Fig Leaf / Leveraged Covered Call – Definition
Ein Fig Leaf (auch: LEAP Covered Call oder Poor Man’s Covered Call) besteht aus dem Kauf eines LEAP Calls mit Strike A und dem gleichzeitigen Verkauf eines kürzer laufenden Short Calls mit Strike B auf denselben Basiswert.
Fachlich handelt es sich um einen Long Call Diagonal Spread, der einem klassischen Covered Call ähnelt. Ziel dieser Strategie ist es, von stagnierenden oder leicht steigenden Kursen zu profitieren.
Der wesentliche Unterschied: Statt die zugrunde liegende Aktie zu besitzen, wird beim Fig Leaf eine Call-Option mit langer Laufzeit gekauft, die sich möglichst ähnlich wie die Aktie verhalten soll. Da keine Aktienposition gehalten wird, ist der verkaufte Call jedoch nicht im klassischen Sinne durch Aktien gedeckt.
Ein Delta von mindestens 0,80 wird häufig als Faustregel verwendet, da diese Optionen enger mit der Kursentwicklung des Basiswerts korrelieren als Calls mit niedrigerem Delta. Häufig werden LEAP Calls gewählt, die deutlich In The Money (ITM) sind. Bei volatileren Aktien könnten noch tiefere ITM-Optionen erforderlich sein.
Praxis-Tipp
Viele Investoren bevorzugen das Fig Leaf, da es nicht direkt eine Aktienposition finanziert, sondern diese „synthetisch“ durch einen LEAP Call ersetzt, wodurch eine Hebelwirkung entsteht. Trotz der Vorteile birgt diese Strategie auch Risiken:
- Anders als eine Aktienposition kann ein LEAP Call verfallen.
- Der Inhaber des LEAP Calls erhält keine Dividenden.
- Bei einem ITM liegenden amerikanischen Short Call besteht insbesondere um Ex-Dividenden-Termine ein erhöhtes Risiko einer vorzeitigen Zuteilung.
- Läuft der LEAP Call aus, während der Short Call offen bleibt, ist die Position nicht mehr gedeckt. Daher sollte der Short Call vor Ablauf des LEAP Calls geschlossen oder die Long-Position ersetzt werden.
Das Glattstellen oder Rollen der Position kann potenzielle Risiken reduzieren, die durch die vorzeitige Ausübung des Short Calls entstehen könnten.
Falls der Short Call zugeteilt wird (Assignment), d. h. die Aktien müssen geliefert werden, könnte der Händler:
- Den LEAP Call verkaufen, um den verbleibenden Zeitwert zu realisieren.
- Die Aktie zum aktuellen Kurs kaufen, um eine dadurch entstandene Short-Position auszugleichen.
Für eine erfolgreiche Umsetzung der Fig-Leaf-Strategie ist es sinnvoll, bereits Erfahrungen mit folgenden Techniken zu haben:
- Das „Rollen“ von Optionen, um Positionen anzupassen und Risiken zu steuern.
- Das Einschätzen von vorzeitiger Ausübung und Assignment, um die Auswirkungen auf bestehende Positionen richtig beurteilen zu können.
Fig Leaf / Leveraged Covered Call – Setup
- Kauf 1 LEAP Call Strike A
- Verkauf 1 Call Strike B mit kürzerer Laufzeit
- Der LEAP hat meist eine Laufzeit von mehr als einem Jahr, häufig ein bis zwei Jahre, der Short Call eine Laufzeit von 30 bis 45 Tagen.
Die Wahl des Strike A erfolgt in der Regel unterhalb des aktuellen Aktienkurses (ITM). Der Strike B wird üblicherweise oberhalb des aktuellen Aktienkurses bzw. Out of The Money (OTM) gewählt. Dabei liegt der aktuelle Aktienkurs näher an Strike B als an Strike A.
Empfohlenes Erfahrungslevel
Um die Struktur und den Ablauf eines LEAP Covered Calls zu verstehen, ist es hilfreich, Erfahrung mit anderen Optionsstrategien zu haben.
Wann der Handel sinnvoll ist
Break-Even-Punkt
Aufgrund der unterschiedlichen Laufzeiten und möglicher Rolls ist der Break-Even-Punkt der Gesamtstrategie nicht eindeutig vorab bestimmbar.
Für den ersten Short-Call-Zyklus lässt er sich jedoch konzeptionell als der Kurs beschreiben, bei dem der verbleibende Wert des LEAP Calls am Verfallstag des Short Calls dem Nettoaufwand der Position entspricht.
Der Nettoaufwand ergibt sich aus der gezahlten Prämie für den LEAP Call abzüglich der erhaltenen Prämie für den Short Call zuzüglich möglicher Gebühren.
Sweet Spot
Der Preis der Aktie soll zum Verfallsdatum so nah wie möglich an Strike B liegen, ohne diesen zu überschreiten.
Maximaler Gewinn
Der maximale Gewinn ist für einen einzelnen Short-Call-Zyklus nicht exakt vorab bestimmbar. Typischerweise wird der attraktivste Bereich erreicht, wenn die Aktie zum Verfall des Short Calls nahe an Strike B liegt.
Bei mehrfach gerollten Short Calls hängt der Gesamterfolg von den realisierten Prämien und dem Wert des LEAP Calls ab.
Maximaler Verlust
Solange die Spread-Struktur intakt bleibt, ist der maximale Verlust grundsätzlich auf den Nettoaufwand der Position begrenzt. Dieser entspricht der gezahlten Prämie für den LEAP Call abzüglich der erhaltenen Prämie für den Short Call zuzüglich möglicher Gebühren.
Wird die Position verändert, gerollt, zugeteilt oder bleibt der Short Call ohne Long-Absicherung offen, verändert sich das Risikoprofil wesentlich.
Fig Leaf / Leveraged Covered Call im Zeitverlauf
Die Optionsstrategie kann vom Theta-Effekt (Zeitablauf) profitieren, da der Zeitwert des Short Calls in der Regel schneller abnimmt als der der LEAP-Option. Kursbewegungen sowie Veränderungen der impliziten Volatilität können den Effekt jedoch überlagern.
Implizite Volatilität
Der Einfluss der impliziten Volatilität ist nicht neutral. Da die gekaufte länger laufende Call-Option meist ein höheres Vega hat als die verkaufte kurz laufende Call-Option, ist die Strategie zu Beginn häufig netto vega-positiv.
Steigende implizite Volatilität kann ceteris paribus den Wert der Gesamtposition begünstigen, während fallende implizite Volatilität belasten kann.
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