Zentralbanken – Definition und Aufgaben

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Eine Zentralbank, auch bekannt als „Notenbank”, „zentrale Notenbank”, „Zentralnotenbank” oder „Hüterin der Währung” ist eine öffentliche Institution, die die Geldpolitik eines Landes oder eines Währungszusammenschlusses von Ländern bestimmt. Mit ihren geldpolitischen Entscheidungen kann eine Zentralbank einen bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung der Finanzmärkte und der Volkswirtschaften haben.

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Zentralbanken – Definition

Eine Zentralbank ist für die Währung (gesetzliches Zahlungsmittel) eines Landes oder eines Zusammenschlusses von Ländern zuständig. Eine Zentralbank ist eine Institution, die gegründet wird, um das Bankensystem zu überwachen und die im Umlauf befindliche Geldmenge in einer Volkswirtschaft zu steuern.

Wichtigste Zentralbanken im Überblick

In der folgenden Tabelle werden die fünf wichtigsten Zentralbanken weltweit (Fed, EZB, BoJ, BoE und BOC) mit ihren wesentlichen Merkmalen zusammengefasst:

Zentralbank und ihre Abkürzung alternative Bezeichnung Gründungs-jahr Gebiet Hauptsitz der Zentralbank Währungs-einheit, Währungs-Kurzzeichen, Währungs-symbol Gewichtung am Währungs-korb des IWF
Federal Reserve System (Fed) Federal Reserve, Fed 1913 Vereinigte Staaten Washington, D.C. US-Dollar, USD, $ 41%
Europäische Zentralbank (EZB) European Central Bank, Zentralbank der Eurozone 1998 Euroraum Frankfurt am Main Euro, EUR, € 32%
Bank of Japan (BoJ) Nippon Ginkō, Zentralbank von Japan 1882 Japan Tokio Yen, JPY, ¥ 11%
Bank of England (BoE) Zentralbank von Groß-britannien 1694 Vereinigtes Königreich Groß-britannien und Nordirland London Pfund Sterling, GBP, £ 8%
People´s Bank of China (BOC) Chinesische Volksbank 1948 Volksrepublik China Peking Yuan bzw. Renminbi, CNY, ¥ 8%

Die Auswahl der in der Tabelle genannten fünf Zentralbanken basiert auf dem Währungskorb der künstlichen Währung (Sonderziehungsrechte (SZR)) des Internationalen Währungsfonds (IWF). Die Gewichtung der einzelnen Währungen am Währungskorb wird auf dieser Seite regelmäßig veröffentlicht.

Alternativ kann die Bedeutung einzelner Zentralbanken weltweit anhand der prozentualen Verteilung gehaltener Währungsreserven (international liquide Zahlungsmittel, u.a. Fremdwährung) gemessen werden. Währungsreserven werden von Zentralbanken gehalten und auf der Aktivseite einer Zentralbankbilanz gelistet. Auch unter dieser Berücksichtigung zeigt sich, dass die fünf genannten Zentralbanken einen hohen Stellenwert besitzen. Im genaueren Vergleich jedoch hat der US-Dollar, für den die Fed zuständig ist, mit 60% eine deutlich höhere Bedeutung als beispielsweise der Euro, der einen weltweiten Anteil von 20% darstellt.

Die folgende Abbildung fasst die prozentualen Anteile an Währungsreserven weltweit für das Jahr 2021 zusammen (in Anlehnung an IWF-Daten).

Prozentuale Verteilung von Währungsreserven der Zentralbanken (Stand: 2021)

Hinweis: Die US-amerikanische Zentralbank (Fed) ist seit ihrer Gründung im Jahr 1913 für die weltweit dominierende Währung (US-Dollar) zuständig.

Notenbank in Deutschland

Die Deutsche Bundesbank (Buba) wurde zwölf Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges im Jahr 1957 gegründet. Mit ihrer eigenständigen Geldpolitik war sie verantwortlich für die Währung Deutschlands, die Deutsche Mark (DM), die sich zu einer international bedeutenden Währung entwickelte.

Seit Einführung des Euro als Buchgeld im Jahr 1999 ist die Deutsche Bundesbank Teil des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB), bestehend aus der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie den nationalen Notenbanken der Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU). In diesem Zusammenhang wurden die nationalen Verantwortlichkeiten für die Geldpolitik an die EZB, also auf eine gemeinschaftliche (supranationale) Ebene, übertragen. Somit betreibt die Deutsche Bundesbank keine eigenständige Geldpolitik mehr.

Seit dem 1. Januar 1999 ist die EZB für die Durchführung der Geldpolitik im Euroraum verantwortlich. Geldpolitische Entscheidungen werden vom EZB-Rat getroffen. Die Deutsche Bundesbank als deutsche Notenbank arbeitet mit der EZB und den anderen nationalen Notenbanken der Euro-Länder zusammen. Das oberste Ziel der Geldpolitik ist die Sicherstellung von Preisniveaustabilität im Euroraum.

Geldpolitische Ziele der Zentralbanken

Eine Zentralbank richtet ihre Geldpolitik so aus, dass ihr Ziel (Mandat) erreicht wird. In aller Regel haben Zentralbanken das Ziel eines mittel- bis langfristig stabilen Preisniveaus, welches häufig mit einer jährlichen Wachstumsrate von nahe 2% definiert wird. Eine Inflationsrate (auch bekannt als Preissteigerungsrate oder Teuerungsrate, die den prozentualen Anstieg des Preisniveaus zwischen zwei Zeitpunkten angibt) nahe 2% wird damit von vielen großen Zentralbanken (Fed, EZB, BoE und BoJ) angestrebt.

Der Grund, warum das Inflationsziel nicht 0% beträgt, liegt darin, dass Abweichungen um diese Rate eine negative Inflation (d.h. Deflation, Preissenkungen) ermöglichen würden, die als störend für das reibungslose Funktionieren einer Volkswirtschaft angesehen wird.

Grundsätzlich können stabile Preise das Wirtschaftswachstum und die soziale Gerechtigkeit eines Landes fördern, indem sie privaten Haushalten und Unternehmen Planungssicherheit verschaffen und den realen Wert der Einkommen sowie der Ersparnisse sichern. Eine hohe Beschäftigung bietet der Bevölkerung im Allgemeinen mehr wirtschaftliche Chancen.

Im Unterschied zur EZB verfolgt die Fed neben dem Ziel der Preisniveaustabilität das Ziel der Vollbeschäftigung und besitzt damit ein zweigleisiges Mandat. Existieren mehrere geldpolitische Ziele gleichzeitig, besteht die Gefahr eines Zielkonfliktes. Beispielsweise können infolge einer Leitzinssenkung Investitionen von Unternehmen und damit Beschäftigung angekurbelt werden, was jedoch dazu führen kann, dass Preise steigen.

Einige Zentralbanken, insbesondere aus Entwicklungsländern, verwenden das Wechselkurs-Targeting. Damit zielen sie auf einen festen bzw. stabilen Wechselkurs zwischen ihrer Währung und einer anderen (oft dem US-Dollar) ab. Durch diese Wechselkursbindung an eine international starke Währung möchte die jeweilige Zentralbank die Glaubwürdigkeit ihrer eigenen Währung erhöhen und sich einen besseren Zugang zum internationalen Kapitalmarkt verschaffen.

Geldpolitische Unabhängigkeit

Zur Erreichung ihrer geldpolitischen Ziele sollte eine Zentralbank insbesondere politisch unabhängig sein. Vor diesem Hintergrund sollte eine Zentralbank keine Weisungen von Regierungen oder anderen Institutionen entgegennehmen.

In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass unabhängige Zentralbanken besser in der Lage sind, Preisniveaustabilität zu gewährleisten. Kurzfristige Handlungszwänge sowie wahltaktische Überlegungen von Regierungen werden vermieden. Infolgedessen kann eine Zentralbank frei über die Handhabung ihrer geldpolitischen Instrumente entscheiden.

Hinweis: Im Idealfall hat die Fiskalpolitik keinen Einfluss auf die geldpolitischen Entscheidungen einer Zentralbank. Diese politische Unabhängigkeit einer Zentralbank wird jedoch zunehmend mit den geldpolitischen Ankäufen von Staatsanleihen infrage gestellt

Geldpolitische Aufgaben

Die Aufgaben einer Zentralbank können je nach Land bzw. Währungsraum unterschiedlich ausfallen. Grundsätzlich besteht die zentrale Aufgabe einer Zentralbank darin, Preisniveaustabilität im zugehörigen Währungsraum zu gewährleisten und das umlaufende Geld zu kontrollieren. Im engeren Sinne entscheidet eine Zentralbank über die Höhe der Leitzinssätze (Zinssatz, zu dem sich Banken von der Zentralbank Geld leihen oder ihr Geld bei der Zentralbank parken können), die einen weitreichenden Einfluss auf Volkswirtschaften haben können.

Eine Zentralbank steuert mit ihren geldpolitischen Instrumenten die Liquiditätsversorgung am Geldmarkt. Sie wird häufig auch als „Bank der Banken” verstanden. Eine Zentralbank leiht ihren Geschäftsbanken zum Leitzinssatz Geld und bewahrt überschüssiges Geld von Geschäftsbanken auf. Außerdem überwacht eine Zentralbank Bankgeschäfte und verwaltet Devisenreserven.

Darüber hinaus können manche Zentralbanken Notfallkredite für Geschäftsbanken vergeben. Vor diesem Hintergrund wird eine Zentralbank auch als “lender of last resort” beschrieben. Im Rahmen einer unkonventionellen Geldpolitik kann eine Zentralbank Wertpapiere (z.B. Staats- und Unternehmensanleihen, sowie Asset-Backed-Securities (ABS) wie CDOs, kaufen.

Außerdem betreibt eine Zentralbank wirtschaftliche Forschung und erstellt Statistiken, die sie u.a. auf ihrer eigenen Homepage (z.B. Statistical Data Warehouse und Federal Reserve Economic Data) veröffentlicht. Insgesamt werden mit der Geldpolitik einer Zentralbank alle wirtschaftspolitischen Maßnahmen zusammengefasst, die die Zentralbank zur Verwirklichung ihrer geldpolitischen Ziele ausführt.

Goldreserven der Zentralbanken

Goldreserven sind nationale Goldbestände, für die eine Zentralbank verantwortlich ist. Gold gehört zu den Währungsreserven – dem Bestand an international liquiden Zahlungsmitteln – einer Volkswirtschaft.

Der historische Hintergrund, dass Zentralbanken Gold halten, liegt in den zwei festen Wechselkurssystemen des klassischen Goldstandards (ungefähr von 1870 bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges mit zwischenzeitlicher Aufhebung der Noteneinlösungspflicht in Gold während des Ersten Weltkrieges) und des Gold-Devisen-Standards bzw. Bretton-Woods-Systems (von 1944 bis 1973). Bei diesen Wechselkurssystemen war Gold das zentrale Zahlungs- und Tauschmittel für den internationalen Handel. Handelsüberschüsse wurden in Gold bzw. nachfolgend Gold und/oder Dollar verrechnet.

Grundsätzlich erfüllen Goldreserven zwei Funktionen: Zum einen fördern Goldreserven das Vertrauen im Inland, womit auch die Werthaltigkeit der Zentralbankbilanz gefestigt wird. Zum anderen ist Gold Teil der Währungsreserven einer Zentralbank. Gold kann in kurzer Zeit gegen Fremdwährung umgetauscht werden. Darüber hinaus kann eine Zentralbank das Halten von Goldreserven als eine Maßnahme zur Krisenprävention und -bewältigung sowie als Diversifikationsmittel ihrer Anlagen sehen.

Zu den Ländern bzw. Institutionen mit den größten Goldreserven zählten 2019 (in Anlehnung an WORLD GOLD COUNCIL, Mengen in Tonnen):

  1. Vereinigte Staaten: 8.134
  2. Deutschland: 3.370
  3. IMF: 2.814
  4. Italien: 2.452
  5. Frankreich: 2.436
  6. Russland: 2.066
  7. China: 1.843
  8. Schweiz: 1.040
  9. Japan: 765
  10. Niederlande: 613
  11. Indien: 592
  12. EZB: 505

Wirkungsweise der Geldpolitik

Geldpolitische Leitzinsen

Eine Zentralbank entscheidet über die Höhe der Leitzinssätze, welche die wirtschaftliche Entwicklung im Währungsgebiet sowie außerhalb des Gebietes bedeutend beeinflussen können. Leitzinsen weisen eine zentrale Funktion bei der Steuerung der Finanzmärkte auf.

Zum einen bestimmt eine Zentralbank den Zinssatz (Refinanzierungssatz), zu welchem sich Geschäftsbanken (kurzfristig) Zentralbankgeld leihen können. Zum anderen legt eine  Zentralbank den Zinssatz (Einlagefazilitätensatz) fest, zu dem Geschäftsbanken ihr überschüssiges Geld bei der Zentralbank parken können.

Die folgende Grafik der Federal Reserve Bank of St. Louis stellt den Leitzinssatz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte der EZB, u.a. Repogeschäfte, im Zeitverlauf dar. Seit März 2016 hält die EZB den Leitzins bei 0%.

Leitzinssatz der Europätischen Zentralbank zwischen 2008 und 2018
Der Leitzinssatz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte der EZB im Zeitverlauf

Dies bedeutet, dass sich Geschäftsbanken bei der EZB kostenlos refinanzieren können. Ein negativer Zinssatz für die geldpolitische Einlagefazilität seit Juni 2014 (auf bis zu -0,5% im September 2018) führt dazu, dass Geschäftsbanken der EZB eine Gebühr zahlen müssen, wenn sie ihre Überschussliquidität bei der EZB parken möchten.

Geldpolitik und Inflation

Eine Zentralbank kann mit ihren geldpolitischen Entscheidungen einen Einfluss auf die Preisentwicklung und damit auf die Inflationsrate nehmen. Ein übermäßiger Anstieg der Geldmenge, die von der Zentralbank kontrolliert wird, kann zu einer höheren Inflation (prozentualer Anstieg des Preisniveaus zwischen zwei Zeitpunkten) führen.

Eine (erwartete) steigende Inflation kann eine Welle von Preiserhöhungen nach sich ziehen: Wenn Verbraucher erwarten, dass Preise allmählich steigen, kaufen sie kurzfristig tendenziell mehr ein. Dies führt zu einer wachsenden gesamtwirtschaftlichen Nachfrage, sodass Unternehmen ihre Preise erhöhen und tendenziell ihre Produktion ausweiten sowie mehr Arbeitskräfte einstellen. Dies führt zu einem zusätzlichen Einkommen, das die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen weiter antreibt und die Preise wiederum steigen lässt.

In der Volkswirtschaftslehre wird Inflation in der langen Frist als monetäres Phänomen beschrieben.

Milton Friedman, ein US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler, sagte 1963 zu den Ursachen einer Inflation:
“Inflation is always and everywhere a monetary phenomenon.” (auf Deutsch: „Inflation ist immer und überall ein monetäres Phänomen.“)

Bestätigt wird diese Aussage z.B. durch die Quantitätstheorie. Diese besagt, dass ein direkter positiver Zusammenhang zwischen der Geldmenge und dem Preisniveau existiert. Inwiefern die Geldpolitik einer Zentralbank einen Einfluss auf die Preisentwicklung und damit auf die Inflation haben kann, wird auch durch den geldpolitischen Transmissionsmechanismus genauer erklärt.

Transmissionsmechanismus

Der Transmissionsmechanismus beschreibt den Übertragungsprozess geldpolitischer Impulse auf die Volkswirtschaft. Der geldpolitische Transmissionsmechanismus beginnt mit einer Leitzinsänderung und endet für gewöhnlich mit einem veränderten Preisniveau. Dieser wird in der folgenden Abbildung vereinfacht dargestellt.

Geldpolitischer Transmissionsmechanismus der Zentralbanken

Es gibt drei geldpolitische Wirkungsketten (Zinskanal, Vermögenskanal und Wechselkurskanal), die die möglichen Auswirkungen einer Leitzinssatzsenkung auf gesamtwirtschaftliche Größen, wie das Preisniveau, untersuchen. Der von der Zentralbank festgelegte Leitzins gibt den Preis an, zu dem sich Banken Geld von der Zentralbank leihen können.

  • Zinskanal: Leitzins sinkt, womit der (kreditfinanzierte) Konsum sowie Investitionen steigen. Dadurch erhöht sich die gesamtwirtschaftliche Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen in der Volkswirtschaft, sodass Preise ansteigen.
  • Vermögenskanal: Leitzins sinkt, wodurch der Wert von Aktien und Immobilien steigt und damit das Vermögen. Durch das gestiegene Vermögen werden mehr Güter und Dienstleistungen nachgefragt, sodass Preise ansteigen.
  • Wechselkurskanal: Leitzins sinkt und damit auch die allgemeinen Zinsen im Inland. Eine Geldanlage im Inland wird sowohl für inländische als auch für ausländischer Anleger  weniger rentabel. Die Nachfrage nach der Inlandswährung sinkt, wodurch der Preis der inländischen relativ zur ausländischen Währung sinkt. Dies impliziert eine Abwertung der Inlandswährung. Diese Wechselkursänderung hat wiederum eine positive Auswirkung auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage, sodass Preise steigen.

In der Summe gilt jedoch, dass der Transmissionsmechanismus der Geldpolitik sehr komplex und unsicher ist und darüber hinaus nur langsam voranschreiten kann. Die Wirkung der Geldpolitik hängt von vielen Faktoren ab und Reaktionsprozesse verlaufen zeitlich unterschiedlich. Daher ist die Wirkung der Geldpolitik einer Zentralbank nicht klar vorhersehbar.

Restriktive vs. expansive Geldpolitik der Zentralbanken

Die Geldpolitik einer Zentralbank kann als restriktiv oder expansiv beschrieben werden. Die folgende Tabelle stellt in komprimierter Form die wesentlichen Merkmale einer restriktiven und expansiven Geldpolitik einer Zentralbank dar:

Restriktive Geldpolitik Expansive Geldpolitik
Beschreibung strengere Geldpolitik lockere Geldpolitik
Geldpolitisches Ziel primäres Ziel ist die Gewährleistung von  Preisstabilität neben Preisstabilität existieren ggf. weitere (gleichrangige) Ziele wie Vollbeschäftigung, hohes/stabiles Wirtschaftswachstum etc.
Geldpolitische Entscheidungsträger Falken Tauben
Umfang der Geldmenge Geldmenge sinkt Geldmenge steigt
Geldpolitische Maßnahme Leitzinsen erhöhen, Mindestreservesatz erhöhen Leitzinsen senken, Mindestreservesatz senken
Geldpolitische (Sonder-)Maßnahme im Allgemeinen keine, ggf. Verkauf von Währungsreserven und/oder Staatsanleihen Ankauf von Wertpapieren (z.B. Staats- und Unternehmensanleihen, ABS) bzw. Quantitative Easing
Wirkung auf dem Geldmarkt Geldmarktzins steigt Geldmarktzins sinkt
Zweck Preisniveaustabilität sichern, ggf. Wirtschaftswachstum abbremsen Wirtschaft ankurbeln
Mögliche Auswirkung auf die Wirtschaft ansteigende Nachfrage, Investitionen und Beschäftigung stoppen Nachfrage, Investitionen und Beschäftigung steigern
Mögliche Auswirkung auf das Preisniveau Preisniveau sinkt Preisniveau steigt
Mögliche Auswirkung auf die Währung Wert der inländischen Währung steigt Wert der inländischen Währung sinkt

Eine restriktive Geldpolitik einer Zentralbank impliziert eine Erhöhung der Leitzinsen und damit eine Verringerung der im Umlauf befindlichen Geldmenge. Hingegen vergrößert sich die Geldmenge bei einer expansiven Geldpolitik der Zentralbank.

Grundsätzlich wird zwischen zwei geldpolitischen Ansichten unterschieden: Einerseits gibt es „Falken” (Hawks), die eine strengere (stabilitätsorientierte) Geldpolitik befürworten. Auf der anderen Seite gibt es die „Tauben” (Doves), die eine lockere Geldpolitik befürworten und weitere wirtschaftspolitische Ziele (z.B. hohe Beschäftigung, hohes Wirtschaftswachstum) verfolgen.

Kryptowährung vs. gesetzliches Zahlungsmittel

Eine Kryptowährung, auch bekannt als „Kryptoasset” oder „Kryptogeld”, ist ein digital verfügbarer Vermögenswert (Wertmark, Token), welcher als Tausch- bzw. Zahlungsmittel verwendet werden kann. Kryptowährungen werden privat in Computernetzwerken erzeugt bzw. genutzt und basieren auf Verschlüsselungstechniken.

Im Unterschied zu gesetzlichen Zahlungsmitteln (z.B. Euro oder US-Dollar) ist eine Kryptowährung kein offizielles (gesetzliches) Geld. Kryptowährungen werden weder von einer Zentralbank noch von anderen staatlichen Institutionen kontrolliert. Zudem sind sie unabhängig von Banken. Für einige Anleger stellen Kryptowährungen eine nichtstaatliche alternative Währung mit begrenzter Geldmenge dar. Besitzer von Kryptowährungen haben keinen Anspruch darauf, diese beispielsweise in Euro umzutauschen. Zudem unterliegen Kryptowährungen im Vergleich zu gesetzlichen Währungen starken Kursschwankungen, weswegen sie nicht als stabiles Wertaufbewahrungsmittel gelten.

Dagegen werden gesetzliche Zahlungsmittel in der Regel von staatlichen Zentralbanken kontrolliert und existieren in verschiedenen Formen (z.B. Papiergeld und Buchgeld bzw. Girageld). Zudem sind Zentralbanken grundsätzlich in der Lage, die von ihr kontrollierte Währung, unbegrenzt auszugeben.

Bedeutung der Geldpolitik für Anleger

Die Geldpolitik einer Zentralbank kann einen bedeutenden Einfluss auf das Investitionsverhalten inländischer sowie ausländischer Anleger haben. Mit der Entscheidung über die Höhe der Leitzinsen kann die Zentralbank direkt die Geldmarktzinssätze (kurzfristiger Zinssatz für Geschäftsbanken untereinander) beeinflussen.

Sinken die Leitzinsen, dann sinken im Normalfall auch die Geldmarktzinsen. Je länger eine Zentralbank ihre Leitzinsen niedrig hält, desto höher ist tendenziell der Anreiz für Anleger, ihr Geld in risikoreichere Anlagen (beispielsweise Junk Bonds anstelle des Sparkontos oder Staatsanleihen) zu investieren.

Aus der Perspektive eines Sparers wird das seit 2009 lang anhaltende Niedrigzinsumfeld im Euroraum und zum Teil in den USA sowie in Japan kritisiert, für das die großen Zentralbanken verantwortlich seien. Die folgende, laufend aktualisierte Grafik der Federal Reserve Bank of St. Louis verdeutlicht das jahrelange Niedrigzinsumfeld auf dem Geldmarkt, indem der 3-Monate-Interbankenzinssatz, auch bekannt als „London Interbank Offered Rate” (LIBOR), dargestellt wird:

Beispiel für den direkten Zusammenhang zwischen Leitzinsen und Geldmarktzinsen: Im Jahr 1992 bestimmte die Deutsche Bundesbank einen Leitzinssatz von ungefähr 9%. Gleichzeitig lagen die Geldmarktzinsen in Deutschland bei etwa 8%. Auf diese Zeit blicken private Sparer gerne zurück, in der sie auf ihrem Sparkonto teilweise Zinssätze von über 4% im Jahr erhielten.

Wenn eine Zentralbank ihre Leitzinsen senkt, können Inflationserwartungen auch bei Anlegern steigen. Auf dem Kapitalmarkt würden Anleger dann höhere Zinsen einfordern, um den erwarteten Verlust der Kaufkraft ihrer langfristigen Investition auszugleichen. Dagegen steigt der Kurs einer Anleihe tendenziell bei einem sinkenden kurzfristigen Marktzinssatz.

Eine expansive Geldpolitik (eine Senkung der Leitzinsen) lässt Aktien im Vergleich zu Anleihen tendenziell attraktiver erscheinen. Dividendenzahlungen aus Aktien dürften grundsätzlich höher ausfallen als die Kuponzahlungen aus bereits emittierten Anleihen. Die Nachfrage nach Aktien wird zunehmen, wodurch wiederum die Aktienkurse steigen. Insgesamt dürfte der Kauf von Aktien insbesondere dann attraktiv erscheinen, wenn sich Anleger einer expansiven Geldpolitik bzw. einem lang anhaltenden Niedrigzinsumfeld ausgesetzt fühlen.

Hinweis: Leitzinsen der Zentralbank und kurzfristige Geldmarktzinsen sind grundsätzlich eng miteinander verknüpft. Der Zusammenhang zwischen Leitzinsen und Kapitalmarktzinsen ist unklar.

Kritik an der Geldpolitik von Zentralbanken

Die Geldpolitik von Zentralbanken wird theoretisch sowie in ihrer praktischen Umsetzung in unterschiedlichen Bereichen (Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Medien) vielfach diskutiert. Selbst innerhalb der Wissenschaft gibt es Experten (aus der Makroökonomik bzw. Geldtheorie), die eine lockere, expansive Geldpolitik befürworten, während andere Experten eine restriktive, strenge Geldpolitik für wirtschaftlich essenziell halten.

Die Uneinigkeit wissenschaftlicher Experten wird im Rahmen des neuen postkeynsianischen Ansatzes der Modern Monetary Theory (MMT, moderne Geldtheorie) verdeutlicht. Die MMT stellt die Vorteile hoher Staatsausgaben in den Vordergrund und geht davon aus, dass manche Staaten wie die USA oder Japan sich durch das Drucken von Geld ohne wirtschaftliche Gefahren finanzieren können und damit eine Vollbeschäftigung fördern können. Mehrere Ökonomen sprechen sich jedoch gegen die MMT aus und warnen vor den möglichen Problemen einer hohen Staatsverschuldung (z.B. sinkender Anreiz einer effizienten Fiskalpolitik sowie wachsende Inflationsgefahr).

Insbesondere Sparer kritisieren eine (dauerhafte) Leitzinssenkung der Zentralbank von (unter) 0% und sprechen stellenweise von einer Enteignung. Ein Niedrigzinsumfeld auf den Finanzmärkten wurde beispielsweise von der EZB geschaffen, indem sie seit 2008 ihre Leitzinsen schrittweise von etwa 4% auf 0% senkte. Viele Sparer sehen die Leitzinssenkung der EZB als Hauptursache für die teilweise negativen Renditen europäischer Anleihen.

Eine weitere zentrale Kritik betrifft die geldpolitischen Anleihekäufe einer Zentralbank, die im Zuge der Finanz- und Eurokrise seit 2007 und der Corona-Krise in 2020/2021 vermehrt durchgeführt wurden. Diese geldpolitische Sondermaßnahme wird als „Quantitative Easing” (QE), auch bekannt als „quantitative Lockerung” beschrieben, die dann zum Einsatz kommt, falls der Leitzins bereits nahe 0% liegt. Es folgt eine unmittelbare Erhöhung der Zentralbankgeldmenge. Grundsätzlich zielt ein QE darauf ab, die Zinsen auf den Finanzmärkten mittelfristig zu senken.

Die folgende Grafik der Federal Reserve Bank of St. Louis stellt die Bilanzsumme von vier großen Zentralbanken (Fed, BOJ, EZB und BoE) anhand eines Index (Jan. 2008 = 100) im Zeitverlauf dar. Insgesamt zeigt sich, dass sämtliche Vermögenswerte der Zentralbanken in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen haben. Eine erhöhte Geldmengenentwicklung birgt die Gefahr einer wachsenden Inflation.

Die Bilanzsumme der Fed, BOJ, EZB und BoE im Zeitverlauf
Die Bilanzsumme der Fed, BOJ, EZB und BoE im Zeitverlauf

Im Rahmen der geldpolitischen Anleihekäufe wird von einigen Kritikern ein Währungskrieg zwischen Zentralbanken unterstellt. Eine stark expansive Geldpolitik kann zu einer Abwertung der inländischen Währung führen. Dieser Zusammenhang wird beispielsweise durch die Kaufkraftparitätentheorie erklärt. Eine Abwertung der Inlandswährung bedeutet eine Aufwertung der Auslandswährung. Für das Ausland werden die inländischen Waren und Dienstleistungen günstiger, wodurch die Nachfrage nach inländischen Gütern steigen dürfte. Ein Wirtschaftswachstum kann gefördert werden.

Häufig wird kritisiert, dass eine Zentralbank im Rahmen ihrer geldpolitischen Staatsanleihekäufe eine monetäre Staatsfinanzierung betreiben und über ihren Aufgaben- und Verantwortungsbereich hinausgehen würde. Letztlich ist und bleibt die Geldpolitik einer Zentralbank umstritten und wird auch in Zukunft für kontroverse Diskussionen weltweit sorgen.

Fazit

Eine Zentralbank ist eine staatliche Institution, die die Geldpolitik durchführt und Banken reguliert. Das allgemeine Interesse an der Geldpolitik einer Zentralbank ist groß, da geldpolitische Entscheidungen einen großen Einfluss auf einzelne Wirtschaftssubjekte (Staat, Unternehmen und private Haushalte) haben können. Die Wirkung der Geldpolitik auf die Wirtschaft ist allerdings nicht klar vorhersehbar. Dennoch gilt: Je expansiver eine Zentralbank ihre Geldpolitik durchführt, desto mehr steigen Inflationsrisiken.

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