Konjunkturindikatoren – Definition & Beispiele

Autorin: - Inhaltlich geprüft von: Philipp Berger

Konjunkturindikatoren, auch bekannt als “volkswirtschaftliche Indikatoren” oder “makroökonomische Kennzahlen” und im Englischen “economic indicators” stellen Messgrößen für die Wirtschaftsentwicklung bzw. Wirtschaftsaktivität eines Landes dar. Mithilfe ihrer Daten, Zahlen- und Vergleichswerte geben sie Hinweise auf das (künftige) Wirtschaftsgeschehen. Zahlreiche Akteure weltweit verwenden Konjunkturindikatoren als Grundlage für ihr wirtschaftliches Handeln. Auch Anleger beobachten die aktuellen Ergebnisse im Rahmen ihrer Investitionsentscheidungen.

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Konjunkturindikatoren – Definition

Konjunkturindikatoren geben Hinweise zur wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes und werden regelmäßig (d.h. jährlich, vierteljährlich, monatlich oder wöchentlich) vorwiegend von staatlichen Behörden (z.B. Statistisches Bundesamt oder U.S. Bureau of Labor Statistics) ermittelt und veröffentlicht. 

Sie können zur Prognose, Beschreibung und Analyse der Konjunktur einer Volkswirtschaft genutzt werden, indem die Zahlenwerte über die Zeit hinweg, bestenfalls von unterschiedlichen Indikatoren, miteinander verglichen werden. 

Obwohl kein Indikator die Zukunft genau vorhersagen kann und es immer wieder zu unerwarteten exogenen Schocks (z.B. Naturkatastrophen oder Pandemien) kommen kann, helfen sie dabei, das (kommende) Wirtschaftsgeschehen genauer zu verstehen. Wie Politiker sowie Finanzmarktakteure diese Indikatoren genauer nutzen können, wird weiter unten beschrieben.

Exkurs: Phasen eines Konjunkturzyklus

Zusammenfassend beschreibt die Konjunktur die gesamtwirtschaftliche Lage eines Landes, einschließlich der aktuellen Auf- bzw. Abschwünge. Für gewöhnlich ergibt sich daraus ein langfristiger positiver Trend.

Klassische Phasen eines Konjunkturzyklus
Klassische Phasen eines Konjunkturzyklus

Die vier klassischen Phasen eines Konjunkturzyklus sind:

  • Aufschwung (Expansion) 
  • Hochkonjunktur (Boom)  
  • Abschwung (Rezession, Stagnation)
  • Konjunkturtief (Depression) 

Arten von Konjunkturindikatoren

In der Regel wird zwischen drei Arten von Konjunkturindikatoren unterschieden, die in der folgenden Abbildung dargestellt werden.

Drei Arten von Konjunkturindikatoren mit Beispielen

1. Frühindikatoren

Frühindikatoren sagen die künftige Lage (meistens in den kommenden sechs Monaten) eines Landes voraus und basieren häufig auf Einschätzungen/Erwartungen von Geschäftsführern bzw. Managern sowie wirtschaftlichen Experten. Mithilfe dieser Indikatoren können wirtschaftliche Trendänderungen (d.h. ein Wendepunkt in der Konjunktur) vorzeitig identifiziert werden. 

Ferner werden Frühindikatoren von vielen Analysten verwendet, um Präsenz- sowie Spätindikatoren vorherzusagen. Diese werden im Folgenden erklärt.     

2. Präsenzindikatoren

Präsenzindikatoren beschreiben die aktuelle wirtschaftliche Situation eines Landes, die während eines Trends auftreten können. Als wichtigste (gleichlaufende) Kennzahl gilt das Bruttoinlandsprodukt (BIP), das häufig als Maß des materiellen Wohlstands einer Volkswirtschaft interpretiert wird.

3. Spätindikatoren

Im Unterschied beschreiben Spätindikatoren die Wirtschaft in der Vergangenheit. Solche (nachlaufenden) Kennzahlen treten nach dem Trend auf und können daher prüfen, ob Frühindikatoren richtig lagen. Beispielsweise folgt auf ein rückläufiges Bruttoinlandsprodukt (Präsenzindikator) tendenziell eine höhere Arbeitslosenquote (Spätindikator). Allerdings ist die Einteilung einzelner Konjunkturindikatoren nicht immer eindeutig. 

Verschiedene Konjunkturindikatoren im Überblick

Die folgende Tabelle soll vereinfacht einen Überblick zu den verschiedenen zentralen Konjunkturindikatoren verschaffen. 

Konjunkturindikator Kurze Beschreibung Art Zuständig für die Veröffentlichung Häufigkeit der Veröffentlichung Besonderheit
Purchasing Managers Index (PMI) Einschätzungen zu wichtigen Geschäftskennzahlen unter Einkaufsmanagern Konjunktur-frühindikator Institute for Supply Management (ISM) in USA Monatlich Erwartungen von Einkaufsmanagern in den USA
ZEW-Index Einschätzungen zu wichtigen Finanzkennzahlen unter Finanzexperten Konjunktur-frühindikator Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Monatlich Erwartungen von Finanzexperten
ifo-Geschäftsklimaindex Einschätzungen zur Geschäftslage unter Geschäftsführern Konjunktur-frühindikator ifo Institut Monatlich Erwartungen von Geschäftsführern
Zinsstrukturkurve Beschreibung des Zinsverlaufs von festverzinslichen Wertpapieren Konjunktur-frühindikator

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Zinsniveau spiegelt die Erwartungen von Finanzmarktteilnehmern wider
Producer Price Index Durchschnittliche Veränderung der Preise, die inländische Hersteller für ihre Produktion zahlen Präsenzindikator U.S. Bureau of Labor Statistics (BLS) in den USA  Monatlich Hinweis auf Inflationsentwicklungen 
Retail Sales  Einzelhandelsumsätze, messen die aktuellen Konsumausgaben  Präsenzindikator U.S. Census Bureau in den USA,

Statistisches Bundesamt in Deutschland

Monatlich Bestandteil des Bruttoinlandsproduktes
Handelsbilanz Nettoexporte (Differenz zwischen Warenexporten und -importen)  Präsenzindikator U.S. Census Bureau in den USA,

Statistisches Bundesamt in Deutschland

Monatlich Bestandteil des Bruttoinlandsproduktes
Bruttoinlandsprodukt (BIP) Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen, die in einem Land produziert werden Präsenzindikator Bureau of Economic Analysis in den USA,

Statistisches Bundesamt in Deutschland

Vierteljährlich Zentraler Indikator zur Bestimmung der Wohlfahrt eines Landes
Initial Jobless Claims Anzahl der US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe Präsenzindikator U.S. Department of Labor in den USA Wöchentlich Zeitnaher Hinweis auf die Beschäftigungssituation
Non-Farm Payrolls Anzahl der Arbeitnehmer außerhalb der Landwirtschaft Spätindikator U.S. Bureau of Labor Statistics (BLS) in den USA Wöchentlich Hinweis auf die Beschäftigungssituation
Arbeitslosenquote (siehe auch US-Arbeitsmarktdaten) Anzahl der Personen, die keine Arbeit haben, in den letzten 4 Wochen aktiv nach Arbeit gesucht haben und derzeit für eine Arbeit zu Verfügung stehen relativ zu den Erwerbspersonen  Spätindikator U.S. Bureau of Labor Statistics (BLS) in den USA, Statistisches Bundesamt in Deutschland Monatlich Hinweise auf die Wirtschaftslage
Consumer Price Index Durchschnittliche Preisentwicklung aller Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte für Konsumzwecke kaufen Spätindikator U.S. Bureau of Labor Statistics (BLS) in den USA, Statistisches Bundesamt in Deutschland Monatlich Messung der Inflation
Big-Mac-Index (siehe Kaufkraftparität) Einschätzung des langfristigen Trends von Wechselkursen Spätindikator The Economist Monatlich Hinweis auf die Kaufkraft einer Währung

In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass die Tabelle nicht alle Konjunkturindikatoren umfasst, nicht alle Informationen beinhaltet und Einordnungen lediglich schätzungsweise entsprechen. Sie soll zur Abgrenzung der zahlreichen Konjunkturindikatoren dienen. Der umfassendste Konjunkturindikator wird im Beispiel weiter unten erklärt. 

Konjunkturberichte

Wichtige Konjunkturberichte der US-amerikanischen Zentralbank Federal Reserve System (Fed), die u.a. die einzelnen Konjunkturindikatoren untersuchen und miteinander vergleichen, sind das Beige Book und das FOMC-Sitzungsprotokoll

Weiterhin gehört der US-Arbeitsmarktbericht, eine Zusammenfassung der aktuellen Beschäftigungssituation in der USA, zu den weltweit meist beobachteten Konjunkturberichten.   

Vorteile und Nachteile der Konjunkturindikatoren

Jeder Konjunkturindikator für sich enthält Informationen, die in den jeweils anderen Indikatoren nicht enthalten sind. Insofern sollten für die Analyse der Konjunktur eines Landes mehrere Indikatoren gleichzeitig im Rahmen einer Gesamtschau hinzugezogen werden. Im Folgenden soll auf allgemeine Vor- und Nachteile von Indikatoren aufmerksam gemacht werden:

Manche Konjunkturindikatoren (ZEW-Index, Retail Sales) betrachten die Aktivitätsentwicklung u.a. explizit in bestimmten Industrien und sind daher besonders gut für die Analyse einzelner Industriesektoren geeignet. Dagegen fokussieren sich andere Indikatoren  (z.B. Bruttoinlandsprodukt oder Beige Book) auch auf geografische Regionen.

Die Anzahl der Veröffentlichungen innerhalb eines Jahres kann stark voneinander abweichen. So werden beispielsweise Daten zu Initial Jobless Claims wöchentlich veröffentlicht, während die Daten zum Bruttoinlandsprodukt lediglich vierteljährlich bekannt gegeben werden. Daher eignen sich die Konjunkturindikatoren, deren Ergebnisse häufiger veröffentlicht werden, eher für Einschätzungen in Echtzeit.  

Ferner werden einzelne Konjunkturindikatoren bereits unterschiedlich lang (bspw. Retail Sales des U.S. Census Bureau seit 1952 und der ifo-Geschäftsklimaindex seit 1972) erfasst. Dabei gilt grundsätzlich: Längere Zeitreihen eines Konjunkturindikators führen zu umfangreicheren Langzeitvergleichen, wodurch tendenziell die Zuverlässigkeit des Indikators ansteigt.   

Im Unterschied zu Präsenz- und insbesondere Spätindikatoren erweisen sich Frühindikatoren als möglicherweise passenderes Instrument, um Güter- und Finanzmärkte in der Zukunft einzuschätzen, da diese häufig auf (subjektive) Erwartungen von Experten basieren.

Interpretation und Bedeutung

Bedeutung der Konjunkturindikatoren für die Volkswirtschaft

Konjunkturindikatoren dienen zur Messung der Wirtschaftsaktivität innerhalb eines Landes und können damit auch den gegenwärtigen materiellen Wohlstand (Momentaufnahme) beschreiben.

Konjunkturindikatoren helfen zu verstehen, wo sich ein Land wirtschaftlich befindet und wohin es künftig gehen wird.

Ferner können Indikatoren Angaben zum Konsum, zu Löhnen, sowie zur Beschäftigung und Arbeitslosigkeit geben, die grundsätzlich sowohl für Unternehmen als auch für private Haushalte relevant sein können. In der Summe stellen positive Ergebnisse aus den verschiedenen Konjunkturindikator-Statistiken gute Nachrichten für die breite Gesellschaft eines Landes dar.

Schließlich können einige Konjunkturindikatoren (z.B. Erzeugerpreisindex und Verbraucherpreisindex) aufschlussreiche Informationen zur Preisentwicklung in einem Land geben. Dazu gehören Preise, die Verbraucher zahlen sowie Preise, die Unternehmen für beispielsweise Rohstoffe zahlen. Diese Entwicklung betrifft letztlich jeden Einzelnen, der gegebenenfalls sein Konsumverhalten daraufhin anpasst.   

Bedeutung für die Politik

Sowohl Regierungen als auch Zentralbanken nutzen eine Reihe von Konjunkturindikatoren für die Gestaltung ihrer Politik. Wenn die Mehrheit der Konjunkturindikatoren auf eine konjunkturelle Verschlechterung in einem Land deutet, kann die Fiskal- und Geldpolitik wie folgt reagieren, um letztlich einem (möglichen) Konjunkturabschwung entgegenzuwirken:

  • Expansive Fiskalpolitik der Regierung – z.B. Senkung der Unternehmenssteuer, Senkung der Mehrwertsteuer, Einmalzahlungen, Erhöhung staatlicher Investitionen
  • Expansive Geldpolitik der Zentralbank – z.B. Senkung des Leitzinssatzes, Ankauf von Staats- und Unternehmensanleihen (umschrieben als “Quantitative Easing”)

In diesem Rahmen hat die US-amerikanische Zentralbank Federal Reserve System (Fed) ein besonderes Interesse an den aktuellen Arbeitsmarktdaten, da ihre beiden geldpolitischen Ziele in der Förderung von Preisniveaustabilität sowie Vollbeschäftigung liegen.

Auswirkungen auf Finanzmärkte

Anlegerverhalten

Konjunkturindikatoren können einen großen Einfluss auf die Finanzmärkte haben. Daher ist es für einen Anleger ratsam, die verschiedenen Konjunkturindikatoren einschließlich ihrer Veröffentlichungstermine zu kennen und diese auch interpretieren zu können.

Hinweis: Das Interesse an Konjunkturindikatoren bei Anlegern ist groß: Rückläufige Ergebnisse tragen tendenziell zur Zurückhaltung der Anleger bei. Dagegen können positive Ergebnisse Investitionsentscheidungen bekräftigen.

Dabei spielen Frühindikatoren (z.B. ZEW-Index oder der Purchasing Managers Index) eine besondere Rolle, da sie möglicherweise Hinweise über künftige Wertpapierpreisentwicklungen (z.B. von Aktien oder Optionen) geben können. Idealerweise sollten für Investitionsentscheidungen mehrere Wirtschafts(früh)indikatoren gleichzeitig berücksichtigt werden.

Einfluss auf den Euro-Dollar-Wechselkurs

Die Veröffentlichung von Konjunkturindikatoren kann den Dollarkurs, der durch die Nachfrage nach und das Angebot an Dollar auf den Devisenmärkten bestimmt wird, beeinflussen. 

Wenn z.B. die Mehrheit der Konjunkturindikatoren für die USA unerwartet stark positiv ausfällt, dann kann dies zu einer Aufwertung des Dollars (im Umkehrschluss: Abwertung des Euro) führen. Dagegen dürften unerwartet schlechte Ergebnisse aus Konjunkturindikator-Berichten bzgl. der USA den Dollarwert tendenziell negativ beeinflussen (d.h. Dollarkurs sinkt und der Euro wertet auf).

Volatilität an der Börse

Das Wirtschaftsforschungsinstitut ZEW stellt in einer Veröffentlichung den Einfluss wirtschaftlicher Frühindikatoren auf die Finanzmärkte prägnant dar:

“Frühindikatoren für die Konjunkturlage spielen für die Finanzmärkte eine entscheidende Rolle. Sie haben sowohl auf die Aktien- und Wechselkurse, als auch auf die Zinsentwicklung einen nicht unerheblichen Einfluss, indem sie die Erwartungen der Marktteilnehmer mitbestimmen. Da die Veröffentlichung der tatsächlichen Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt eines Landes nur mit einer erheblichen Zeitverzögerung geschieht, werden Frühindikatoren auf den Kapitalmärkten viel beachtet.”

Vor diesem Hintergrund werden die Veröffentlichungstermine der aktuellen Konjunkturindikator-Statistiken häufig mit volatileren Kursen an den Finanzmärkten in Verbindung gebracht. 

Konjunkturindikatoren und Volatilität

Beispiel eines Konjunkturindikators

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gilt als umfassendster Indikator für die Wirtschaftsleistung und das Wachstum eines Landes. Zudem wird er häufig zur Messung der Wohlfahrt eines Landes verwendet.

Die folgende Weltkarte des International Monetary Fund (IMF) stellt die BIP-Wachstumsraten einzelner Länder für das Jahr 2021 dar:

BIP-Wachstumsraten einzelner Länder im Jahr 2021
BIP-Wachstumsraten einzelner Länder im Jahr 2021

Die BIP-Wachstumsrate (prozentualer Anstieg des BIP) spiegelt den Konjunkturverlauf eines Landes wider. Eine negative Wachstumsrate bedeutet eine schrumpfende Wirtschaft, was eine Rezession signalisieren kann. Hingegen ist eine positive Wachstumsrate mit einer expandierenden Wirtschaft (Aufschwung) verbunden.

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