Future Spread Trading – Definition & Beispiele

Autor: Maik Engelkamp

Ein Future Spread (deutsch: „Terminspread“) ist eine Trading- oder Hedging-Strategie, bei der gleichzeitig eine Long- und eine Short-Position in zwei Futures eingegangen wird. Die Kontrakte können sich auf denselben Basiswert mit unterschiedlichen Fälligkeiten, auf verwandte Märkte oder auf Rohstoff- und Produkt-Futures beziehen. Ziel ist es, von Veränderungen der Preisrelation zu profitieren oder bestimmte Risiken, etwa Terminkurven-, Roll- oder Basisrisiken, gezielter zu steuern.

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Future Spread – Definition

Ein Futures Spread ist eine Terminmarkt-Strategie, bei der gleichzeitig Long– und Short-Positionen in Futures eingegangen werden – typischerweise in unterschiedlichen Fälligkeiten oder auf ökonomisch verwandten Märkten.

Da sich die Positionen teilweise ausgleichen, sind Spreads oft weniger richtungsabhängig als isolierte Positionen und können geringere Marginanforderungen aufweisen. Sie bleiben jedoch gehebelte Geschäfte mit erheblichem Verlustpotenzial.

Hinweis: Echte Arbitrage ist bei Future Spreads die Ausnahme und allenfalls bei kurzfristigen Fehlbewertungen möglich. In der Regel handelt es sich um Relative-Value-Trading: Händler spekulieren auf Konvergenz oder Divergenz der Preisrelation und tragen dabei weiterhin Markt-, Liquiditäts- und Ausführungsrisiken.

Anwendungsmöglichkeiten

Das Ziel eines Futures Spreads besteht darin, relative Bewegungen zwischen Kontrakten auszunutzen oder bestimmte Risiken gezielter zu steuern. Dies findet bspw. Anwendung in

  • Steuerung von Basis-, Roll- und Terminkurvenrisiken: Ein klassischer Futures-Hedge reduziert Preisrisiken, beseitigt aber nicht unbedingt das Basisrisiko, also das Risiko einer Veränderung der Differenz zwischen lokalem Kassapreis und Futurespreis. Futures Spreads können eingesetzt werden, um solche relativen Veränderungen entlang der Terminkurve oder zwischen eng verwandten Märkten gezielter zu steuern.
  • Relative Marktstrategien: Ein Händler kann bspw. Small Caps über Russell-2000-Futures kaufen und gleichzeitig Large Caps über S&P-500-Futures verkaufen, wenn er erwartet, dass Nebenwerte relativ besser abschneiden.
  • Spekulation auf Saisonalität: Viele Futures-Märkte zeigen wiederkehrende Saisonalität, etwa durch Erntezeiten, Lagerkosten, Transportengpässe oder Nachfragezyklen. Händler können versuchen, von einer erwarteten Veränderung der Preisrelation zwischen Kontrakten oder Märkten zu profitieren.

Dies kann entweder durch den Handel mit Futures auf denselben Basiswert mit unterschiedlichen Fälligkeiten (z. B. Juli/November-Sojabohnen) oder mit verwandten Basiswerten bei ähnlicher Fälligkeit (z. B. Long S&P 500 und Short Russell 2000) erfolgen. Beide Positionen werden als zusammengehörige Einheit betrachtet, wobei jede Seite wesentlicher Bestandteil des Gesamtgeschäfts ist.

Hinweis: Es ist auch möglich, komplexere Spread-Strategien umzusetzen, bei denen mehrere Futures-Positionen kombiniert werden. Beispiele sind der Soybean Crush Spread mit Sojabohnen, Sojamehl und Sojaöl sowie der Crude Oil Crack Spread mit Rohöl, Benzin und Heizöl bzw. anderen Destillaten. Diese Strategien werden häufig von professionellen Marktteilnehmern genutzt.

Grundlegende Strategien im Future Spread Trading

Im Futures-Spread-Handel spiegeln die gewählten Positionen in der Regel die Markterwartung des Traders wider. Besonders bei Calendar Spreads gibt es zwei grundlegende Ausrichtungen:

  • Bull Spread: Der Trader kauft typischerweise den näherliegenden Kontrakt und verkauft den weiter entfernten Kontrakt. Er erwartet, dass sich der vordere Kontrakt relativ stärker entwickelt, etwa bei knapper kurzfristiger Verfügbarkeit oder saisonaler Verengung der Terminkurve.
  • Bear Spread: Der Trader verkauft den näherliegenden Kontrakt und kauft den späteren Kontrakt. Er rechnet damit, dass der vordere Kontrakt relativ schwächer wird, etwa bei reichlicher kurzfristiger Verfügbarkeit oder zunehmendem Carry.

Neben diesen Richtungsspreads gibt es weitere Spread-Arten, die je nach Marktsegment, Handelsziel und Erfahrung eingesetzt werden. Einige dieser Strategien werden im nächsten Abschnitt näher erläutert.

Intra-Market Spread (Calendar Spread)

Ein Intra-Market Spread, auch Calendar Spread genannt, bezieht sich auf denselben Basiswert, bei dem Futures-Kontrakte mit unterschiedlichen Fälligkeiten gleichzeitig gekauft und verkauft werden. Eine Motivation hierfür sind Preisbewegungen entlang der Terminkurve, die die Grundlage für mögliche Ertragschancen bieten.

Calendar Spreads werden auch genutzt, um eine Position von einem auslaufenden Kontrakt in einen späteren Liefermonat zu übertragen (dieser Vorgang wird als „Rollen” von Kontrakten bezeichnet).

Beispiel für einen Calendar Spread

Ein Anleger ist im Dezember optimistisch hinsichtlich der kurzfristigen Entwicklung des Weizenmarkts und erwartet, dass sich der vordere Future-Kontrakt relativ besser entwickelt als der spätere. Daher entscheidet er sich für einen bullischen Calendar Spread mit Long Front / Short Back.

  • Kauf eines März-Weizen-Futures zu 526’6
  • Verkauf eines September-Weizen-Futures zu 537’6

Die CBOT-Preisnotation 526’6 bedeutet 526 und 6/8 US-Cent je Scheffel. Die initiale Spread-Differenz beträgt:

526’6 − 537’6 = −11’0

Der März-Kontrakt ist damit 11 Cent günstiger als der September-Kontrakt.

Im März stellt sich heraus, dass sich der Spread wie erwartet verengt hat. Die neue Differenz beträgt nur noch −8’0. Der Händler schließt nun seine Positionen (verkauft März, kauft September) und erzielt dadurch eine Spread-Veränderung von:

−8’0 − (−11’0) = +3’0

Das entspricht einem Gewinn von 3 Cent pro Scheffel. Da ein Weizen-Futures-Kontrakt 5.000 Scheffel umfasst, ergibt sich ein Gesamtgewinn von:

3 Cent × 5.000 Scheffel = 150 USD Gewinn

Gebühren, Slippage, Steuern und mögliche Finanzierungseffekte sind in diesem vereinfachten Beispiel nicht berücksichtigt. Zudem müssen Futures-Positionen vor relevanten Liefer- oder Notice-Terminen aktiv überwacht, geschlossen oder gerollt werden.

Inter-Commodity Spread

Ein Inter-Commodity Spread ist eine Futures-Strategie, bei der gleichzeitig zwei unterschiedliche, aber verwandte Märkte gehandelt werden – häufig mit gleichem oder vergleichbarem Kontraktmonat. Relative Preisverschiebungen zwischen den beiden Märkten werden gezielt genutzt, um daraus einen Vorteil zu ziehen.

Ob zwei Märkte als „verwandt“ gelten, hängt einerseits von einer historischen Korrelation ab. Andererseits spielen auch ökonomische Zusammenhänge eine Rolle, wie beispielsweise gemeinsame Nachfragefaktoren, Substituierbarkeit, Produktions- oder Verarbeitungsbeziehungen, Saisonalität, Lager- und Transportkosten, Liquidität sowie passende Kontraktgrößen.

Beispiel für einen Inter-Commodity Spread

Mais und Weizen sind zwei Getreidesorten, die teilweise ähnlichen Einflussfaktoren unterliegen, etwa Wetter, Erntezyklen, Exportnachfrage und Futtermittelmärkte. Gleichzeitig können sich ihre Preise je nach Angebotslage und Nachfrage unterschiedlich entwickeln.

Ein Händler, der erwartet, dass Weizen künftig relativ stärker gefragt ist als Mais, könnte folgende Spread-Position eingehen:

Dieser Spread ist profitabel, wenn sich der Weizenpreis stärker entwickelt als der Maispreis – unabhängig davon, ob beide Preise absolut steigen oder fallen.

Product Spread (Verarbeitungsspread)

Ein Product Spread ist eine eigene Kategorie von Futures Spreads, bei der Rohstoffe und daraus hergestellte Produkte kombiniert werden. Im Fokus steht die Veränderung einer Verarbeitungs- oder Raffineriemarge, also der Preisrelation zwischen Ausgangsrohstoff und Endprodukten.

Beispiel für einen Product Spread

Ein klassischer Product Spread ist der Soybean Crush Spread. Er bildet die Verarbeitung von Sojabohnen zu Sojamehl und Sojaöl ab. Eine häufige Futures-Darstellung des klassischen Crush besteht aus:

  • Long: Kauf von Sojabohnen-Futures
  • Short: Verkauf von Sojamehl- und Sojaöl-Futures

Aus Sicht eines Verarbeiters kann damit die Marge zwischen dem Einkauf der Rohware und dem Verkauf der Produkte abgesichert werden. Wer dagegen auf eine steigende Verarbeitungsspanne spekuliert, kann die Gegenposition eingehen. Diese wird häufig als Reverse Crush bezeichnet:

  • Short: Verkauf von Sojabohnen-Futures
  • Long: Kauf von Sojamehl- und Sojaöl-Futures

Je nach Positionierung profitiert der Händler also entweder von einer Ausweitung oder von einer Verengung der Verarbeitungsmarge.

Product Spreads werden häufig von professionellen Marktteilnehmern eingesetzt, bspw. in der Landwirtschaft, im Energiesektor oder in der Industrie. Im Energiemarkt ist der Crack Spread ein bekanntes Beispiel: Er beschreibt die theoretische Raffineriemarge zwischen Rohöl und raffinierten Produkten wie Benzin oder Heizöl.

Übersicht typischer Future Spread Strategien

Begriff Definition
Intra-Market Spread (Calendar Spread) Spread zwischen zwei Futures auf denselben Basiswert, jedoch mit unterschiedlicher Fälligkeit (z. B. März- vs. September-Weizen).
Inter-Commodity Spread Spread zwischen zwei unterschiedlichen, aber ökonomisch verbundenen Märkten oder Rohstoffen (z. B. Mais vs. Weizen).
Product Spread Spread zwischen einem Rohstoff und dessen verarbeiteten Produkten (z. B. Sojabohnen, Sojamehl und Sojaöl im Soybean Crush Spread).
Crack Spread Spezielle Form des Product Spreads im Energiemarkt. Er bildet die theoretische Raffineriemarge zwischen Rohöl und raffinierten Produkten wie Benzin oder Heizöl ab.
Yield-Curve Spread Spread zwischen Anleihe- oder Zinsfutures unterschiedlicher Laufzeiten, z. B. 2-Year vs. 10-Year Treasury Futures oder Euro-Bobl vs. Euro-Bund.
Bull Spread Spread-Strategie, bei der im Calendar Spread typischerweise der nahegelegene Kontrakt gekauft und der weiter entfernte verkauft wird.
Bear Spread Spread-Strategie, bei der im Calendar Spread typischerweise der nahegelegene Kontrakt verkauft und der spätere gekauft wird.

Auswirkung von Future Spreads auf die Margin

Einer der möglichen Vorteile von Future Spreads ist ein geringerer Kapitalbedarf im Vergleich zu isolierten Long- oder Short-Positionen. Der Grund: Die beiden Positionen im Spread können das Gesamtrisiko teilweise mindern, da sich bestimmte Marktrisiken gegenseitig ausgleichen.

Deshalb bieten Clearinghäuser wie die CME Group sogenannte Margin-Offsets an. Es muss dann nicht die volle Sicherheitsleistung für beide Kontrakte separat hinterlegt werden, sondern eine reduzierte Margin, sofern der Spread den Vorgaben des Clearings und des Brokers entspricht.

Wichtig zu beachten:

  • Margin ist eine Sicherheitsleistung für offene Futures-Positionen.
  • In der Regel führen nur anerkannte Spread-Ratios (z. B. 1:1 oder 2:1) zu Margin-Offsets.
  • Broker können höhere Anforderungen stellen als das Clearinghaus.
  • Spreads, die nicht clearingkonform aufgebaut sind, können ganz oder teilweise wie getrennte Einzelpositionen marginiert werden.
  • Die tatsächlichen Margin-Sätze und Offset-Regeln können sich ändern, insbesondere bei steigender Volatilität oder geänderten Clearingvorgaben.

Beispiel: Future Spread auf Aktienindizes

Ein Händler erwartet, dass Small Caps (Russell 2000) besser abschneiden als Large Caps (S&P 500). Er geht daher long im Russell 2000 und short im S&P 500, indem er Micro E-Mini Futures nutzt.

Da die Kontrakte unterschiedliche Indexstände, Multiplikatoren und Risikoprofile haben, kann die Position nicht im Verhältnis 1:1 umgesetzt werden. Häufig wird ein angepasstes Verhältnis verwendet, z. B. 2:1, um die gewünschte Dollar- oder Risikoexponierung näherungsweise zu erreichen.

Kontrakt Beispielhafte Position Funktion im Spread
Micro E-mini Russell 2000 2 Long Long-Exposure auf Small Caps
Micro E-mini S&P 500 1 Short Short-Exposure auf Large Caps
Spread-Ziel 2:1 als beispielhaftes Verhältnis Annäherung an die gewünschte relative Marktmeinung

Wenn Clearinghaus und Broker den Spread als anerkannten Spread einstufen, kann die erforderliche Margin deutlich unter der Summe der beiden Einzelpositionen liegen. Ein angenommener Margin-Offset von 80 % bedeutet rechnerisch, dass nur 20 % der offsetfähigen Bruttomargin hinterlegt werden müssen.

Der geringere Marginbedarf macht den Kapitaleinsatz effizienter, reduziert aber nicht das Verlustrisiko. Auch bei Spread-Positionen können beide Legs ungünstig laufen, Liquiditätsrisiken entstehen oder Nachschüsse erforderlich werden.

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