Rollverluste – Erklärung & Beispiel
Rollverluste (auch negative Rollrendite) bei Futures entstehen, wenn eine auslaufende Position geschlossen und durch einen länger laufenden Terminkontrakt ersetzt wird („Rollen“ oder „Roll Over“). Bei einer Long-Position kann ein negativer Rollbeitrag entstehen, wenn der neue Kontrakt teurer ist als der alte und der Preis des neuen Kontrakts anschließend ceteris paribus in Richtung Spotpreis bzw. Settlementwert fällt. Dieses Risiko wird als Rollrisiko bzw. Rolleffekt bezeichnet.
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Rollverluste – Definition
Rollverlust bezeichnet den nachteiligen Einfluss auf die Rendite einer laufend gerollten Futures-Position, der aus der Form der Terminkurve entsteht.
- Befindet sich die Kurve im Contango, notieren längere Fälligkeiten in der Regel höher als kürzere. Beim Umschichten von einer kürzeren auf eine längere Fälligkeit muss eine Long-Position daher meist in einen teureren Kontrakt gerollt werden (ceteris paribus).
- In Backwardation notieren längere Fälligkeiten dagegen niedriger als kürzere, wodurch für Long-Positionen entsprechend ein positiver Rollbeitrag entstehen kann. Für Short-Positionen kehrt sich das Vorzeichen des Rolleffekts grundsätzlich um.
Die Terminkurve wird unter anderem durch Finanzierungskosten, Lagerkosten, Versicherungskosten sowie den sogenannten Convenience Yield beeinflusst.
Rollen einer Futures-Position
Futures-Kontrakte haben eine begrenzte Laufzeit und verfallen zu einem festgelegten Termin, der je nach Produkt bspw. monatlich oder quartalsweise sein kann. Das „Rollen“ eines Futures bedeutet, eine bestehende, bald auslaufende Position zu schließen und gleichzeitig eine neue Position mit der nächsten Fälligkeit zu eröffnen. Dabei können Preisunterschiede und Transaktionskosten entstehen.
Rollverluste vs. Rollkosten
Rollkosten
Rollkosten sind reale, einmalige Kosten, die nur beim tatsächlichen Umschichten der Futures entstehen (alte Fälligkeit verkaufen, neue kaufen):
- Bid-Ask-Spread der Kontrakte
- Gebühren/Kommissionen von Börse oder Broker
- Slippage
- Marktauswirkung bei großen Orders
Diese Kosten sind klar messbar, aber in der Praxis oft relativ gering. Davon zu unterscheiden sind Margin- und Collateral-Effekte: Die Margin ist bei Futures eine Sicherheitsleistung und keine Gebühr. Zins- bzw. Collateral-Erträge können die Gesamtrendite einer besicherten Futures-Position zusätzlich beeinflussen.
Rollverluste
Rollverlusteentstehen durch den Renditeeffekt aus der Preisdifferenz zwischen auslaufenden und neuen Terminkontrakten. Diese werden wiederum durch Contango oder Backwardation beeinflusst.
Die Gesamtrendite einer Futures-Position kann dabei aus mehreren Komponenten bestehen: der Preisentwicklung des Futures bzw. Basiswertes, der Rollrendite sowie möglichen Zins- bzw. Collateral-Erträgen. Bei ETPs kommen zusätzlich Gebühren und Transaktionskosten hinzu.
- In einer Contango-Situation sind längere Fälligkeiten teurer als kürzere.
- Long-Positionen werden dann in einen teureren Kontrakt gerollt und können durch die spätere Konvergenz einen negativen Rollbeitrag erleiden.
- Short-Positionen hingegen profitieren grundsätzlich von diesem Rolleffekt.
- In Backwardation sind längere Fälligkeiten günstiger als kürzere.
- Long-Positionen profitieren durch einen Rollgewinn (positiver Rollbeitrag).
- Short-Positionen verlieren hingegen grundsätzlich durch einen negativen Rollbeitrag.
Rollverluste vs. Rollgewinne
Rollverluste sind ein negativer Renditebeitrag aus dem Rollen von Futures, Rollgewinne ein positiver Renditebeitrag.
Rollgewinn entsteht bei Long-Positionen typischerweise in Backwardation. Beim Rollen verkauft der Anleger den teureren nahen Kontrakt und kauft den günstigeren länger laufenden Kontrakt. Steigt dieser neue Future anschließend ceteris paribus in Richtung Spotpreis bzw. Settlementwert, entsteht ein positiver Rollbeitrag.
Für Short-Positionen kehrt sich das Muster grundsätzlich um:
| Marktstruktur | Long-Position | Short-Position |
|---|---|---|
| Contango | eher Rollverlust | eher Rollgewinn |
| Backwardation | eher Rollgewinn | eher Rollverlust |
Rollverluste in der Praxis – Beispiel
Viele Exchange Traded Products (ETPs – Oberbegriff für z. B. ETCs, ETNs und ETFs) bilden den Kursverlauf bestimmter Rohstoffe oder Indizes wie den VIX (CBOE Volatility Index) über Future-Kontrakte oder entsprechende Indexkonstruktionen nach. Dadurch macht der Emittent Märkte investierbar, die Privatanlegern sonst nur schwer zugänglich wären.
Liegt der Future-Markt jedoch in Contango, was bei vielen Rohstoffen und beim VIX häufig der Fall ist, entstehen für Long-Produkte negative Rollbeiträge. Auslaufende Kontrakte müssen durch teurere, länger laufende ersetzt werden. Dies bedeutet für das ETP einen strukturellen Gegenwind für die Wertentwicklung. Solche Produkte eignen sich daher häufig eher für kurze Anlagehorizonte, was insbesondere für kurzfristige VIX-Futures-Produkte gilt.
Ein prominentes Beispiel ist der iPath Series B S&P 500 VIX Short-Term Futures ETN (Ticker: VXX). Als ETN bezieht sich das Produkt auf einen Index aus kurzfristigen VIX-Futures, der laufend in spätere Fälligkeiten gerollt wird. Der VXX kann in Stressphasen zwar stark steigen. Über längere Zeiträume wirken jedoch ein häufiger Contango der VIX-Futures, Gebühren und der tägliche Rollvorgang häufig belastend auf die Wertentwicklung.
Können Rollverluste vermieden werden?
Rollverluste lassen sich bei futuresbasierten Produkten nicht immer vollständig vermeiden. Sie hängen davon ab, ob und wie häufig ein Produkt Futures-Kontrakte rollen muss und in welcher Form sich die Terminkurve befindet.
Einige Produkte versuchen jedoch, negative Rolleffekte zu reduzieren. Dazu zählen insbesondere rolloptimierte Indizes oder ETPs, die je nach Indexmethode auch weiter entfernte Fälligkeiten auswählen können. Ziel ist es, starke Contango-Effekte abzumildern oder günstige Abschnitte der Terminkurve zu nutzen.
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Produkte zu wählen, die physisch besichert sind oder keine laufende Futures-Rollierung vornehmen. Solche Produkte können zwar keine laufenden Rollverluste auslösen, bringen aber andere Besonderheiten und Risiken mit sich. Bei Rohstoffen ist eine physische Abbildung zudem nur bei bestimmten Märkten praktikabel, etwa bei Edelmetallen.
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