ETF-Optionen handeln – Definition & Erklärung

Autor: Maik Engelkamp

ETF-Optionen (englisch: „ETF Options“, auch: „Optionen auf ETF“) sind Derivate, denen ein börsengehandelter Fonds, auch Exchange Traded Fund (ETF) genannt, zugrunde liegt. Optionen auf ETF geben dem Inhaber das Recht, aber nicht die Verpflichtung, die zugrundeliegenden ETF-Anteile zu einem vorab vereinbarten Preis (Strike) bis zu einem vorher definierten Zeitpunkt (Fälligkeit) zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put).

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ETF-Optionen – Definition

ETF-Optionen sind Optionskontrakte, die als Basiswert einen ETF haben. Sonst unterscheiden sie sich nicht von anderen Optionen.  Ein ETF ist im Wesentlichen ein Korb von Anlagen wie Aktien oder Anleihen, der selbst wie eine Aktie gehandelt wird.

Bedeutung der ETF-Optionen

ETF-Optionen haben mit der zunehmenden Verbreitung von ETFs an Beliebtheit gewonnen, da diese die Effizienz und Diversifikation eines börsengehandelten Fonds mit der Flexibilität des Optionshandels vereinen. Auf diese Weise können Anleger an der Wertentwicklung eines Index oder Sektors teilhaben, ohne große Kapitalbeträge einsetzen zu müssen.

Darüber hinaus sind Optionen auf ETFs ein hervorragendes Instrument, um sich gegen Kursverluste in einem bestimmten Sektor oder einer bestimmten Anlageklasse abzusichern (Hedging). Diese Mechanismen können die Rendite eines Portfolios erhöhen, da die Anleger mit einer zusätzlichen Hebelwirkung an den Bewegungen eines ETF partizipieren.

Der Einstieg in den Handel mit ETF-Optionen ist technisch gesehen derselbe wie beim traditionellen Optionshandel. Es gibt sowohl Put- als auch Call-Optionen, die – wie bei Aktienoptionen – in Blöcken von 100 Anteilen des Basiswerts gehandelt werden

Mögliche Basiswerte

Als Basiswert für ETF-Optionen kommen grundsätzlich alle optionierbaren ETFs infrage. Diese können sich auf verschiedene Indizes beziehen. Einer der bekanntesten ETFs ist der SPDR S&P 500 ETF Trust (Ticker: SPY), der die Kursentwicklung des S&P 500 abbildet. Es gibt aber auch ETFs auf bestimmte Branchen (z.B. Banken, Medizintechnik, Industrie etc.) sowie auf andere Basiswerte als Aktien, wie z.B. ETFs auf Anleihen oder Rohstoffe.

Eine wichtige Voraussetzung ist jedoch das Handelsvolumen der ETF-Optionen an der Börse. Einige davon sind sehr beliebt, während andere kaum gehandelt werden. Dies kann unter anderem zu schlechteren An- und Verkaufspreisen im Optionshandel führen.

Die folgende Tabelle zeigt beispielhaft einige ETF, die aktuell ein hohes Optionsvolumen an der CBOE aufweisen und somit liquide ETF-Optionen anbieten können.

Ticker ETF
SPY SPDR S&P 500 ETF Trust
QQQ Invesco QQQ Trust
IWM iShares Russell 2000 ETF
EEM iShares MSCI Emerging Markets ETF
HYG iShares iBoxx USD High Yield Corporate Bond ETF
XLF Financial Select Sector SPDR Fund
SLV iShares Silver Trust
XLE Energy Select Sector SPDR Fund
GDX VanEck Gold Miners ETF
GLD SPDR Gold Trust
TLT iShares 20+ Year Treasury Bond ETF
VXX iPath Series B S&P 500 VIX Short Term Futures ETN

Arten von ETF-Optionen

Der Handel mit ETF-Optionen kann grundsätzlich in vier verschiedenen Weisen geschehen. Hierbei unterschieden sich die unterschiedlichen Positionen zum einen darin, ob der Anleger die Option kauft oder verkauft, und zum anderen darin, ob sich die Option auf ein Recht zum Kaufen oder auf ein Recht zum Verkaufen bezieht. Je nach Position kann ein Anleger bestimmte Strategien verfolgen.

Die Merkmale der einzelnen Positionen und die möglichen Strategien werden im Folgenden erläutert.

Grundlegende Positionen eines Optionshandels

ETF Call-Optionen

Long Call

Wenn ein Anleger die Position des Long Calls auf einen ETF einnimmt, bedeutet das, dass der Anleger zu Beginn des Handels eine Prämie dafür bezahlt, dass er während der Laufzeit das Recht besitzt, den ETF zu einem bestimmten Preis (Strike) zu kaufen.

Der Vorteil einer Long-Call-Position liegt darin, dass sie einen geringeren Kapitaleinsatz erfordert als der direkte Kauf des ETF. Statt das Kaufrecht auszuüben, kann der Anleger den Call auch wieder verkaufen, wenn sich der ETF in die erwartete Richtung entwickelt hat.

Da der Anleger von steigenden Kursen profitiert, besteht die typische Strategie hinter einem Long Call darin, mit geringem Kapitaleinsatz auf steigende Kurse des Basiswertes zu spekulieren. Durch die Vielfalt der Basiswerte von Exchange Traded Funds können Anleger mit einem Long Call auf einen ETF auf steigende Kurse verschiedener Branchen oder Märkte spekulieren.

Short Call

Nimmt ein Anleger die Position des Short Calls ein, ist dieser der Verkäufer einer Call-Option auf einen ETF. Das bedeutet, dass der Anleger bis zur Fälligkeit dazu verpflichtet ist, dem Käufer der Option zu einem vorher definierten Preis (Strike) den ETF zu verkaufen. Für diese Verpflichtung bekommt der Anleger zu Beginn des Handels eine Prämie bezahlt.

Die zugrundeliegende Strategie eines Short Calls ist, das Vereinnahmen der Optionsprämie, während der Anleger mit stagnierenden oder fallenden Kursen rechnet. In diesem Fall wird die Option nicht ausgeübt und der Anleger muss seiner Verpflichtung nicht nachkommen.

Short Calls können allerdings auch als eine teilweise Absicherung gegen fallende Kurse eines Basiswerts, welcher sich bereits im Depot des Anlegers befindet, genutzt werden. Hierbei besteht allerdings das Risiko, dass der jeweilige ETF ausgebucht wird, sollte der zugrundeliegende Basiswert im Preis steigen.

ETF Put-Optionen

Long Put

Nimmt ein Anleger die Position eines Long Puts auf einen ETF ein, ist dieser der Käufer einer Put-Option. Das bedeutet, dass der Anleger zu Beginn des Handels eine Prämie dafür bezahlt, dass er während der Laufzeit das Recht besitzt, den ETF zu einem bestimmten Preis (Strike) zu verkaufen.

Hier profitiert der Anleger von fallenden Kursen des Basiswertes, während sein Kapitalverlustrisiko auf die gezahlte Prämie begrenzt ist. Die Long-Put-Position kann entweder als Spekulationsinstrument, bei dem der Anleger von fallenden Kursen ausgeht, oder als Absicherungsinstrument (Hedging) eingesetzt werden.

Beim Hedging besitzt der Anleger bereits entweder den ETF selbst oder (stark) positiv korrelierte Basiswerte. Beispielsweise kann ein Anleger ein Portfolio ausgewählter US-Aktien teilweise absichern, indem er Put-Optionen auf den SPY kauft.

Short Put

Nimmt ein Anleger die Position des Short Puts ein, ist dieser der Verkäufer einer Put-Option auf einen ETF. Das bedeutet, dass der Anleger bis zur Fälligkeit dazu verpflichtet ist, dem Käufer der Option zu einem vorher definierten Preis (Strike) den ETF abzukaufen. Für diese Verpflichtung bekommt der Anleger zu Beginn des Handels eine Prämie bezahlt.

Der Verkauf von Put-Optionen kann auf verschiedenen Strategien beruhen. Bei Short Puts auf ETFs kann der Anleger beispielsweise die Optionen regelmäßig schreiben und so eine Art ETF-Sparplan auflegen. Dabei kann der ETF entweder eingebucht werden, was in diesem Zusammenhang akzeptabel wäre, oder es wird „nur“ die Prämie vereinnahmt. In beiden Fällen wird jedoch ein regelmäßiger Cashflow generiert.

Vorteile & Nachteile von ETF-Optionen

Optionen können generell eine risikoreichere, aber auch lukrativere Anlage als ETF sein. Anleger, die mit ETF-Optionen handeln möchten, sollten daher alle Vor- und Nachteile kennen.

Vorteile

  • Ein Vorteil einer ETF-Option liegt vor allem am geringeren Kapitaleinsatz.
  • Mit ETF-Optionen können sehr hohe Renditen erzielt werden, und zwar innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums.
  • Es steht große Anzahl an Optionsstrategien zur Verfügung.
  • Je nach ETF können Optionen auf ETF sehr liquide sein, was unter anderem geringeren Bid-Ask-Spreads bedeuten kann.
  • Durch den Verkauf von ETF-Optionen ist ein passives Einkommen möglich.

Nachteile

  • Die Anlagemeinung eines Optionshändlers muss nicht nur richtig sein, sie muss auch im richtigen Zeitraum richtig sein, da Optionen eine begrenzte Laufzeit haben.
  • Optionspreise können von einem Tag auf den anderen erheblich schwanken.
  • Ein Totalverlust der Anlage ist möglich, unter Umständen auch darüber hinaus. Es gibt jedoch einige Optionsstrategien, die als risikoarm gelten.

ETF-Optionen vs. Indexoptionen

Im Gegensatz zu ETF-Optionen können mit Indexoptionen keine tatsächlichen Indexanteile gekauft oder verkauft werden. Indexoptionen ermöglichen es lediglich, auf die Kursentwicklung des zugrunde liegenden Index zu spekulieren oder ein Portfolio, das eng mit diesem bestimmten Index korreliert sein kann, ganz oder teilweise abzusichern.

ETF-Optionen werden, wie Aktienoptionen, nach amerikanischem Stil gehandelt, während Indexoptionen in der Regel nach europäischem Stil gehandelt werden. Das bedeutet, Indexoptionen können nicht vorzeitig ausgeübt werden, Optionen auf ETF hingegen schon.

Beispiel für den Handel mit ETF-Optionen

Angenommen ein Anleger rechnet mit einem Anstieg des US-amerikanischen Aktienindex S&P 500 und möchte sich dementsprechend am Markt positionieren. In diesem Fall hat der Anleger die Möglichkeit direkt einen ETF auf den S&P 500, beispielsweise den SPDR S&P 500 ETF Trust (Ticker: SPY), zu kaufen oder eine Call-Option auf diesen Index zu kaufen.

Direktinvestition in einen ETF

Da sich eine Call-Option auf den SPDR S&P 500 ETF Trust jeweils auf 100 Anteile des ETFs bezieht, wird ein Direktinvestment in 100 Anteile des ETFs mit dem Kauf einer Call-Option verglichen.

Der ETF auf den S&P 500 spiegelt den S&P 500 in etwa in einem Verhältnis von 10:1 wider, bei einem Indexstand von 4.000 Punkten würde ein Anteil am ETF also 400 $ kosten. Somit bezieht sich eine Option mit einem Strike-Preis von 400 $ auf einen Gesamtwert von 40.000 $.

Möchte der Anleger direkt in den ETF investieren, würde dies also einen Kapitaleinsatz von 40.000 $ erfordern.

Indirekte Investition über ETF-Optionen

Eine Option auf diesen Index kostet beispielsweise 9,00 $. Da sich die Option auf jeweils 100 Anteile bezieht, erfordert dieses Investment einen Kapitaleinsatz von ca. 900 $.

Angenommen der Anleger lag mit seiner Einschätzung richtig und der Index steigt während der Laufzeit auf 4.100 Punkte, so würde dies für die beiden Investitionsmöglichkeiten folgendes bedeuten:

Beide Investoren verzeichnen am Laufzeitende einen Gewinn von 1.000 $, da der Index um 100 Punkte gestiegen ist. Der Kapitaleinsatz des Direktinvestors lag zu Beginn des Geschäftes allerdings bei 40.000 $, während der Optionshändler 900 $ zu Beginn des Geschäftes bezahlt hat.

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