Market Value (Marktwert) – Definition & Berechnung
Der Market Value (deutsch: Marktwert) ist der geschätzte Wert, der einem Wirtschaftsobjekt am Markt beigemessen wird. Bei börsennotierten Unternehmen bezieht er sich in der Praxis häufig auf den Marktwert des Eigenkapitals bzw. auf die Marktkapitalisierung. Marktwerte sind keine statischen Kennzahlen, sondern unterliegen dynamischen Schwankungen, da sie von zahlreichen Einflussfaktoren abhängen.
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Market Value – Definition
Der Market Value ist der geschätzte Betrag, zu dem ein Vermögenswert bzw. generell ein Wirtschaftsobjekt am Bewertungsstichtag zwischen einem kaufbereiten Käufer und einem verkaufsbereiten Verkäufer unter normalen Marktbedingungen nach angemessener Vermarktung übertragen würde.
Dabei gilt es, die Differenzierung zwischen Marktwert und Marktpreis zu beachten.
Marktwert vs. Marktpreis
Der Marktwert ist eine unter normalen Marktbedingungen geschätzte Größe. Der Marktpreis bezeichnet dagegen den tatsächlich gezahlten Preis bei einem konkreten Handel.
- Bei liquiden, börsengehandelten Finanzinstrumenten ist der notierte Marktpreis regelmäßig die beste beobachtbare Grundlage für den Marktwert.
- Bei illiquiden Vermögenswerten muss der Marktwert hingegen mit Bewertungsmethoden geschätzt werden.
Berechnung der Marktkapitalisierung anhand Marktpreis
Bei börsennotierten Unternehmen ergibt sich der Marktwert des Eigenkapitals, indem die Anzahl der ausstehenden Aktien mit dem aktuellen Marktpreis (Aktienkurs) multipliziert wird. Der Marktwert gibt in diesem Fall also die Marktkapitalisierung der Aktiengesellschaft wider.
Die Formel lautet wie folgt:
Rechenbeispiel für den Marktwert zweier Aktien
Angenommen, die Unternehmen A und B haben gleichermaßen 10 Millionen Aktien ausstehend. Die Aktie A notiert bei 50 EUR, die Aktie B hingegen bei 20 EUR.
Multipliziert man nun diese Marktpreise (Aktienkurse) mit den ausstehenden Aktien, erhält man für Unternehmen A einen Marktwert des Eigenkapitals von 500 Millionen EUR und für Unternehmen B einen Marktwert des Eigenkapitals von 200 Millionen EUR.
Einflussfaktoren des Market Value
Der Market Value kann im Zeitverlauf stark schwanken, da die Wertentwicklung unter anderem vom Konjunkturverlauf beeinflusst wird. Typischerweise sinkt der Market Value während wirtschaftlichen Abschwungsphasen, während er in konjunkturellen Aufschwungsphasen steigt.
Auf den Marktwert wirken aber noch zahlreiche andere Faktoren. So haben beispielsweise die Branche, in der das Unternehmen tätig ist, die operative Geschäftstätigkeit des Unternehmens selbst und das allgemeine Marktumfeld Einfluss auf die Entwicklung des Marktwerts. Außerdem spiegeln sich Profitabilitäts- und Bilanzkennzahlen im Marktwert wider.
Marktwert vs. Kontraktwert
Oft wird auch von einem Notional Value bzw. Kontraktwert gesprochen. Der Notional Value stellt den rechnerischen Bezugswert eines Derivats (bspw. eines Terminkontrakts) dar, auf dessen Basis Zahlungen oder Wertveränderungen berechnet werden. Der Market Value entspricht dagegen dem aktuellen Wert, zu dem das Derivat am Markt bewertet wird bzw. dem aktuellen positiven oder negativen Marktwert der Position.
Market Value, Fair Value und Rechnungslegung
Der Market Value ist ein allgemeiner betriebswirtschaftlicher Begriff für den am Markt beigemessenen Wert eines Vermögenswerts oder Wirtschaftsobjekts. Der Fair Value (deutsch häufig: beizulegender Zeitwert) ist demgegenüber ein Rechnungslegungsbegriff, der insbesondere unter den IFRS standardisiert definiert ist.
Nach IFRS 13 ist der Fair Value der Preis, der beim Verkauf eines Vermögenswerts oder bei der Übertragung einer Schuld in einer geordneten Transaktion zwischen Marktteilnehmern am Bewertungsstichtag erzielt bzw. gezahlt würde. Liegt für einen identischen Vermögenswert ein notierter Preis in einem aktiven Markt vor, stellt dieser regelmäßig die verlässlichste Grundlage dar. Fehlt ein aktiver Markt, wird der Fair Value mithilfe von Bewertungsverfahren geschätzt.
Berechnung des Enterprise Value anhand Multiplikatoren
Oft wird in der Unternehmensbewertung zunächst der gesamte Unternehmenswert bzw. Enterprise Value mit Gewinn- oder Umsatzmultiplikatoren ermittelt, wie beispielsweise mit dem Enterprise Value to EBITDA.
Angenommen, Unternehmen A und Unternehmen B erzielen jeweils einen Gesamtumsatz von 100 Millionen EUR. Unternehmen A ist ein schnell wachsendes Technologieunternehmen, während Unternehmen B ein langsam wachsendes Einzelhandelsunternehmen ist.
Da die Börse zukünftige Entwicklungen antizipiert, wird der Unternehmenswert von Unternehmen A in der Regel deutlich höher ausfallen als der von Unternehmen B.
Unternehmen A könnte beispielsweise mit einem Umsatzmultiplikator von 5 bewertet werden, was zunächst einem Enterprise Value von 500 Mio. EUR entspricht. Unternehmen B hingegen könnte mit einem Multiplikator von 2 bewertet werden, was einem Enterprise Value von 200 Mio. EUR entspricht.
Um daraus den Marktwert des Eigenkapitals abzuleiten, müssen im Anschluss die Nettofinanzverbindlichkeiten und gegebenenfalls weitere Anpassungen berücksichtigt werden. Dabei gilt es zu beachten, dass der Marktwert des Eigenkapitals eines Unternehmens erheblich vom Buchwert oder Eigenkapital abweichen kann. In der Praxis ist das die Regel.
Unterbewertet oder überbewertet?
In der Theorie gilt eine Aktie als unterbewertet, wenn ihr geschätzter innerer Wert über dem aktuellen Marktpreis liegt. Ein niedriger Marktwert im Verhältnis zum Buchwert kann zwar ein Hinweis auf eine günstige Bewertung sein, lässt für sich genommen aber noch keine belastbare Schlussfolgerung zu. So könnten beispielsweise eine massive Verschuldung oder ein trüber Geschäftsausblick der nächsten Jahre zu dieser scheinbaren Unterbewertung geführt haben.
Im Umkehrschluss bedeutet das auch, dass eine Aktie, die am Markt mit einem Aufschlag zum Buchwert pro Aktie gehandelt wird, nicht automatisch überbewertet ist.
Zum Beantworten dieser Frage müssen unterschiedlichste Vergleiche angestellt werden, wie beispielsweise der Mitwettbewerber- und Sektorenvergleich. Darüber hinaus ist zu prüfen, wie sich Ertragskraft, Wachstumsaussichten und Kapitalstruktur auf den inneren Wert auswirken. Eine über dem Buchwert notierende Aktie kann also im Vergleich dennoch günstig sein.
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