Micro-Optionen – Definition & Beispiel

Autor: Maik Engelkamp Inhaltlich geprüft von: Philipp Berger

Micro Options sind börsengehandelte Optionen mit kleinem Kontraktwert. In der Praxis handelt es sich dabei häufig um Optionen auf Micro Futures, vor allem an der CME. Daneben gibt es in Europa auch Micro-Indexoptionen, etwa die Micro-DAX-Optionen an der EUREX. Gemeinsam ist diesen Produkten, dass sie den Zugang zu standardisierten Optionsstrategien mit geringerem Kapitaleinsatz ermöglichen als ihre größeren Pendants.

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Micro-Optionen – Definition

Micro-Optionen sind börsengehandelte Optionen mit einer vergleichsweise kleinen Kontraktgröße. An der CME sind dies meist Optionen auf einen Micro Future. An der EUREX gibt es mit den Micro-DAX-Optionen auch eine Micro-Option direkt auf einen Index.

Aufgrund des kleineren Nominalwerts fallen Stillhalterprämien, Tickwerte und typische Margin-Belastungen geringer aus als bei regulären Optionen. Die grundlegenden Mechanismen des Optionshandels bleiben jedoch erhalten.

Unterschiede zu klassischen Optionen

Der wichtigste Unterschied zu Vanilla-Optionen bzw. zu größeren Optionskontrakten ist der kleinere Kontraktwert. Micro-Optionen sind je nach Produkt oft nur 1/10, teils aber auch 1/5 der Größe eines etablierten Standardkontrakts.

Beispielsweise hat eine Option auf den Micro E-Mini S&P 500 Future (MES) einen Multiplikator von 5 USD pro Punkt statt 50 USD beim klassischen E-Mini-S&P-500-Kontrakt. Bei der EUREX beträgt der Wert der Micro-DAX-Option dagegen 1 EUR pro Indexpunkt, während die reguläre DAX-Option mit 5 EUR pro Punkt notiert. Dadurch sind Tick Value und Kapitalbedarf deutlich niedriger, was feinere Positionsgrößen erlaubt.

Abgesehen von der kleineren Kontraktgröße funktionieren Micro-Optionen grundsätzlich wie ihre größeren Pendants: Sie werden an regulären Terminbörsen gehandelt, ihr Preis hängt u. a. von Basiswert, Volatilität, Restlaufzeit und Zinsniveau ab, und auch die Ausübungsart ist produktabhängig. So sind Micro-DAX-Optionen europäisch, während es bei CME-Micro-Optionen sowohl europäische als auch amerikanische Ausübungsarten geben kann.

Ausgewählte Micro-Optionen

Die folgende Tabelle zeigt einige derzeit handelbare Micro-Optionen aus den USA (CME) und Europa (EUREX). Sie ist als Auswahl zu verstehen, nicht als vollständige Marktübersicht:

Referenz Börse Kontraktgröße Tick Size Tick Value Underlying
S&P 500 Index CME (Globex) 5 USD × Indexpunkt 0,25 Punkte regulär / 0,05 Punkte reduziert 1,25 USD / 0,25 USD Micro E-Mini S&P (MES)
Nasdaq-100 Index CME (Globex) 2 USD × Indexpunkt 0,25 Punkte regulär / 0,05 Punkte reduziert 0,50 USD / 0,10 USD Micro E-Mini Nasdaq (MNQ)
Gold COMEX (CME) 10 Feinunzen 0,10 USD pro Unze 1,00 USD Micro Gold (MGC)
DAX Performance-Index EUREX 1 EUR × Indexpunkt 0,1 / 0,5 / 1,0 Punkte (prämienabhängig) 0,10 / 0,50 / 1,00 EUR DAX-Index (ODXS)
Bitcoin (BTC) CME (Globex) 0,1 BTC 5 USD regulär / 1 USD reduziert 0,50 USD / 0,10 USD Micro Bitcoin (MBT)
Ether (ETH) CME (Globex) 0,1 ETH 0,50 USD 0,05 USD Micro Ether (MET)

Hinweis: Die Tick Size bezeichnet die kleinstmögliche Preisänderung. Bei Optionskontrakten ist sie oft prämienabhängig. So beträgt der reguläre Tick bei der Micro-E-Mini-S&P-500-Option 0,25 Indexpunkte (= 1,25 USD je Kontrakt). Bei niedrigen Prämien ist auch ein reduzierter Tick von 0,05 Punkten (= 0,25 USD) möglich. Bei der EUREX-Micro-DAX-Option gelten ebenfalls gestaffelte Tickgrößen.

Handelsbeispiel mit Micro E-Mini S&P-500 Option (MES)

Zum besseren Verständnis betrachten wir ein vereinfachtes Beispiel mit einer Option auf den Micro E-Mini S&P-500 Future (MES). Der zugrunde liegende Kontrakt hat einen Wert von 5 USD pro Indexpunkt.

Der S&P-500-Index steht beispielhaft bei 4.000 Punkten. Ein Anleger erwartet seitwärts tendierende oder leicht steigende Kurse im kommenden Monat und möchte eine Prämie vereinnahmen. Er entscheidet sich, eine Put-Option auf den Micro Future MES zu verkaufen (Short Put) mit folgenden Merkmalen:

  • Strike-Preis: 3.900 Punkte
  • Laufzeit: 1 Monat

Positionseröffnung

Durch den Verkauf der Put-Option erhält der Anleger sofort eine Prämie. Für dieses Rechenbeispiel nehmen wir 20 Punkte bzw. 100 USD an (20 × 5 USD). Bei einer entsprechenden E-Mini-Option wären es bei identischer Punkteprämie 1.000 USD.

Für die Short-Position ist eine Sicherheitsleistung erforderlich. Diese kann z. B. im Bereich einiger hundert US-Dollar liegen. Im Vergleich zum Standardkontrakt fällt sie wegen des kleineren Multiplikators jedoch typischerweise deutlich geringer aus. Auch die Margin ist keine feste Größe, sondern wird laufend an das jeweilige Risiko angepasst.

Hinweis: Kleinere Prämien bedeuten zwar geringere absolute Erträge pro Kontrakt, ermöglichen aber auch einen wesentlich feineren Kapitaleinsatz und eine präzisere Risikosteuerung.

Szenario 1 (positiv)

Der S&P 500 bleibt bis zum Verfall über 3.900 Punkten. Folge: Die Put-Option verfällt wertlos bzw. endet aus Sicht des Verkäufers ohne weitere Verpflichtung.

Das bedeutet:

  • Keine Übernahme einer Future-Position.
  • Die vereinnahmte Prämie von 100 USD abzüglich Gebühren bleibt als Gewinn.
  • Die gebundene Sicherheitsleistung wird frei.

Szenario 2 (negativ)

Der S&P 500 notiert bei Fälligkeit unter 3.900 Punkten. Die Option endet im Geld (In The Money, ITM). Bei Optionen auf Futures kann dies, abhängig vom konkreten Kontrakt, in die entsprechende Futures-Position führen. Im MES-Beispiel lässt sich der Effekt anschaulich wie eine Zuweisung in den zugrunde liegenden Micro Future beschreiben.

Das bedeutet:

  • Der Anleger übernimmt rechnerisch eine Long-Position im zugrunde liegenden Micro Future zum Basispreis von 3.900 Punkten.
  • Durch die vereinnahmte Prämie von 100 USD liegt der Break-Even bei 3.880 Punkten.

Fällt der Index z. B. auf 3.850 Punkte, so ergibt sich ein Verlust von 150 USD ((3.850 – 3.880) × 5 USD).

Die absoluten Gewinn- und Verlustbeträge fallen damit deutlich kleiner aus als bei der entsprechenden E-Mini-Option. Das ändert nichts daran, dass auch Micro-Optionen Hebelprodukte bleiben und Verluste konsequent gemanaged werden sollten.

Hinweis: Beim klassischen E-Mini-S&P-500-Kontrakt entspricht ein Punkt 50 USD. Dieselbe Bewegung hätte daher einen zehnmal höheren Effekt auf Gewinn oder Verlust.

Micro-Optionen vs. Aktienoptionen – wichtigste Unterschiede

Grundsätzlich funktionieren Micro-Optionen ähnlich wie Aktienoptionen: Sie verbriefen das Recht, einen Basiswert zu einem festgelegten Preis (Strike) bis zum Ende der Laufzeit oder am Verfallstag zu kaufen (Call-Optionen) oder zu verkaufen (Put-Optionen).

Allerdings unterscheiden sich Optionen auf Micro Futures bzw. Micro-Indizes unter anderem in den folgenden Punkten von üblichen Aktienoptionen:

Merkmal Micro-Optionen Aktienoptionen
Basiswert Je nach Produkt Micro Future oder Index Einzelaktien, teils ETFs
Kontraktwert Produktabhängig, meist deutlich kleiner als Standard-Futures-/Indexoptionen In der Regel 100 Aktien pro Kontrakt
Risikotreiber Oft Index-, Rohstoff- oder Kryptomarkt Stärker unternehmensspezifisch
Laufzeit Wochen-, Monats- und Quartalsverfälle je nach Produkt Je nach Markt meist Wochen- und Monatsverfälle
Ausübungsart Produktabhängig (z. B. europäisch oder amerikanisch) Bei US-Aktienoptionen oft amerikanisch
Liquidität Hoch in den großen CME-Produkten; in Europa fokussiert vor allem auf DAX-Produkte Starke Streuung je Basiswert
Abwicklung Je nach Produkt Ausübung in Future oder Barausgleich Physische Aktienlieferung oder Barausgleich, je nach Markt

Micro Options und Micro Futures – Historie

  • 2010: Im Edelmetallbereich brachte die CME mit E-Micro Gold bereits früh einen kleineren Gold-Futures-Kontrakt an den Markt. Solche kleineren Rohstoffkontrakte blieben zunächst jedoch eher ein Nischensegment.
  • 2019: Am 6. Mai 2019 führte die CME Group Micro E-Mini Futures auf den S&P 500, Nasdaq-100, Dow Jones Industrial Average und Russell 2000 ein. Damit wurde das Micro-Segment im Aktienindexbereich breitenwirksam etabliert.
  • 2020: Am 31. August 2020 starteten die ersten CME-Micro-Optionen auf Aktienindizes, nämlich Optionen auf Micro E-Mini Futures auf den S&P 500 und den Nasdaq-100. Sie sind jeweils 1/10 so groß wie die entsprechenden E-Mini-Optionen.
  • 2021: EUREXführte mit Wirkung zum 19. April 2021 Micro Futures auf den DAX-, EURO STOXX 50- und SMI-Index ein. Damit wurde das europäische Micro-Segment im Indexbereich deutlich ausgebaut.
  • 2022: Ein wichtiger Ausbau folgte auf zwei Ebenen. Zum einen startete die CME am 28. März 2022 Optionen auf Micro Bitcoin und Micro Ether Futures. Zum anderen führte EUREX zum 19. Dezember 2022 die Micro-DAX-Optionen (ODXS) ein.
  • 2023: CME erweiterte das Angebot im Metallbereich um Optionen auf Micro Gold Futures. Die Produkte wurden für den Start am 2. Oktober 2023 angekündigt und ergänzen seither den bereits bestehenden Micro-Gold-Future.

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