Jade Lizard – Erklärung & Beispiel
Ein Jade Lizard ist eine Optionsstrategie aus einem Short Put und einem Bear Call Spread. Sie eignet sich bei neutraler bis leicht bullischer Markterwartung, insbesondere bei stark gefallenen Aktien mit hoher impliziter Volatilität. Ziel ist es, eine Prämie zu vereinnahmen, die mindestens der Breite des Bear Call Spreads entspricht.
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Jade Lizard im Überblick
| Steckbrief der Jade Lizard Optionsstrategie | |
|---|---|
| Erwartung | Neutral bis leicht bullisch |
| Erfahrung | Für besonders erfahrene Optionshändler |
| Risikolevel | Abhängig vom Basiswert |
| Volatilität | Abhängig vom Basiswert |
| Zeitwert | Positiv |
| Break-even |
|
| Maximaler Gewinn | Begrenzt auf die erhaltenen Prämien |
| Maximaler Verlust |
|
| Auszahlungsprofil | |
Aufbau der Jade Lizard Optionsstrategie
Die Jade Lizard Strategie wird mit dem folgenden Setup aufgebaut:.
- Schritt 1: Short Put bei Strike A
- Schritt 2: Short Call bei Strike B (über Strike A)
- Schritt 3: Long Call bei Strike C (über Strike B)
| Trade | Anlage | Strike-Preis | Menge |
|---|---|---|---|
| Verkauf | Put-Option | Aus dem Geld (A) | 1 |
| Verkauf | Call-Option | Aus dem Geld (B) | 1 |
| Kauf | Call-Option | Aus dem Geld (C) | 1 |
Wie funktioniert ein Jade Lizard?
Beim Aufbau eines Jade Lizard liegt der Kurs des Basiswerts typischerweise zwischen dem Strike des Short Puts (A) und dem des Short Calls (B). Beide sind also Out of The Money (OTM). Erwartet wird eine geringe Kursbewegung, sodass der Basiswert zur Fälligkeit weiterhin zwischen A und B notiert.
Die Gewinnzone ist breiter als bei einem einfachen Short Put, allerdings wird der Maximalgewinn durch den Bear Call Spread nach oben begrenzt.
Beispiel für einen Jade Lizard
An einem konkreten Beispiel soll nun die Ausführung einer Jade Lizard Strategie in der Praxis erläutert werden.
Angenommen, eine Aktie wird zu einem Kurs von 50 EUR gehandelt. Zunächst wird eine Put-Option mit einem Strike von 48 EUR verkauft. Diese kostet 75 Cent pro Anteil. Bei einem Bezugsverhältnis von 100 Aktien, wie es bei Aktienoptionen üblich ist, beträgt die eingenommene Prämie insgesamt 75 Euro.
Gleichzeitig wird eine Call-Option mit einem Strike von 52 EUR verkauft und eine Call-Option mit einem Strike von 53 EUR gekauft. Die erhaltene Prämie beläuft sich auf 1,25 EUR pro Aktie, also 125 EUR, und die gezahlte Prämie auf 90 Cent bzw. 90 EUR.
Die Gesamteinnahmen betragen somit 1,10 EUR je Aktie beziehungsweise 110 EUR je Standardkontrakt. Die Nettoprämie liegt damit 0,10 EUR je Aktie über der Breite des Bear Call Spreads von 1,00 EUR. Bei Fälligkeit ergibt sich daher auch ab dem Long-Call-Strike von 53 EUR vor Kosten ein Gewinn von 0,10 EUR je Aktie beziehungsweise 10 EUR je Kontrakt.
| Aktion | Anlage | Strike-Preis | Menge | Optionspreis |
|---|---|---|---|---|
| Verkauf | Put-Option | 48 | 1 | + 0,75 EUR |
| Verkauf | Call-Option | 52 | 1 | + 1,25 EUR |
| Kauf | Call-Option | 53 | 1 | − 0,90 EUR |
| Nettoeinnahmen | + 1,10 EUR | |||
Mögliche Ausgangsszenarien
- Liegt der Aktienkurs am Ende der Laufzeit über 53 EUR, entsteht aus dem Bear Call Spread ein Verlust von 1 EUR je Aktie (100 EUR). Nach Abzug der vereinnahmten Prämie bleibt dennoch ein Gewinn von 10 EUR (110 EUR – (Differenz der Strikes 53 und 52 * 100)).
- Befindet sich der Kurs zwischen 48 EUR und 52 EUR, verfallen alle Optionen wertlos und der volle Credit von 110 EUR wird realisiert.
- Fällt der Kurs dagegen auf 46 EUR, ergibt sich nach Abzug der Prämien ein Verlust von 90 EUR ((Differenz Strike 48 und aktueller Kurs 46 * 100) – 110 EUR).
Jade Lizard während der Laufzeit
Delta
Delta beschreibt, wie stark sich der theoretische Wert einer Option bei einer Kursänderung des Basiswerts verändert. Beim Jade Lizard besitzt der Short Put ein positives Delta, der Short Call ein negatives Delta und der Long Call ein positives Delta.
Bei einer typischen Konstruktion mit drei aus dem Geld liegenden Optionen ist die Strategie häufig leicht positiv ausgerichtet. Bewegt sich der Basiswert in Richtung eines Strikes, können sich die einzelnen Delta-Werte erheblich verändern.
Theta
Theta als Sensitivitätskennzahl des Zeitwertes gibt an, um welchen Betrag der Optionspreis fällt, wenn sich die Option dem Verfall einen Tag nähert (ceteris paribus, also unter der Annahme, dass alle weiteren Einflussfaktoren konstant seien). Der Theta-Einfluss dieser Optionsstrategie ist grundsätzlich positiv, weil die Position vom abnehmenden Zeitwert profitiert.
Gamma
Gamma gibt an, wie stark sich das Delta bei einer Kursänderung des Basiswerts verändert. Die beiden verkauften Optionen besitzen aus Sicht der Gesamtposition negatives Gamma, während der gekaufte Call positives Gamma beiträgt. Das Netto-Gamma ergibt sich aus der Summe dieser drei Positionen und kann sich während der Laufzeit verändern.
Besonders in der Nähe der Short-Strikes und kurz vor dem Verfall kann negatives Netto-Gamma dazu führen, dass sich das Delta bei einer ungünstigen Kursbewegung zunehmend gegen die Position entwickelt. Ein fallender Basiswert kann die Position dadurch immer stärker positiv delta machen, während ein steigender Kurs das Delta in Richtung negativ verschieben kann. Die Position sollte daher in Verfallsnähe nicht allein aufgrund ihres positiven Thetas unbeobachtet bleiben.
Vega
Generell kann sich die Strategie für Phasen hoher impliziter Volatilität eignen, weil diese beim Einstieg höhere Prämieneinnahmen ermöglichen kann. Nach Eröffnung hängt die Wirkung einer Änderung der impliziten Volatilitätvom Vega der Gesamtposition ab.
Dieses ergibt sich aus dem Long Call sowie den beiden Short Optionen und verändert sich mit dem Kurs des Basiswerts, der Restlaufzeit und der Lage der Optionen zu ihren Strikes. Befindet sich beispielsweise der Kurs des Basiswerts in der Nähe eines Strikes, kann das Vega der betreffenden Option besonders stark ins Gewicht fallen.
Praxis-Tipp
Einige Optionshändler achten darauf, dass sowohl Strike A als auch Strike B des Jade Lizard jeweils eine Standardabweichung vom aktuellen Kurs des Basiswerts entfernt sind. Die Aussichten auf Erfolg werden dadurch erhöht. Jedoch verringert sich der mögliche Gewinn, je weiter sich die Strikes vom derzeitigen Kurs entfernt liegen.
Auswahl der Strikes im Jade Lizard
Weil ein Jade Lizard bei Basiswerten sinnvoll ist, die zuvor stark gefallen sind und eine entsprechend hohe implizite Volatilität aufweisen, kann es in manchen Fällen lohnen, den Strike des Short Put so zu wählen, dass der Kurs des Basiswerts leicht darunter notiert. Da nun eine Put-Option im Geld (ITM) verkauft würde, fällt die Prämie entsprechend höher aus. Zu beachten ist jedoch, dass die Strategie durch dieses Vorgehen eine wesentlich bullischere Ausrichtung erhält.
Kapitalbedarf und Margin
Der Kapitalbedarf eines Jade Lizard wird in erster Linie durch den Short Put bestimmt. Wird der Short Put ungedeckt in einem Marginkonto geführt, verlangt der Broker eine Sicherheitsleistung. Die erforderliche Margin kann sich während der Laufzeit erhöhen, etwa wenn der Basiswert deutlich fällt und der Short Put an Wert gewinnt.
Alternativ kann der Short Put cash-secured geführt werden. Dabei werden ausreichende liquide Mittel für eine mögliche Übernahme des Basiswerts zum Strike A reserviert. Bei einem üblichen Kontraktmultiplikator von 100 muss grundsätzlich die Übernahme von 100 Aktien je verkauftem Put berücksichtigt werden.
Zuteilungs- und Verfallsrisiken
Bei amerikanischen Optionen können die beiden verkauften Optionen grundsätzlich an jedem Geschäftstag während der Laufzeit zugeteilt werden. Eine vorzeitige Zuteilung ist beim Short Put insbesondere möglich, wenn dieser tief im Geld liegt und nur noch wenig Zeitwert besitzt. Beim Short Call steigt das Risiko unter anderem vor dem Ex-Dividenden-Tag einer Aktie, wenn der innere Wert zuzüglich der erwarteten Dividende den verbleibenden Zeitwert überwiegt.
Wird der Short Put zugeteilt, müssen je Standardkontrakt in der Regel 100 Aktien zum Strike A gekauft werden. Auch die Call-Seite kann operative Risiken verursachen. Notiert der Basiswert bei Fälligkeit zwischen Strike B und Strike C, liegt der Short Call im Geld, während der Long Call aus dem Geld verfällt. Eine Zuteilung des Short Calls kann dann zu einer ungedeckten Short-Aktienposition führen.
Vorteile
Das anfängliche Prämienpotenzial ist ein wesentlicher Vorteil einer Jade Lizard Strategie. Sie kann die bei vielen Aktienindizes beobachtbare Volatilitätsverzerrung (Volatility Skew) nutzen. Aus dem Geld liegende Put-Optionen weisen dort häufig eine höhere implizite Volatilität auf als vergleichbar weit aus dem Geld liegende Call-Optionen. Dies kann die Prämieneinnahme aus dem ungedeckten Short Put erhöhen.
Nachteile
Bei der Jade Lizard Strategie kann, je nach Basiswert, ein hohes Abwärtsrisiko aufgrund des ungedeckten Short Puts bestehen.
Alternativen zum Jade Lizard
Weitere Optionsstrategien, die auf eine moderate Preissteigerung des Basiswerts abzielen, sind ein Call Ratio Spread, Bull Call Spread oder ein Covered Combination. Bei einer neutralen bis bearischen Meinung, können etwa ein Twisted Sister (auch bekannt als Reverse Jade Lizard) oder ein Diagonal Call Spread eingesetzt werden.
Jade Lizard Quiz
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