Saisonalität (Börse) – Erklärung & Bedeutung

Autor: Armin Hecktor Inhaltlich geprüft von: Philipp Berger

Unter Saisonalität (englisch: Seasonality) wird grundsätzlich ein Charakteristika einer Zeitreihe von Wertpapieren oder Indizes verstanden, bei der die zugrundeliegenden Kurse regelmäßige Muster erkennen lassen, die sich i.d.R. in jedem Kalenderjahr wiederholen. Saisonalitäten können beim Handel mit Aktien oder Futures in die strategische Entscheidungsfindung einfließen, indem sie die Wahrscheinlichkeit eines profitablen Geschäftes erhöhen.

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Saisonalität – Was ist das?

Saisonalität ist im Allgemeinen ein Merkmal einer Zeitreihe von Wertpapieren oder Indizes, bei dem die zugrunde liegenden Kurse regelmäßige Muster aufweisen. Dementsprechend wird jede vorhersehbare Schwankung oder jedes vorhersehbare Muster, das sich über einen Zeitraum von einem Jahr wiederholt, als saisonal bezeichnet.

Saisonale Effekte unterscheiden sich von zyklischen Effekten, da saisonale Effekte innerhalb eines Kalenderjahres zu beobachten sind, während zyklische Effekte, wie z. B. ein Anstieg der Konsumausgaben aufgrund niedriger Arbeitslosenquoten, Zeiträume umfassen können, die kürzer oder länger als ein Kalenderjahr sind.

Saisonalitäten finden sich sowohl in Aktienindizes wie DAX und Nasdaq als auch in Warenterminkontrakten, z.B. im Energie- oder Agrarbereich.

Kurz: Auf Basis der Saisonalität lassen sich Kauf- und Verkaufsentscheidungen an der Börse treffen, je nach dem in welcher Phase des saisonalen Zyklus sich der Markt befindet.

Bedeutung

Saisonalität bezieht sich auf periodische Schwankungen in bestimmten Geschäftsbereichen und Zyklen, die regelmäßig in Abhängigkeit von einer bestimmten Jahreszeit auftreten. Eine Saison kann sich dabei auf eine kalendarische Jahreszeit wie Sommer oder Winter, aber auch auf eine kommerzielle Saison wie die Urlaubssaison beziehen.

Unternehmen, die die Saisonabhängigkeit ihrer Geschäfte kennen, können Lagerbestände, Personalbedarf und andere Entscheidungen relativ präzise vorhersagen sowie zeitlich so abstimmen, dass sie mit der erwarteten Saisonalität der damit verbundenen Geschäftsaktivitäten übereinstimmen, wodurch die Kosten gesenkt und die Einnahmen erhöht werden können.

Die Saisonabhängigkeit muss auch bei der Betrachtung bestimmter Rohstoffe berücksichtigt werden. So kann beispielsweise die Ernte landwirtschaftlicher Produkte von verschiedenen saisonalen Faktoren wie Wetter und Jahreszeit beeinflusst werden. Investoren erhalten einen umfassenderen Überblick über die zu erwartende Entwicklung der Rohstoffpreise, wenn sie ihre Analysen an diese Faktoren anpassen. Würde man diese Saisonabhängigkeit nicht berücksichtigen, könnte es wie im obigen Fall zu Fehlentscheidungen hinsichtlich der Eröffnung oder Schließung von Futures-Positionen kommen.

Saisonalität bei Aktien

Für Anleger kann es wichtig sein, die Auswirkungen der Saisonalität bei der Analyse von Aktien zu berücksichtigen, da sie einen großen Einfluss auf die Performance des gesamten Portfolios eines Anlegers haben kann.

Saisonale Unternehmensgewinne

Ein Unternehmen, das in bestimmten Jahreszeiten höhere Umsätze verzeichnen kann als in anderen, kann in der Hochsaison erhebliche Gewinne generieren, während sich in der Nebensaison erhebliche Verluste einstellen können. Finden diese saisonalen Schwankungen innerhalb des Geschäftszyklus eines Unternehmens keine Berücksichtigung, kann es auf Basis der Momentaufnahme der Geschäftsaktivitäten zu Fehlentscheidungen hinsichtlich Käufen oder Verkäufen der Aktie kommen.

Sell in May and Go Away

Eine bekannte saisonale Handelsregel für Aktien lautet „Sell in May and Go Away“, da dieses Muster nach Halloween auftritt, das jedes Jahr am 31. Oktober in den USA gefeiert wird. Sie schlägt vor, Aktien im Mai zu verkaufen und November wieder zu kaufen. Diese Strategie basiert auf historischen Daten, die zeigen, dass der Aktienmarkt in den Sommermonaten eher schlecht abschneidet.

Eine Rolle spielen dabei saisonale Faktoren wie Bonuszahlungen zum Jahresende und die so genannte „Santa Rally“ bzw. Weihnachtsrally, d.h. die Tendenz der Aktienmärkte, in den letzten Wochen des Dezembers und in den ersten Monaten des neuen Jahres zu steigen. Zu den Theorien, die hinter dieser Entwicklung stehen, gehören das verstärkte Weihnachtsgeschäft, der durch die Feiertage geschürte Optimismus und die gute Stimmung sowie die Tatsache, dass die Anleger vor den Feiertagen ihre Konten auffüllen.

Im Gegensatz dazu ist der Zeitraum von Mai bis Oktober tendenziell weniger optimistisch, da die Ergebnisse des ersten Quartals bereits vorliegen und viele Anleger aufgrund der Sommerferien weniger Zeit haben, sich mit Aktien zu beschäftigen. Außerdem tendiert der Aktienmarkt in US-Wahljahren im September und Oktober aufgrund der Ungewissheit über den Wahlausgang zu einer Schwächephase.

Beispiele für Saisonalität an der Börse

Es gibt viele Bereiche, in denen Saisonalität beobachtet werden kann, da sie in der Regel mit dem Wechsel der Jahreszeiten einhergeht. Nachfolgend werden einige Beispiele für Saisonalitäten betrachtet:

Aktienindizes am Beispiel des DAX

Wenn sich bei Unternehmen saisonale Abhängigkeiten ableiten lassen, dann muss das im Umkehrschluss auch bei Aktienmärkten bzw. den entsprechenden Aktienindizes möglich sein. Bspw. lässt sich beim deutschen Leitindex DAX eine recht signifikante Saisonalität in der zweiten Jahreshälfte erkennen.

Saisonalität beim Dax Index
Saisonalität beim Dax Index

Während der Indexstand in den Sommermonaten (Urlaubssaison) in den vergangenen Jahren deutlich rückläufig war und in den Monaten September und Oktober seinen Tiefststand erreicht hat, kam es in den darauffolgenden Wintermonaten zu starken Kursanstiegen. Dieses Phänomen lässt sich auch bei anderen internationalen Aktienindizes wie bspw. dem S&P 500 identifizieren und prägt maßgeblich den Börsenbegriff „Jahresendrally“.

Energiemärkten: Öl- und Gaspreise

Menschen, die in Regionen mit kalten Wintern und heißen Sommern leben, beobachten, wie ihre Heizkosten im Winter stark steigen, während sie im Sommer signifikant sinken. Entsprechend gehen diese Menschen davon aus, dass sich die Saisonalität ihrer Heizkosten jedes Jahr zur gleichen Zeit wiederholt. Das wirkt sich wiederum auf die Preisentwicklung von Heizöl und Erdgas aus.

Saisonalität beim Öl & Erdgas
Saisonalität beim Öl & Erdgas

In Erwartung der wiederkehrenden Kälte in den Wintermonaten werden die Heizöltanks im Spätsommer bzw. Herbst befüllt. Aufgrund der erhöhten Nachfrage erreichen die Preise in dieser Jahreszeit ihre Peaks (der Preisanstieg beginnt bereits im Sommer mit der Urlaubssaison).

Agrarmärkten: Maispreise

Insbesondere bei Agrarprodukten lassen sich Saisonalitäten erkennen, da diese im besonderen Maße vom Wetter und den Jahreszeiten abhängig sind. Bspw. steigen die Maispreise im Frühjahr bis in den Frühsommer an, während sie im Herbst und Winter ihre Tiefststände erreichen. Die Preisentwicklung hängt unter anderem mit der Erntezeit zusammen, die bei Mais von September bis November reichen kann. Entsprechend groß ist das Angebot in dieser Jahreszeit.

Die Liste würde sich für sämtliche Agrarprodukte wie Weizen, Magerschwein, Kaffee usw. fortführen lassen. In jedem dieser Märkte würde sich eine Saisonalität feststellen lassen, abhängig von der Jahres- und Erntezeit. Allerdings kann es hierbei aufgrund von unvorhersehbaren Witterungsbedingungen oder sonstigen externen Einflüssen wie Krankheiten zu vereinzelten Abweichungen kommen.

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