Mark-to-Market (MTM) – Definition & Bedeutung

Autor: Maik Engelkamp

Mark-to-Market (kurz: MTM, deutsch: „Marktbewertung“) bezeichnet die regelmäßige Neubewertung offener Positionen, die ein Händler an der Börse bzw. über einen Broker hält, um den aktuellen Marktwert der Positionen zu ermitteln und daraus Gewinne oder Verluste abzuleiten. Bei börsengehandelten Derivaten (z. B. Futures) wird diese Neubewertung typischerweise arbeitstäglich durchgeführt und führt dazu, dass das Marginkonto (je nach Tagesergebnis) belastet oder gutgeschrieben wird.

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Mark-to-Market-Bewertung – Definition

Mark-to-Market (MTM) ist die in der Praxis häufig tägliche (je nach Produkt und Broker/Clearing teils auch intraday) Neubewertung offener Handelspositionen zur Ermittlung von Gewinnen und Verlusten auf Basis des aktuellen Marktwertes bzw. Fair Value.

Bei börsengehandelten Kontrakten (insbesondere Futures) erfolgt die tägliche MTM-Abrechnung üblicherweise auf Basis des von der Börse/Terminbörse festgestellten Settlement Price (Abrechnungskurs) nach Handelsschluss.

Insbesondere bei Futures gewährleistet dieses Verfahren die Einhaltung der Margin-Anforderungen. Im Rahmen der sogenannten Variation Margin werden Gewinne und Verluste nach jedem Handelstag während der Haltedauer der Position ausgeglichen, wodurch das Kreditrisiko reduziert wird.

Bedeutung von MTM für Marginkonten

Bei Marginkonten wird der Marktwert der gehaltenen Positionen (und damit die Werthaltigkeit der hinterlegten Sicherheiten) regelmäßig auf Basis von Mark-to-Market aktualisiert. In der Praxis bewerten viele Broker Positionen fortlaufend bzw. mindestens intraday, um sicherzustellen, dass die Mindestmargenanforderungen jederzeit eingehalten werden.

Erfüllt ein Marginkonto die Anforderungen (z. B. die Maintenance Margin) nicht mehr, kann es zu einem Margin Call kommen. Dabei handelt es sich um eine Aufforderung zur Nachschusspflicht, entweder durch Einzahlung zusätzlichen Kapitals, durch Reduzierung/Schließen von Positionen oder durch Hinterlegung weiterer Sicherheiten.

Hinweis: Zusätzlich können Broker neben den Mindestanforderungen auch strengere „house requirements“ anwenden, die sich in volatilen Marktphasen kurzfristig ändern können.

Mark-to-Market bei Futures

Jeder Futures- bzw. Terminkontrakt hat zwei Marktseiten:

In der Praxis wird das tägliche Mark-to-Market über die Clearingstelle (CCP) abgewickelt. Die Terminbörse veröffentlicht u. a. den Settlement Price. Die Clearingstelle nutzt diesen Abrechnungskurs zur täglichen Neubewertung offener Positionen. Gewinne und Verluste aus Wertveränderungen werden dann als Variation Margin über die Marginkonten ausgetauscht.

Funktionsweise der Variation Margin bei Futures
  • Preisrückgang des Futures am Handelstag
    • Die Long-Position erleidet einen Verlust – das Marginkonto wird belastet.
    • Die Short-Position erzielt einen Gewinn – das Marginkonto wird entsprechend gutgeschrieben.
  • Preisanstieg des Futures am Handelstag
    • Die Long-Position erzielt einen Gewinn – das Marginkonto wird gutgeschrieben.
    • Die Short-Position erleidet einen Verlust – das Marginkonto wird belastet.

Hinweis: Nicht der gesamte „Positionswert“ (Notional Value) wird als Kapital hinterlegt, sondern eine Sicherheitsleistung (Initial Margin). Die tägliche MTM-Abrechnung (Variation Margin) passt das Marginkonto entsprechend der Preisänderung des Kontrakts an. Mehr über die Futures-Margin erfahren.

MTM bei Investmentfonds

Bei Investmentfonds, wie etwa Aktienfonds, wird eine Mark-to-Market-Bewertung zur (typischerweise) täglichen Berechnung des Nettoinventarwerts (Net Asset Value – NAV) herangezogen. Bei klassischen Fonds (Mutual Funds) wird der NAV in der Regel einmal pro Handelstag berechnet (häufig nach Börsenschluss).

Der NAV gibt den Wert pro Fondsanteil an und wird berechnet, indem der Gesamtwert aller im Fonds enthaltenen Vermögenswerte (abzüglich der Verbindlichkeiten) durch die Anzahl der ausgegebenen Anteile dividiert wird.

Beispiel: Beträgt beispielsweise das Gesamtvermögen eines Fonds 100 Mio. USD und die Verbindlichkeiten 20 Mio. USD, so entspricht der Nettoinventarwert des Fonds 80 Mio. USD.

Hinweis: Börsengehandelte Indexfonds (ETFs) werden zusätzlich intraday an der Börse gehandelt und können zeitweise über oder unter ihrem (indikativ ermittelten) NAV notieren.

MTM-Bewertung bei Aktien

Bei Aktien erfolgt eine Marktbewertung in der Regel „implizit“, da ihr Marktwert laufend durch den Börsenhandel bestimmt wird.

Für liquide Aktien in einem aktiven Markt ist der aktuelle Börsenkurs (bzw. der zuletzt gehandelte Preis) typischerweise eine gute Annäherung an den fairen Marktwert, der sich aus Angebot und Nachfrage sowie den Erwartungen der Anleger an die zukünftige Entwicklung des Unternehmens ergibt.

Allerdings kann der zuletzt gehandelte Kurs in bestimmten Situationen den fairen Wert nur eingeschränkt abbilden, z. B. bei sehr geringer Liquidität, großen Spreads, Handelsunterbrechungen oder außerhalb der Handelszeiten. Zudem kann der Marktwert erheblich vom Buchwert je Aktie (engl. book value) abweichen.

Hinweis: Für Investoren ohne Margin-Konto (also ohne Hebelwirkung oder Kreditaufnahme) hat Mark-to-Market keine direkte Cashflow-Wirkung, solange sie ihre Aktien nicht verkaufen. Für Margin-Trader hingegen spielt MTM eine direkte Rolle, da sich Wertänderungen der Positionen fortlaufend auf die verfügbare Sicherheitenbasis und damit auf die benötigte Margin auswirken.

Beispiel eines Mark-to-Market im Trading

Um sich gegen fallende Rohstoffpreise abzusichern, eröffnet ein Weizenbauer am 11. November eine Short-Position in 10 Weizen-Future-Kontrakten. Da jeder Kontrakt 5.000 Scheffel umfasst, sichert er sich gegen einen Preisrückgang bei insgesamt 50.000 Scheffel Weizen ab.

Zum Zeitpunkt des Handels beträgt der Preis eines Weizen-Futures 4,50 USD pro Scheffel. Daraus ergibt sich der Kontraktwert (Notional) der Position:

4{,}50~USD \cdot 50{.}000~Scheffel = 225{.}000~USD

Szenario 1: Kursanstieg

Da der Landwirt eine Short-Position hält, profitiert er von fallenden Preisen, während steigende Preise zu Verlusten führen.

Falls der Weizenpreis von 4,50 USD auf 4,55 USD steigt, ergibt sich eine Preisänderung von 0,05 USD pro Scheffel und damit ein Tagesverlust von:

0{,}05~USD \cdot 50{.}000~Scheffel = 2{.}500~USD

Dieser Betrag wird dem Marginkonto des Weizenbauern belastet und dem Konto der Gegenposition (Long) als Variation Margin gutgeschrieben.

Szenario 2: Kursrückgang

Sinkt der Preis von 4,50 USD auf 4,45 USD, ergibt sich eine Preisänderung von -0,05 USD pro Scheffel. Für die Short-Position entspricht dies einem Tagesgewinn von:

0{,}05~USD \cdot 50{.}000~Scheffel = 2{.}500~USD

Der Gewinn wird dem Marginkonto des Weizenbauern gutgeschrieben, während die Long-Position entsprechend belastet wird.

Die tägliche Mark-to-Market-Anpassung wird bis zum Fälligkeitstermin des Futures-Kontrakts fortgesetzt – oder bis der Landwirt seine Short-Position durch den Kauf einer Long-Position mit derselben Fälligkeit glattstellt.

Mark-to-Market Accounting

Mark-to-Market (MTM) wird im Trading-Kontext häufig für die laufende Neubewertung von Positionen (z. B. tägliche Abrechnung bei Futures) verwendet. In der Rechnungslegung wird hingegen typischerweise von Fair-Value-Bewertung gesprochen: Dabei werden Vermögenswerte und Verbindlichkeiten nicht zum ursprünglichen Anschaffungswert, sondern zum beizulegenden Zeitwert (Fair Value) angesetzt.

Wichtig ist die Abgrenzung:

  • Trading/Derivate (z. B. Futures): häufig (mindestens) tägliches MTM inkl. Cashflow-Wirkung über Variation Margin.
  • Finanzberichterstattung: Fair Value wird in der Regel zu Berichtsstichtagen (z. B. Monats-/Quartals-/Jahresabschluss) bestimmt. Je nach Bilanzkategorie können Wertänderungen erfolgswirksam (GuV) oder erfolgsneutral (OCI) erfasst werden.
Beispiel: MTM und Hold-to-Maturity-Anleihen

Ein häufiges Missverständnis betrifft bis zur Endfälligkeit gehaltene Anleihen (Hold-to-Maturity (HTM)-Bonds). Solche festverzinslichen Wertpapiere sind in der Regel nicht Teil eines Handelsportfolios und werden bilanziell (je nach Rechnungslegungsstandard und Klassifizierung) häufig zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet – also nicht laufend zum Marktwert.

Gleichzeitig können sich die Marktpreise dieser Anleihen deutlich verändern. Ein zentraler Treiber sind Zinsänderungen:

  • Steigende Zinsen (z. B. durch Zinserhöhungen der Zentralbanken) führen dazu, dass bestehende Anleihen mit niedrigeren Kupons unattraktiver werden. Dadurch sinkt ihr Marktpreis.
  • Sinkende Zinsen erhöhen den Marktpreis bestehender Anleihen, da ihre Kupons im Vergleich zu neu emittierten Anleihen attraktiver sind.

Bei HTM-/Amortised-Cost-Anleihen führen solche zinsbedingten Marktpreisschwankungen jedoch in der Regel nicht automatisch zu einer erfolgswirksamen „MTM-Verlust“-Erfassung, solange die Anleihe nicht verkauft wird und keine Wertminderung vorliegt.

Wertminderung statt „MTM-Verlust“ bei HTM-Bonds

Wenn der Marktpreis einer HTM-Anleihe unter dem Buchwert liegt, ist das nicht automatisch ein bilanzwirksamer Verlust. Entscheidend ist vielmehr, ob eine Wertminderung (Impairment) vorliegt – typischerweise getrieben durch ein erhöhtes Ausfall-/Kreditrisiko oder eine signifikante Verschlechterung der erwarteten Zahlungsströme.

Bilanzwirksam wird ein Verlust insbesondere dann relevant, wenn z. B.:

  • eine Wertminderung (z. B. aufgrund gestiegener Ausfallwahrscheinlichkeit) erfasst werden muss,
  • die Absicht oder Fähigkeit, die Anleihe bis zur Fälligkeit zu halten, nicht mehr gegeben ist (z. B. erzwungener Verkauf, Reklassifizierung),
  • oder das Instrument tatsächlich veräußert wird und damit ein Verlust realisiert wird.

Solange ein Investor die Anleihe bis zur Fälligkeit hält und die vertraglichen Zahlungen erwartungsgemäß fließen, bleibt ein zwischenzeitlich niedrigerer Marktpreis häufig ohne unmittelbare GuV-Wirkung. Am Ende der Laufzeit erhält der Anleger bei ausbleibendem Ausfall den Nennwert zurück – unabhängig von zwischenzeitlichen Marktpreisen.

Sondersituationen bei Mark-to-Market (MTM)

Der Hauptzweck einer Mark-to-Market-Bewertung besteht darin, Vermögenswerte möglichst realitätsnah zu bewerten. Herausforderungen entstehen jedoch, wenn beobachtbare Marktpreise in bestimmten Situationen kein verlässliches Signal für den wirtschaftlichen Wert liefern – etwa bei stark illiquiden Märkten, großen Spreads oder wenn Transaktionen nur noch unter Stressbedingungen stattfinden.

In solchen Fällen ist es wichtig zu unterscheiden:

  • Geordneter Markt / geordnete Transaktionen: Preise sind grundsätzlich nutzbar, weil sie „normalen“ Marktbedingungen entsprechen.
  • Inaktive Märkte / notleidende (distressed) Transaktionen: Einzelne beobachtete Preise können verzerrt sein (z. B. Notverkäufe). Dann kann eine Bewertung auf Basis von Bewertungsmodellen, Indikationen, vergleichbaren Transaktionen und anderen Inputs sachgerechter sein als eine mechanische Übernahme eines Stresspreises.
Beispiel: Finanzkrise 2008/2009

Diese Problematik trat während der Finanzkrise 2008/2009 deutlich zutage. Viele Marktsegmente (u. a. bestimmte hypothekarisch gesicherte Wertpapiere (Mortgage-Backed Securities – MBS)) waren zeitweise stark illiquide. Wenn nur noch wenige Transaktionen stattfanden und diese zudem unter erheblichem Verkaufsdruck standen, konnten beobachtete Preise deutlich unter längerfristigen fundamental begründeten Wertannahmen liegen.

In der Folge führte eine konsequente Orientierung an Stresspreisen bei einigen Marktteilnehmern zu starken bilanziellen Abschlägen und erhöhter Volatilität in der Berichterstattung – selbst in Fällen, in denen die zugrunde liegenden Cashflows nicht im gleichen Ausmaß einbrachen, wie es die Marktpreise nahelegten.

Regulatorische bzw. bilanzielle Klarstellungen

Vor diesem Hintergrund veröffentlichte das Financial Accounting Standards Board (FASB) im Frühjahr 2009 zusätzliche Klarstellungen zur Fair-Value-Ermittlung in inaktiven Märkten.

Kernidee war nicht die „Abschaffung“ von Marktbewertung, sondern die Präzisierung, dass Fair Value auf einer geordneten Transaktion zwischen Marktteilnehmern basiert und dass Preise aus erkennbar notleidenden/ungeordneten Transaktionen nicht unkritisch als Fair Value übernommen werden sollten.

Damit wurde Unternehmen ein Rahmen gegeben, um in Stressphasen stärker zu prüfen, ob beobachtete Preise tatsächlich repräsentativ sind – und falls nicht, angemessenere Bewertungsinputs und -methoden zu verwenden, um extreme bilanzielle Ausschläge aufgrund illiquider Märkte zu vermeiden.

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