Implizite Volatilität verstehen & nutzen

Autor: - Inhaltlich geprüft von: Philipp-Malte Lingnau

Eine spezielle Form von Volatilität, also der Schwankung eines Wertpapierkurses, Indexes oder Ähnlichem, ist die implizite Volatilität. Zu den Grundlagen der Volatilität gibt es hier einen Artikel mit allen notwendigen Details. Für den Handel mit Optionen spielt jedoch die vergangenheitsorientierte Betrachtung der Schwankungen kaum eine Rolle. Die zukünftige Entwicklung der Volatilität hat jedoch einen erheblichen Einfluss auf die Preisbildung von Optionen.

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Vergleich mit der historischen Volatilität

Bei konservativen Anlageprodukten, wie Aktienfonds und Renten wird die Volatilität häufig für einen vergangenen Zeitraum ermittelt. Dieser berücksichtigt ausschließlich Ereignisse der Vergangenheit und keine zukünftigen Entwicklungen oder Erwartungen. Beide Werte haben aber gemein, dass sie als Prozentsatz auf Jahresbasis ausgedrückt werden. Ein Wert von 10 % bedeutet also, dass der betrachtete Wert im Laufe des Jahres bis zu 10 % (nach oben oder unten) vom Mittelwert abgewichen ist. Je geringer die Volatilität, desto geradliniger sieht auch der Kurschart eines Wertpapiers aus.

Die historische Volatilität kann sich aufgrund der Vergangenheitsbetrachtung nachträglich nicht mehr ändern. Einmal berechnet steht sie fest. Die implizite Volatilität wird dagegen laufend neu kalkuliert. Basis dafür sind Angebot und Nachfrage der gehandelten Optionen. Auch unvorhergesehene Marktentwicklungen und Veröffentlichungen von Unternehmen können eine kurzfristige Änderung der impliziten Volatilität bedeuten.

Beide Volatilitätsformen haben dagegen gemein, dass sie bei steigenden Märkten (Bullenmärkten) sinken und bei fallenden Märkten (Bärenmärkten) steigen.

Implizite Volatilität in Bezug auf Optionen

Die implizite Volatilität kann als eine der wichtigsten Kennzahlen für Optionen bezeichnet werden. Folgende Kernaussagen gelten dabei:

  • Die implizite Volatilität gibt Auskunft über die Schwankungsbreite des Underlyings während der Restlaufzeit der Option.
  • Grundsätzlich gilt ein hoher Wert für hohe Schwankungen und umgekehrt.
  • Die Kennzahl gibt nur die Breite der Schwankungen an, aber nicht die Richtung.

Die implizite Volatilität ist immer an den Basiswert der Option gekoppelt und drückt die Erwartungshaltung der Marktteilnehmer aus. Bei einer hohen impliziten Volatilität rechnen die Marktteilnehmer mit unsicheren Verhältnissen an den Börsen. Diese Ungewissheit sorgt für steigende Optionspreise. Schließlich will der Verkäufer einer Option sein Risiko auch mit einer angemessenen Prämie vergütet bekommen. Steigt das Risiko, steigt auch die Prämie.

Als Folge eines höheren Optionspreises steigt der Zeitwert der Option. Dieser kann als Risikoprämie betrachtet werden. Ein hoher Zeitwert drückt also eine vergleichsmäßig hohe Chance aus, dass sich die Option zum Ausübungstermin im Geld befindet. Bereits erworbene Optionen gewinnen durch eine steigende implizite Volatilität ebenfalls an Wert.

Merke: Je mehr als Basiswert schwankt und je spekulativer das Geschäft ist, desto größer ist der Einfluss der impliziten Volatilität auf die Preise.

Implizite Volatilität handeln

Die implizite Volatilität wird meistens regional in separaten Indizes wiedergegeben. In den Medien werden diese häufig auch als “Angstbarometer” oder “Angstindex” bezeichnet, weil sie eine unsichere Marktlage ankündigen. Ein Volatilitätsindex ist üblicherweise mit einem Aktienindex verbunden. Der Volatilitätsindex spiegelt dann die impliziten Volatilitäten der Optionen auf die einzelnen Basiswerte der Index wider. Die Restlaufzeiten sind üblicherweise mit 30 oder 45 Tagen eher kurz gewählt.

Folgende größere Volatilitätsindizes existieren derzeit:

  • VDAX (Deutschland)
  • VSMI (Schweiz)
  • VIX (USA – S&P 500)
  • VSTOXX (USA – Dow Jones)

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