Value Aktien – Definition & Beispiele [2022]

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Was sind Value Aktien? – Definition

Value Aktien notieren unter ihrem tatsächlichen, inneren („fairen“) Wert. Das bedeutet, dass sie aktuell zu einem geringeren Preis gekauft werden können, als sie auf den Aktienmärkten bewertet wurden. Daher werden Value Aktien erhöhte Renditechancen gegenüber dem Marktdurchschnitt unterstellt. 

Unternehmen, die Value Aktien herausgeben, werden oftmals mit den folgenden Eigenschaften in Verbindung gebracht: starke Marktposition, stabiles Geschäftsmodell und/oder stetig hohe Umsätze sowie Gewinne. Ferner werden die Unternehmensanteile an der Börse preiswert gehandelt.

Die Differenz zwischen inneren Wert und aktueller Aktienpreis einer Value Aktie ist auch bekannt als Margin of Safety oder Sicherheitsmarge. Die Formel für die Berechnung lautet:

Margin~of~Safety=innerer~wert-Aktienpreis

Schließlich erhofft sich ein Value Investor, mindestens diese Differenz in Zukunft als Gewinn zu generieren.

Ein berühmtes Zitat vom US-amerikanischen Großinvestor Warren Buffett lautet: „Price is what you pay. Value is what you get.“ (Price ≙ Aktienpreis, Value ≙ innerer Wert)

Value Investing

Das Suchen nach Value Aktien entspricht dem sogenannten Value Investing. Bei dieser eher langfristigen Anlagestrategie geht es vorrangig darum, zu überprüfen, ob eine Aktie gegenwärtig unterbewertet ist. Dies wird durch verschiedene Finanzkennzahlen, wie PE-Ratio, Free Cash Flow oder anhand verschiedener Verfahren wie die Discounted Cash Flow Methode bestimmt. Diese Vorgehensweisen basieren auf einer sogenannten Fundamentalanalyse.

Daraus folgt die Berechnung des inneren Werts eines Unternehmens und seiner Aktie. Fällt dieser innere Wert höher aus als der aktuelle Aktienkurs, ist dies ein Kaufsignal.

Warum entsteht eine Unterbewertung bei Aktien?

Der Preis einer Aktie hängt grundlegend von der Nachfrage der Anleger nach den jeweiligen Unternehmensanteilen ab. Es bestehen zahlreiche Faktoren, die einen Einfluss auf diese Nachfrage haben können und warum schließlich eine Aktie unterbewertet sein könnte. Dazu zählen beispielsweise folgende sechs Hintergründe:  

  • Herdentrieb
    Teilnehmer am Aktienmarkt gehen nicht immer rational vor. Beispielsweise wird eine Aktie nicht verkauft, weil der Investor diese für überbewertet hält, sondern weil viele Mitglieder in einem Forum zum Verkauf geraten haben und sich der Investor ihnen anschließt. Dieser psychologische Effekt verstärkt sich selbst und kann den Kurs einer Aktie unter ihren inneren Wert fallen lassen.
  • Emotionale Überreaktionen
    Die sogenannte Börsenpsychologie hat einen zentralen Einfluss auf die Entwicklung der Aktienkurse. Euphorie und Angst können starke Kurstreiber an der Börse sein. Getrieben von der Euphorie investieren meist unerfahrene Anleger zu spät in eine Aktie, nämlich wenn das Kurshoch fast erreicht ist. Im Gegenzug steigen Anleger angstgetrieben in der Nähe des Kurstiefs aus. An einen Einstieg denkt in dem Moment oft kaum jemand – außer Value Investoren. Erst wenn die Kurse sich erholen, kommen viele Käufer wieder zurück und der Emotionen-Kreislauf fängt erneut an.
Emotionen als Einflussfaktor im Börsenhandel
Emotionen-Kreislauf beim Börsenhandel, der häufig bei unerfahrenen Anlegern beobachtet wird.
  • Schlechte Nachrichten
    Zudem können negative Nachrichten unverhältnismäßig stark den Aktienkurs beeinträchtigen. Unerwartet schlechte Meldungen (z.B. Abweichungen von Unternehmensprognosen, Umweltereignisse oder politische Entscheidungen, die das Unternehmen beeinträchtigen) können einen überproportional fallenden Aktienkurs auslösen, weil Investoren „überreagieren“ oder sich von dem Herdentrieb leiten lassen.
  • Bärenmarkt bzw. konjunkturell schwache Phasen
    Ein Bärenmarkt beschreibt einen starken Kursrückgang an der Börse, verbunden mit einer pessimistischen Anlegerstimmung. Während einer Bärenmarkt-Phase besteht im Speziellen die Möglichkeit, günstige Aktien mit Potenzial zu kaufen. Ebenso können konjunkturell schwache Phasen vermehrt ermöglichen, unterbewertete Aktien zu erwerben – im Gegensatz zu bullischen Marktphasen
  • Geringes Interesse
    Schließlich kann wenig (mediales) Interesse an eine Aktiengesellschaft mit ein Grund dafür sein, wieso ein Unternehmen und damit ggf. auch die Aktien kaum nachgefragt sind. Dies führt eher zu einer Unterbewertung der Aktie. Daher liegt die Kunst des Value Investings manchmal auch darin, eine aussichtsreiche Aktie zu identifizieren, die andere Investoren noch nicht gefunden haben. Dazu gehören beispielsweise sogenannte Small Caps, d.h. Unternehmen mit geringer Marktkapitalisierung. Allerdings sind kleinere Unternehmen mit anderen Risiken verbunden. In Deutschland liegt die mediale Aufmerksamkeit, besonders auf den DAX40-Unternehmen. 
  • Pessimistische Einschätzung gegenüber bestimmten Sektoren oder Ländern
    Zudem kann es möglich sein, dass bestimmte Branchen oder Länder tendenziell weniger von Investoren berücksichtigt werden als andere. Die Gründe dafür sind meist allgemein und betreffen weniger das Unternehmen selbst. Beispielsweise konnten nach der Dotcom-Blase im Jahr 2000 mehrere Technologieaktien unter ihrem inneren Wert gekauft werden.

Hinweis: Die Effizienzmarkthypothese besagt, dass in den Preisen für Aktien sämtliche Informationen enthalten sind. Deshalb kann kein Finanzmarktakteur einen Vorteil in Form von höheren Gewinnen gegenüber anderen Marktteilnehmer erwirtschaften. Jedoch sprechen die oben beschriebenen Hintergründe eher gegen diese Hypothese. 

Wie erkenne ich Value Aktien?

Grundsätzlich erfordert das Identifizieren von Value Aktien einen hohen Analyseaufwand. Dazu gehört insbesondere das Hinterfragen von quantitativen und qualitativen Unternehmenskriterien. 

Quantitative Kriterien

Quantitative Kriterien beziehen sich auf die Geschäftszahlen des Unternehmens. Zu den gängigen Finanzkennzahlen für die Aktienbewertung gehören unter anderem:

  1. PEG Ratio
  2. Gesamtkapitalrendite
  3. Umsatz 
  4. Free Cash Flow 
  5. Buchwert je Aktie

Das Kurs-Gewinn-Wachstums-Verhältnis (engl. Price/Earnings to Growth oder kurz PEG Ratio) erweitert das KGV um die Wachstumsprognose eines Unternehmens. Bei der Analyse von Wachstumswerten kann die PEG Ratio daher genauere Informationen liefern als die verwandte PE Ratio. Dies ermöglicht eine Berücksichtigung des prognostizierten Wachstumspfades der Unternehmen. Berechnet wird die PEG Ratio, indem die PE Ratio durch das prognostizierte Gewinnwachstum geteilt wird. Eine niedrige PE Ratio (oft definiert als <1) ist ein erster Indikator für eine Unterbewertung und damit ein mögliches Kaufsignal.

Gesamtkapitalrendite (engl.: Return on Invested Capital oder kurz ROIC) misst die Rendite auf das vom Unternehmen eingesetzte Kapital zum Betrieb seiner Geschäftstätigkeit. Sie ist eine zentrale Margen-Kennzahl, die zeigt, wie profitabel ein Unternehmen ist. Eine stabile oder gar steigende ROIC bei gleichzeitig stabilen Umsatz-, Gewinn- und Free-Cashflow-Wachstum über mehrere Jahre (z.B. mind. 3-5. Jahre) kann auf eine starke Marktposition hinweisen.  

Umsatz (engl. revenue oder sales) entspricht der Summe der verkauften Güter und Dienstleistungen, jeweils bewertet zu den aktuellen Verkaufspreisen. Der Gesamtumsatz eines Unternehmens bezieht sich ausschließlich auf das sogenannte Kerngeschäft und kann einem Investor beispielsweise Hinweise auf die Marktstellung eines Unternehmens oder die Qualität des Managements liefern. Ein stabiles Umsatzwachstum kann auf eine konstante Nachfrage hindeuten.

Free Cash Flow misst die liquiden Mittel, die dem Unternehmen nach Auszahlungen frei zur Verfügung stehen. Diese Kennzahl umschreibt oftmals die Fähigkeit, tatsächliches Bargeld aus dem Umsatz zu erzielen. Der Free Cash Flow misst die Finanzkraft zur Tilgung von Darlehen oder Zahlung von Dividenden und ist kaum manipulierbar. Value Investoren berechnen oftmals das Kurs-Cashflow-Verhältnis – sie halten einen geringen Wert für wünschenswert.   

Buchwert je Aktie misst das Verhältnis zwischen dem buchhalterischen Wert des Eigenkapitals und die Anzahl der ausstehenden Aktien. Er kann anzeigen, ob systematisch ins eigene Geschäftsmodell reinvestiert wird. Nur dann wächst der Buchwert langfristig. Je höher der Buchwert beziehungsweise das Verhältnis aus Buchwert zum Aktienkurs, desto „günstiger“ wird der Buchwert derzeit gehandelt – vorausgesetzt, es handelt sich um ein insgesamt intaktes, gesundes Unternehmen.

Hinweis: Keine Kennzahl sollte für sich alleine eingesetzt werden. Ein Gesamtbild aus mehreren Kennzahlen könnte zuverlässigere Aussagen liefern. Zudem sollten Anleger diese Kennzahlen mit denen eines Unternehmens aus derselben Branche vergleichen.

Qualitative Kriterien

Im Unterschied zu den quantitativen Kriterien beziehen sich die qualitativen Kriterien weniger auf die ausgewiesenen Bilanzzahlen und können dabei helfen, Value Aktien zu finden und Value Traps zu vermeiden. Qualitative Kriterien erlauben oftmals einen höheren Bewertungsspielraum und umfassen beispielsweise:

  • Wettbewerbsposition: Je weniger Konkurrenz auf dem Markt (zukünftig) besteht, desto tendenziell besser für das Unternehmen. Verbraucher haben schließlich keine andere Möglichkeit, das Produkt oder die Dienstleistung bei einem anderen Anbieter nachzufragen. Das Unternehmen kann eher mit einer konstant hohen Nachfrage rechnen.
  • Solides Geschäftsmodell: Das Unternehmen sollte ertragreich wirtschaften. Dies bedeutet beispielsweise: Kosten reduzieren, Gewinne maximieren und in zukunftsträchtige Projekte investieren.  
  • Produktsortiment: Außerdem sollte grundsätzlich das Produkt und die Branche hinterfragt werden. Wird das Produkt auch in Zukunft nachgefragt sein? Bietet das Unternehmen mehrere Produkte an, spricht dies für eine gewisse Diversifikation im Unternehmen selbst.
  • Management: Ein gutes Management kann einen signifikant positiven Einfluss auf die Unternehmensentwicklung ausüben. Daher schauen sich professionelle Value Investoren auch den Vorstand an.
  • Umgang mit ESG-Kriterien: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung sind Kriterien, die in der Finanzwelt zunehmend an Bedeutung gewinnen. Ein zukunftsträchtiges Unternehmen sollte sich auch um diese Aspekte kümmern.  

Bewertungsverfahren

Im Folgenden werden zwei gängige Methoden aufgelistet, die Investoren zur Identifizierung von günstigen Aktien verfolgen:

  • Price to Earnings Ratio (P/E, Kurs-Gewinn-Verhältnis oder KGV)
    Das Kurs-Gewinn-Verhältnis misst das Verhältnis zwischen aktuellem Aktienkurs und Gewinn pro Aktie. Das Ziel der (vergangenheitsorientierten) Kennzahl ist es, herauszufinden, ob ein Unternehmen „teuer“ oder „günstig“ ist und sich ein Kauf der Aktien lohnt: Je höher der Wert, desto „teurer“ ist ein Unternehmen. Teurer bedeutet hier, dass das Unternehmen einen hohen Aktienpreis im Vergleich zu seinen Gewinnen hat.
  • Discounted Cash Flow (DCF, abgezinster Zahlungsstrom)
    Für die Berechnung des Discounted Cash Flows benötigt der Anleger die prognostizierten Cashflows eines Unternehmens sowie den Diskontierungszinssatz. Unter Berücksichtigung verschiedener Annahmen wird dann der Unternehmenswert ermittelt.  

Hinweis: Schließlich können die Meinungen von Investoren bezüglich Value Aktien ganz unterschiedlich ausfallen. Es ist etwa möglich, dass aufgrund unterschiedlicher Erwartungen oder verwendeter Bewertungsmethoden dieselbe Aktie von einem Investor als günstig und von dem anderen Investor als teuer eingeschätzt wird.

Value Aktien vs. Growth Aktien

Growth oder Value Aktien? Was ist besser? Worin soll ich hauptsächlich mein Geld anlegen? Diese Frage stellen sich viele Anleger.

Value Aktien werden oftmals mit Unternehmen in Verbindung gebracht, die bereits längere Zeit am Markt bestehen (z.B. über zehn Jahre) und etabliert sind. Daher lassen sich verschiedene Unternehmenskennzahlen aus der langen Vergangenheit entnehmen. 

Im Gegensatz dazu werden Growth Aktien eher von unbekannten und/oder jungen Unternehmen herausgegeben. Anhänger der Growth-Strategie neigen dazu, Aktien von Unternehmen zu kaufen, die potenziell – aber im Regelfall durchaus streitbar – über ein hohes Wachstumspotenzial verfügen.

Aufgrund mangelnder Gewinne oder Free Cashflows, die bei Growth-Unternehmen häufig noch gar nicht erwirtschaftet werden, können solche Growth Aktien aber in aller Regel mit üblichen Bewertungsmethoden gar nicht bewertet werden. Ein fundamentaler Wert bzw. eine Substanz von Growth Unternehmen ist (noch) nicht vorhanden – im Unterschied zu Qualitätsunternehmen.

Arten von unterbewerteten Aktien

Es gibt keine klare Definition, wann Investoren von einer Value Aktie sprechen. Zur besseren Einordnung können unterbewertete Aktien in verschiedene Arten untergliedert werden:

Deep Value Aktien

Bei Deep Value Investing werden unterbewertete Aktien gekauft, während dabei die Qualitätsaspekte der zugrunde liegenden Unternehmen vernachlässigt werden. Zentral für die Aktien-Kaufentscheidung ist eher der günstige Preis bzw. eine relativ hohe Differenz zwischen dem inneren Wert und dem aktuell gehandelten Aktienkurs. Im Unterschied dazu werden beim Value Investing günstige Aktien von qualitativ hochwertigen Unternehmen gekauft.  

Qualitätsaktien

Qualitätsaktien bringen in der Regel Unternehmen heraus, die mit außerordentlichen Qualitätsmerkmalen verbunden sind. Damit gemeint sind beispielsweise überdurchschnittlich hohe und stetige Umsätze und/oder Erträge. Zudem können das Kurspotenzial, das Geschäftsmodell sowie die Marktstellung Hinweise auf die Qualität eines Unternehmens geben. Demnach sind Anleger auf der Suche nach einer sogenannten Qualitätsaktie.

Hochwertige Wachstumsaktien

Ferner gibt es die „Growth at a reasonable price“ (GARP), eine Strategie, die Aspekte des Wachstums und des Value Investing miteinander verbinden soll. Das Ziel ist die Beteiligung am Wachstum zu einem vernünftigen Preis. Anleger, die „Growth at a reasonable price“ anstreben, suchen nach Aktien, von denen sie glauben, dass sie ein überdurchschnittliches Wachstum liefern werden, die aber nicht zu teuer sind. Eine zentrale Kennziffer ist dabei das Kurs-Gewinn-Wachstums-Verhältnis (PEG Ratio).

Value Traps

Schließlich sprechen manche Value Investoren von sogenannten Value Traps (deutsch: Wertfalle bzw. Anlegerfalle), wenn sie mit ihrer ausgewählten Aktie deutliche Verluste erleiden. Zwar sprachen die typischen Bewertungskennzahlen (insbesondere qualitative wie Kurs-Gewinn-Verhältnis oder Buchwert je Aktie) für das Vorliegen einer günstigen Aktie, jedoch ist der Kurs noch weiter gefallen.  

Mögliche Gründe für einen Value Trap sind vielfältig. Sie umfassen z.B. eine zunehmende Konkurrenz, Sondereffekte (z.B. gravierende Managementfehler, Skandale wie der VW-Abgasskandal in 2015) oder eine unzureichende Investitions- und/oder Innovationstätigkeit. Um ein Value Traps zu vermeiden, ist es daher wichtig, nicht nur auf die qualitativen, sondern auch auf die quantitativen Kriterien zu achten.

Wie finde ich Value Aktien?

Das Auffinden einer Value Aktie ist nicht ganz einfach. Eine strategische Vorgehensweise könnte sich lohnen, um aus der Vielzahl an Aktien die „richtige“ Value Aktie auszuwählen. Im Folgenden werden drei Schritte beispielhaft vorgestellt:

1. Ideen sammeln und Gelegenheiten nutzen

In der Regel sind Value Aktien Anteile von qualitativ hochwertigen Unternehmen. Daher sollten sich Anleger zunächst fragen, welche Unternehmen mit einer besonderen Qualität bzw. Alleinstellungsmerkmal verbunden sind. Beispielsweise kann eine besondere Produktqualität, eine dominierende Marktstellung oder ein innovatives Geschäftsmodell zu einer besonderen Unternehmensqualität beitragen.    

Danach geht es darum, eine mögliche Unterbewertung bei solchen Unternehmen zu identifizieren. Wie bereits oben beschrieben, sind solide Aktiengesellschaften möglicherweise dann unterbewertet, wenn es zu bestimmten Situationen kommt, wie: allgemeiner konjunktureller Abschwung bzw. Bärenmarkt, Herdenverhalten oder zu pessimistisch aufgenommene Negativschlagzeilen. Solche Gelegenheiten nutzen Value Investoren für sich. Der Vergleich von 52-Wochen-Hochs bzw. -Tiefs mit dem aktuellen Kurs könnte dabei helfen. 

2. Verschiedene Kriterien überprüfen und vergleichen

Der zweite Schritt umfasst eine Fundamentalanalyse. Im Vordergrund steht die Analyse von qualitativen und quantitativen Kriterien. Zudem sollten diese Kriterien mit denen eines Vergleichsunternehmens (aus derselben Branche) verglichen werden. Darüber hinaus sollten einzelne Unternehmenskennzahlen (z.B. Umsatz, ROIC, Free Cashflow) über mehrere Jahre untersucht werden, z.B. anhand eines 10-Jahres-Durchschnittswerts. So können solide Entwicklungen in den Zahlen für eine robuste Unternehmensqualität sprechen. 

Da ESG-Kriterien (zu Deutsch: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) in der Finanzwelt zukünftig immer wichtiger werden dürften, sollte auch der Umgang dieser Kriterien vonseiten des Unternehmens/Vorstands überprüft werden (z.B. anhand von Nachhaltigkeitsberichten des Unternehmens).

3. Inneren Wert berechnen und mit dem aktuellen Aktienpreis vergleichen

Viele (professionelle) Value Investoren berechnen mithilfe verschiedener Kennzahlen (z.B. geschätztes Umsatzwachstum, Kurs-Gewinn-Verhältnis, Gewinn je Aktie) ganz konkret den inneren Wert einer Aktie. Dazu wird häufig ein komplexes Aktien-Bewertungstool verwendet. Als Letztes folgt ein Vergleich des inneren Wertes mit dem aktuellen Aktienpreis. Fällt der berechnete innere Wert geringer aus als der aktuelle Preis, kann dies ein zentrales Indiz für eine Value Aktie sein. 

Zusätzliche Hinweise: Es gibt viele Wege, den inneren Wert einer Aktie einzuschätzen. Zudem ist es vorteilhaft, Unternehmen aus einem Bereich zu analysieren, den der Investor grundsätzlich versteht. Schließlich ist die Value-Investing-Strategie auch abhängig vom Investor selbst (z.B. Anlagebetrag, Risikobereitschaft, Präferenzen bezüglich ESG-Kriterien, verfügbare Zeit). Beispielsweise kann die geforderte Margin of Safety von zwei Value Investoren ganz unterschiedlich ausfallen.

Lohnen sich Value Aktien bei Inflation

Die Inflation gibt den prozentualen Anstieg des Preisniveaus zwischen zwei Zeitpunkten an. Sie wird mithilfe des Verbraucherpreisindex (englisch: Consumer Price Index) gemessen. Ein stabiles Preisniveau, d.h. eine Inflationsrate von nahe 2%, wird von vielen großen Zentralbanken (z.B. Europäische Zentralbank, Federal Reserve System) angestrebt. Grundsätzlich ist eine hohe Inflationsrate (z.B. über 5%) schädlich für die Gesellschaft und die Wirtschaft eines Landes. Allgemeine Kursrückgänge könnten folgen.

Dennoch kann in Zeiten hoher Inflationsraten Value Investing geeignet sein, da dadurch generell günstige Qualitätsaktien aufgedeckt werden. Jene Unternehmen verfügen häufig über einen sogenannten Burggraben bzw. Alleinstellungsmerkmal, sodass sie erhöhte Produzentenpreise einfacher (d.h. ohne, dass die Nachfrage signifikant zurückgeht) an ihre Kunden weitergeben können.  

Wie kann ich in Value Aktien investieren?

Der direkte Weg in Value Aktien zu investieren umfasst den direkten Börsenhandel (Direkthandel). Dazu benötigt der Anleger in der Regel ein Wertpapierdepot bei einer Bank oder bei einem Broker. Der Börsenhandel findet meist online zu den gegebenen Börsenöffnungszeiten statt. Der Investor benötigt dazu den jeweiligen Namen, die ISIN oder das Symbol der entsprechenden Aktie. 

Das Investieren in einen aktiven Investmentfonds oder einen passiven ETF beschreibt eher den indirekten Weg eines Value Investings. Hierbei ist für gewöhnlich ein Finanzdienstleister involviert. Beispielsweise werden an der Börse Indexfonds gehandelt, die einen Fokus auf Value Aktien setzen.

Darüber hinaus ist es möglich, im Rahmen eines Optionshandels in Value Aktien zu investieren: Indem ein Anleger beispielsweise eine Put-Option (Basiswert ist eine Value Aktie) verkauft, kann er am Tag des Optionshandels für sich seinen fairen Aktienpreis (Strike-Preis) festlegen und gleichzeitig unmittelbar Einnahmen in Form einer Optionsprämie erhalten.

Beispiele für Value Aktien – Das Warren Buffett Portfolio 2021

Warren Buffett, geboren am 30. August 1930 im US-Bundesstaat Nebraska, gehört zu den bekanntesten und erfolgreichsten Value Investoren weltweit. Er ist CEO der Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway Inc., die mit mehr als 80 Unternehmen aus verschiedenen Branchen verbunden ist. Ihr zentrales Geschäftsfeld ist der Versicherungsdienstleistungsbereich.     

Nicht nur in der Finanzwelt werden die Investitionsentscheidungen von Berkshire Hathaway genau beobachtet und diskutiert, sondern auch in den Medien. Angesichts der Veröffentlichungspflichten gibt die Holdinggesellschaft in ihren SEC Filings (Type 13F) die jeweiligen Unternehmensanteile am Portfolio regelmäßig bekannt. In den Medien wird oftmals vom sogenannten Warren Buffett Portfolio gesprochen, die Zahlen und Daten in der folgenden Tabelle basieren auf den Berichten vom 31.12.2021 (Quelle).

Hinweis: Die folgende Tabelle dient lediglich zur Veranschaulichung, welche Aktien die Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway in der Vergangenheit gekauft hat. Es handelt sich nicht um eine Kaufempfehlung.

Unternehmen Kürzel Branche Gründungsjahr Produktsortiment Anteil am Portfolio
Apple Inc. AAPL Hard- und Softwareentwickler sowie Technologieunternehmen 1976 z.B. Computer (Mac Reihe), iPhone, Streaming-Content-Dienste 47,60%
Bank of America Corporation BAC Banken 1923 z.B. Bankgeschäfte, Kreditgeschäfte, Anlage-, Vermögensverwaltungs-, Finanz- und Risikomanagementprodukte und -dienstleistungen 13,58%
American Express Company AXP Finanzdienstleistungen 1850 insbesondere Kreditkarten 7,50%
Coca-Cola Company KO Getränkeindustrie 1886 alkoholfreie Getränke 7,16%
Occidental Pete Corporation OXY Energiesektor 1920 z.B. Öl und Gas, chemische Erzeugnisse 3,67%
Kraft Heinz Corporation KHC Lebensmittelindustrie 2015 (Fusion) z.B. Soßen wie Ketchup und Mayonnaise, Bohnen, Schokoladenstreusel 3,53%
Moodys Corporation MCO Finanzdienstleistungen (Ratingagentur) 1909 z.B. wirtschaftliche Forschung, Kreditanalyse, Risikomanagement-Software 2,49%
U.S. Bancorp USB Banken 1863 z.B. Bankgeschäfte, Kreditgeschäfte, Anlage-, Vermögensverwaltungs-, Finanz- und Risikomanagementprodukte und -dienstleistungen 2,15%
Chevron Corporation CVX Energiesektor 1879 z.B. Öl, Erdwärme, Gas 1,36%

Im SEC Filing (Form 10-Q) der Berkshire Hathaway Inc. für das abgeschlossene Quartal am 31.03.2022 heißt es (Quelle): 

Approximately 73% of the aggregate fair value was concentrated in four companies (American Express Company – $24.8 billion; Apple Inc. – $161.2 billion; Bank of America Corporation – $46.0 billion and The Coca-Cola Company – $23.7 billion).

Schließlich geht es beim Value Investing auch darum, eine aussichtsreiche Aktie zu identifizieren, die andere Investoren noch nicht gefunden haben. Je mehr Anleger auf die jeweilige Aktie dann aufmerksam werden, desto höher die Überrendite des Investors, der die Aktie „zuerst entdeckt“ hat. Im Gegenzug steigt die Gefahr einer zunehmenden Überbewertung dieser Aktie. Zu den Verlierern gehören tendenziell diejenigen, die sich die überbewertete Aktie ins Depot holen.

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