Optionen richtig rollen – Erklärung & Beispiel
Das Rollen von Optionen (auch „Adjustieren“) ist eine Strategie im Optionshandel, bei der eine bestehende Optionsposition in eine neue Position überführt wird, um entweder die Laufzeit oder den Ausübungspreis (Strike) anzupassen. Dabei wird die aktuelle Position geschlossen und sofort eine neue Position auf den gleichen Basiswert eröffnet. Optionen rollen dient in der Regel dem Risikomanagement und der Anpassung an neue Marktbedingungen.
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Optionen rollen – Definition
Das Rollen einer Option ist die Anpassung einer bestehenden Position durch Änderung des Strikes oder die Verschiebung des Fälligkeitstermins.
Arten des Optionsrollens
Je nachdem, ob der Strike, die Laufzeit oder beide Merkmale angepasst werden, lassen sich verschiedene Arten des Optionsrollens unterscheiden.
- Eine Strike-Erhöhung nennt man „Aufrollen“ (Roll Up), eine Senkung „Herunterrollen“ (Roll Down).
- Das Verschieben des Verfallsdatums nach hinten wird als „Roll Out“ bzw. „Roll Forward“ oder vorwärts rollen bezeichnet.
- Werden Strike und Optionslaufzeit gleichzeitig angepasst, spricht man von einem „Roll Up & Out“ bzw. von einem diagonalen Rollen.
Wie wird eine Option gerollt?
Um eine Option zu rollen, wird zunächst die bestehende Position geschlossen bzw. glattgestellt. Gleichzeitig oder unmittelbar danach wird eine neue Position im identischen Basiswert eröffnet. Lediglich der Strike und/oder das Verfallsdatum werden geändert.
Rein technisch gesehen besteht das Rollen von Optionen also aus zwei verschiedenen Vorgängen. Eine Position wird geschlossen und anschließend in veränderter Form wieder eröffnet. Das „Rollen“ ist lediglich die Kombination dieser beiden Vorgänge.
Long-Optionen rollen
Ein Anleger, der Call-Optionen auf eine Aktie gekauft hat und von steigenden Kursen profitiert, kann diese verkaufen und neue Call-Optionen kaufen – ein Beispiel für das Rollen von Long Calls. So kann er Gewinne sichern und von einer Fortsetzung des Aufwärtstrends weiter profitieren. Dasselbe gilt für Long Puts. Um Kosten zu sparen, kann das Rollen in einer Transaktion abgewickelt werden.
Short-Optionen rollen
Bei Short Calls oder Short Puts verläuft das Rollen umgekehrt: Der Verkäufer (Stillhalter) kauft die Short-Position zurück und verkauft einen neuen Optionskontrakt.
Beispielsweise kann eine verkaufte Put-Option, die im Geld (In the Money, ITM) ist, den Stillhalter bei Ausübung dazu verpflichten, den Basiswert über dem aktuellen Kurs zu kaufen. Durch das Vorwärtsrollen verlängert er die Laufzeit und verändert das Chancen-/Risikoprofil der Position. Damit kann unter Umständen die Wahrscheinlichkeit einer Andienung oder Ausübung sinken, ausgeschlossen ist sie jedoch nicht.
Beispiel: Ein Covered Call rollen
Ein Covered Call wird eröffnet, indem der Optionshändler eine Call-Option verkauft und als Sicherheit die entsprechende Anzahl an Aktien besitzt.
In diesem Beispiel liegt der Aktienkurs bei 48 Euro. Der Händler wählt einen Strike von 50 Euro, da er von seitwärts tendierenden bis moderat steigenden Kursen ausgeht und erwartet, dass die Option wertlos verfällt oder nur gering im Geld endet. Die Laufzeit der Option beträgt 45 Tage, und der Händler erhält eine Prämie von 110 Euro.
| Verkauf | Besitz | Aktienkurs | Strike | Restlaufzeit |
|---|---|---|---|---|
| Call-Option | 100 Aktien | 48 EUR | 50 EUR | 45 Tage |
Kurz vor Ablauf der Option steigt der Aktienkurs jedoch auf 51 Euro. Der Trader möchte die Wahrscheinlichkeit verringern, die Aktien für 50 Euro liefern zu müssen, und rollt daher die Option.
Vorgang: Eine Option rollen
Der Stillhalter kauft die Option für 220 Euro zurück und verkauft gleichzeitig eine neue Option. Die passende Option findet er in der Optionskette.
Er rollt die Option diagonal, indem er den Strike auf 60 Euro erhöht und die Laufzeit auf 60 Tage verlängert. Dafür erhält er eine Prämie von 180 Euro, so dass sich nach Abzug der Kosten für die Optionsgeschäfte ein positiver Prämiensaldo von 70 Euro ergibt. Die Aktienposition bleibt dabei unverändert und muss bei der Gesamtbewertung des Covered Calls separat berücksichtigt werden.
| Transaktion | Prämie | Gewinn/Verlust |
|---|---|---|
| Verkauf einer Call-Option, Strike 50 EUR | 110 Euro | + 110 EUR |
| Kauf einer Call-Option, Strike 50 EUR | 220 EUR | – 220 EUR |
| Verkauf einer Call-Option, Strike 60 EUR | 180 EUR | + 180 EUR |
| Prämiensaldo des Rollvorgangs (exkl. Ordergebühren) | + 70 EUR | |
Beispiel: Spread rollen (Bear Call Spread)
Ein Spread ist eine Optionsstrategie mit zwei „Legs“, bei der zwei verschiedene Optionen gehandelt werden. Im Beispiel eines Bear Call Spreads wird eine Call-Option mit einem Strike von 65 Euro verkauft (Short Call) und gleichzeitig eine Call-Option auf den gleichen Basiswert mit Strike 70 Euro gekauft (Long Call). Die Restlaufzeit beträgt 40 Tage.
| Verkauf | Strike | Kauf | Strike | Aktienkurs | Restlaufzeit |
|---|---|---|---|---|---|
| Call-Option | 65 EUR | Call-Option | 70 EUR | 63 EUR | 40 Tage |
Steigt der Kurs über 65 Euro, verringert sich der Gewinn des Händlers. Erreicht der Kurs den Strike des Long Calls bei 70 Euro, ist der maximale Verlust des ursprünglichen Spreads erreicht. Durch das Rollen wird dieser Verlust nicht rückgängig gemacht, sondern die bestehende Position geschlossen und eine neue mit verändertem Chancen-/Risikoprofil eröffnet.
Vorgang: Mehrere Optionen rollen
Technisch unterscheidet sich das Vorgehen beim Rollen eines Spreads nicht von anderen Strategien. Dabei werden beide Positionen geschlossen und neue eröffnet. Glaubt der Händler, dass der Kurs nicht weiter steigen wird, eröffnet er einen neuen Spread mit höheren Strikes und längerer Laufzeit.
Angenommen, der Händler hat mit dem Bear Call Spread eine Prämie von 100 Euro eingenommen. Für das Schließen der Positionen zahlt er insgesamt 180 Euro, da der Rückkauf des Short Calls teurer ist.
Beim Rollen passt er die Strikes auf 70 Euro (Short Call) und 75 Euro (Long Call) an und erhält dafür 190 Euro. Dadurch erhöht sich der insgesamt vereinnahmte Prämiensaldo auf 110 Euro. Ob sich das Gesamtresultat des Trades verbessert, hängt jedoch davon ab, wie sich der Basiswert bis zum Verfall des neuen Spreads entwickelt.
| Transaktion | Prämie | Gewinn/Verlust |
|---|---|---|
| Eröffnung des Spreads 65/70 | 100 EUR | + 100 EUR |
| Schließen des Spreads 65/70 | 180 EUR | – 180 EUR |
| Eröffnung des Spreads 70/75 | 190 EUR | + 190 EUR |
| Prämiensaldo nach dem Rollen (neuer Spread noch offen) | + 110 EUR | |
Allgemeine Hinweise zum Rollen von Optionen
Optionen rollen erfordert Erfahrung und ein gutes Verständnis des Optionshandels, da es auch Risiken birgt, insbesondere wenn sich der Kurs weiter gegen die neue Position bewegt. Die folgenden Aspekte sollten daher berücksichtigt werden.
Die passende Option
Insbesondere bei stark steigenden oder fallenden Basiswerten kann es vorkommen, dass keine geeignete Option zum Rollen verfügbar ist. In den meisten Fällen wird eine Option aus dem Geld (Out of The Money, OTM) mit einer moderaten Restlaufzeit benötigt. Diese sollte genügend Prämie abwerfen, um die Kosten des Rollens zu decken.
Unter Umständen muss dafür eine Option mit langer Restlaufzeit gewählt werden. Diese erhöht gleichzeitig das Risiko, falls sich der Basiswert weiter gegen den Stillhalter entwickelt. Der Optionshändler muss nun abwägen, ob er die längere Laufzeit in Kauf nimmt oder die Position mit Verlust schließt.
Restlaufzeit und Strike
Obwohl Optionen mit längerer Laufzeit oft eine höhere Prämie haben, ist es nicht unbedingt das Ziel des Rollens, einen zusätzlichen Gewinn zu erzielen. Dient das Rollen dazu, das Risiko zu reduzieren, können kurze Laufzeiten beim Rollen eher von Vorteil sein.
Gleiches gilt für den Strike der neuen Position. Dieser kann zugunsten einer höheren Prämie näher am Geld (At the Money, ATM) gewählt werden. Damit steigt jedoch das Risiko, dass die neue Position am Verfallstag ebenfalls im Geld liegt und eventuell erneut gerollt werden muss.
Grundsätzlich gilt also: Je weiter der neue Strike vom aktuellen Kurs entfernt ist, desto geringer ist das Risiko.
Optionen rollen – Wann ist es sinnvoll?
Grundlage für die Entscheidung, ob eine Option gerollt werden soll, ist die individuelle Strategie des Händlers. Auch die Einschätzung des Händlers in Bezug auf den Basiswert ist ausschlaggebend dafür, ob es sinnvoll sein kann, eine Option zu rollen.
Häufige Gründe sind
- Anpassung: Eine Option kann u.a. dann gerollt werden, wenn sich die Option zu Ungunsten des Stillhalters entwickelt. In dieser Konstellation geht es häufig darum, das Chancen-/Risikoprofil der Position neu auszurichten und gegebenenfalls die Wahrscheinlichkeit einer Ausübung oder Andienung zu verringern.
- Zeitgewinn: Der Optionshändler kann sich dadurch zusätzliche Zeit verschaffen. Je nach Umsetzung kann der Händler für das Rollen sogar eine Überschussprämie erhalten und „fürs Rollen bezahlt werden“. Das bedeutet jedoch nicht, dass die ursprüngliche Verlustsituation aufgehoben wird, sondern dass eine neue Position mit neuer Laufzeit und neuem Strike eröffnet wird.
- Markterwartung: Letztlich ist das Optionsrollen aber nur dann sinnvoll, wenn die Chance besteht, dass sich der Basiswert langfristig wieder in die gewünschte Richtung entwickelt. Geht der Verkäufer einer Put-Option davon aus, dass der Basiswert noch deutlich weiter fallen wird, ist es nicht unbedingt ratsam, die Option immer weiter zu rollen.
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