Kontraktgröße (Futures) – Definition & Erklärung

Autor: Maik Engelkamp Inhaltlich geprüft von: Philipp Berger

Die Kontraktgröße (englisch: Contract Size) bezeichnet die standardisierte Menge eines Basiswerts (z. B. einer Aktie, eines Rohstoffs oder eines Index), die einem Futures- oder Optionskontrakt zugrunde liegt. Sie wird festgelegt, um den Handel und den Vergleich verschiedener Kontrakte an der Börse zu erleichtern.

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Kontraktgröße – Definition

Die Kontraktgröße beschreibt die Menge des zugrunde liegenden Basiswerts, die ein einzelner Futures– oder Optionskontrakt abbildet. Sie legt also exakt fest, wie viel des Basiswerts ein Kontrakt umfasst.

Beispiele:

  • Ein Gold-Future (GC) an der COMEX entspricht 100 Feinunzen Gold.
  • Ein WTI-Rohöl-Future umfasst 1.000 Barrel.
  • Bei US-Standard-Aktienoptionen repräsentiert ein Kontrakt üblicherweise 100 Aktien. Bei Eurex-Aktienoptionen ist die Kontraktgröße produktabhängig. Die effektive Kontraktgröße kann sich bei Kapitalmaßnahmen (z. B. Aktiensplit, Spin-off) anpassen.

Abgrenzung wichtiger Begriffe

  • Der Multiplikator gibt den Geldwert pro Indexpunkt oder Einheit an. Er bestimmt, wie stark sich eine Veränderung des Derivats in Geldwerten auswirkt. Bei Index-Futures ist der Multiplikator meist der zentrale Größenfaktor.
  • Die Tickgröße (Tick Size) ist die kleinste zulässige Preisänderung eines Kontrakts. Sie definiert also, in welchen minimalen Schritten sich der Preis eines Futures oder einer Option bewegen darf.
    • Beispiel: DAX Future = 1 Indexpunkt.
  • Der Tickwert (Tick Value) beschreibt den Geldwert einer einzelnen Tickbewegung.
    • Er berechnet sich vereinfacht als Multiplikator × Tickgröße. Beispiel: DAX Future = 25 EUR.

Kontraktwert und Optionsprämie

Der Kontraktwert (auch Notional Value) ergibt sich je nach Produkt aus dem Preis des Basiswerts multipliziert mit der Kontraktgröße bzw. dem Multiplikator. Bei Rohstoff-Futures ist dies meist der Preis je physischer Einheit × Kontrakteinheit. Bei Index-Futures entspricht der Kontraktwert dem Indexstand × Multiplikator. Beispiele:

  • Gold-Future: 2.000 USD / oz × 100 oz = 200.000 USD
  • DAX-Future: 18.000 Punkte × 25 EUR / Punkt = 450.000 EUR

Die Optionsprämie ergibt sich aus dem quotierten Optionspreis multipliziert mit der Kontraktgröße bzw. dem Multiplikator. Bei Aktienoptionen ist dies typischerweise der Optionspreis je Aktie × Anzahl der Aktien pro Kontrakt. Beispiel:

  • Aktienoption: 2,50 EUR × 100 = 250 EUR pro Kontrakt (zuzüglich Transaktionskosten)

Bedeutung der Kontraktgröße

Um den Börsenhandel zu erleichtern und effizienter zu gestalten, standardisieren Terminbörsen die Kontrakte unter anderem hinsichtlich Verfallsterminen, Liefermodalitäten und Kontraktgrößen.

Diese Standardisierung fördert Liquidität und Transparenz, weil alle Marktteilnehmer zu identischen Vertragsbedingungen handeln. Die Kontraktgröße beeinflusst zudem Risikomanagement und Margin-Bedarf, da sie den Kontraktwert und damit potenzielle Gewinn-/Verlustschwankungen mitbestimmt.

Hinweis: Der konkrete Margin-Bedarf wird nicht ausschließlich linear aus der Kontraktgröße abgeleitet, sondern von Clearinghäusern anhand risikobasierter Modelle, Marktszenarien, Volatilitäten und möglicher Portfolioeffekte berechnet.

Überblick der wichtigsten Kontraktgrößen

Kontraktgrößen und Multiplikatoren bestimmen den Kontraktwert (Notional), den Margin-Bedarf und den Tick Value – also wie stark sich eine kleinste Preisänderung (Tick Size) monetär auswirkt. Die folgende Übersicht ordnet gängige Kontrakte ein und erleichtert die Größen- und Risikoabschätzung.

Produkt Börse / Symbol Kontraktgröße / Multiplikator Tickgröße Tickwert Hinweis
WTI Rohöl Future NYMEX / CL 1.000 Barrel 0,01 USD/Barrel 10 USD Physische Lieferung
Gold Future COMEX / GC 100 Feinunzen 0,10 USD/oz 10 USD Physische Lieferung
E-mini S&P 500 Future CME / ES 50 USD/Indexpunkt 0,25 Punkte 12,50 USD Barausgleich
Micro E-mini S&P 500 Future CME / MES 5 USD/Indexpunkt 0,25 Punkte 1,25 USD Barausgleich
DAX®-Future Eurex / FDAX 25 EUR/Indexpunkt 1 Punkt 25 EUR Barausgleich
Euro FX Future CME / 6E 125.000 EUR 0,00005 USD/EUR 6,25 USD Physische Lieferung
Euro-Bund Future Eurex / FGBL 100.000 EUR Nominalwert 0,01 Prozentpunkte 10 EUR Physische Lieferung geeigneter Schuldverschreibungen
Aktienoption (US-Standard) u. a. Cboe / OCC-gecleart üblicherweise 100 Aktien je Kontrakt z. B. 0,01 USD im Optionspreis z. B. 0,01 USD × 100 = 1 USD Kontraktgröße kann sich bei Kapitalmaßnahmen anpassen; bei Eurex-Aktienoptionen produktabhängig

Änderungen vorbehalten. Maßgeblich sind die offiziellen Kontraktspezifikationen der jeweiligen Börse.

Vorteile und Nachteile einer standardisierten Kontraktgröße

Vorteile

  • Transparenz & Vergleichbarkeit: Einheitliche Größen machen Verpflichtungen eindeutig und Preise besser vergleichbar.
  • Liquidität & enge Spreads: Standardisierung bündelt Orderflow, zentrale Abwicklung senkt Gegenparteirisiken.
  • Prozesseffizienz: Abwicklung, Margining und Risiko-Modelle sind klar definiert – weniger Verhandlungsaufwand.

Nachteile

  • Grobe Stückelung: Fixe Größen können zu einer Über- oder Unterdeckung bei einer Absicherung führen (z. B. Bedarf 7.000 Scheffel Sojabohnen vs. Kontrakt 5.000 Scheffel).
  • Geringere Passgenauigkeit: Liefer-/Abrechnungsmodalitäten sind vorgegeben. Individuelle Termin- oder Qualitätswünsche sind kaum abbildbar.
  • OTC-Alternative: OTC-Produkte lassen sich hinsichtlich Menge und Termin oft genauer maßschneidern. Es gibt jedoch auch standardisierte und zentral geclearte OTC-Kontrakte. Nicht zentral geclearte OTC-Geschäfte erfordern in der Regel mehr Dokumentation, Preisfindung und Gegenparteimanagement.

Kleinere Kontraktgrößen am Beispiel der E-Minis

Dem Nachteil fixer Kontraktgrößen wirken Börsen entgegen, indem sie bei beliebten Produkten alternative Produkte mit kleineren Kontrakten anbieten. Ein Beispiel für Futures, deren Kontraktgröße nur einen Bruchteil eines größeren Referenzkontrakts beträgt, sind die sogenannten E-Minis.

E-minis werden überwiegend an der Chicago Mercantile Exchange (CME) gehandelt und sind für eine Vielzahl von Indizes wie den Nasdaq 100, den S&P 500 oder den Russell 2000 sowie für Rohstoffe wie Gold oder Silber oder auch Währungen wie den Euro verfügbar. Beim S&P 500 war der E-mini-Future strukturell ein Fünftel des früheren Standard-Size-S&P-500-Futures, der inzwischen eingestellt wurde. Darüber hinaus gibt es auch Micro Futures oder Micro Optionen.

Produkttyp Börse / Symbol Multiplikator je Punkt Tickgröße Tickwert Status / Hinweis
„Standard“ S&P 500 Future CME / SP 250 USD 0,10 Punkte (historisch) 25,00 USD (historisch) Handelseinstellung am 17.09.2021.
E-Mini S&P 500 Future CME / ES 50 USD 0,25 Punkte 12,50 USD Elektronischer Leitkontrakt mit hoher Liquidität.
Micro E-Mini S&P 500 Future CME / MES 5 USD 0,25 Punkte 1,25 USD 1/10 der E-Mini-Größe.

Änderungen vorbehalten. Maßgeblich sind die offiziellen Kontraktdokumente der Börse.

Kontraktgröße in der Praxis

In der Praxis hilft die Kontraktgröße dabei, das tatsächliche Exposure und das Risiko einer Position zu bestimmen. Entscheidend ist dabei nicht nur der Kurs des Basiswerts, sondern auch, wie viel Basiswert ein einzelner Kontrakt abbildet.

Die Anzahl der benötigten Kontrakte lässt sich vereinfacht wie folgt bestimmen:

  • Anzahl Kontrakte = gewünschtes Exposure / Kontraktwert je Kontrakt
  • Risiko je Position = Abstand in Ticks × Tickwert × Anzahl der Kontrakte

Beispiel: Bewegt sich ein E-mini S&P 500 Future um 8 Ticks und beträgt der Tickwert 12,50 USD, entspricht dies 100 USD je Kontrakt. Bei zwei Kontrakten läge die Veränderung bei 200 USD. Gerade bei großen Kontrakten kann deshalb bereits eine kleine Preisbewegung erhebliche Auswirkungen auf Gewinn, Verlust und Margin-Anforderungen haben.

Bei der Absicherung gilt zudem: Passt die gewünschte Absicherungsmenge nicht exakt zur Kontraktgröße, entsteht eine Über- oder Unterdeckung. In solchen Fällen können kleinere Kontraktvarianten, etwa Micro Futures, eine feinere Dosierung ermöglichen.

Weiterführende Informationen

Abgrenzung zu Lot Size, Forex und CFDs

Der Begriff Kontraktgröße wird häufig im Zusammenhang mit börsengehandelten Futures und Optionen verwendet. Im Forex- und CFD-Handel ist dagegen oft von der Lot Size oder Positionsgröße die Rede. Auch dort beschreibt die Größe, welche Menge eines Basiswerts durch eine Position bewegt wird. Der Unterschied liegt jedoch in der Standardisierung.

Bei börsengehandelten Futures und Optionen werden Kontraktgröße, Tickgröße, Verfallstermine und Abrechnungsmodalitäten durch die Börse festgelegt. Im Forex- oder CFD-Handel hängen Lot Size, Mindesthandelsgröße und Kontraktwert dagegen häufig vom jeweiligen Broker, Handelsplatz oder Produktmodell ab. Diese Produkte sind daher nicht ohne Weiteres mit standardisierten Börsenkontrakten vergleichbar.


Was sind Derivate?

Derivate sind Finanzkontrakte, deren Wert von einem sogenannten Basiswert (wie Aktien, Rohstoffen oder Währungen) abgeleitet wird. Der Handel mit Derivaten kann auf verschiedene Weise erfolgen.

  • Börslicher Handel (Terminbörse): Standardisierte Derivate mit zentralem Clearing.
  • Over-the-Counter (OTC): Außerbörsliche Geschäfte, die häufig bilateral und individuell ausgestaltet sind, teilweise aber auch standardisiert und zentral gecleart werden können.

Dabei entscheidet die Art des Derivats darüber, wie und wo es gehandelt wird.

  • Futures werden an Terminbörsen gehandelt, sind standardisiert und werden zentral über ein Clearinghaus gecleart.
  • Optionen können sowohl an Börsen als auch außerbörslich (OTC) gehandelt werden.
  • Forwards und Swaps sind überwiegend OTC-Geschäfte, es existieren jedoch zunehmend zentral geclearte oder börsenähnliche Varianten (z. B. Swap-Futures).
  • Optionsscheine und Zertifikate sind emittentenbezogene, nicht standardisierte Derivate. Sie unterliegen keiner zentralen Clearingstruktur wie börsengehandelte Optionen. Anleger tragen daher ein Emittenten- bzw. Bonitätsrisiko. In Deutschland werden sie jedoch häufig über Börsenplätze gehandelt.
Zuordnung von Futures und Optionen

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