Laufzeit von Optionen – Erklärung & Beispiel

Autor: Pit Wilkens Inhaltlich geprüft von: Philipp Berger

Die Laufzeit von Optionen, auch Restlaufzeit genannt, bezeichnet den Zeitraum, in dem ein Optionskontrakt gültig und handelbar ist. Optionen können unterschiedliche Laufzeiten haben, von einem Tag bis zu mehreren Monaten oder sogar Jahren. Europäische Optionen sind ausschließlich am Laufzeitende ausübbar, im Gegensatz zu amerikanischen Optionen, die jederzeit während ihrer Laufzeit ausgeübt werden können.

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Laufzeit von Optionen – Definition

Die Laufzeit einer Option ist der Zeitraum zwischen dem aktuellen Zeitpunkt und dem letzten Handelstag der Option, auch bekannt als Verfallstag. Jeder Optionskontrakt verfügt über eine Laufzeit, die seit dem ersten Verkauf eines Kontrakts klar bestimmt ist.

Optionskontrakte können verschiedene Laufzeiten haben, einschließlich täglicher, wöchentlicher, monatlicher und sogar längerfristiger Varianten, die als LEAPs bekannt sind. Während der Laufzeit einer Option kann der Optionskäufer diese ausüben, um den jeweiligen Basiswert zu kaufen oder zu verkaufen, oder diese verkaufen, um seine Position glattzustellen.

Ausübung einer Option

Bezüglich der Ausübung einer Option gibt es zwei verschiedene Konzepte.

Indexoptionen sind häufig als europäische Optionen konzipiert, während Aktienoptionen als amerikanische Optionen gehandelt werden.

Hinweis: Der Preis einer Option verändert sich während der Laufzeit. Maßgeblich sind hierfür die Effekte des Zeitwertverfalles und die Kursentwicklung des Basiswertes.

Optionen mit langer Laufzeit (LEAP)

Als LEAPs (Long Term Equity Anticipation Securities), werden Optionen mit besonders langen Laufzeiten verstanden. Für die Qualifikation als LEAP ist in der Regel eine Restlaufzeit von mindestens einem Jahr nötig.

LEAP-Optionen werden aufgrund der langen Laufzeit für höhere Optionsprämien gehandelt, als Kontrakte mit kürzeren Restlaufzeiten. Dies liegt daran, dass mehr Zeitwert in der Option enthalten ist, da innerhalb der längeren Laufzeit zu einer stärkeren Kursentwicklung des Basiswertes kommen kann. Daher sind Optionen mit längerer Laufzeit höher gepreist.

Theta

Eine wichtige Rolle bei LEAPs spielen die beiden Kennzahlen Theta und Delta, die zu den sogenannten Optionsgriechen gehören.

Das Theta stellt dar, wie sich der Zeitwertverfall, auf den Preis einer Option auswirkt. Anfänglich sind Optionen mit langer Laufzeit nur wenig vom sinkenden Zeitwert betroffen. Mit dem Verstreichen der Zeit beschleunigt sich jedoch der Verlust des Zeitwertes. Besonders auf Optionen aus dem Geld („out of the Money“) trifft dies zu.

Delta

Für langlaufende Optionen ist zudem das Delta eine wichtige Kennzahl. Das Delta misst, wie stark der Basiswert und die Option korrelieren. Steigt der Basiswert beispielsweise um 1 Euro, gibt das Delta Auskunft darüber, um welchen Wert sich der Preis der Option ändert.

Ein Delta von 0,5 hätte somit eine Preisveränderung von 0,5 Euro zur Folge. Bei einem Delta von 1 verhalten sich Basiswert und Option praktisch identisch. Optionen im Geld („in the Money“) werden häufig mit hohen Deltas nahe 1 gehandelt.

Optionen mit kurzer Laufzeit

Zu Optionen mit kurzer Laufzeit zählen beispielsweise wöchentliche Optionen. Diese besitzen eine Restlaufzeit von wenigen Tagen. Kurz vor ihren jeweiligen Verfallstagen zählen auch monatliche Optionen oder LEAPs zu diesem Typ.

Die Funktion von Optionen mit kurzer und langer Laufzeit ist grundsätzlich identisch. Dennoch stehen Händlern von wöchentlichen Optionen pro Jahr 52 Verfallstage zur Verfügung, statt der sonst möglichen 12. Dadurch können andere Strategien verfolgt oder bestehende Strategien präzisiert werden.

Optionen mit einer Laufzeit von wenigen Tagen werden für gewöhnlich gegen eine niedrigere Prämie gehandelt als solche mit längeren Restlaufzeiten. Zudem kann der Händler kurzfristige Strategien mit diesen Optionen verfolgen. Außerdem können bei einigen Basiswerten und Strikes eine geringe Marktliquidität und damit größere Spreads ein Risiko darstellen.

Hinweis: Wöchentliche Optionen verfügen über eine Besonderheit. Ihr Strike darf den aktuellen Kurs des Basiswertes um maximal 30 % über- oder unterschreiten. Optionen mit anderen Laufzeiten verfügen nicht über eine solche Beschränkung.

Gibt es Optionen ohne Laufzeit?

Optionen sind als Derivate mit hoher Standardisierung bekannt. Bezugsverhältnis, Laufzeit und Basiswerte werden von den Optionsbörsen festgelegt und zwingend eingehalten. Aus diesem Grund gibt es keine Optionen ohne ein festgelegtes Verfallsdatum. Bei solchen Derivaten wäre das Risiko für den Verkäufer (Stillhalter) nicht absehbar und eine transparente Preisbildung kaum möglich.

Sollte sich eine Option zum Verfallstag nicht wie erhofft entwickelt haben, kann diese stattdessen gerollt werden. Beim Rollen einer Option wird ein Kontrakt kurz vor seiner Fälligkeit durch einen Kontrakt auf den identischen Basiswert mit einem späteren Verfallstag ersetzt. Entwickelt sich der Basiswert nach der Fälligkeit des ersten Kontraktes, wie ursprünglich vermutet, ist dennoch ein Gewinn möglich.

Hinweis: Positionen ohne definierte Laufzeit sind im Wesentlichen physische Long-Positionen. Hält ein Anleger den Basiswert selbst, kann dieser kostenfrei und auf unbestimmte Zeit gehalten werden. Short-Positionen verursachen demgegenüber immer laufende Kosten, da das Wertpapier vor dem Leerverkauf (Short-Selling) entliehen werden muss. Dafür fallen Gebühren durch den Verleiher an.

Wahl der Optionslaufzeit

Die Laufzeit von Optionen spielt eine wichtige Rolle bei der Umsetzung individueller Optionsstrategien.

  • Möchte ein Anleger beispielsweise eine Long-Position langfristig abbilden, sind LEAPs eine gängige Möglichkeit, die verhältnismäßig wenig Überwachung benötigt.
  • Kurzfristige Strategien werden dagegen meistens auch mit kurzlaufenden Optionen umgesetzt. Wöchentliche Optionen können sich beispielsweise für Strategien eignen, die von der gegenwärtigen Nachrichtenlage abhängen.

Beispiel

In der kommenden Woche veröffentlicht ein Unternehmen seinen Quartalsbericht. Es handelt sich um ein Biotechunternehmen. Die Anleger erwarten, dass zu diesem Termin bekannt gegeben wird, ob ein erfolgversprechendes Präparat zum Einsatz zugelassen wurde. Daher hat dieser Termin wesentliche Bedeutung für die Kurse.

Mit wöchentlichen Optionen kann ein Händler den Fälligkeitstermin kurz hinter dem Veröffentlichungstermin platzieren, was mit monatlichen Optionen beispielsweise nicht immer möglich ist. Er gewinnt folglich zusätzliche Flexibilität für die Umsetzung seiner Strategie.

Wichtig: Unabhängig von den verwendeten Optionen ist auch die Position des Händlers als Käufer oder Verkäufer ein Faktor für den Erfolg oder Misserfolg einer Handelsstrategie. Nur wenn die Kursbewegung richtig prognostiziert wurde, erzielt der Händler einen Gewinn.

Optionen am Ende der Laufzeit (Verfallstag)

Spätestens am Ende der Laufzeit einer Option entscheidet sich, ob der Käufer oder Verkäufer einen Gewinn realisieren konnte. Obwohl amerikanische Optionen während der gesamten Laufzeit ausgeübt werden können, ist dies aufgrund des Zeitwertverfalles eher unüblich.

Optionen im Geld können am Fälligkeitstag ausgeübt werden. Der Käufer der Option nimmt folglich sein vereinbartes Recht zum Kauf oder Verkauf des Basiswertes wahr und realisiert einen Ertrag. Befindet sich eine Option dagegen aus dem Geld, verfällt sie wertlos. Von dieser Konstellation profitiert der Verkäufer der Option.

Zum Ende der Laufzeit muss der Inhaber einer Option nicht zwangsweise selbst tätig werden. Die Clearingstelle wird selbst aktiv, wenn der Händler nicht tätig würde, und führt automatisch eine der folgenden Aktionen durch. Diese hängt von der Geldnähe (Moneyness) und der eingegangenen Position ab.

Optionsverhalten am Verfallstag

Position Moneyness Aktion, wenn nichts unternommen wird Folge
Long Call In the Money Ausübung der Position Kauf und Einbuchung des Basiswertes
Long Call Out of the Money Verfall der Position Verfall und Verlust der Prämie
Long Put In the Money Ausübung der Position Verkauf des Basiswertes und Gutschrift des Betrages
Long Put Out of the Money Verfall der Position Verfall und Verlust der Prämie
Short Call In the Money Ausübung durch Gegenpartei Verkauf und Ausbuchung des Basiswertes
Short Call Out of the Money Verfall der Position Verfall und Gewinn der Prämie
Short Put In the Money Ausübung durch Gegenpartei Kauf ein Einbuchung des Basiswertes
Short Put Out of the Money Verfall der Position Verfall und Gewinn der Prämie

Laufzeitstruktur

Unter der Laufzeitstruktur ist die Entwicklung der impliziten Volatilität bei Optionen mit unterschiedlichen Laufzeiten (Verfallsdaten) und identischen Strikes zu verstehen. Der Basiswert der Option bleibt bei dieser Betrachtungsweise gleich.

Abhängig davon, wie der Markt gegenüber dem Basiswert innerhalb der Restlaufzeit eingestellt ist, kann die implizite Volatilität steigen oder fallen. Bevorstehende Veröffentlichungen eines Unternehmens erhöhen zum Beispiel häufig die implizite Volatilität. Mit einer erhöhten impliziten Volatilität geht auch eine erhöhte Optionsprämie einher.

Optionen mit langer Laufzeit können von diesem Umstand weniger betroffen sein, als Optionen, die kurz nach einem solchen Ereignis verfallen. Grundsätzlich hängt die Laufzeitstruktur jedoch maßgeblich vom jeweiligen Basiswert ab.

Hinweis: Die Laufzeitstruktur ist das Gegenstück zum Volatility Smile. Bei diesem wird die Volatilität von Optionen mit gleichem Verfallsdatum und unterschiedlichen Strikes verglichen.

Beispiel für die Laufzeit von Optionen

In diesem Beispiel geht ein Optionshändler von sinkenden Kursen eines Basiswertes aus. Es handelt sich beim Basiswert um die Aktie eines Apothekenbetreibers. Dieser steht stark unter Druck aufgrund diverser Onlineapotheken am Markt. Daher kauft der Optionshändler eine Put-Option. Dieser sogenannte Long Put bedeutet für den Händler einen Gewinn, wenn der Kurs des Basiswertes unten den Strike abzüglich der angefallenen Kosten sinkt.

Break~Even~Kurs=Strike-gezahlte~Kosten

Wahl der Laufzeit

Entscheidend für den Erfolg ist auch die Laufzeit der Option. Der Optionshändler geht davon aus, dass der Kurs der Aktie innerhalb von 30 Tagen weiter sinkt und dann einen Boden ausbildet. Darüber hinaus arbeitet er mit einem Sicherheitspuffer, falls seine zeitliche Einschätzung nicht korrekt ist. Daher wählt er eine Option mit einer Restlaufzeit von 60 Tagen.

Mögliches Szenario

Nach 20 Tagen sind die Kurse bereits so stark gefallen, wie der Händler prognostiziert hat. Die Option notiert inzwischen im Geld und verfügt damit über einen inneren Wert. Der Zeitwert der Option ist jedoch während der vergangenen 20 Tage gesunken. Dennoch entscheidet sich der Händler dafür, die Position vorzeitig zu schließen. Dadurch erhält er eine Prämie, die oberhalb des eingangs bezahlten Betrages liegt. Die erhaltene Prämie setzt sich aus dem inneren Wert und dem verbliebenen Zeitwert der Option zusammen.

Hinweis: In diesem Beispiel konnte der Optionshändler durch die Wahl einer angemessenen Laufzeit seine Position in gewisser Weise absichern. Bei einer verzögerten Kursentwicklung wäre ein Spielraum verblieben. Selbst wenn die gesamte Laufzeit der Option nicht benötigt wird, um das Ziel des Händlers zu erreichen, kann die Position auch vor Fälligkeit geschlossen werden.

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