Notional Value (Kontraktwert) – Definition & Bedeutung

Autor: Armin Hecktor Inhaltlich geprüft von: Philipp Berger

Der Notional Value (deutsch: Kontraktwert oder Nominalwert) spiegelt den rechnerischen Gegenwert wider, den ein Derivatkontrakt am Markt bewegt bzw. auf den sich seine Zahlungsströme beziehen. In der Praxis liegt der Kontraktwert bei Futures häufig deutlich über der tatsächlich zu hinterlegenden Sicherheitsleistung. Die Kennzahl dient unter anderem dazu, das Portfoliorisiko grob abzuschätzen und eine Absicherungsquote zu bestimmen.

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Notional Value – Definition

Der Notional Value bzw. Kontraktwert ist bei Futures und Optionen der rechnerische Gesamtwert des Basiswerts (Underlying), auf den sich ein Kontrakt bezieht. Er zeigt, welcher Wert durch den Kontrakt bewegt wird, nicht wie viel Kapital dafür hinterlegt oder bezahlt werden muss.

Hinweis: Bei Swaps, Forwards und ähnlichen OTC-Derivaten bezeichnet der Notional Value häufig den Referenzbetrag, auf dessen Basis Zahlungen berechnet werden, ohne dass dieser Betrag zwingend tatsächlich ausgetauscht wird.

Bedeutung des Kontraktwerts

Der Kontraktwert ist der bewegte Gegenwert einer Position. Er zeigt, auf welches Marktvolumen sich ein Derivat bezieht.

Bei Futures ergibt er sich aus Kontraktgröße × aktuellem Terminkontraktpreis.

Beispiel: Ein Futures-Kontrakt auf Öl repräsentiert 1.000 Barrel. Liegt der Futurepreis bei 60 USD pro Barrel, beträgt der Kontraktwert 60.000 USD (1.000 × 60 USD).

Dieser Betrag muss jedoch nicht vollständig eingesetzt werden. Bei Futures wird in der Regel nur eine Sicherheitsleistung hinterlegt. Dadurch entsteht Hebelwirkung.

Hebelwirkung und der Notional Value

Die Hebelwirkung beschreibt, wie viel Markt-Exposure je eingesetztem USD bewegt wird.

Faustformel (Futures):

Hebel=\frac{Kontraktwert}{eingesetztes~Kapital}

Wird im Beispiel für den Öl-Future eine Margin von 6.000 USD hinterlegt, entspricht dies einem Hebel von 10. Eine Preisänderung bezieht sich somit auf den gesamten Kontraktwert von 60.000 USD, nicht nur auf die eingesetzte Margin.

Aufgrund der Hebelwirkung kann der Kontraktwert bei Futures deutlich höher sein als die zu hinterlegende Margin. Bei Optionen kann der Notional Value deutlich über der gezahlten Optionsprämie liegen. Die Optionsprämie ist dabei der Marktpreis der Option, während der Notional Value den Gegenwert des zugrunde liegenden Basiswertes beschreibt.

Hinweis: Die Hebelwirkung ermöglicht Anlegern, mit einem relativ geringen Kapitaleinsatz einen wesentlich größeren Gegenwert am Markt zu bewegen. Der Notional Value ist dabei nicht mit dem Marktwert, der Optionsprämie oder dem maximalen Verlustrisiko gleichzusetzen.

Notional Value – Berechnung

Börsengehandelte Futures und standardisierte Optionen sind mit definierten Kontraktgrößen ausgestattet, die auf Gewicht, Anzahl, Volumen oder sonstigen Multiplikatoren basieren. Allgemein lassen sich diese unter dem englischen Begriff Multiplier (Bezugsverhältnis bzw. Kontraktgröße) zusammenfassen. OTC-Forwards und Swaps können dagegen individuell vereinbarte Notional Amounts haben.

Berechnung des Kontraktwerts bei Futures

Ein Gold Future hat beispielsweise einen Multiplikator von 100 Feinunzen, während der Multiplikator eines E-Mini S&P 500 Index Futures 50 USD beträgt. Mit anderen Worten:

  • Der Notional Value des Gold Futures ist das Hundertfache des Marktpreises von Gold.
  • Entsprechend beträgt der Kontraktwert des E-Mini S&P 500 Index Futures das 50-fache des Marktpreises des S&P 500 Index.

Für Futures lautet die Formel somit:

Positionswert=Anzahl~Kontrakte*Multiplier*Preis~des~Kontrakts

Beispiel: Werden drei E-Mini S&P 500 Futures bei einem Indexstand von 5.000 Punkten gehalten, beträgt der Positionswert 750.000 USD (3 × 50 USD × 5.000 Punkte).

Hinweis: Da der Kontraktwert auf dem aktuellen Futures- bzw. Underlying-Preis basiert, verändert er sich laufend mit dem Marktpreis.

Berechnung des Kontraktwerts bei Optionen

Bei Optionen wird der Notional Value nicht aus der Optionsprämie, sondern aus dem Wert des zugrunde liegenden Basiswerts berechnet. Bei Aktienoptionen ergibt er sich häufig aus dem Preis des Basiswerts × Kontraktgröße × Anzahl der Kontrakte.

Notional~Value=Anzahl~Kontrakte*Kontraktgröße*Preis~des~Basiswerts

Beispiel: Eine Aktienoption bezieht sich in der Regel auf 100 Aktien. Notiert die Aktie bei 50 USD, beträgt der Notional Value eines Optionskontrakts 5.000 USD (1 × 100 × 50 USD).

Der tatsächliche Marktwert der Option entspricht dagegen der Optionsprämie × Kontraktgröße × Anzahl der Kontrakte. Der Notional Value zeigt somit den Gegenwert des Basiswerts, nicht den Preis der Option.

Für Risikobetrachtungen kann zusätzlich ein delta-adjustierter Notional Value herangezogen werden:

Delta\text{-}adjustierter~Notional~Value=Notional~Value*Delta

Dieser Wert berücksichtigt, wie stark sich der Optionspreis näherungsweise verändert, wenn sich der Basiswert bewegt. Bei Calls ist das Delta in der Regel positiv, bei Puts negativ. Je nach Betrachtung kann daher entweder der vorzeichenbehaftete oder der absolute delta-adjustierte Notional Value verwendet werden.

Bestimmung der Hedge Ratio mit Hilfe des Notional Value

Der Notional Value (Kontraktwert) hilft, das Exposure eines Portfolios grob zu erfassen und daraus eine Absicherungsquote (Hedge Ratio) abzuleiten.

Angenommen, ein Portfolio hat eine Netto-Long-Ausrichtung auf den US-Aktienmarkt von 1.000.000 USD (Portfoliowert der zu sichernden Position). Um das Marktrisiko zu dämpfen, sollen E-mini S&P 500 Futures genutzt werden.

Formel für eine vollständige Beta-Absicherung:

Anzahl~Futures=\frac{Portfoliowert*Betafaktor~β}{Kontraktwert~je~Future}

Soll nur ein bestimmtes Ziel-Beta erreicht werden, kann die Formel entsprechend angepasst werden:

Anzahl~Futures=\frac{(β_{aktuell}-β_{Ziel})*Portfoliowert}{Kontraktwert~je~Future}

Der Kontraktwert je Future ergibt sich aus Futures-Preis × Multiplier. Im Beispiel: 5.000 Punkte × 50 USD = 250.000 USD. Bei einem angenommenen Betafaktor von 1 wird die erforderliche Absicherung wie folgt berechnet:

Anzahl~Futures = \frac{1.000.000~USD}{250.000~USD} = 4

Die Absicherung läge demnach bei vier E-Mini-Kontrakten. Da eine Netto-Long-Ausrichtung auf den US-Aktienmarkt abgesichert werden soll, würde dies in der Praxis typischerweise über eine Short-Position in vier E-Mini S&P 500 Futures erfolgen.

Hinweis: Für feinere Abstufungen eignen sich möglicherweise Micro E-Mini S&P 500 Futures. Diese haben einen Multiplier von 5 USD/Punkt und damit ein Zehntel des E-Mini-Kontraktwerts. Bei einem Indexstand von 5.000 Punkten beträgt der Kontraktwert eines Micro E-Mini S&P 500 Futures 25.000 USD.

Beispiel für den Kontraktwert (E-mini S&P 500)

Notiert der S&P 500 Index bei 5000 Punkten, beträgt der Kontraktwert 250.000 USD (5000 × 50 USD).

Um die Position zu eröffnen, sind nicht 250.000 USD nötig, sondern zunächst die Initial Margin als Sicherheitsleistung. Der übrige Kontraktwert wird dabei nicht finanziert. Gewinne und Verluste werden über tägliches Mark-to-Market bzw. Variation Margin dem Margin-Konto gutgeschrieben oder belastet.

Beispiel für den Kontraktwert (DAX Futures)

Auch bei europäischen Index-Futures wird der Kontraktwert über Indexstand × Multiplier berechnet. Ein DAX Future hat beispielsweise einen Multiplier von 25 EUR je Indexpunkt. Notiert der DAX bei 18.000 Punkten, beträgt der Kontraktwert 450.000 EUR (18.000 × 25 EUR).

Für kleinere Positionsgrößen stehen Mini-DAX Futures und Micro-DAX Futures zur Verfügung. Ein Mini-DAX Future hat einen Multiplier von 5 EUR je Indexpunkt, ein Micro-DAX Future einen Multiplier von 1 EUR je Indexpunkt. Bei einem DAX-Stand von 18.000 Punkten ergeben sich damit folgende Kontraktwerte:

Kontrakt Multiplier Kontraktwert bei 18.000 Punkten
DAX Future 25 EUR/Punkt 450.000 EUR
Mini-DAX Future 5 EUR/Punkt 90.000 EUR
Micro-DAX Future 1 EUR/Punkt 18.000 EUR

Beispiel für den Kontraktwert (Währungsfutures)

Bei Devisen-Futures oder FX-Forwards hängt der Notional Value zusätzlich vom jeweiligen Währungspaar ab. Ein Devisenkontrakt kann daher in der Basiswährung oder in der Gegenwährung betrachtet werden. Repräsentiert ein EUR/USD-Kontrakt beispielsweise 125.000 EUR und liegt EUR/USD bei 1,18, entspricht dies einem Gegenwert von 147.500 USD.

Notional Value vs. Market Value

Der Notional Value ist nicht mit dem Marktwert einer Position gleichzusetzen. Der Notional Value beschreibt den rechnerisch kontrollierten bzw. referenzierten Gegenwert. Der Market Value beschreibt dagegen den aktuellen Marktwert einer Position oder den Preis, zu dem ein Instrument gekauft oder verkauft werden kann.

Begriff Bedeutung Beispiel
Notional Value Rechnerisch bewegter oder referenzierter Gegenwert 5.000 Punkte × 50 USD = 250.000 USD
Market Value Aktueller Marktwert bzw. Kauf-/Verkaufspreis der Position Optionsprämie × Kontraktgröße
Margin Sicherheitsleistung zur Eröffnung bzw. Aufrechterhaltung einer Futures-Position Initial Margin und Maintenance Margin
Optionsprämie Preis, den der Käufer einer Option zahlt Prämie × Bezugsverhältnis

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