Purchasing Managers Index (PMI) – Definition & Bedeutung

Autorin: Inhaltlich geprüft von: Philipp Berger

Purchasing Managers Index (kurz PMI, deutsch: Einkaufsmanagerindex) ist ein monatlicher Stimmungsindex aus Umfragen unter Einkaufsmanagern. In den USA veröffentlicht das Institute for Supply Management (ISM) u. a. den ISM Manufacturing PMI. International erhebt z. B. S&P Global entsprechende PMIs. Weil PMI-Reihen frühzyklische Wendepunkte in der Konjunktur anzeigen können, werden sie von Unternehmen, Analysten und Investoren breit beobachtet.

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Purchasing Managers Index – Definition

Der „Purchasing Managers Index“ (PMI) erfasst laufende Geschäftstendenzen, insbesondere im verarbeitenden Gewerbe. Dazu schätzen Einkaufsmanager ihre Geschäftslage ein (Verbesserung, keine Änderung oder Verschlechterung im Vergleich zum Vormonat). PMIs werden branchen- und länderübergreifend erhoben und in der Regel monatlich veröffentlicht.

ISM Manufacturing PMI

Der ISM Manufacturing PMI, der besonders in Finanzmärkten beachtet wird, basiert auf einer Stichprobe von rund 400 Unternehmen aus 18 Branchen des US-Verarbeitungssektors (z. B. Nahrungsmittel, Transportmittel, elektronische Ausrüstung). Die Stichprobe ist so konstruiert, dass sie die Branchenstruktur und Größenklassen des Sektors repräsentativ abbildet.

In der Regel können die Befragten zwischen den drei Antwortmöglichkeiten (im Vergleich zum Vormonat) wählen:

  • Verbesserung
  • Keine Änderung
  • Verschlechterung

Eine Frage an die Einkaufsmanager lautet beispielhaft: „Ist die Produktion in Ihrem Unternehmen höher, gleich oder niedriger als vor einem Monat?

ISM Manufacturing PMI – Termine und Veröffentlichung

Der ISM Manufacturing PMI erscheint in der Regel am ersten US-Werktag eines Monats um 10:00 ET (entspricht 16:00 MEZ). Der ISM Services PMI folgt üblicherweise am dritten US-Werktag zur gleichen Uhrzeit.

Hinweis: Anleger finden einzelne PMI-Werte beispielsweise aus der Homepage von Trading Economics.

Aufbau des Purchasing Managers Index

Der PMI beruht auf einer monatlichen Befragung von Einkaufsverantwortlichen, die typischerweise besonders früh Änderungen in Auftragslage, Produktion und Lieferketten erkennen. Beim ISM Manufacturing PMI fließen fünf Teilindizes in den Gesamtwert ein:

  • New Orders (Neuaufträge, die sich tendenziell vor anderen Indikatoren bewegen)
  • Production
  • Employment (Beschäftigung)
  • Supplier Deliveres (Erhaltene Lieferungen)
  • Inventories (Lagerbestände)

Purchasing Managers Index – Berechnung

Der PMI ist ein Diffusionsindex: Er misst nicht die Höhe der Aktivität, sondern Richtung und Breite der Veränderung gegenüber dem Vormonat. Für jede Teilfrage (z. B. neue Aufträge) werden die Anteile der Antworten besser/unverändert/schlechter in einen Teilindex umgerechnet:

\text{Teilindex} = (P1*1) + (P2*0,5) + (P3*0)

P1 = Prozentsatz der Antworten, die eine Verbesserung melden
P2 = Prozentsatz der Antworten, die keine Veränderung melden
P3 = Prozentsatz der Antworten, die eine Verschlechterung melden

Die Teilindizes werden zu einem Gesamt-PMI zusammengeführt. Typischerweise werden beim ISM Manufacturing PMI die Messwerte für Auftragseingänge, Produktion, Beschäftigung, erhaltene Lieferungen und Lagerbestände mit ca. 30/25/20/15/10 % gewichtet.

Interpretation der PMI-Werte

Der Purchasing Managers Index kann zwischen 100 (alle Befragten gehen von einer verbesserten Geschäftslage aus) und 0 (alle Befragten gehen von einer verschlechterten Geschäftslage aus) liegen.

  • Ein PMI von 50 bedeutet allgemein keine Veränderung der Geschäftslage gegenüber dem Vormonat.
  • Ein Wert über 50 deutet auf eine Verbesserung hin.
  • Ein Wert unter 50 kann dagegen eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in der entsprechenden Region signalisieren.

Je weiter der PMI von 50 entfernt ist, desto breiter ist die Veränderung gegenüber dem Vormonat. Wird beispielsweise dreimal hintereinander ein Wert unter 50 ermittelt, kann dies auf einen konjunkturellen Abschwung hindeuten.

Hinweis: Nicht nur der PMI-Wert, sondern auch die Ausführungen im ISM Report On Business können einem Anleger eine Orientierung für seine Investitionsentscheidungen (betreffend US-amerikanischer Wertpapiere) bieten. Auf der folgenden Seite wird der ISM Business Report veröffentlicht.

Aussagekraft des PMI

Allgemeine Bedeutung

Der Purchasing Managers Index soll Wirtschaftsakteuren Informationen über die aktuelle und zukünftige Geschäftslage zur Verfügung stellen. Er kann eine Entscheidungshilfe für Manager sein, um ihre kommende Geschäftsplanung genauer kalkulieren zu können. Auch Zentralbanken verwenden den PMI bei der Durchführung ihrer Geldpolitik.

Beispielsweise kann ein aufsteigender PMI in der Automobilindustrie (EU Automobile & Autoteile Output Index erstellt vom IHS Markit) auch für Lieferanten eine positive Geschäftsentwicklung bedeuten: Teilelieferanten erhöhen ihren Lagerbestand und gegebenenfalls auch ihr Preise.

Mithilfe des PMI können wirtschaftliche Trendänderungen (wie ein Wendepunkt in der Konjunktur oder spezifischer in der Arbeitslosenquote) identifiziert werden. Viele Analysten verwenden den PMI, um das BIP-Wachstum vorherzusagen.

Hinweis zur allgemeinen Prognosegüte des PMI: In der Vergangenheit hat sich der PMI als insgesamt guter, jedoch kein perfekter Indikator für die aktuelle Wirtschaftslage eines Landes bewährt.

Bedeutung für den Anleger

Ein Anleger kann den Purchasing Managers Index (PMI) in seine Investitionsentscheidungen einbeziehen, da dieser als Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung gilt. Der PMI wird häufig genutzt, um Trendänderungen, etwa in der Unternehmensproduktion, frühzeitig zu erkennen.

Durch eine vergleichende Analyse des PMI zwischen Sektoren (z. B. verarbeitendes Gewerbe vs. Dienstleistungssektor) oder Ländern (z. B. Deutschland vs. USA) kann ein Anleger eine erste Orientierung für die Portfolioallokation erhalten. Fällt beispielsweise der PMI für Deutschland deutlich höher aus als jener für die USA, könnte der Anleger erwägen, sein Engagement in deutschen Aktien zu erhöhen.

Finanzmärkte reagieren in der Regel sensibel auf unerwartete Veränderungen des PMI. Dabei ist zu beachten, dass die Märkte häufig stärker auf den Überraschungseffekt (die Abweichung vom erwarteten Konsenswert) reagieren als auf das reine Niveau des Index.

Auswirkungen auf den Euro-Dollar-Wechselkurs

Die Veröffentlichung der PMI-Werte können Wechselkurse, die durch die Nachfrage und das Angebot an Fremdwährung an den Devisenmärkten bestimmt werden, beeinflussen.

  • Wenn beispielsweise der PMI Manufacturing ISM höher als erwartet ausfällt, kann dies zu einer höheren Nachfrage nach US-Dollar an den Devisenmärkten und damit zu einer Aufwertung des US-Dollars führen.
  • Dagegen führt ein geringerer PMI Manufacturing ISM als erwartet tendenziell zu einer Abwertung des US-Dollars, einhergehend mit einer Aufwertung des Euro.

ISM vs. S&P Global

Verschiedene PMIs werden unabhängig voneinander vom Institute for Supply Management (ISM) und von S&P Global (vormals IHS Markit) erhoben und veröffentlicht. Der ISM ist eine US-Non-Profit-Organisation und publiziert seit 1931 den Report On Business. S&P Global ist ein globaler Daten-/Indexanbieter mit PMI-Erhebungen für zahlreiche Länder und die Eurozone.

In der folgenden Tabelle werden zentrale Fakten und Unterschiede der beiden Gutachter zusammengefasst:

Aspekt Institute for Supply Management (ISM) S&P Global (vormals IHS Markit)
Veröffentlichung seit 1931 (Report On Business) 1990er Jahre (PMI-Einführungen sukzessive; z. B. 1996 Deutschland)
Betrachtete Regionen USA >40 Länder/Regionen weltweit (u. a. Eurozone, Deutschland, USA), auch globaler Index
Befragte Sektoren Verarbeitendes Gewerbe, Dienstleistungen (Services) und Hospital. Services umfasst u. a. auch „Public Administration“ Verarbeitendes Gewerbe, Dienstleistungen, teils Baugewerbe bzw. gesamte Privatwirtschaft (je nach Land/Studie)
Panel/Unternehmensmix Supply-Management-Verantwortliche, größere Unternehmen tendenziell stärker vertreten Repräsentative Mischung nach Größe/Branche, landesspezifisch abgestimmt
Anzahl der befragten Unternehmen etwa 400 (Manufacturing, USA) Landesspezifisch: typischerweise mehrere 100 (z. B. USA Manufacturing ca. 800,  Deutschland ca. 400)
Komponenten (Manufacturing) Neue Aufträge, Produktion, Beschäftigung, Lieferzeiten, Lagerbestände Neue Aufträge, Output/Produktion,  Beschäftigung, Lieferzeiten (invertiert), Stocks of Purchases (Einkaufsbestände)
Gewichtung der Variablen Gewichtet; typisch: 30 % / 25 % / 20 % / 15 % / 10 % Gewichtet, methodisch ähnlich, genaue Gewichtungen je Studie
Börsevolatilität Tendenziell höher Tendenziell niedriger
Bekannte PMI-Reihen ISM Manufacturing, ISM Services, ISM Hospital (USA) US Manufacturing/Services, Eurozone Manufacturing/Services/Composite, Global Composite u. a.
Veröffentlichungstermine Manufacturing: 1. US-Werktag, Services: 3. US-Werktag, Hospital: 5. US-Werktag. Jeweils 10:00 ET (16:00 MEZ / 15:00 MESZ) Flash-PMIs meist in der 3.–4. Woche des Berichtsmonats. Final in der Regel in der 1. Woche des Folgemonats. Uhrzeit regional (z. B. Europa am Vormittag, USA oft 09:45 ET)

Hinweise: (1) Beide Anbieter verwenden eine Diffusionslogik (Anteile „besser/gleich/schlechter“; Lieferzeiten invertiert). (2) Services-PMIs werden anders aggregiert als Manufacturing (z. B. beim ISM Services gleichgewichtet). (3) Panelgrößen und genaue Publikationszeiten können sich je Land/Studie leicht unterscheiden.

Purchasing Managers Index aktuell

Die folgende Grafik stellt die Werte des ISM Manufacturing PMI, des bekanntesten Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes in den USA, im Zeitverlauf dar (Quelle).

Während der Corona-Pandemie fiel der ISM Manufacturing PMI im April 2020 auf rund 41,5 und stieg bis März 2021 auf rund 64,7. Werte über 50 signalisieren Expansion.

Zusammenfassung

Der Purchasing Managers Index gehört zu den zuverlässigsten Konjunkturfrühindikatoren zur Beurteilung der US-amerikanischen Wirtschaftsentwicklung.

Jeden Monat befragt das ISM über 400 Unternehmen, wie sie ihre aktuelle Geschäftslage (mithilfe der Kennzahlen Auftragseingang, Lagerbestände, Produktion, erhaltene Lieferungen und Beschäftigung) im Vergleich zum Vormonat bewerten.

Der PMI kann Akteure aus der Wirtschaft, der Politik sowie der Finanzwelt beeinflussen. Einige Anleger nutzen die Kennzahl als einen Indikator zur Bewertung von Wertpapierkursen (z.B. Aktien oder Unternehmensanleihen). Vor allem im Zuge einer konjunkturellen Trendänderung zeigt sich: Der PMI bewegt Finanzmärkte.

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