Verfallstag von Optionen – Erklärung & Bedeutung

Autor: Pit Wilkens Inhaltlich geprüft von: Philipp-Malte Lingnau

Ein Verfallstag (auch „Fälligkeitstag“, engl. „Expiration Day“) ist ein festgelegtes Datum, an dem Optionen ihre Gültigkeit verlieren. Bei monatlichen Optionen ist das Verfallsdatum beispielsweise der dritte Freitag des Monats. An diesem Tag – oder je nach Optionstyp bereits davor – müssen sich Investoren entschieden haben, was mit der auslaufenden Position passieren soll.

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Verfallstag von Optionen – Definition

Der Verfallstag einer Option ist der letzte Tag, an dem der Inhaber sie gemäß den Optionsbedingungen ausüben kann oder an dem sie automatisch verfällt. Bei standardisierten Aktienoptionen liegt dieser Termin in der Regel am dritten Freitag des Verfallsmonats.

Wöchentliche Optionen (Weeklys) haben zusätzliche, vertraglich festgelegte Fälligkeitstermine – meist an Freitagen, die nicht mit dem regulären monatlichen Verfallstag zusammenfallen. Fällt ein geplanter wöchentlicher Verfall auf einen solchen Standard-Verfallstag oder auf einen Börsenfeiertag, wird für diesen Tag in der Regel keine separate wöchentliche Serie emittiert.

Daily Options („Tagesoptionen“ bzw. ODTEs) sind Kontrakte mit extrem kurzer Restlaufzeit: sie verfallen bereits am selben Tag, an dem sie gehandelt werden.

Hinweis: Weitere Ausnahmen von den üblichen Verfallstagen sind unter anderem LEAPs, Over-the-Counter (OTC) Optionen und bestimmte Indexoptionen wie z. B. VIX-Optionen, die am Mittwoch verfallen.

Wie verhält sich eine Option am Verfallstag?

Ein Optionshändler muss nicht unbedingt handeln, wenn der Verfallstag näher rückt. Dies hängt von seinen Handelszielen und seiner Optionsstrategie ab. In der folgenden Übersicht finden Sie die automatischen Aktionen (bei Short-Positionen nur bedingt) und was diese für die eigene Optionsposition bedeuten.

Optionsposition am Verfallstag ohne separate Weisung
Position Moneyness Aktion, wenn nichts unternommen wird Folge
Long Call ITM Ausübung der Position Kauf und Einbuchung des Basiswertes
Long Call OTM Verfall der Position Verfall und Verlust der Prämie
Long Put ITM Ausübung der Position Verkauf des Basiswertes und Gutschrift des Betrages
Long Put OTM Verfall der Position Verfall und Verlust der Prämie
Short Call ITM Ausübung durch Gegenpartei Verkauf und Ausbuchung des Basiswertes
Short Call OTM Verfall der Position Verfall und Gewinn der Prämie
Short Put ITM Ausübung durch Gegenpartei Kauf und Einbuchung des Basiswertes
Short Put OTM Verfall der Position Verfall und Gewinn der Prämie

Hinweis: Bei bar abgerechneten Indexoptionen (z. B. SPX, viele Eurex-Indizes) erfolgt anstelle von Ein-/Ausbuchung des Basiswertes eine reine Barausgleichszahlung.

Uhrzeit des Optionsverfalls

Verfallen Optionen auf verschiedene Basiswerte (z. B. Aktien oder Futures) am selben Tag, kann es wichtig sein zu prüfen, bis wann sie ausgeübt werden können. Dies muss nicht mit den regulären Handelszeiten übereinstimmen.

Verfallstag von Optionen in den USA

In den USA wird der Verfall von Optionen zentral durch die Options Clearing Corporation (OCC) organisiert. Standardmäßig gilt das sogenannte „Exercise by Exception“-Verfahren: Optionen, die am Verfallstag einen bestimmten Mindestbetrag im Geld (ITM) sind, werden automatisch ausgeübt, sofern der Inhaber bzw. sein Broker keine abweichende Weisung („Do not exercise“ oder „contrary exercise advice“) erteilt.

Automatische Ausübung („Exercise by Exception“)

In der Praxis werden von der OCC alle Optionen automatisch ausgeübt, die auf Basis des offiziellen Schlusskurses des Basiswertes mindestens 0,01 USD im Geld (ITM) sind.

  • Aktienoptionen: Handelsschluss in den meisten US-Aktien und -Aktienoptionen ist in der Regel um 16:00 Uhr Eastern Time (typischerweise 22:00 Uhr MEZ).
  • Viele Indexoptionen / ausgewählte ETF-Optionen: Für zahlreiche Indexprodukte (z. B. S&P-500-Optionen) sowie einige ETF-Optionen ist der Handel bis 16:15 Uhr Eastern Time (ca. 22:15 Uhr MEZ) geöffnet.
  • Ausnahmen: Bestimmte Index- und Volatilitätsoptionen (z. B. einige SPX-Serien, VIX-Optionen) werden nicht zum Kassaschluss abgerechnet, sondern auf Basis spezieller Eröffnungsauktionen („Special Opening Quotation“, AM-Settlement).

Hinweis: Je näher der Handelsschluss um 16:00 Uhr Eastern Time rückt, desto häufiger nehmen Liquidität und Orderbuchtiefe ab, während Bid-Ask-Spreads tendenziell zunehmen. Trader, die eine Glattstellung oder ein Rollen auf einen späteren Verfallstag planen, sollten möglicherweise früher handeln.

Manuelle Ausübung (Cut-Off-Zeit)

Optionsinhaber haben bis 17:30 Uhr Eastern Time (typischerweise 23:30 Uhr MEZ) am Verfallstag Zeit, ihrem Broker eine endgültige Ausübungs- oder Nichtausübungsweisung für auslaufende Optionen zu erteilen.

Broker dürfen aus Abwicklungs- und Risikogründen frühere interne Cut-Off-Zeiten festlegen. Spätere Weisungen als 17:30 Uhr Eastern Time dürfen nach den einschlägigen Regeln nicht mehr angenommen werden.

Hinweis zu Zeitzonen: Die oben genannten MEZ-Uhrzeiten basieren auf einem üblichen 6-Stunden-Abstand zwischen Mitteleuropa (MEZ/CET) und der US-Ostküste (ET). In den Wochen der Zeitumstellung im Frühjahr/Herbst kann sich der Unterschied vorübergehend auf 5 Stunden verkleinern, sodass sich die entsprechenden MEZ-Zeitpunkte leicht verschieben.

Verfallstag von Optionen an der EUREX

An europäischen Terminbörsen wie der Eurex hängen die konkreten Verfalls- und Handelszeiten stark vom jeweiligen Produkt ab. Grundsätzlich gilt:

  • Letzter Handelstag
    • Bei vielen standardisierten Optionen (Aktien- und Indexoptionen) ist der letzte Handelstag der dritte Freitag des Verfallsmonats, sofern es sich um einen
      Börsentag handelt. Andernfalls wird auf den vorherigen Börsentag vorgezogen.
    • Für wöchentliche Optionen liegt der letzte Handelstag meist am Freitag der jeweiligen Verfallswoche.
  • Letzte Handelszeit am Verfallstag
    • Aktienoptionen: Die verfallenden Serien können in der Regel bis zur normalen Schlussauktion im zugrundeliegenden Kassamarkt gehandelt werden, also ungefähr bis 17:30 Uhr MEZ.
    • Viele Indexoptionen: Für die am jeweiligen Tag verfallenden Serien endet der Handel bereits mittags:
      • EURO STOXX 50 Indexoptionen (OESX): Handelsschluss der verfallenden Optionen am Verfallstag um 12:00 Uhr MEZ.
      • DAX Indexoptionen (ODAX): Handelsschluss der verfallenden Optionen am Verfallstag am Beginn der Xetra-Intradayauktion, derzeit ca. 13:00 Uhr MEZ.

Vollständige Auflistung der letzten Handelszeitpunkte für Optionen und Futures an der Eurex

Hexensabbat (großer Verfallstag)

Der Begriff Hexensabbat oder großer Verfallstag bezieht sich in der Finanzwelt auf einen bestimmten Tag, an dem es an den Terminmärkten zu besonderer Volatilität und Handelsaktivität kommen kann. Dieser Tag findet viermal im Jahr statt, jeweils am dritten Freitag der Monate März, Juni, September und Dezember. Am Hexensabbat laufen verschiedene Arten von Derivaten gleichzeitig aus:

  • Aktienoptionen: Optionen, die das Recht, aber nicht die Pflicht zum Kauf oder Verkauf einer bestimmten Aktie zu einem festgelegten Preis beinhalten.
  • Indexoptionen: Optionen auf Indizes wie den DAX oder den S&P 500.
  • Futures auf Aktienindizes: Terminkontrakte zum Kauf oder Verkauf eines Aktienindexes zu einem heute festgelegten Preis. Die Abrechnung erfolgt in der Zukunft.

Ausübung einer Option vor deren Verfallstag

Die Möglichkeit, eine Option vor dem Verfallstag auszuüben, hängt von ihrer Art ab.

Bei Ausübung einer Option geht der Zeitwert nämlich verloren, da bei Ausübung nur zum inneren Wert abgerechnet wird. Daher ist es in den meisten Fällen sinnvoller, die Position zu schließen, da der verbleibende Zeitwert beim Verkauf der Option zu einer höheren Prämie führt. Diese ist in der Regel höher als der Gewinn, der sich bei Ausübung der Option ergeben hätte.

Bei Fälligkeit kann eine Option entweder im Geld (In The Money, ITM), am Geld (At The Money, ATM) oder aus dem Geld (Out of The Money, OTM) sein. Dies hängt von der Position des Kurses des zugrundeliegenden Vermögenswertes im Vergleich zum Strike-Preis (Ausübungspreis) der Option ab und wird auch Moneyness genannt.

Grundlagen von Optionen

Grundsätzlich werden Optionen in Calls und Puts unterteilt. Call-Optionen sind sogenannte Kaufoptionen. Sie verbriefen das Recht, einen Basiswert zu einem festgelegten Kurs zu kaufen. Put-Optionen funktionieren umgekehrt. Der Inhaber einer solchen Option hat das Recht, einen Basiswert zu einem festgelegten Kurs zu verkaufen.

Zudem unterscheidet man zwischen den initialen Kauf oder Verkauf einer Option.

Daraus ergeben sich vier grundlegende Kombinationen:

Im Gegensatz zum Optionsinhaber, der frei entscheiden kann, ob er die Option ausübt oder nicht, muss der Verkäufer einer Option am Verfallstag gegebenenfalls seine vertragliche Verpflichtung erfüllen. Daher kommt dem Verfallstag eine besondere Bedeutung zu. Mit dem Verfall einer Option sind die darin verbrieften Rechte erloschen.

Wert der Option bei Verfall

Der Zeitwert ist ein entscheidender Bestandteil des Gesamtwerts einer Option. Er spiegelt die verbleibende Zeit bis zum Verfallstag wider und damit die potenzielle Chance, dass sich die Option günstig entwickelt. Je näher der Verfallstag rückt, desto stärker verringert sich der Zeitwert der Option.

Zum Börsenschluss am Verfallstag beträgt der Zeitwert 0. Es verbleibt nur noch ein innerer Wert – sofern die Option im Geld (ITM) ist. Andernfalls verfällt sie wertlos.

Zeitwertverfall einer Option im Zeitverlauf
Verlauf des Zeitwertverfalles einer Option über die Zeit - hier am Beispiel einer ATM-Option (At-The-Money).

Verfallstag einer Option Quiz


Vielen Dank fürs Mitmachen! Nach Abgabe des Quizzes siehst du das Ergebnis.



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