Fair Value – Definition & Berechnung

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Der Fair Value, auch bekannt als „Fairer Wert“ oder „beizulegender Zeitwert“, ist ein Konzept zur Bewertung von Vermögenswerten oder Schulden. Es entstammt den internationalen Rechnungslegungsnormen (IFRS 13) und wurde inzwischen in verschiedenen lokalen Normen aufgenommen. Mithilfe des Fair Value können Investoren den aktuellen Wert von einzelnen Vermögenswerten nachvollziehen und diese Informationen in ihre Investitionsentscheidungen einfließen lassen.

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Fair Value – Definition

Grundsätzlich bezeichnet der Fair Value den Wert eines Vermögenswertes oder einer Schuld zu einem festgelegten Stichtag. Es handelt sich genauer gesagt um den Wert, der in einer gewöhnlichen Transaktion zwischen Marktteilnehmern auf einem freien Markt für einen Vermögensgegenstand erzielbar wäre oder für eine Schuld gezahlt werden müsste.

Zusätzlich ist eine Definition des Fair Value auch aus Investorensicht denkbar. In diesem Fall bezeichnet der Fair Value den Betrag, den ein Investor den Vermögensgegenständen, basierend auf seinen eigenen Analysen, beimisst. Verglichen mit dem aktuellen Marktwert des Unternehmens kann der Investor darauf eine Anlageentscheidung begründen.

Fair Value – Erklärung

Maßgeblich für die Ermittlung des Fair Value sind die sogenannten „besonderen Merkmale“ von Vermögensgegenständen oder Verbindlichkeiten. Dabei handelt es sich beispielsweise um deren Zustand, Standort oder mögliche Verfügungsbeschränkungen. Für die fiktive Kauf- oder Verkaufstransaktion muss das bewertende Unternehmen außerdem einen Handelsplatz bestimmen. Bei Wertpapieren kann es sich beispielsweise um die Börse handeln. Gibt es mehrere Handelsplätze, ist der jeweils vorteilhafteste zu wählen.

Abhängig von der jeweiligen Rechnungslegungsnorm kann es sich bei dem beizulegenden Zeitwert um einen verpflichtenden oder optionalen Wertansatz handeln. Eine Pflicht besteht beispielsweise bei Pensionsrückstellungen, Tochterunternehmen oder anderen Beteiligungen. In anderen Fällen kann die Verwendung des Fair Value sogar unzulässig sein. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn kein ausreichend genauer Wert ermittelt werden kann. In diesem Fall sind andere Ansatzverfahren zu nutzen.

Hinweis: Bei der Bildung des Fair Value ist nicht relevant, ob der angesetzte Wert auch tatsächlich in der Realität beobachtet werden kann. Dadurch kann der Fair Value von den tatsächlich erzielten Werten abweichen.

Berechnung und Wertermittlung

Um in der praktischen Anwendung den Fair Value zu bestimmen, gibt es drei verschiedene Parameter.

  • Marktpreise
    Liegen für einen Vermögensgegenstand Marktpreise vor, dienen diese in der Regel als Fair Value. Kapitalmarktgehandelte Wertpapiere sind ein möglicher Anwendungsfall in der Praxis. Der Preis einer Aktie, Unternehmensanleihe oder Option ist für gewöhnlich jederzeit bestimmbar.
  • Vergleichswerte
    Gibt es keinen regulären Handelsplatz, muss ein Unternehmen Vergleichswerte verwenden. Bei Immobilien ist dies zum Beispiel eine gängige Möglichkeit. Beispielsweise dienen dann die Werte von Objekten, die in einer Straße oder einem Gebiet verkauft wurden, als Grundlage für die Bewertung des eigenen Grundstücks oder Gebäudes.
  • Schätzwerte
    Gibt es auch diese Möglichkeit nicht, muss das Unternehmen den Wert der Bilanzpositionen auf Basis nachvollziehbarer Annahmen schätzen.
Methoden für die Ermittlung des Fair Value

Unabhängig von den unten näher erläuterten Berechnungsmethoden muss das Unternehmen die verwendeten Parameter und Wertansätze offenlegen und nachweisen, wie der Fair Value zustande gekommen ist. Diese Erläuterungen können Investoren im Anhang einer Unternehmensbilanz finden.

Marktpreismethode (Market Approach)

Die Marktpreismethode ist ein Berechnungsfahren, das auf frei zugänglichen Preisen für Vermögenswerten basiert. In der Praxis gibt es zwei unterschiedliche Abstufungen.

  1. Aktiver Markt
    Im Fall eines aktiven Marktes kann der Fair Value eines Vermögensgegenstandes oder einer Schuld direkt beobachtet werden. Bei Rohstoffen wie Öl oder Metallen ist beispielsweise jederzeit ein Marktpreis verfügbar. Besitzt ein Unternehmen solche Rohstoffe, ist deren Wertansatz unstrittig. Grundsätzlich muss ein aktiver Markt folgende Voraussetzungen erfüllen:

    • Homogenität der Vermögenswerte
    • Verfügbarkeit von Handelspartnern
    • Öffentliche Preise
  1. Vergleichende Marktpreise
    Ein aktiver Markt liegt in der Regel nur für bestimmte Vermögenswerte vor. Bei allen übrigen Bilanzpositionen, die zum Fair Value bewertet werden sollen, kann ein Vergleichsverfahren zum Einsatz kommen. Immobilien sind hierfür ein möglicher Anwendungsfall. Diese verfügen für gewöhnlich über keinen aktiven Markt. Die Vermögenswerte sind zwar weitgehend homogen (gleichartig), aber weder öffentliche Preise noch eine durchgängige Verfügbarkeit von Käufern und Verkäufern sind gesichert.

Für die vergleichende Wertermittlung kann ein Unternehmen beispielsweise Multiplikatoren anhand vergangener Transaktionen ermitteln. Wurden die Grundstücke in einer Region im vergangenen Jahr zum Beispiel für 200 Euro pro Quadratmeter verkauft, kann das Unternehmen diesen Wert auf eigene Grundstücke anwenden, indem es den Quadratmeterpreis mit der Größe des eigenen Grundstücks multipliziert. Da das Verfahren gut nachvollziehbar ist, findet es in der Unternehmenspraxis immer wieder Anwendung.

Kapitalwertmethode (Income Approach)

Als Alternative für die Berechnung des Fair Value kann die Kapitalwertmethode dienen. Grundlage für diesen Ansatz ist ein Vermögensgegenstand, der in der Lage ist, selbstständig Cash Flows zu erzeugen. Anhand der Zahlungsmittelflüsse oder deren Prognose ist dann die Ermittlung des Kapitalwertes möglich. Dieser kann im vorliegenden Fall dem fairen Wert einer Beteiligung gleichgesetzt werden.

Mögliche Anwendungskonzepte der Kapitalwertmethode zur Berechnung des Fair Value sind:

  • Unmittelbare Cashflows: Einem Vermögenswert können direkt Cash Flows zugeordnet werden. Dies ist beispielsweise bei einer Unternehmensbeteiligung der Fall. Das Tochterunternehmen verfügt für gewöhnlich über ein eigenes Cash Flow Statement, sodass Zu- und Abflüsse von Zahlungsmitteln einwandfrei dokumentiert werden können. Somit ist auch die Abzinsung dieser Cash Flows problemlos möglich.
  • Lizenzpreis: Gibt es keine direkt zuzuordnenden Cash Flows, kann der Fair Value über fiktive Lizenzgebühren ermittelt werden. Dieses Verfahren findet häufig bei immateriellen Vermögensgegenständen Anwendung. Software gilt beispielsweise als Vermögenswert eines Unternehmens, erzeugt aber meistens keine direkten Cashflows. Daher kann ein Unternehmen unterstellen, dass es einen Vermögenswert nicht besitzt, sondern ihn lizenzieren muss. Der Wert des Vermögensgegenstandes besteht dann aus dem Barwert der zukünftig eingesparten (fiktiven) Lizenzgebühren.
  • Residualwert: Bei Vermögenswerten, die einen erheblichen Einfluss auf den Cash Flow eines Unternehmens haben (auch: Leading Asset), kann deren Fair Value durch den Residualwert ermittelt werden. In diesem Fall werden dem Vermögenswert so lange weitere Vermögenswerte zugeordnet, bis erneut eine Bestimmung des Cash Flows möglich ist. Von diesem Cash Flow werden dann die Werte der zugeordneten Vermögenswerte abgezogen. Übrig bleibt der faire Wert des Leading Assets.
  • Mehrgewinn: Die letzte verfügbare Form der Kapitalwertmethode ist der Ansatz eines möglichen Mehrgewinns. Es handelt sich dabei durch die Differenz des Cash Flows mit und ohne einen bestimmten Vermögenswert. Hierfür muss die Auswirkung eines Vermögenswertes auf den Cash Flow des Unternehmens jedoch klar definierbar sein.

Kostenmethode (Cost Approach)

Die Ermittlung des Fair Value auf Basis der Kostenmethode kann in zwei unterschiedliche Vorgehensweisen aufgeteilt werden:

  • Reproduktionsmethode
    Der Fair Value nach dem Konzept der Reproduktionsmethode setzt sich aus allen Kosten zusammen, die nötig wären, um einen Vermögensgegenstand in der vorliegenden Form genau nachzubilden. Die fiktive Annahme ist dabei, dass nur Ressourcen und Verfahren eingesetzt werden können, die es auch zum ursprünglichen Anschaffungsdatum des Vermögenswertes gab.
  • Wiederbeschaffungsmethode
    Im Vergleich dazu erlaubt die Wiederschaffungsmethode, dass aktuelle Technologien und Ressourcen für die Berechnung berücksichtigt werden können. Bei einer Produktionsmaschine kann dieser Unterschied beispielsweise deutlich werden. Angenommen, diese könnte aufgrund neue Materialien und Software heute deutlich günstiger gebaut werden als noch zum Anschaffungszeitpunkt vor fünf Jahren. In diesem Fall läge der Wiederbeschaffungswert unterhalb des Reproduktionswertes.

Ziele und Bedeutung des Fair Value

Das wesentliche Ziel des Fair Value als Bilanzierungskonzept ist eine größtmögliche Objektivität und Transparenz bei der Bilanzierung. Die verschiedenen Ansätze sollen die Darstellung aktueller und realistischer Werte ermöglichen. Damit handelt es sich insbesondere verglichen mit dem Ansatz fortgeführter Anschaffungs- oder Herstellkosten um ein mögliches Alternativkonzept.

Auch weil die Zugangsbewertung von Vermögensgegenständen und Schulden weniger Einfluss auf die Folgebewertungen hat, kann der beizulegende Zeitwert die Vergleichbarkeit von Bilanzen verbessern. Beispielsweise spielt es in einer Unternehmensbilanz keine Rolle, zu welchem Preis ein Vermögenswert erworben wurde. Vielmehr ist entscheidend, welchen Wert der Vermögenswert zum Bilanzstichtag hat.

Fair Value von Aktien

Auch Investoren können auf den Fair Value zurückgreifen und diesen für ganze Unternehmen berechnen. Ein Konzept, das wesentlich auf dem beizulegenden Zeitwert aufbaut, ist unter anderem das Value Investing. Value Investoren verfolgen in der Regel das Ziel, ein Unternehmen unterhalb seines fairen Wertes zu kaufen. Nähert sich der Preis des Unternehmens (hier: Aktienkurs) dem fairen Wert an oder überschreitet diesen, kann ein Value Investor durch den Verkauf der Unternehmensanteile einen Gewinn realisieren.

Grenzen des Fair Value

Der Fair Value verliert insbesondere dadurch an Aussagekraft, dass es unterschiedlich genaue Berechnungsmethoden gibt. Beispielsweise sinkt die Verlässlichkeit des Fair Value, sobald kein aktiver Markt für einen Vermögenswert existiert. Der beizulegender Zeitwert und tatsächlicher Wert des Vermögensgegenstandes können dann deutlich voneinander abweichen.

Abhängig von der konkreten Umsetzung kann das Konzept des Fair Value entgegen dem ursprünglichen Anspruch sogar zu einer verringerten Aussagekraft einer Unternehmensbilanz führen. Dies kann insbesondere dann eintreten, wenn ein Unternehmen seine Vermögensgegenstände nicht effektiv und effizient nutzt.

Verwendet ein Unternehmen beispielsweise den Marktpreis für einen Rohstoff, muss es diesen Rohstoff auch entsprechend dem Wert einsetzen. Kann das Unternehmen die Produkte aus einem teuren Rohstoff zum Beispiel nicht kostendeckend absetzen, wäre tatsächlich der gesonderte Verkauf des Rohstoffs wirtschaftlich sinnvoller, als ihn zu Produkten zu verarbeiten. Diesen fiktiven Verkauf spiegelt auch der Fair Value wider. Wird ein Vermögenswert jedoch ineffizient genutzt und nicht veräußert, liefert der beizulegender Zeitwert tendenziell zu hohe Wertansätze.

Ein weiterer Kritikpunkt am Konzept des beizulegenden Zeitwerts ist dessen Realitätsnähe. Diese wird hauptsächlich aufgrund der unterstellten Verkaufsabsicht von Vermögensgegenständen kritisiert. Unter der Annahme der Fortführung eines Unternehmens wird es in der Praxis nur selten zum Verkauf von Vermögensgegenständen (primär des Anlagevermögens) kommen. Die Annahme, die dem Fair Value zugrunde liegt, tritt also nur selten in der Praxis ein. Fair Values auf Basis von Kapitalwerten sind hiervon jedoch weniger betroffen als solche, die einem Market Approach folgen.

Fair Value vs. Market Value

Obwohl die Begriffe Fair Value und Market Value (dt: Marktwert) teilweise synonym verwendet werden, beschreiben sie unterschiedliche Sachverhalte. Der Fair Value stellt grundsätzlich einen fiktiven Wert dar, der auf verschiedenen Annahmen beruht. Als Market Value wird dagegen der Preis bezeichnet, der tatsächlich beim Kauf oder Verkauf erzielt wird. Folglich ist der Market Value korrekterweise erst nach einer Transaktion genau bestimmbar.

Aufgrund der unterschiedlichen Bestimmungszeitpunkte und Vorgehensweisen weichen Fair Value und Market Value in der Regel voneinander ab. Selbst bei der Existenz eines aktiven Marktes können Schwankungen oder Kaufnebenkosten zu einer Abweichung von Fair Value und Market Value führen.

Anwendungsbeispiel

Die Sauber AG ist ein Hersteller von Reinigungsmitteln und möchte ihr Beteiligungsportfolio erweitern. Also entschließt sich das Unternehmen, die Rein GmbH zu erwerben. Die Rein GmbH wird folglich im nächsten Jahresabschluss als Beteiligung in der Konzernbilanz geführt. Für die Bilanzierung verwendet die Sauber AG den Fair Value. Für GmbH-Beteiligungen gibt es keinen aktiven Markt und auch vergleichbare Transaktionen liegen der Sauber AG nicht vor. Damit entfällt die Marktpreismethode für die Berechnung des beizulegenden Zeitwerts.

Die Sauber AG nutzt alternativ die Kapitalwertmethode auf Basis unmittelbarer Cash Flows. Die voraussichtlichen Cashflows der Rein GmbH werden folglich ähnlich dem Discounted Cash Flow Verfahren abgezinst und bilden in diesem Fall den Fair Value der Beteiligung. Zum nächsten Bilanzstichtag hat die Sauber AG dieses Vorgehen zu wiederholen.

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