Delisting (Börse) – Definition & Bedeutung

Autor: Maik Engelkamp

Unter Delisting versteht man die Streichung eines börsennotierten Wertpapiers von einer Börse. Die Einstellung der Börsennotierung eines Wertpapiers kann freiwillig oder unfreiwillig erfolgen und ist in der Regel der Fall, wenn ein Unternehmen seine Geschäftstätigkeit einstellt, Konkurs anmeldet, fusioniert, die Anforderungen an die Börsennotierung nicht erfüllt oder eine Privatisierung anstrebt.

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Delisting – Definition

Als Delisting wird typischerweise der Vorgang bezeichnet, bei welchem ein einst börsennotiertes Unternehmen von der Börse genommen wird. Das Verfahren kommt zum Einsatz, wenn eine Aktie die Anforderungen der Börse nicht erfüllt oder wenn ein Unternehmen beschließt, nicht mehr öffentlich gehandelt zu werden.  Oft wird die Aktie dann außerbörslich (OTC), d. h. über ein Händlernetz, gehandelt.

Bedeutung eines Delistings

Unternehmen müssen bestimmte Richtlinien, die sogenannten „Listing Standards“, erfüllen, bevor sie an einer Börse notiert werden können. Jede Börse, wie die New York Stock Exchange (NYSE), legt ihre eigenen Regeln und Vorschriften für die Börsennotierung fest. Unternehmen, die die von einer Börse festgelegten Mindeststandards nicht erfüllen, werden unfreiwillig von der Liste gestrichen.

Die häufigste Listing-Anforderung ist der Preis. Ein Unternehmen, dessen Aktienkurs über einen Zeitraum von mehreren Monaten unter 1,00 $ pro Aktie liegt, läuft beispielsweise Gefahr, von der Börse gestrichen zu werden. Alternativ kann ein Unternehmen freiwillig die Einstellung der Börsennotierung beantragen.

Freiwilliges Delisting

Der Prozess des Delistings muss keineswegs immer unfreiwillig vonstattengehen. Einige Unternehmen beantragen die Streichung von der Börse, und somit das (zumindest zwischenzeitliche) Ende des börsennotierten Handelns freiwillig.

Kosten überwiegen Nutzen

Manche Unternehmen entscheiden sich dafür, privat gehandelt zu werden, wenn sie anhand einer Kosten-Nutzen-Analyse feststellen, dass die Kosten einer Börsennotierung die Vorteile übersteigen. Da mit der Notierung an der Börse gewisse, teils kostspielige, Pflichten auf Unternehmen zukommen, kann es vorkommen, dass ein Unternehmen das Delisting beantragt, sollte es keinen großen Nutzen aus dem Listing ziehen (bspw. ist das Unternehmen nicht auf Refinanzierungen über den Kapitalmarkt angewiesen).

Restrukturierung durch Private-Equity-Firmen

Anträge auf Einstellung der Börsennotierung werden häufig gestellt, wenn Unternehmen von Private-Equity-Firmen aufgekauft und von neuen Aktionären umstrukturiert werden. Diese Unternehmen können ein Delisting beantragen, um privat gehandelt zu werden. Das Delisting bietet hier vor allem den Vorteil, dass eine höhere Flexibilität besteht, wenn das Unternehmen in privater Hand ist. Außerdem müssen private Unternehmen weniger Transparenzpflichten beachten, was gegebenenfalls bei Umstrukturierungen von Vorteil sein kann.

Fusionen

Auch wenn börsennotierte Unternehmen fusionieren und als neue Einheit handeln, beantragen die ehemals getrennten Unternehmen freiwillig die Einstellung der Börsennotierung. Dies kann beispielsweise den einfachen Grund haben, dass die getrennten Unternehmen nicht mehr einzeln existieren.

Unfreiwilliges Delisting

Zu den Gründen für die Streichung von der Börse gehören Verstöße gegen Vorschriften und die Nichteinhaltung finanzieller Mindeststandards. Zu den finanziellen Standards gehören die Fähigkeit, einen Mindestaktienkurs, Finanzkennzahlen und Umsatzniveaus aufrechtzuerhalten.

Wenn ein Unternehmen die Börsenzulassungsanforderungen nicht erfüllt, gibt die Börse eine Warnung wegen Nichteinhaltung aus. Wird die Nichteinhaltung fortgesetzt, zieht die Börse die Aktien des Unternehmens von der Liste ab.

Folgen eines Delistings

Die Folgen einer Einstellung der Börsennotierung können erheblich sein, da Aktien, die nicht an einer der großen Börsen gehandelt werden, für Anleger schwerer zu recherchieren und schwerer zu erwerben sind.

Dies bedeutet oft, dass das Unternehmen nicht ohne Weiteres in der Lage ist, neue Aktien auf dem Markt auszugeben, um neue finanzielle Initiativen zu starten.

Außerdem kann das Unternehmen Probleme in der Finanzierung über Fremdkapital bekommen. Des Weiteren kann ein unfreiwilliges Delisting zu erheblichen Reputationsschäden führen, welche wiederum zu (verschärften) operativen Problemen führen können.

Wenn das Unternehmen seine Börsennotierung aufgibt, weil es in Privatbesitz übergeht, können Aktionäre ein Übernahmeangebot vom Emittenten erhalten. Wenn sie das Angebot nicht annehmen, dann verliert die Aktien ihren Wert, wenn das Unternehmen von der Börse genommen wird.

Möglichkeiten ein Delisting abzuwenden

Um eine Streichung von der Liste zu vermeiden, nehmen einige Unternehmen eine Zusammenlegung ihrer Aktien vor, auch als Reverse Split bekannt, das Gegenteil eines Aktiensplits. Dies hat zur Folge, dass mehrere Aktien zu einer einzigen zusammengefasst werden und der Aktienkurs vervielfacht wird. Wenn ein Unternehmen beispielsweise eine Aktienzusammenlegung im Verhältnis 1:10 vornimmt, kann der Aktienkurs von 50 Cent pro Aktie auf fünf Dollar pro Aktie steigen, sodass das Unternehmen nicht mehr Gefahr läuft, von der Liste gestrichen zu werden.

Sollte der Grund des Delistings finanzieller Natur sein, kann ein Delisting bspw. über eine Kapitalerhöhung abgewendet werden. Dies ist allerdings kein unendlich replizierbares Mittel, da jede Kapitalerhöhung typischerweise von der Jahreshauptversammlung abgesegnet werden muss, und sich die Anteile der Eigentümer (Aktionäre) mit jeder Kapitalerhöhung verwässern.

Wenn das Delisting darauf begründet ist, dass Umsatzniveaus nicht eingehalten werden, liegt das Problem typischerweise entweder im Management des Unternehmens oder im verfolgten Geschäftsmodell. In beiden Fällen ist es ratsam, externe Berater zu engagieren, welche mit Fachexpertise die Lage beurteilen, und im Bestfall verbessern können.

Delisting – Beispiel

Häufig sind unfreiwillige Delistings ein Hinweis auf die schlechte finanzielle Lage eines Unternehmens oder eine schlechte Unternehmensführung. Warnungen einer Börse sollten ernst genommen werden. Manchmal kann es jedoch auch für bereits insolvente Unternehmen eine Weile dauern, bis ein Delisting erfolgt.

So wurde beispielsweise am 15. November 2021, der Handel mit den Inhaber-Aktien der Wirecard AG an der Börse eingestellt, etwa 18 Monate nachdem das Unternehmen einen Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung gestellt hatte. Wirecard flog zwar schon im August 2020 aus dem Dax raus, das war allerdings noch kein Delisting, da die Aktie weiterhin an der Börse handelbar war.

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