ZEW-Index – Erklärung & Berechnung
Der ZEW-Index (ZEW-Konjunkturerwartungen) ist ein monatlicher Stimmungsindikator des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), der den Saldo der Erwartungen von Finanzmarktexperten zur deutschen Wirtschaft in den kommenden sechs Monaten misst. Ergänzend publiziert das ZEW einen Lageindikator zur aktuellen Konjunktursituation. Beide Werte gelten als vielbeachtete Frühindikatoren für konjunkturelle Wendepunkte.
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ZEW-Index – Definition
Der ZEW-Index spiegelt die Konjunkturerwartungen der im ZEW-Finanzmarkttest befragten Finanzexperten für die kommenden sechs Monate wider. Zusätzlich weist ZEW einen Lageindikator zur aktuellen Situation aus.
Zusammen mit dem ifo-Geschäftsklimaindex gehört der ZEW-Index zu den wichtigsten Konjunkturfrühindikatoren in Deutschland.
ZEW-Index Termine 2026
Der ZEW-Index wird jeden Monat um 11:05 Uhr deutscher Zeit (MEZ) veröffentlicht.
ZEW-Index – Termine 2026
ZEW-Konjunkturerwartungen und Chart
Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland werden von Anlegern besonders beobachtet, da sie als wichtiger Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland gelten. Der langfristige Mittelwert des ZEW-Index liegt bei rund 21,5 Punkten.
- Ein gegenwärtiger ZEW-Index-Wert von deutlich über dem langfristigen Mittelwert kann darauf hindeuten, dass die meisten Experten von einer konjunkturellen Verbesserung ausgehen.
- Dagegen kann ein ZEW-Index-Wert von deutlich unter dem langfristigen Mittelwert oder ein negativer Wert auf überwiegend pessimistische Erwartungen hindeuten.
Die folgende Grafik stellt die ZEW-Konjunkturerwartungen Deutschlands im Zeitverlauf dar. (Quelle: ZEW)
ZEW-Lageindikator und Einordnung
Der ZEW-Lageindikator für Deutschland bildet die Einschätzung der befragten Finanzmarktexperten zur aktuellen konjunkturellen Situation ab.
- Ein Wert über 0 bedeutet, dass die aktuelle Lage überwiegend positiv eingeschätzt wird.
- Ein Wert unter 0 deutet dagegen auf eine überwiegend negative Lageeinschätzung hin.
Die folgende Grafik stellt den ZEW-Lageindikator Deutschlands im Zeitverlauf dar. (Quelle: ZEW)
Erstellung des ZEW-Indexes
Befragung
Der ZEW-Index wird seit 1991 monatlich neu berechnet und basiert auf bis zu 300 Meldungen von Experten bzw. Analysten aus Banken, Versicherungen und den Finanzabteilungen ausgewählter Großunternehmen (z.B. aus der Fahrzeug-, Chemie/Pharma-, Metall-, Elektro-, Maschinen- oder Konsum/Handelsbranche, mehrheitlich aus Deutschland).
Erhoben werden in der Regel sechsmonatige Erwartungen zur Konjunktur, Inflation, kurz- und langfristigen Zinsen, Aktienmärkten sowie Wechselkursen. Die Befragten können in der Regel zwischen drei Antwortmöglichkeiten wählen, wie „erhöhen“, „nicht verändern“ und „reduzieren“ im Vergleich zur gegenwärtigen Situation.
Zudem wird die aktuelle konjunkturelle Lage (gut/normal/schlecht) abgefragt.
Schwerpunkte der Erhebung
Gegenstand der Befragung bzw. des sogenannten Finanzmarkttests sind insbesondere Erwartungen für die kommenden sechs Monate zu folgenden Finanzkennzahlen:
- Konjunktur – gegenwärtige Situation (Euroraum, Deutschland, USA und China)
- Konjunktur – Erwartungen (Euroraum, Deutschland, USA und China)
- Inflationsraten (Euroraum, Deutschland, USA und China)
- kurzfristige Zinsen (Euroraum, USA und China)
- langfristige Zinsen (Deutschland, USA und China)
- Aktienindizes (STOXX 50 – Euroraum, DAX – Deutschland, Dow Jones Industrial – USA und SSE Composite – China)
- Wechselkurse (Euro-Dollar-Kurs und Euro-Yen-Kurs)
- ggf. Ölpreis
Sonderfragen
Darüber hinaus stellt das ZEW neben den monatlich wiederkehrenden Fragen Sonderfragen zu aktuellen Anlässen. Diese Sonderfragen beziehen sich beispielsweise auf die Einschätzung, ob die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzinssatz signifikant verändern wird oder nach welchen Branchen und Regionen die befragten Analysten für das anstehende Jahr ein Aktienportfolio aufteilen würden.
Berechnung
Der ZEW-Index kann Werte zwischen minus 100 und plus 100 annehmen. Zu jeder Frage wird ein Saldowert zwischen den Antworten der befragten Experten berechnet.
Beispielweise entspricht der Saldowert zur gegenwärtigen Konjunktursituation im Euroraum der Differenz der Prozentanteile der Antworten „gut“ und „schlecht“. Neutrale Antworten (d.h. Antworten mit “normal” oder “nicht verändern”) beeinflussen das Ergebnis nicht.
Die Antworten zur gegenwärtigen Situation veröffentlicht das ZEW als Lageindikator (Saldo ‚gut‘ minus ‚schlecht‘).
Rechenbeispiel ZEW-Konjunkturerwartungen
Im Finanzmarkttest von Februar 2026 erwarten 62,3 % der Experten eine Konjunkturverbesserung in Deutschland, 33,7 % keine Veränderung und 4,0 % eine Konjunkturverschlechterung in Deutschland. Damit ergibt sich ein Indikatorwert betreffend der ZEW-Konjunkturerwartungen Deutschlands von 58,3 Punkten (62,3 – 4,0).
Beispielhafte Ausgestaltung eines ZEW-Finanzmarkttests
In der folgenden Darstellung wird die Belegung der Antwortkategorien mit den Saldenergebnissen exemplarisch für den Finanzmarkttest von Februar 2026 abgebildet. Gleichzeitig wird gezeigt, wie die ZEW-Werte berechnet werden (Saldo „gut“ minus „schlecht“, neutrale Aussagen werden nicht berücksichtigt). Sämtliche ZEW-Finanzmarktreporte werden auf dieser Seite veröffentlicht.
ZEW-Index – Bedeutung für Anleger
Allgemeine Orientierung
Der ZEW-Index kann die Stimmung bzw. das Verhalten der Anleger auf den Finanzmärkten beeinflussen. Veröffentlicht das ZEW beispielsweise aufsteigende Werte des ZEW-Index, erhoffen sich Anleger steigende Kurse auf den Finanzmärkten. Grundsätzlich sind aufsteigende ZEW-Index-Werte positive Nachrichten für die erwartete gesamtwirtschaftliche Entwicklung.
Kurzfristige Kursreaktionen treten insbesondere dann auf, wenn der veröffentlichte ZEW-Index deutlich von den Markterwartungen abweicht. Solche Reaktionen können rasch wieder abklingen und lassen sich nicht zwingend mit den fundamentalen Unternehmensdaten erklären. Insofern sollten Anleger berücksichtigen, dass die Veröffentlichungstermine des ZEW-Index mit kurzfristig volatileren Kursen an den Finanzmärkten einhergehen können.
Einfluss auf den Euro-Dollar-Wechselkurs
Ein höher als erwarteter ZEW-Index kann – insbesondere bei deutlicher Abweichung von den Markterwartungen – kurzfristig den Euro-Dollar-Wechselkurs beeinflussen, weil Marktteilnehmer Wachstums- und ggf. Zinserwartungen neu bewerten. Eine eindeutige, mechanische Richtung lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
ZEW-Index vs. Ifo-Geschäftsklimaindex
Sowohl der ZEW-Index als auch der ifo-Geschäftsklimaindex (ifo-Institut für Wirtschaftsforschung) stellen wichtige Konjunktur-Frühindikatoren dar, die monatlich veröffentlicht werden.
Grundsätzlich dürfte der ifo-Geschäftsklimaindex vonseiten der Politik und Wirtschaft noch mehr Beachtung erhalten. Dagegen hat der ZEW-Index gerade in der Finanzwelt eine besondere Bedeutung, da dieser Finanzkennzahlen (z.B. Wechselkurse, Inflation oder Zinssätze) genauer berücksichtigt und auf die Einschätzungen von Finanzanalysten setzt.
Die folgende Tabelle fasst die zentralen Unterschiede zwischen dem ZEW-Index und dem ifo-Geschäftsklimaindex komprimiert zusammen.
| Kriterien | ZEW-Index | ifo-Geschäftsklimaindex |
|---|---|---|
| Anzahl der Befragten | bis zu 300 Analysten/Experten | ca. 9.000 Unternehmen |
| Branchen | Banken, Versicherungen und große Industrieunternehmen | Verarbeitende Gewerbe, Dienstleistungssektor, Handel und Bauhauptgewerbe |
| Berücksichtigte Finanzkennzahlen | Konjunktur, Inflationsraten, Zinsen, Aktienindizes, Wechselkurse, ggf. Ölpreis | Fokus auf Konjunktur (Geschäftslage des Unternehmens) |
| Perspektive | Einschätzung der Gesamtkonjunktur | Zukünftige Entwicklung der Geschäftslage des Unternehmens |
| Betrachtete Regionen | Deutschland und für Deutschland relevante weltwirtschaftliche Regionen (wie Euroraum, USA und China) | Fokus auf Deutschland |
| Zeitraum zur Beantwortung des Fragebogens | rund 1 Woche (je nach Monat) | bis kurz vor Monatsende (rund 3 Wochen) |
| Vorlauf der Prognosegüte
(*u.a. nach einer ZEW-Studie aus dem Jahr 2001) |
In Studien teils bessere Prognosegüte für mittlere Horizonte (z.B. 3–12 Monate) und teils längerer Vorlauf gegenüber anderen Stimmungsindikatoren | Prognoseergebnis häufig stärker für sehr kurze Zeiträume, tendenziell kürzerer Vorlauf |
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