Extrinsischer Wert (Option) – Erklärung & Beispiel
Der extrinsische Wert (engl. extrinsic value) ist der Teil des Optionspreises, der über den inneren Wert hinausgeht. Er spiegelt Einflussfaktoren wider, die nicht im inneren Wert stecken, vor allem Restlaufzeit, implizite Volatilität, Zinsen/Cost-of-Carry (z. B. Finanzierungskosten), Dividenden und den Ausübungsstil der Option.
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Extrinsischer Wert einer Option – Definition
Der extrinsische Wert ergibt sich aus der Differenz zwischen Optionspreis und innerem Wert. Der intrinsische oder innere Wert entspricht dem rechnerischen Vorteil einer Option gegenüber dem aktuellen Kurs des Basiswerts, sofern diese im Geld (In The Money, ITM) ist.
- Innerer Wert Call-Option = max(Kurs des Basiswerts – Strike, 0)
- Innerer Wert Put-Option = max(Strike – Kurs des Basiswerts, 0)
Extrinsischer Wert als Bestandteil der Optionsprämie
Der Preis einer Option (Optionsprämie) besteht aus zwei Teilen:
- dem inneren Wert (dem tatsächlichen Vorteil, den die Option aktuell bietet) und
- dem extrinsischen Wert (häufig auch Zeitwert genannt, der von Erwartungen über die Zukunft abhängt).
Formelhaft:
Berechnung des extrinsischen Werts
Der extrinsische Wert ergibt sich sowohl bei Call- als auch bei Put-Optionen aus der Prämie abzüglich des inneren Werts. Da der innere Wert nicht negativ sein kann, wird die Differenz zwischen Kurs des Basiswerts und Strike-Preis jeweils auf mindestens null begrenzt.
Die Formel lautet:
- Extrinsischer Wert Call-Option = Optionsprämie – max(Kurs des Basiswerts – Strike, 0)
- Extrinsischer Wert Put-Option = Optionsprämie – max(Strike – Kurs des Basiswerts, 0)
Extrinsischen Wert in der Optionskette ablesen
In der Praxis wird der extrinsische Wert häufig direkt aus einer Optionskette abgeleitet. Dafür werden der aktuelle Kurs des Basiswerts, der Strike-Preis und die Optionsprämie benötigt.
Das Vorgehen ist in drei Schritten möglich:
- Optionsprämie bestimmen: Zunächst wird der aktuelle Marktpreis der Option ermittelt.
- Inneren Wert berechnen: Bei Calls entspricht er max(Kurs des Basiswerts – Strike, 0), bei Puts max(Strike – Kurs des Basiswerts, 0).
- Extrinsischen Wert berechnen: Anschließend wird der innere Wert von der Optionsprämie abgezogen.
Bid-Ask-Spread und Mid-Price
Wichtig ist, dass es in einer Optionskette meist nicht nur einen einzigen Preis gibt. Stattdessen werden häufig Geldkurs (Bid), Briefkurs (Ask) und der zuletzt gehandelte Preis angezeigt. Für eine realistische Schätzung des extrinsischen Werts wird oft der Mid-Price verwendet, also die Mitte zwischen Geld- und Briefkurs.
Bei liquiden Optionen ist der Unterschied zwischen Bid und Ask meist gering. Bei illiquiden Optionen kann der Bid-Ask Spread dagegen deutlich größer sein. Dann kann der berechnete extrinsische Wert je nach verwendetem Preis spürbar abweichen.
Wie sich der extrinsische Wert verhält
Der extrinsische Wert ist bei sonst gleichen Bedingungen in der Regel am größten, wenn die Option am Geld (At The Money, ATM) ist – also der Basispreis (Strike) ungefähr dem aktuellen Kurs des Basiswerts entspricht. Je weiter die Option im Geld (ITM) oder aus dem Geld (Out of The Money, OTM) liegt, desto kleiner wird die Extrinsik meist.
Zum finalen Verfall bzw. nach Settlement verschwindet der extrinsische Wert: Die Option hat dann nur noch ihren inneren Wert oder verfällt wertlos. Während des letzten Handelstags kann jedoch noch ein geringer Bestandteil bestehen, etwa durch verbleibende Restzeit oder implizite Volatilität.
Wann hat eine Option einen extrinsischen Wert und wann nicht?
Die folgende Tabelle fasst zusammen, wann eine Option inneren Wert hat und wann ihre gesamte Prämie nur aus Extrinsik besteht.
| Moneyness | Optionstyp | Bedingung | Innerer Wert | Zusammensetzung der Prämie |
|---|---|---|---|---|
| OTM / ATM | Call | Kurs ≤ Strike | kein innerer Wert (= 0) | gesamte Prämie = extrinsischer Wert |
| OTM / ATM | Put | Kurs ≥ Strike | kein innerer Wert (= 0) | gesamte Prämie = extrinsischer Wert |
| ITM | Call | Kurs > Strike | innerer Wert vorhanden | Prämie = innerer Wert + extrinsischer Wert |
| ITM | Put | Kurs < Strike | innerer Wert vorhanden | Prämie = innerer Wert + extrinsischer Wert |
Einflussfaktoren des extrinsischen Optionswertes
Der extrinsische Wert einer Option hängt von mehreren Einflussgrößen ab:
- Restlaufzeit: Je länger die verbleibende Laufzeit, desto höher ist in der Regel der Zeitwert – bei sonst gleichen Bedingungen.
- Implizite Volatilität: Je stärker die erwarteten Kursschwankungen, desto größer ist bei sonst gleichen Bedingungen der Zeitwert.
- Zinsen bzw. Finanzierungskosten (Cost of Carry): Bei klassischen Aktienoptionen erhöhen höhere risikofreie Zinsen tendenziell den Wert von Calls, während sie den Wert von Puts verringern. Bei Futures-, Index-, Währungs- oder Rohstoffoptionen hängt der Effekt vom jeweiligen Carry-Modell ab.
- Dividenden oder Erträge auf den Basiswert: Erwartete Dividenden wirken meist gegenteilig – sie senken tendenziell den Wert von Calls und erhöhen den Wert von Puts.
- Ausübungsstil: Amerikanische Optionen können einen zusätzlichen Wert aus dem Frühausübungsrecht enthalten.
Diese Faktoren erklären auch, warum es rund um Ex-Dividenden-Termine mitunter sinnvoll sein kann, eine amerikanische Call-Option vorzeitig auszuüben – insbesondere dann, wenn die erwartete Dividende größer ist als der verbleibende extrinsische Wert. Auch tief im Geld liegende Puts können unter bestimmten Zins- und Laufzeitbedingungen für eine vorzeitige Ausübung infrage kommen.
Extrinsischer Wert und Ausübungsrisiko
Der extrinsische Wert kann auch ein Hinweis darauf sein, wie wahrscheinlich eine vorzeitige Ausübung beziehungsweise ein Assignment wird.
- Niedrige Extrinsik bei ITM-Optionen: Je geringer der verbleibende extrinsische Wert einer im Geld liegenden Option ist, desto eher kann eine Ausübung sinnvoll erscheinen.
- Ex-Dividenden-Termine: Bei Call-Optionen auf dividendenzahlende Aktien kann eine vorzeitige Ausübung vor dem Ex-Dividenden-Tag infrage kommen, wenn die erwartete Dividende größer ist als der verbleibende extrinsische Wert.
- Kurz vor dem Verfall: Je näher der Verfall rückt, desto stärker sinkt der Zeitwert in der Regel. Dadurch kann das Assignment-Risiko für Stillhalter steigen.
- Geringe Liquidität: Bei illiquiden Optionen können breite Spreads und geringe Handelsaktivität die praktische Einschätzung des verbleibenden extrinsischen Werts erschweren.
Beispiel: Der extrinsische Wert einer Option
Die Aktie ABC steht aktuell bei 150 EUR. Ein Anleger kauft eine Put-Option mit
- Strike (Ausübungspreis): 145 EUR
- Laufzeit: 3 Monate
- Optionsprämie: 3 EUR
Da der Aktienkurs über dem Strike liegt, hat die Option keinen inneren Wert. Die gezahlte Prämie von 3 EUR besteht also vollständig aus Zeitwert (extrinsischem Wert).
Verlauf über die Zeit
Bleiben Aktienkurs und implizite Volatilität (IV) unverändert und treten keine Dividenden oder besonderen Ereignisse auf, verliert die Option mit der Zeit in der Regel an Wert. Je näher das Verfallsdatum rückt, desto stärker sinkt häufig der Zeitwert. Am Ende der Laufzeit ist eine aus dem Geld (OTM) liegende Put-Option wertlos.
Beispiel bei Kursrückgang
Fällt die Aktie auf 140 EUR, hat der Put nun einen inneren Wert von 5 EUR (145 EUR − 140 EUR). Da aber noch Restlaufzeit besteht, wird die Option in der Regel über dem inneren Wert gehandelt – z. B. bei 5,50 EUR oder 6,50 EUR.
Die Differenz ist der verbleibende extrinsische Wert, der Faktoren wie Restlaufzeit, IV, Zinsen, Dividenden oder den Ausübungsstil widerspiegelt.
Gewinn und Break-even
Läuft die Option am Ende der Laufzeit bei einem Aktienkurs von 140 EUR aus, ist sie 5 EUR wert.
Da der Anleger 3 EUR bezahlt hat, ergibt sich ein Gewinn von 2 EUR pro Aktie (vor Transaktionskosten, Finanzierungskosten, Steuern und sonstigen Kosten).
Der Break-even-Punkt liegt bei
Das heißt: Erst wenn die Aktie auf 142 EUR oder tiefer fällt, erzielt der Käufer dieser Put-Option am Ende tatsächlich einen Gewinn.
Abgrenzung: Optionen und Optionsscheine
Dieser Artikel bezieht sich primär auf börsengehandelte Optionen. Bei Optionsscheinen wird ebenfalls zwischen innerem Wert und Zeitwert beziehungsweise extrinsischem Wert unterschieden. Allerdings spielen dort zusätzlich das Bezugsverhältnis, die Emittentenstruktur und die Preisstellung des Emittenten eine wichtige Rolle.
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