Vanilla-Optionen – Erklärung & Beispiel

Autor: Maik Engelkamp

Vanilla-Optionen (englisch: vanilla options) sind ein standardisiertes Finanzinstrument, das dem Inhaber das Recht, aber nicht die Pflicht gibt, einen Basiswert (z.B. eine Aktie) zu einem vorher festgelegten Preis innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put).

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Vanilla-Optionen – Definition

Als (Plain) Vanilla-Option wird typischerweise eine Option bezeichnet, welche keine besonderen oder ungewöhnlichen Merkmale aufweist. Solche Optionen sind standardisiert, wenn sie an einer Börse, wie der Chicago Board Options Exchange (CBOT) oder die Eurex, gehandelt werden. Das bedeutet, ihre Laufzeit, Kontraktgröße und Ausübungsart sind im Voraus festgelegt.

Vanilla-Optionen werden von Privatpersonen, Unternehmen und institutionellen Anlegern verwendet, um ihr Engagement in einem bestimmten Vermögenswert abzusichern oder um auf die Preisentwicklung eines Finanzinstruments zu spekulieren. Es gibt verschiedene Arten von Vanilla-Optionen z. B. Devisenoptionen, Indexoptionen, Optionen auf Futures oder ETF-Optionen.

Arten von Vanilla-Optionen

Es gibt zwei Arten von Vanilla-Optionen: Call- und Put-Optionen.

  • Käufer einer Call-Option haben das Recht, aber nicht die Pflicht, den Basiswert zum Strike-Preis zu kaufen.
  • Käufer einer Put-Option hat das Recht, aber nicht die Pflicht, eine beispielsweise Aktie zum Strike-Preis zu verkaufen.

Der Verkäufer einer Option wird als Stillhalter bezeichnet. Durch das Leerverkaufen oder Schreiben einer Option entsteht die Verpflichtung, das Instrument zu kaufen oder zu verkaufen, wenn die Option von ihrem Käufer ausgeübt wird. Sowohl Calls als auch Puts haben einen Verfallstag. Damit wird eine Laufzeit für sie festgelegt.

Eigenschaften von Vanilla-Optionen

Vanilla Optionen haben verschiedene Eigenschaften, welche für sämtliche Vanilla Call-Optionen und Vanilla Put-Optionen gelten:

Strike & Fälligkeit

Jede Option hat einen Ausübungspreis (Strike). Wenn der Ausübungspreis besser ist als der Kurs des Basiswerts, gilt die Option als „im Geld“ (in the money) und kann von ihrem Inhaber ausgeübt werden. Eine europäische Option kann nur am Fälligkeitstag ausgeübt werden. Eine amerikanische Option kann während der gesamten Laufzeit ausgeübt werden.

Optionsprämie

Die Optionsprämie ist der Preis, der gezahlt wird, um die Option zu besitzen. Die Prämie hängt unter anderem davon ab, wie nahe der Ausübungspreis am Kurs des Basiswerts liegt (Geldnähe), von der Volatilität des Basiswerts und von der Zeit bis zum Verfall. Höhere Volatilität und eine längere Laufzeit erhöhen die Prämie.

Innerer Wert

Eine Option gewinnt an innerem Wert oder bewegt sich ins Geld, wenn der Kurs des Basiswerts den Ausübungspreis übersteigt bei einer Kaufoption und den Ausübungspreis für eine Verkaufsoption unterschreitet. Der innere Wert bezieht sich auf die Differenz zwischen dem aktuellen Kurs am Markt und dem Strike. Ein innerer Wert kann nicht negativ sein.

Flexibilität

Optionshändler müssen nicht bis zum Ablauf warten, um einen Optionshandel zu schließen, und sie müssen die Option auch nicht ausüben. Sie können jederzeit eine Gegenposition eingehen, um den Optionshandel zu schließen und ihren Gewinn oder Verlust aus der Option zu realisieren.

Vanilla vs. Exotische Optionen

Alternativ zu Vanilla-Optionen gibt es auch die sogenannten exotischen Optionen, wie zum Beispiel Barrier- und Bermuda-Optionen, asiatische und digitale Optionen. Exotische Optionen weisen komplexere Merkmale auf und werden in der Regel außerbörslich gehandelt, daher sind sie auch als OTC-Optionen bekannt. Sie können zu komplexen Strukturen kombiniert werden, um die Nettokosten zu senken oder die Hebelwirkung zu erhöhen.

Vor- und Nachteile von Vanilla-Optionen

Gründe für den Handel mit Vanilla-Optionen sind unter anderem:

  • Sie ermöglichen die Verwendung einer Vielzahl von Optionsstrategien
  • Der maximale Verlust ist für den Käufer im Voraus durch die Optionsprämie festgelegt
  • Sie sind in der Regel standardisiert und ihr Handel wird überwacht
  • Viele Lernressourcen und qualitative Lernseminaren
  • Sie können auf die Bedürfnisse des Traders angepasst werden
  • Sie können mit anderen Optionen kombiniert werden
  • Unterstützen die Portfoliodiversifizierung
  • Bieten gehebelte Handelsmöglichkeiten

Zu den Nachteilen der Vanilla-Optionen gehören:

  • Prämie ist nicht erstattungsfähig
  • Der Verkauf von „nackten“ bzw. nicht gedeckten Vanilla-Optionen erfordert eine Margin
  • Die Gesamttransaktionskosten können unter Umstände teurer sein als die für einen Future
  • Kursschwankungen des Basiswerts können den Optionspreis bei Fälligkeit verringern

Beispiel für eine Vanilla-Option (Call)

Eine Aktie XYZ wird zu 30,00 € gehandelt. Eine Vanilla Call-Option, die in einem Monat ausläuft, hat einen Ausübungspreis von 31,00 €. Die Kosten für diese Option, die so genannte Prämie, betragen 0,35 €. Jeder Optionskontrakt entspricht 100 Aktien, so dass der Kauf einer Option 0,35 € x 100 Aktien oder 35,00 € kostet.

Wenn der Kurs der Aktie XYZ über 31,00 € steigt, ist diese Option im Geld. Der zugrunde liegende Vermögenswert muss sich jedoch über 31,35 € bewegen, damit der Käufer einen Gewinn aus dem Handel erzielen kann. Der Käufer der Option kann höchstens den Betrag verlieren, den er für die Option bezahlt hat. Das Gewinnpotenzial ist unbegrenzt und hängt davon ab, wie weit sich der Basiswert über dem Ausübungspreis bewegt.

Der Optionsverkäufer erhält 35,00 € (0,35 € x 100 Aktien) für den Verkauf der Option.

  • Bleibt der Kurs der Aktie XYZ unter 31,00 €, gilt die Option als aus dem Geld (out of the money) und der Stillhalter behält die Prämie.
  • Steigt der Kurs jedoch über 31,00 €, ist der Stillhalter verpflichtet, auf Verlangen des Käufers, die Aktie zum Preis von $31 an den Optionskäufer zu verkaufen.

Steigt die Aktie beispielsweise auf 33,00 €, würde dies einen Verlust von 165,00 € für den Verkäufer bedeuten, oder (35,00 € – 31,00 €) x 100 = 200,00 €, wovon die bereits eingenommene Prämie von 35,00 € abgezogen wird.

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