkeitstag, engl. Expiration Date)
  • zu einem fest definierten Ausübungspreis
    (Basispreis, engl. Strike)
  • verkaufen zu dürfen
Der Inhaber profitiert bei steigenden Kursen des Underlyings Der Inhaber profitiert bei fallenden Kursen des Underlyings
Fachsprache: Long Call Fachsprache: Long Put
Optionen handeln - Optionsarten
Calls profitieren von einem Anstieg des Aktienkurses, Puts von einem Abstieg.

Optionsschein Ausübungsmodalitäten – Zeitpunkt & Erfüllung

Ein weiteres Unterscheidungskriterium ist der Zeitpunkt, zu dem die Ausübung des verbrieften Optionsrecht erfolgen kann. Optionsscheine, die während der gesamten Laufzeit ausgeübt werden können, bezeichnet man als amerikanische Optionsscheine. Ist die Ausübung ausschließlich am Ende der Laufzeit möglich, spricht man von europäischen Optionsscheinen. In der Praxis lassen sich fast ausschließlich Optionsscheine mit amerikanischer Ausprägung vorfinden.

Wichtig: Die Ausübung bezieht sich auf den Zeitpunkt, zu dem die Andienung des zugrundeliegenden Underlyings stattfinden kann. Der Inhaber besitzt während der Laufzeit jedoch jederzeit die Möglichkeit den erworbenen Optionsschein zu veräußern. Kauf und Verkauf eines Optionsscheins sind somit losgelöst von den Ausübungsmodalitäten zu betrachten.

Cash vs. Physical Settlement

Des Weiteren wird zwischen zwei Erfüllungsarten des verbrieften Optionsrecht differenziert: Barausgleich (engl. Cash Settlement) und physische Lieferung (engl. Physical Settlement). Ein Cash Settlement findet immer dann statt, wenn eine physische Lieferung nicht möglich oder nicht gewünscht ist. Dies ist bspw. bei Indizes der Fall.

Bei Optionsscheinen findet die Abwicklung des Geschäfts aus Gründen der Verwaltung ausschließlich als Cash Settlement statt. Dabei wird die Differenz zwischen dem aktuellen Kurs des Underlying und dem Ausübungspreis des Optionsscheins finanziell ausgeglichen. Bei gewissen Optionen und Futures wird hingegen weiterhin eine physische Lieferung vollzogen.

Basiswert (engl. Underlying) des Optionsscheins

Jeder Optionsschein bezieht sich auf einen zugrunde liegenden Basiswert, der in der Fachsprache Underlying genannt wird. Das Underlying gibt an, welche Ware bzw. welches Wertrecht dem Optionsschein zugrunde liegt. Anders formuliert stellt das Underlying das Handelsobjekt dar, auf welches das Termingeschäft lautet bspw. Aktien, Aktienindizes, Währungen oder Rohstoffe.

Nachfolgende Tabelle zeigt die Gegenüberstellung von Aktien und Optionsscheinen, um die Unterschiede zwischen dem Underlying (Aktie) und dem Derivat (Optionsschein) herauszustellen.

Unterschiede Inhaber Aktie Inhaber Optionsschein auf Aktie
Interpretation
  • Unternehmensanteil an einer Aktiengesellschaft
  • Verbrieftes Recht einen Anteil am Underlying unter Einhaltung der Kontraktspezifikationen zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put)
  • In der Praxis werden Optionsscheine per Cash Settlement abgewickelt ohne Andienung der Aktie
Intention
  • Der Inhaber profitiert bei steigendem Aktienkurs und erhält die Dividende (falls ausgeschüttet)
  • Der Inhaber eines Calls profitiert bei steigenden Aktienkursen
  • Der Inhaber eines Puts profitiert bei fallenden Aktienkursen
  • In beiden Fällen erhält der Inhaber eines Optionsscheins keine Dividende
Risiko
  • Die Entwicklung des Aktienkurses ist abhängig vom wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens und der allgemeinen Konjunktur
  • Ein Totalverlust des Investments ist eher selten
  • Die Preisentwicklung des Optionsscheins ist abhängig von der Entwicklung des Aktienkurses
  • Ein Call besitzt bei Fälligkeit einen Wert, wenn der Aktienkurs über dem Ausübungspreis notiert
  • Ein Put besitzt bei Fälligkeit einen Wert, wenn der Aktienkurs unter dem Ausübungspreis notiert
  • Sollten die genannten Bedingungen für Calls oder Puts nicht erfüllt sein, verfallen diese wertlos
  • Zusätzliches Kontrahentenrisiko gegenüber der emittierenden Bank bspw. durch Insolvenz oder intransparente Preisgestaltung
Sonstige Rechte
  • Je nach Aktiengattung besitzt der Inhaber bspw. Stimmrechte und darf an der Hauptversammlung teilnehmen
  • Der Inhaber eines Optionsscheins hat außer dem Ausübungsrecht keine weiteren Rechte
Laufzeit
  • Unbegrenzt bis zur Insolvenz oder Delisting
  • Durch definierten Fälligkeitstag begrenzt

Optionsscheine sind keine Optionen!

Regelmäßig werden Optionen und Optionsscheine unter Privatanlegern aber auch in Fachliteratur fälschlicherweise als Synonym für einander verwendet, obwohl es sich um zwei unterschiedliche Finanzprodukte handelt. Dementsprechend muss zwingend eine Abgrenzung vorgenommen werden.

Optionen sind bedingte Termingeschäfte, die gewöhnlich über Terminbörsen abgeschlossen werden. Optionen sind unter anderem hinsichtlich Kontraktgröße, Zahlungs- und Lieferbedingungen standardisiert. Da die inhaltliche Struktur von Optionsscheinen auf der von Optionen basiert, handelt es sich auch bei Optionsscheinen um bedingte Termingeschäfte. Diese werden jedoch üblicherweise im Direkthandel mit der emittierenden Bank abgeschlossen. Zudem sind die Kontraktspezifikationen von Optionsscheinen nicht standardisiert, sondern werden von der emittierenden Bank nach eigenem Ermessen festgelegt.

Da in diesem Abschnitt lediglich dafür sensibilisiert werden soll, dass Optionen und Optionsscheine zwei unterschiedliche Finanzprodukte darstellen, sei für eine spezifischere Differenzierung auf das Kapitel „Unterschied zwischen Optionen und Optionsscheinen“ verwiesen.

Werttreiber des Optionsscheins

Ausübungspreis (auch: Basispreis, engl. Strike)

Der Ausübungspreis eines Optionsscheins, der in der Fachsprache Strike genannt wird, gibt an, zu welchem Preis das zugrundeliegende Underlying erworben (Call Optionsschein) oder veräußert (Put Optionsschein) werden kann. Ob ein Optionsschein am Ende der Laufzeit einen tatsächlichen Wert besitzt, hängt von der Differenz zwischen Ausübungspreis und aktuellem Kurs des Underlying ab.

Strike und Callpreis

Call Optionsscheine besitzen immer dann einen sog. inneren Wert, wenn der Kurs des Underlyings über dem Strike des Optionsscheins notiert. Anhand eines Beispiels soll dieser Zusammenhang veranschaulicht werden: Der Strike des Call-Optionsscheins sei 100 EUR und der Kurs des Underlying notiert bei 120 EUR. In diesem Fall besitzt der Inhaber des Optionsscheins das Recht das Underlying für 100 EUR zu beziehen, um es anschließend am Markt für 120 EUR zu veräußern. Entsprechend würde der Inhaber einen Ertrag von 20 EUR erzielen.

Der Inhaber des Call-Optionsscheins besitzt also die Möglichkeit das Underlying günstiger zu beziehen, um es anschließend teurer am Markt zu veräußern. Da Optionsscheine per Cash Settlement abgewickelt werden, erfolgt die finanzielle Verrechnung automatisch bei Ausbuchung. Schlussfolgernd kann festgehalten werden, je tiefer der Strike eines Call Optionsscheins unter dem aktuellen Kurs des Underlyings liegt, desto höher ist der innere Wert des Calls, und desto teurer ist ein Call.

Strike und Putpreis

Konträr dazu besitzen Put Optionsscheine immer dann einen inneren Wert, wenn der Kurs des Underlying unter dem Strike des Optionsscheins notiert. Bspw. würde der Inhaber eines Put Optionsscheins mit einem Strike von 100 EUR einen Ertrag von 20 EUR erzielen, wenn der Kurs des Underlying bei 80 EUR notiert. In diesem Fall besitzt der Inhaber des Optionsscheins das Recht das Underlying für 100 EUR an den Stillhalter zu veräußern, während er es für lediglich 80 EUR am Markt beziehen kann.

Der Inhaber des Put-Optionsscheins besitzt also die Möglichkeit das Underlying günstiger zu beziehen, um es anschließend teurer an den Stillhalter zu veräußern. Da Optionsscheine per Cash Settlement abgewickelt werden, erfolgt auch hier die finanzielle Verrechnung automatisch bei Ausbuchung. Schlussfolgernd kann festgehalten werden, je höher der Strike eines Put Optionsscheins über dem aktuellen Kurs des Underlyings liegt, desto höher ist der innere Wert des Puts, und desto teurer ist ein Put.

Kurs des Underlyings

Der Kurs des Underlying übt mit dem größten Effekt auf den Preis des Optionsscheins aus, da eine direkte Abhängigkeit besteht. Dabei richtet sich das Ausmaß des Effekts nach der Relation zwischen aktuellem Kurs des Underlying und dem Strike. Der Wert eines Call-Optionsscheins nimmt bei einem steigenden Kurs des Underlying umso stärker zu, je weiter der Kurs des Underlying den Strike des Calls übersteigt. Dieser Effekt wird auch als Delta bezeichnet und wird im Kapitel „Die Griechen – Sensitivitäten des Optionsscheinpreises“ detaillierter beleuchtet. Bei einem Put Optionsschein verhält sich der Zusammenhang spiegelbildlich.

Volatilität

Grundsätzlich versteht man unter der Volatilität ein statistisches Maß, das die Intensität der Schwankung eines Underlying innerhalb eines gewissen Zeitraums um seinen Mittelwert beschreibt. Die Volatilität entspricht hierbei der Standardabweichung, die als Quadratwurzel der durchschnittlichen mittleren quadratischen Abweichung des Underlying von seinem Mittelwert definiert ist. Mithilfe der Standardabweichung wird also gemessen, wie stark die einzelnen Renditen der Periode um den Mittelwert schwanken. Entsprechend drückt die Volatilität das Ausmaß der Schwankung und nicht deren Richtung aus.

Folgendes kann festgehalten werden: Je höher die Volatilität, desto höher der Optionsscheinpreis. Diese Schlussfolgerung resultiert daher, dass eine hohe Volatilität ein hohes Maß an Risiko impliziert. Generell können somit zwei Arten von Volatilität unterschieden werden: Historische Volatilität und implizite Volatilität.

Historische Volatilität vs. implizite Volatilität

Die historische Volatilität berücksichtigt ausschließlich vergangenheitsbezogene Daten eines Underlying. Entsprechend bildet sie die vergangene Schwankungsintensität des Underlying in einem entsprechenden Zeitintervall ab. Die implizite Volatilität spiegelt hingegen die zukünftig erwartete Schwankung des Underlyings wider und kann in ihrer Höhe signifikant von der historischen Volatilität abweichen. Die in Optionsscheinen abgebildete Volatilität entspricht genau dieser impliziten Volatilität. Die Ableitung der impliziten Volatilität erfolgt anhand des Iterations-Verfahrens und der Black-Scholes Formel.

Restlaufzeit

Die Restlaufzeit hat einen signifikanten Einfluss auf den Preis eines Optionsscheins. Die Auswirkung wird umso größer, je näher das Laufzeitende rückt. Dieser Einfluss wird mit dem sog. Zeitwertverlust umschrieben, der wiederum mit dem griechischen Buchstaben Theta ausgedrückt wird. Eine detaillierte Erläuterung erfolgt im Kapitel „Die Griechen – Sensitivitäten des Optionsscheinpreises“.

Verallgemeinert lässt sich folgender Zusammenhang darstellen: Je kürzer die Restlaufzeit, umso niedriger ist der Zeitwert eines Optionsscheins. Der Wert eines Call-Optionsscheins nimmt mit kürzer werdender Laufzeit umso stärker ab, je weiter der Kurs des Underlying unter dem Strike des Calls notiert. Entsprechend ist der Effekt am geringsten, je weiter der Kurs über dem Strike notiert, da diese Optionsscheine einen vergleichsweise geringeren Zeitwertaufschlag besitzen. Bei einem Put Optionsschein verhält sich der Zusammenhang zwischen Kurs und Strike konträr, der Effekt des Zeitwertverfalls bleibt jedoch identisch.

Risikofreier Zinssatz

Unter dem risikofreien Zinssatz wird meist der Geldmarktzinssatz verstanden, der für eine Geldanlage gezahlt wird, für die kein Ausfallrisiko besteht. Bei der Wahl eines geeigneten risikofreien Zinssatzes für die Bewertung von Optionsscheinen müssen weitere Faktoren wie die Restlaufzeit des Optionsscheins und die Währung, in der er notiert Berücksichtigung finden. Grundsätzlich gilt: Steigt der risikofreie Zinssatz, so steigt der Callpreis, während sich der Putpreis verringert. Eine ausführliche Begründung dieses Zusammenhangs erfolgt im Kapitel „Die Griechen – Sensitivitäten des Optionsscheinpreises“.

Dividende

Dividendenzahlungen wirken sich direkt auf den Kurs des Underlying aus, indem sie den Kurs bei Ausschüttung bzw. am Ex-Dividend Date um die Höhe der Dividende reduzieren. Entsprechend wirken sich die Dividendenzahlungen auch darauf aus, wie Call und Put Optionsscheine bepreist werden, obwohl sie im ursprünglichen Black-Scholes Modell (dem mathematischen Modell, auf dem die Bewertung von Optionen und Optionsscheinen beruht) nicht berücksichtigt werden.

Generell gilt, dass im Zuge der Dividendenzahlung Put Optionsscheine im Wert steigen, während Call-Optionsscheine im Wert fallen. Dieser Zusammenhang gilt bei sonst gleichen Bedingungen, was in der Praxis meist nicht der Fall ist. Zum Zeitpunkt des Erwerbs eines Optionsscheins liegt die Dividendenzahlung in der Zukunft. Allerdings ist üblicherweise bekannt, wann die Ausschüttung vollzogen wird, entsprechend wird die erwartete und ausschüttungsbedingte Reduktion des Underlyingkurses bereits im Vorfeld der Ausschüttung im Wert des Optionsscheins eingepreist.

Es ist also zutreffend, dass sich der Callpreis reduziert, während der Putpreis steigt. Da auf den Optionsscheinpreis zahlreiche Einflussfaktoren wirken und die Bedingungen in der Praxis meist nicht konstant bleiben, wird die Preisänderung mit Bezug auf die Dividendenzahlung von den übrigen Einflussfaktoren kompensiert, sodass der Effekt verpufft. Solange die tatsächliche Dividendenzahlung nicht von der erwarteten Dividendenzahlung differiert, hat diese am Ausschüttungstag bzw. am Ex-Dividend Date keinen Einfluss auf den Preis von Optionsscheinen. Anderenfalls würden sich Arbitragemöglichkeiten ergeben.

Bewertung von Optionsscheinen

Innerer Wert

Der Wert eines Optionsscheins lässt sich grundsätzlich in zwei Komponenten aufteilen: Innerer Wert und Zeitwert. Der innere Wert eines Optionsscheins ergibt sich aus der positiven Differenz zwischen dem aktuellen Preis des Underlying und dem Strike des Optionsscheins. Per Definition kann der innere Wert nicht negativ werden, jedoch den Wert 0 annehmen. Call-Optionsscheine besitzen somit einen inneren Wert, wenn der Preis des Underlying über dem Strike notiert. Anderenfalls beträgt der innere Wert 0. Demnach besitzen Put-Optionsscheine einen inneren Wert, wenn der Preis des Underlying unter dem Strike notiert. In allen anderen Fällen beträgt der innere Wert 0.

Zeitwert

Der Zeitwert spiegelt den Betrag wider, den Marktteilnehmer in Erwartung von Marktpreisänderungen bereit sind zu zahlen. Er ergibt sich aus der Differenz zwischen dem aktuellen Preis des Optionsscheins und dem inneren Wert. Da den ermittelten Preisen von Optionsscheinen mathematische Modelle zugrunde liegen, führt dies dazu, dass Optionsscheine während ihrer Laufzeit einen Wert besitzen, der über dem inneren Wert liegt. Per Definition kann auch der Zeitwert nicht negativ werden, jedoch den Wert 0 annehmen, was zum Fälligkeitszeitpunkt der Fall ist.

Die Höhe des Zeitwerts hängt von verschiedenen Einflussfaktoren ab. Zu nennen sind hier insbesondere die Volatilität, die Restlaufzeit des Optionsscheins, der risikofreie Zinssatz sowie die aktuelle Preisstellung des Optionsscheins selbst.

Zeitwertverfall

Zeitwert und Restlaufzeit stehen in einer besonderen Beziehung zueinander. Je länger die Restlaufzeit eines Optionsscheins ist, umso größer ist der Zeitwert. Zu beachten ist dabei, dass sich der Zeitwert umgekehrt mit abnehmender Restlaufzeit kontinuierlich verringert und zum Fälligkeitszeitpunkt den Wert 0 annimmt. Der Preis des Optionsscheins besteht bei Fälligkeit also ausschließlich aus dem inneren Wert. Beträgt der innere Wert ebenfalls 0, verfällt der Optionsschein wertlos. Die Abnahme des Zeitwerts verläuft dabei nicht linear, sondern exponentiell. Somit verringert sich der Zeitwert am Ende der Laufzeit wesentlich stärker als zu Beginn.

Preisstellung eines Optionsscheins (Moneyness)

Durch die Betrachtung des inneren Werts und des Zeitwerts, lassen sich Aussagen über die Preisstellung eines Optionsscheins treffen, die in der Fachsprache Moneyness (dt.: Geldnähe) genannt wird. Demnach kann ein Optionsschein folgende drei Stadien der Preisstellung einnehmen:

  • Aus dem Geld (engl. out of the Money, kurz: OTM)
  • Am Geld (engl. at the Money, kurz: ATM)
  • Im Geld (engl. in the Money, kurz: ITM)

Dabei ist die Preisstellung nicht als statisch zu betrachten. Ein Optionsschein kann während seiner Laufzeit alle drei Stadien wechselnd durchlaufen.

Modelle zur Berechnung des Optionsscheinpreises

Bisher beschränkte sich die Betrachtung darauf, die Wirkung der Einflussfaktoren auf den Preis des Optionsscheins formal zu bestimmen. Unter Zuhilfenahme spezieller Modelle zur Berechnung des Optionsscheinpreises ist es möglich, eine numerische Ermittlung dieser Einflussfaktoren durchzuführen. Es gibt folgende Modelle zur Berechnung des Optionsscheinpreises

Die Griechen – Sensitivitäten des Optionsscheinpreises

Eines der wichtigsten Konzepte bei der Anwendung von Optionen und Optionsscheinen sind die in der Fachsprache als Griechen (auch: Optionsgriechen, engl. Greeks) bezeichneten Kennzahlen, die sich aus einzelnen Ableitungen der Black-Scholes Formel ergeben. Mithilfe der Griechen werden die Sensitivitäten des Optionsscheinpreises auf die einzelnen Werttreiber ausgedrückt. Sie geben bspw. an, welche Änderung der Preis eines Optionsscheins erfährt, wenn sich der Preis des Underlying oder dessen Volatilität unter sonst gleichbleibenden Bedingungen ändert.

Delta

Das Delta entspricht der ersten partiellen Ableitung des Optionsscheinpreises nach dem Kurs des Underlying. Die Kennzahl gibt an, wie sich der Preis des Optionsscheins in Relation zu einem sich veränderten Preis des Underlying ändert. Folglich handelt es sich beim Delta um eine direkte Sensitivität des Werttreibers Kurs des Underlying.

Delta=Δ=\frac{Absolute~Veränderung~des~Optionsscheinpreis}{Absolute~Veränderung~des~Underlyingpreis}=\frac{δf(S,T)}{δS}

Dabei gilt, das Delta kann bei Call Optionsscheinen immer nur einen positiven Wert im Intervall 0 bis 1 annehmen. Je weiter ein Call Optionsschein im Geld notiert, umso höher ist das Delta und desto stärker reagiert der Optionsscheinpreis auf Preisänderungen des Underlying. Das Delta tendiert folglich bei weit im Geld liegenden Calls gegen 1. Konträr dazu reagiert der Optionsscheinpreis umso geringer auf Preisänderungen des Underlying, desto weiter ein Call aus dem Geld liegt. Dieser Zusammenhang gilt analog für Put Optionsscheine, wobei hier das Delta immer nur negative Werte im Intervall 0 bis -1 annehmen kann.

Delta Call Optionsschein Delta Put Optionsschein
Aus dem Geld
(OTM)
ca. 0 bis 0,5 ca. 0 bis -0,5
Am Geld
(ATM)
ca. 0,5 ca. -0,5
Im Geld
(ITM)
ca. 0,5 bis 1 ca. -0,5 bis -1
Ein Delta von -0,5 bedeutet, dass der Preis eines Put Optionsscheins um 0,5 Geldeinheiten abnimmt, wenn der Preis des Underlying um eine Geldeinheit steigt. Vice versa würde ein Delta von 0,5 den Preis eines Call-Optionsscheins um 0,5 Geldeinheiten ansteigen lassen, wenn der Preis des Underlyings um eine Geldeinheit steigt.

Gamma

Das Gamma entspricht der zweiten partiellen Ableitung des Optionsscheinpreises nach dem Kurs des Underlying bzw. der ersten partiellen Ableitung nach dem Delta. Entsprechend gibt die Kennzahl an, wie sich das Delta in Relation zu einem sich veränderten Preis des Underlying ändert. Folglich misst das Gamma wie hoch die Änderung des Deltas ausfällt, wenn der Preis des Underlying um eine Geldeinheit ansteigt. Beim Gamma handelt es sich somit um eine indirekte Sensitivität des Werttreibers Kurs des Underlying.

Gamma=Γ=\frac{Absolute~Veränderung~des~Delta}{Absolute~Veränderung~des~Underlyingpreis}=\frac{δ^2f(S,T)}{δS^2}

Theta

Das Theta entspricht der ersten partiellen Ableitung des Optionsscheinpreises nach der Restlaufzeit. Das Theta gibt an, wie sich der Preis des Optionsscheins verändert, wenn sich die Laufzeit des Optionsscheins um einen Tag reduziert. Folglich misst das Theta den Zeitwertverfall eines Optionsscheins. Beim Theta handelt es sich somit um eine direkte Sensitivität des Werttreibers Restlaufzeit.

Theta=Θ=\frac{Absolute~Veränderung~des~Optionsscheinpreis}{Absolute~Veränderung~der~Restlaufzeit}=\frac{δf(S,T)}{δt}

Wichtig: Das Theta ist sowohl für Put Optionsschein als auch Call-Optionsscheine gleichermaßen negativ, d.h. der Zeitwert aller Optionsscheine reduziert sich mit jedem Tag, mit dem der Fälligkeitstag näher rückt. Bei Fälligkeit selbst beträgt der Zeitwert 0. Der Zeitwertverfall verläuft dabei nicht linear, sondern exponentiell. Dieser Zusammenhang wurde bereits im vorherigen Unterkapitel „Zeitwertverfall“ ausführlich erläutert. Zu beachten ist, dass sich das Theta nur auf den Zeitwert bezieht und den inneren Wert nicht tangiert.

Für den Inhaber eines Optionsscheins bedeutet dieser Sachverhalt, dass seine Position einem kontinuierlichen Wertverlust unterliegt, unabhängig davon, ob es sich um einen Call oder einen Put handelt. Dies gilt selbst dann, wenn sich der Kurs des Basiswertes nicht verändern sollte. Der Stillhalter profitiert hingegen vom Theta, da sein Gewinn umso höher ausfällt, desto weniger ein Optionsschein wert ist.

Umrechnung der Laufzeit

Da sich die Laufzeit in der Black-Scholes Formel auf Jahresangaben bezieht, muss das Ergebnis auf einen Tag umgerechnet werden, um die Berechnung des Theta durchzuführen. Dabei ist es in der Praxis üblich, dass die Umrechnung auf Basis von 365 Tagen erfolgt. Vereinzelt wird man in der Literatur auch auf eine Umrechnung auf Basis von 250 Tagen treffen, die der Anzahl an Handelstagen entspricht.

Vega

Das Vega, auch Kappa oder Lambda genannt, entspricht der ersten partiellen Ableitung des Optionsscheinpreises nach der Volatilität. Die Kennzahl gibt an, wie sich der Preis des Optionsscheins in Relation zu einer sich veränderten Volatilität ändert. Folglich misst das Vega wie hoch die Änderung des Optionsscheinpreises ausfällt, wenn sich die implizite Volatilität des Underlying um einen Prozentpunkt ändert. Beim Vega handelt es sich somit um eine direkte Sensitivität des Werttreibers Volatilität.

Vega=Κ~oder~Λ=\frac{Absolute~Veränderung~des~Optionsscheinpreis}{Absolute~Veränderung~der~impliziten~Volatilität}=\frac{δf(S,T)}{δσ}

Dabei gilt, ein Anstieg der impliziten Volatilität führt gleichermaßen sowohl bei Call-Optionsscheinen als auch bei Put-Optionsscheinen zu einem Preisanstieg. Bspw. hat ein Vega von 10 einen Preisanstieg von 0,10 EUR zur Folge, wenn die implizite Volatilität absolut um 1 % steigt, also bspw. von 34 % auf 35 %.

Omega

Das Omega entspricht der dritten partiellen Ableitung des Optionsscheinpreises nach dem Kurs des Underlying und wird auch als Optionselastizität bezeichnet. Die Kennzahl misst die prozentuale Veränderung des Optionsscheinpreises in Relation zur prozentualen Preisänderung des Underlying. Beim Omega handelt es sich somit um eine indirekte Sensitivität des Werttreibers Kurs des Underlying.

In den meisten Laufzeitstadien hat eine isolierte Betrachtung des einfachen Hebels eine geringe Aussagekraft über die tatsächliche Hebelwirkung eines Optionsscheins. Aus diesem Grund wird bei der Berechnung des Omega zusätzlich das Delta mit einbezogen. Außerdem findet bei Optionsscheinen das sog. Bezugsverhältnis (kurz: Ratio) Berücksichtigung. Dieses gibt an, auf wie viele Einheit des Underlying sich ein Optionsschein bezieht.

Omega=Ω=Delta*\frac{Preis~des~Underlying*Bezugsverhältnis}{Preis~des~Optionsscheins}

Bspw. bedeutet ein Omega von 5, dass der Preis eines Call-Optionsscheins um 5 % steigt, wenn sich der Preis des Underlying um 1 % erhöht. Gleichermaßen würde sich der Preis des Call-Optionsscheins um 5 % verringern, wenn der Preis des Underlying um 1 % fällt. Dieser Zusammenhang gilt analog für Put Optionsscheine. Da das Delta keine konstante Größe darstellt, dient auch das Omega nur als Schätzwert der Hebelwirkung. Dennoch lässt sich mit dem Omega eine wesentlich aussagekräftigere Einschätzung der Hebelwirkung treffen als mit der Betrachtung des einfachen Hebels. Dies gilt besonders für die Optionsscheine, die nicht weit im Geld notieren.

Rho

Das Rho entspricht der ersten partiellen Ableitung des Optionsscheinpreises nach dem risikofreien Zinssatz. Die Kennzahl gibt an, wie sich der Preis des Optionsscheins in Relation zu einem sich veränderten risikofreien Zinssatz ändert. Folglich misst das Rho, wie hoch die Änderung des Optionsscheinpreises ausfällt, wenn sich der risikofreie Zinssatz um einen Prozentpunkt ändert. Beim Rho handelt es sich somit um eine direkte Sensitivität des Werttreibers risikofreier Zinssatz.

Rho=Ρ=\frac{Absolute~Veränderung~des~Optionsscheinpreis}{Absolute~Veränderung~des~risikofreien~Zinssatz}=\frac{δf(S,T)}{δr_f}

Dabei gilt, ein Anstieg des risikofreien Zinssatzes führt bei Call-Optionsscheinen zu einem Preisanstieg. Bspw. hat ein Rho von 13 einen Preisanstieg im Call von 0,13 EUR zur Folge, wenn der risikofreie Zinssatz absolut um 1 % steigt. Bei Put Optionsscheinen verringert sich der Preis hingegen. Dieser Zusammenhang ist zum einen mit dem Marktzinsnachteil und zum anderen mit den Optionsscheintypen zu erklären.

Das direkte Investment in das Underlying würde dazu führen, dass im Vergleich zum Erwerb eines Optionsscheins wesentlich mehr Kapital gebunden wäre, das nicht zur freien Disposition stehen würde. Durch den Erwerb des Optionsscheins besteht also ein Liquiditätsvorteil gegenüber dem direkten Investment. Diese Überschussliquidität könnte nun anderweitig angelegt werden und zusätzliche Erträge erwirtschaften. Unter der Annahme eines effizienten Kapitalmarkts müsste der Erwerb eines Optionsscheins allerdings gleichwertig mit einem direkten Investment in das Underlying sein. Diese Diskrepanz wird über den Marktpreis geregelt, indem ein steigender risikofreier Zinssatz zu einem steigenden Callpreis führt.

Bisher wurde lediglich der Fall eines steigenden Underlyingkurs betrachtet. Möchte ein Anleger jedoch auf fallende Kurse setzen, bestehen für ihn zwei Möglichkeiten wie er dies umsetzen kann: Entweder der Anleger tätigt einen Leerverkauf des Underlyings oder er erwirbt einen Put-Optionsschein. In beiden Fällen setzt der Anleger auf fallende Kurse des Underlyings, jedoch erhält er beim Leerverkauf liquide Mittel, während er beim Erwerb des Put-Optionsscheins an Liquidität einbüßt.

Entsprechend eröffnet sich durch den Leerverkauf die Möglichkeit, die freigesetzten liquiden Mittel anderweitig anzulegen und entsprechend zusätzliche Erträge zu erwirtschaften. Daraus folgt: Umso höher der risikofreie Zinssatz, desto profitabler wird der direkte Leerverkauf des Underlyings. Dies führt in der Folge zu sinkenden Putpreisen, da der Barwert des zukünftigen Verkaufsrechts sinkt, umso höher der Diskontierungszins ist.

Optionsscheine – Vorteile

Begrenztes Verlustpotenzial

Optionsscheine haben ein begrenztes Verlustpotenzial bei theoretisch unbegrenzten Gewinnmöglichkeiten. Anleger können bei dem Kauf eines Optionsscheins maximal die gezahlte Prämie verlieren. Der mögliche Gewinn ist zumindest bei Calls theoretisch unbegrenzt, weil der Kurs des Underlying grundsätzlich unbegrenzt steigen kann. Bei Puts ist der Gewinn dadurch begrenzt, dass bspw. ein Aktienkurs nicht unter 0 EUR fallen kann

Geringes Bezugsverhältnis und Kapitaleinsatz

Verglichen mit anderen Derivaten, besitzen Optionsscheine durch die geringen Bezugsverhältnisse auch geringe Losgrößen. Aktienoptionen verbriefen beispielsweise immer 100 Anteile ihres Underlying. Eine Call-Option auf die Aktie von Amazon würde folglich ein Kaufrecht über einen sechsstelligen Betrag verbriefen. Dementsprechend hoch kann die zu zahlende Optionsprämie ausfallen. Die emittierende Bank eines Optionsscheins kann das Bezugsverhältnis jedoch bspw. auf nur eine Amazon Aktie reduzieren und damit auch die Prämie senken. Für Anleger bedeutet das einen geringeren Kapitaleinsatz.

Absicherungsgeschäfte

Optionsscheine können nicht nur für spekulative Zwecke eingesetzt werden, sondern es lassen sich gezielte Absicherungsstrategien, auch Hedging genannt, umsetzen. Bspw. kann ein Anleger durch den Erwerb eines Puts eine entsprechende Long Position absichern. Leerverkaufspositionen bzw. Short Positionen können mit Calls abgesichert werden.

Optionsscheine – Nachteile

Verbilligung durch Bezugsverhältnis

Das Bezugsverhältnis kann gleichzeitig auch ein Nachteil sein. Durch die flexible Gestaltung der emittierenden Banken, können Optionsscheine einen günstigeren Eindruck erwecken, obwohl sie in der Realität überbewertet sind. Die Bank hat somit die Möglichkeit an der eigenen Gewinnmarge zu drehen. Optionen besitzen diesen Nachteil aufgrund ihrer Standardisierung nicht.

Emittentenrisiko und Interessenkonflikt

Ein wesentlicher Risikofaktor von Optionsscheinen ist das sogenannte Emittentenrisiko. Da Optionsscheine von emittierenden Banken ausgegeben werden, ist diese Gegenpartei gleichzeitig der Geschäftspartner des Anlegers. Hieraus ergibt sich ein Interessenkonflikt seitens der Bank, da sie im Erfolgsfall des Anlegers Geld verliert. Der Anleger ist des Weiteren darauf angewiesen, dass die Bank zahlungsfähig bleibt. Im Falle einer Insolvenz der emittierenden Bank verlieren auch deren Optionsscheine ihren Wert. Bei Optionen und Futures ist ein solches Szenario nicht möglich, da es hier keinen Emittenten im Sinne einer Bank gibt.

Begrenzter Handlungsspielraum

Optionsscheinen lassen sich nur auf der Käuferseite handeln. Das bedeutet, dass der initiale Erwerb von Call und Put Optionsscheinen möglich ist, der initiale Verkauf ist allerdings ausgeschlossen. Ein Anleger kann mit Optionsscheinen also keine Stillhaltergeschäfte umsetzen. Dadurch werden zusätzliche Strategien und Handlungsansätze ausgeschlossen.

Fehlende Standardisierung

Nachteilig ist auch die fehlende Standardisierung von Optionsscheinen. Emittierende Banken können die Kontraktspezifikationen nach eigenem Ermessen gestalten, was insbesondere bei der Preisfindung zum Nachteil des Anlegers ausgelegt werden kann. In den USA werden Optionsscheine als zu manipulationsanfällig eingestuft und sind entsprechend vom Handel ausgeschlossen. Optionen sind hingegen standardisierte Terminprodukte, die ihre Preisfindung auf Basis von Angebot und Nachfrage vollziehen. Entsprechend stark werden Optionen in den USA gehandelt.

Optionsscheinstrategien – Eine Auswahl

Grundsätzlich gilt: Mit Optionsscheinen kann ein Anleger lediglich auf der Käuferseite agieren. Ihm wird also das Recht verwehrt, selbst als Emittent in Erscheinung zu treten und auf der Verkäuferseite zu agieren. Dieser Grundsatz limitiert den Anleger von Beginn an in seinem Handlungsspielraum und begrenzt folglich seine Gewinnchancen. Im Folgenden sei dies an drei Beispielen veranschaulicht, dabei können die beiden ersten sowohl mit Optionsscheinen als auch mit Optionen umgesetzt werden, während die dritte Strategie ausschließlich mit Optionen umgesetzt werden kann.

Optionsscheinstrategie für steigende Kurse – Long Call

Bei einem sog. Long Call handelt es sich um eine simple Strategie, um von einem steigenden Underlyingkurs zu profitieren. Diese Strategie kann sowohl mit Optionsscheinen als auch mit Optionen umgesetzt werden.

Gewinn- und Verlustdiagramm zur Long-Call-Strategie
Payoff-Diagramm der Long Call Optionsstrategie (Gewinn- und Verlust der Optionsstrategie auf der y-Achse, Kurs des Basiswertes zum Verfallstag auf der x-Achse)

Grundsätzlich geht ein Anleger hier davon aus, dass der Kurs des Underlying in einem bestimmten Zeitraum steigen wird. Hierzu erwirbt er einen Call-Optionsschein oder eine Call-Option.

Auszahlungsprofil Long Call

Angenommen der Erwerb des Calls findet im Oktober statt und die Fälligkeit sei im Dezember. Des Weiteren liegt der Strike bei 100 und der Call kostet aktuell 1 EUR (Prämie). Der Break-even-Point liegt somit bei 101 EUR (Strike + Prämie). In diesem Fall lassen sich drei mögliche Szenarien bei Fälligkeit ableiten:

  • Der Kurs des Underlying steht über 101 EUR: Der Call notiert im Geld und über dem Break-even-Point. Der Inhaber würde einen Gewinn realisieren.
  • Der Kurs des Underlying steht zwischen 100 und 101 EUR: Der Call notiert am Geld bzw. im Geld aber unter dem Break-even-Point. Der Inhaber würde einen Teilverlust realisieren.
  • Der Kurs des Underlying steht unter 100 EUR: Der Call notiert aus dem Geld und unter dem Break-even-Point. Der Inhaber würde einen Totalverlust realisieren.

Daraus ergibt sich ein Auszahlungsprofil mit limitiertem Risiko in Höhe der gezahlten Prämie (zzgl. sonstigen Gebühren), bei gleichzeitig unlimitierter Gewinnchance.

Ermittlung GuV Long Call

Bei der Ermittlung des Gewinns muss bei Optionsscheinen das Bezugsverhältnis beachtet werden. Somit gilt:

Gewinn=(Kurs~des~Underlying-Strike)*( Bezugsverhältnis)-gezahlte~ Prämie

Optionsscheinstrategie für steigende Volatilität – Long Straddle

Beim sog. Long Straddle handelt es sich um eine neutrale Handelsstrategie, um von einem Anstieg der Volatilität zu profitieren. Diese Strategie kann sowohl mit Optionsscheinen als auch mit Optionen umgesetzt werden. Grundsätzlich geht ein Anleger hier davon aus, dass die Volatilität des Underlying in einem bestimmten Zeitraum ansteigen wird.

Long Straddle - Optionsstrategie
Payoff-Diagramm der Long Straddle Optionsstrategie (Gewinn- und Verlust der Optionsstrategie auf der y-Achse, Kurs des Basiswertes zum Verfallstag auf der x-Achse)

Hierzu erwirbt er gleichzeitig einen Put und einen Call auf dasselbe Underlying, wobei sowohl der Strike als auch die Fälligkeit bei beiden Derivaten identisch sind.

Auszahlungsprofil Long Straddle

Durch die gleichzeitige Long Position sowohl im Put als auch im Call, profitiert diese Strategie von signifikanten Kursbewegungen egal, ob steigend oder fallend. Angenommen der Erwerb des Calls und des Puts findet im Oktober statt und die Fälligkeit sei im Dezember. Des Weiteren liegt der Strike beider Derivate bei 100 und in Summe wird eine Prämie von 2 EUR gezahlt.

In diesem Fall müssten zwei Break-even-Points ermittelt werden. Auf der Unterseite würde sich somit ein Break-even-Point von 98 EUR (Strike – Summe der Prämie) ergeben, während selbiger auf der Oberseite bei 102 EUR (Strike + Summe der Prämie) liegen würde. Bei einem Long Straddle lassen sich demnach fünf mögliche Szenarien bei Fälligkeit ableiten:

  • Der Kurs des Underlying steht über 102 EUR: Der Call notiert im Geld und über dem Break-even-Point, während der Put wertlos verfällt. Der Inhaber würde einen Gewinn realisieren.
  • Der Kurs des Underlying steht zwischen 100 und 102 EUR: Der Call notiert am Geld bzw. im Geld aber unter dem Break-even-Point, während der Put wertlos verfällt. Der Inhaber würde einen Teilverlust realisieren.
  • Der Kurs des Underlying steht zwischen 100 und 98 EUR: Der Put notiert am Geld bzw. im Geld aber unter dem Break-even-Point, während der Call wertlos verfällt. Der Inhaber würde einen Teilverlust realisieren.
  • Der Kurs des Underlying steht unter 98 EUR: Der Put notiert im Geld und über dem Break-even-Point, während der Call wertlos verfällt. Der Inhaber würde einen Gewinn realisieren.
  • Der Kurs des Underlying steht exakt bei 100 EUR: Sowohl der Put als auch der Call würden wertlos verfallen. Der Inhaber würde einen Totalverlust realisieren.

Daraus ergibt sich ein Auszahlungsprofil mit limitiertem Risiko in Höhe der Summe der gezahlten Prämien (zzgl. sonstigen Gebühren), bei gleichzeitig unlimitierter Gewinnchance. Zu beachten ist, dass die zu zahlende Prämie aufgrund des Erwerbs von zwei Derivaten höher ist und entsprechend die Break-even-Points weiter vom Strike entfernt liegen. Dies kommt mit dem Vorteil, dass sich ein Anleger für keine Kursrichtung entscheiden muss. Außerdem ermöglicht diese Art der neutralen Positionierung dem Anleger vom Anstieg der impliziten Volatilität in den Derivaten zu profitieren.

Ermittlung GuV Long Straddle

Bei der Ermittlung des Gewinns muss bei Optionsscheinen das Bezugsverhältnis beachtet werden. Somit gilt:

Gewinn~Call=(Kurs~des~Underlying-Strike~Call)*( Bezugsverhältnis)-Summe~gezahlte~Prämien
Gewinn~Put=(Strike~Put-Kurs~des~Underlying)*( Bezugsverhältnis)-Summe~gezahlte~Prämien

Optionsscheinstrategie für Einnahme einer Prämie – Short Strangle

Die bisher betrachteten Strategien konnten sowohl mit Optionsscheine als auch Optionen umgesetzt werden, da ein Anleger auf der Käuferseite als Inhaber tätig war. Das bedeutet, für die Umsetzung der Strategien musste der Anleger zu Beginn immer die Optionsprämie zahlen.

Er musste also Kapital investieren und darauf hoffen, dass das Underlying eine für ihn vorteilhafte Kursentwicklung vollzieht, um bei Fälligkeit mindestens das investierte Kapital zurückerstattet zu bekommen. In den aufgestellten Szenarien wurde anschaulich dargestellt, in welchem Fall ein Gewinn realisiert werden kann und wann ein Verlust hingenommen werden muss.

Das Universum der Optionsstrategien beinhaltet aber auch Positionierungen, bei denen man auf der Verkäuferseite als Stillhalter der Option in Erscheinung tritt. Als Stillhalter nimmt man die Position des Emittenten ein und verkauft entsprechend Optionen an den Inhaber. Bei diesen Strategien erhält der Stillhalter zu Beginn immer die Optionsprämie, die der Inhaber beim Erwerb zahlt. Anders als bei den zuvor betrachteten Strategien muss nun also kein Kapital investiert werden, sondern die Prämie wird gutgeschrieben.

Mit einem sog. Short Strangle lässt sich eine solche Positionierung umsetzen. Ähnlich wie beim Long Straddle handelt es sich beim Short Strangle um eine neutrale Handelsstrategie, die allerdings ausschließlich mit Optionen umgesetzt werden kann. Grundsätzlich geht ein Anleger hier davon aus, dass der Kurs des Underlying in einem bestimmten Zeitraum innerhalb einer gewissen Range oszilliert.

Gewinn- und Verlustdiagramm der Short Strangle Strategie
Payoff-Diagramm der Short Strangle Optionsstrategie (Gewinn- und Verlust der Optionsstrategie auf der y-Achse, Kurs des Basiswertes zum Verfallstag auf der x-Achse)

Hierzu verkauft er gleichzeitig einen Put und einen Call auf dasselbe Underlying (in der Fachsprache spricht man auch davon, dass der Stillhalter eine Option schreibt), wobei die Strikes voneinander abweichen, die Fälligkeit bei beiden Derivaten jedoch identisch ist.

Auszahlungsprofil Short Strangle

Durch die gleichzeitige Short Position sowohl im Put als auch im Call, profitiert diese Strategie von einer Kursstagnation bzw. geringfügigen Kursbewegungen egal, ob steigend oder fallend. Angenommen der Verkauf des Calls und des Puts findet im Oktober statt und die Fälligkeit sei im Dezember. Durch den Verkauf nimmt der Stillhalter eine Prämie von 2 EUR ein. Des Weiteren liegt der Strike des Calls bei 110 und der des Puts bei 90, während der aktuelle Kurs des Underlying bei 100 taxiert.

In diesem Fall müssten zwei Break-even-Points ermittelt werden. Auf der Unterseite würde sich somit ein Break-even-Point von 88 EUR (Strike – Summe der Prämie) ergeben, während selbiger auf der Oberseite bei 112 EUR (Strike + Summe der Prämie) liegen würde. Bei einem Short Strangle lassen sich demnach fünf mögliche Szenarien bei Fälligkeit ableiten:

  • Der Kurs des Underlying steht über 112 EUR: Der Call notiert im Geld und unter dem Break-even-Point, während der Put wertlos verfällt. Der Stillhalter würde zwar die komplette Prämie des Puts einnehmen, der Call würde jedoch einen Verlust generieren, der die vereinnahmte Prämie übersteigt und somit für die gesamte Position ein Verlust realisiert werden müsste.
  • Der Kurs des Underlying steht zwischen 110 und 112 EUR: Der Call notiert am Geld bzw. im Geld aber über dem Break-even-Point, während der Put wertlos verfällt. Der Stillhalter würde mit dem Call einen Teilgewinn realisieren, während die Prämie für den Put vollständig eingenommen wird.
  • Der Kurs des Underlying steht zwischen 90 und 88 EUR: Der Put notiert am Geld bzw. im Geld aber über dem Break-even-Point, während der Call wertlos verfällt. Der Stillhalter würde mit dem Put einen Teilgewinn realisieren, während die Prämie für den Call vollständig eingenommen wird.
  • Der Kurs des Underlying steht unter 88 EUR: Der Put notiert im Geld und unter dem Break-even-Point, während der Call wertlos verfällt. Der Stillhalter würde zwar die komplette Prämie des Calls einnehmen, der Put würde jedoch einen Verlust generieren, der die vereinnahmte Prämie übersteigt und somit für die gesamte Position ein Verlust realisiert werden müsste.
  • Der Kurs des Underlying steht zwischen 90 EUR und 110 EUR: Sowohl der Put als auch der Call würden wertlos verfallen. Der Stillhalter würde die komplette Prämie einnehmen.

Daraus ergibt sich ein Auszahlungsprofil mit limitiertem Gewinn in Höhe der Summe der gezahlten Prämien (abzgl. sonstiger Gebühren), bei gleichzeitig unlimitiertem Verlustrisiko. Zu beachten ist, dass das unlimitierte Verlustrisiko mit dem Vorteil einer signifikant höheren Gewinnwahrscheinlichkeit einhergeht. Des Weiteren profitiert der Stillhalter von einer sinkenden impliziten Volatilität in den Derivaten. Außerdem besteht die Möglichkeit zusätzlichen Cash Flow zu generieren, indem der Short Strangle auf ein bereits gehaltenes Underlying eröffnet wird.

Ermittlung GuV Short Strangle

Die Ermittlung des Gewinns erfolgt wie folgt:

Gewinn=Summe~vereinnahmter~Prämien-innerer~Wert~der~Call~oder~Put~Option

Unterschied zwischen Optionsscheine und Optionen

Standardisierung und Handel

Bei Optionen handelt es sich um standardisierte Terminprodukte, die gewöhnlich über Terminbörsen gehandelt werden. Die Standardisierung erstreckt sich über Kontraktgröße sowie Zahlungs- und Lieferbedingungen. Die Kontraktspezifikationen von Optionsscheinen sind hingegen nicht standardisiert.

Zwar basiert die inhaltliche Struktur von Optionsscheinen auf der von Optionen, die Spezifikationen werden jedoch von der emittierenden Bank nach eigenem Ermessen festgelegt. Aufgrund der fehlenden Standardisierung und freien Gestaltung seitens der Banken findet der Handel von Optionsscheinen üblicherweise im Direkthandel (auch Over the Counter (OTC) genannt) mit der emittierenden Bank statt.

Preisfindung

Die fehlende Standardisierung bei Optionsscheinen hat direkten Einfluss auf die Preisbildung. Da diese Produkte direkt zwischen emittierender Bank und Käufer gehandelt werden, findet die Preisbildung in den seltensten Fällen tatsächlich durch Angebot und Nachfrage statt. Es besteht ein Interessenkonflikt der emittierender Bank.

Da diese zusätzlich die Kontraktspezifikationen nach eigenem Ermessen festlegen kann, kommt es insbesondere in „schnellen und volatilen Marktphasen“ zu fraglichen und in aller Regel nicht transparenten Preisbildungen. In der Praxis bedeutet das, dass bei zwei sonst identische Optionsscheine, bei denen sich lediglich die emittierende Bank unterscheidet, zwei signifikant unterschiedliche Preise gestellt werden. Somit bleibt unklar, wie hoch der tatsächliche Wert des Optionsscheins ist und welchen Anteil auf die Gewinnmarge des Emittenten entfällt.

Hingegen findet bei Optionen eine freie Preisbildung durch Angebot und Nachfrage an den Terminbörsen statt. Existiert eine hohe Nachfrage nach einer Option, so steigt diese im Preis und umgekehrt. Der theoretischen Preisbildung liegt dabei das Black-Scholes Modell und die daraus abgeleiteten Optionsgriechen zugrunde.

Emittentenrisiko und Absicherung

Aus rechtlicher Sicht unterscheiden sich Optionen und Optionsscheine merklich. Optionsscheine, wie auch andere strukturierte Wertpapiere, stellen rechtlich betrachtet Inhaberschuldverschreibungen dar, die üblicherweise von Bankinstituten emittiert werden und dem Inhaber ein Optionsrecht verbriefen. Demnach agiert der Inhaber eines Optionsscheins als Gläubiger des Emittenten und setzt sich damit einem Emittentenrisiko aus. Der Inhaber muss sich darauf verlassen, dass die emittierende Bank ihren Verpflichtungen nachkommt. Im Insolvenzfall würden die emittierten Optionsscheine der Bank wertlos.

Optionen haben hingegen keinen Emittenten im Sinne einer Bank, sondern jeder Marktteilnehmer kann als Emittent in Erscheinung treten und Optionen an einer regulierten Terminbörse wie der EUREX emittieren. Diese Terminbörsen tragen Sorge, dass entsprechende Sicherheitsmechanismen gelten, um einen Handel jederzeit zu ermöglichen. Zusätzlich garantieren Clearingstellen wie bspw. die OCC, dass sowohl Käufer als auch Verkäufer ihren Verpflichtungen nachkommen können. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Clearinghaus zahlungsunfähig wird, ist durch die Forderung ausreichender Sicherheiten von allen beteiligten Parteien vernachlässigbar.

Kauf und Verkauf (Stillhalterpositionen)

Ein gravierender Unterschied besteht auch hinsichtlich der Möglichkeit zum initialen Kauf und Verkauf. Mit Optionsscheinen kann ein Anleger ausschließlich auf der Käuferseite agieren. Dies stellt eine starke Limitierung des Handlungsspielraums und der zur Verfügung stehenden Optionsstrategien dar. Ein initialer Verkauf, sprich das Einnehmen einer Stillhalterposition, kann nur mit Optionen umgesetzt werden.

Optionsscheine benachteiligen den Anleger von Beginn an, die emittierenden Banken, die den Stillhalter darstellt, profitiert hingegen von dieser Gestaltung. Der Sachverhalt lässt sich auch verallgemeinert darstellen. Die Betrachtung eines einfachen Termingeschäfts wie bspw. ein Long Call, lässt bei der Gegenüberstellung von Optionsinhaber und Stillhalter der Option folgende Ausgänge zu.

Zunächst aus Sicht des Optionsinhabers (Käuferseite):

  1. Kurs steigt über Break-even-Point: Optionsinhaber erzielt Gewinn.
  2. Kurs steigt nicht über Break-even-Point oder stagniert: Optionsinhaber erzielt Teilverlust.
  3. Kurs sinkt: Optionsinhaber erzielt Totalverlust.

Als Nächstes erfolgt die Betrachtung aus Sicht des Stillhalters der Call-Option (Verkäuferseite):

  1. Kurs steigt über Break-even-Point: Stillhalter der Option erzielt Verlust in Höhe des Kursanstiegs des Underlying abzgl. Prämie.
  2. Kurs steigt nicht über Break-even-Point oder stagniert: Stillhalter der Option erzielt Teilgewinn oder nimmt die komplette Prämie ein.
  3. Kurs sinkt: Stillhalter der Option nimmt die komplette Prämie.

Stark vereinfacht kann also festgehalten werden, dass der Stillhalter der Option in zwei von drei Fällen einen Gewinn erzielt, während der Optionsinhaber lediglich in einem von drei Fällen erfolgreich ist. Da man beim Handel mit Optionsscheinen ausschließlich als Inhaber in Erscheinung treten kann, während man beim Handel mit Optionen sowohl Inhaber als auch Stillhalter darstellen kann, gilt diese Wahrscheinlichkeitsverteilung analog.

Unterschied zwischen Optionsscheinen und Futures

Ein wesentlicher Unterschied zwischen Futures und Optionsscheinen ist die Art des Termingeschäftes. Während es sich bei Optionsscheinen um bedingte Termingeschäfte handelt, stellen Futures unbedingte Termingeschäfte dar. Bei Futures sind also beide Vertragsparteien zur Erfüllung des Termingeschäfts verpflichtet und besitzen kein Wahlrecht.

Außerdem werden Futures an regulierten Terminbörsen gehandelt, es findet also kein Direkthandel wie bei Optionsscheinen statt. Entsprechend entfällt auch das Emittentenrisiko. Käufer und Verkäufer eines Futures müssen eine Margin hinterlegen, um die Ausführung des Geschäftes abzusichern. Des Weiteren handelt es sich bei Futures um standardisierte Terminprodukte, wie es bei Optionen der Fall ist.

Optionscheine vs Futures - Die wichtigsten Unterschiede

Die Preisfindung eines Futures basiert ebenfalls auf mathematischen Modellen, die jedoch wesentlich einfach als bei Optionen und Optionsscheinen sind. Die Feststellung des Preises erfolgt anhand eines einheitlichen Kalkulationsschemas, welches im Wesentlichen auf dem Preis des Underlying und den sogenannten Cost of Carry aufbaut. Bei den Cost of Carry handelt es sich im weiteren Sinne um Lagerkosten für den Basiswert.

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