Open Interest

Autor: - Inhaltlich geprüft von: Philipp-Malte Lingnau

Open Interest ist die Summe der ausstehenden Derivatkontrakte (z. B. Optionen, Futures) für einen Basiswert am Ende eines Handelstages. Geschlossene Positionen werden dabei abgezogen. Mithilfe dieser Kennzahl können Optionshändler einschätzen, wie hoch das Interesse und folglich das Handelsvolumen für Optionen eines bestimmten Basiswertes ausfällt. Für die Ableitung zukünftiger Preisentwicklungen einer Option oder eines Basiswertes ist diese Kennzahl jedoch kaum geeignet.

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Was ist Open Interest?

Damit ein Optionskontrakt eröffnet wird, sind ein Käufer und ein Verkäufer notwendig. Der Verkäufer bietet den Kontrakt am Markt an und benötigt einen Käufer, der diesen Vertrag annimmt. Solange der Käufer einer Option diese nicht ausübt oder die Position schließt, wird der jeweilige Optionskontrakt als offen betrachtet.

Die Summe der offenen Kontrakte wird mit dem Open Interest (deutsch: Offenes Interesse) abgebildet. Wenn sowohl ein Käufer als auch Verkäufer eine neue offene Position auf den gleichen Basiswert erzeugen, erhöht sich die Anzahl ausstehenden Kontrakte um eins. Schließen ein Käufer und Verkäufer ihre Position, bestehend aus einem Optionskontrakt, so sinkt der Open Interest. Sofern nur eine Partei, also der Käufer oder Verkäufer, die Position schließt, bleibt diese Kennzahl unverändert.

Beispiel: An einem neuen Handelstag verkauft ein Optionshändler 10 Optionskontrakte auf Aktie A. Ob es sich hierbei um eine Call- oder Put-Option handelt, spielt für den Open Interest keine Rolle. Er nimmt somit eine Short-Position ein. Die Käufer der 10 Kontrakte nehmen die Long-Position ein. Im Moment der Eröffnung dieser neuen Positionen steigt der Open Interest also um 10. Werden jetzt 5 Kontrakte durch den Optionshändler mit der Short-Position gekauft und ebenfalls 5 Kontrakte durch den Inhaber der Long-Position verkauft, verringert sich die Anzahl der offenen Kontrakte und somit der Open Interest folglich um 5.

Unterschied zwischen Derivaten und Aktien

Der Open Interest betrifft Derivatkontrakte. Deren Anzahl ändert sich für gewöhnlich jeden Handelstag. Somit schwankt auch die Anzahl aller offenen Kontrakte, die auf dem Markt für Derivate gehandelt werden. Am Aktienmarkt verändert sich die Summe der ausstehenden Aktien dagegen nur selten. Sobald alle Aktien im Rahmen eines Börsenganges (IPO) oder einer Kapitalerhöhung ausgegeben wurden, erhöht oder verringert sich deren Anzahl in der Regel kurzfristig kaum (eine langfristige Veränderung der Anzahl ausstehender Aktien ist möglich bspw. durch Rückkaufsprogramme, Kapitalerhöhungen oder Kapitalherabsetzungen).

Unterschied zwischen Open Interest und Handelsvolumen

Der Open Interest ist nicht mit dem Handelsvolumen zu verwechseln. Im Gegensatz zum Open Interest, der die Anzahl der offenen Kontrakte angibt, umfasst das Handelsvolumen alle getätigten Transaktionen. Selbst wenn diese Kennzahl gleich bleibt, da keine neuen Optionskontrakte eröffnet wurden, kann das Handelsvolumen steigen.

Beispiel: Ein Optionshändler besitzt bereits am neuen Handelstag 10 Call-Optionen. Er bietet diese 10 Optionskontrakte zum Verkauf an, um seine Position glattzustellen. Die Anzahl der ausstehenden Kontrakte ändert sich dadurch nicht, da keine zusätzlichen Kontrakte eröffnet, sondern lediglich bestehende Kontrakte übereignet wurden. Durch den Verkauf von 10 Optionskontrakten steigt aber das Handelsvolumen dieses Tages um 10 Kontrakte.

Die Interpretation des Open Interest

Der Open Interest wird gern genutzt, um die Marktaktivität einzuschätzen. Keine oder nur geringe Werte bedeuten, dass es kaum offene Optionen auf einen Basiswert gibt. Im Umkehrschluss bedeutet ein hoher Wert, dass viele Optionen weiterhin offen sind. Daraus kann ein hohes Interesse der Marktteilnehmer an dem jeweiligen Basiswert abgeleitet werden.

Diese Kennzahl kann auch eine Auskunft darüber geben, ob Geld in den Derivatemarkt fließt oder daraus abgezogen wird. Dafür ist eine Betrachtung im Zeitverlauf notwendig. Steigende Werte signalisieren einen Zufluss an Finanzmitteln. Sinkende Werte legen dagegen nahe, dass Geld aus dem Derivatemarkt herausfließt.

Hinweis: Der Open Interest ist nicht geeignet, um eine Preisprognose abzuleiten. Zukünftige Preisentwicklungen lassen sich anhand der offenen Optionskontrakte nicht ableiten, da jede Maßeinheit sowohl einen Call- als auch eine Put-Option umfasst. Ein hoher Wert ist ein Anzeichen für gesteigertes Interesse. Dennoch müssen die Ansichten der Akteure nicht korrekt und ihre Positionen nicht unbedingt profitabel sein.

Praxisbeispiel des Open Interest

In der unten stehenden Tabelle sind die Aktivitäten von vier Optionshändlern an verschiedenen Tagen abgebildet. Die Messung des Open Interest wird am 1. Januar begonnen und dann fortlaufend durchgeführt. Der Basiswert ist für alle Transaktionen identisch.

Zeitpunkt Handelsaktivität Open Interest
1. Januar A kauft 1 Kontrakt und B verkauft 1 Kontrakt 1
2. Januar C kauft 5 Kontrakte und D verkauft 5 Kontrakte 6
3. Januar A verkauft 1 Kontrakt und D kauft 1 Kontrakt 5
4. Januar E kauft 5 Kontrakte von C, der 5 Kontrakte verkauft 5
  • 1. Januar: Insgesamt steigt der Open Interest durch den Kauf und Verkauf eines Optionskontraktes (Call / Put).
  • 2. Januar: Nach dem Prinzip vom 1. Januar werden fünf weitere Optionskontrakte eröffnet. Damit erhöht sich die Summe der ausstehenden Kontrakte auf sechs.
  • 3. Januar: Käufer A, der bisher mit einem Optionskontrakt Long war, schließt seine Position durch den Verkauf der Option. Optionshändler D, der bisher fünf Kontrakte Short war, kauft den Optionskontrakt von Händler A und reduziert seine Position auf vier laufende Kontrakte. Dadurch sinkt die Anzahl der ausstehenden Kontrakte um eins auf fünf.
  • 4. Januar: Die Optionshändler E und C schließen eine Transaktion über fünf Kontrakte ab. Dabei werden keine zusätzlichen Optionen eröffnet oder geschlossen. Somit bleibt die Summe unverändert.

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