Purchasing Managers Index (PMI) – Definition & Bedeutung
Purchasing Managers Index (kurz PMI, deutsch: Einkaufsmanagerindex) ist ein monatlicher, umfragebasierter Diffusions- und Frühindikator. Er zeigt, ob sich wichtige Geschäftsvariablen gegenüber dem Vormonat verbessert, nicht verändert oder verschlechtert haben. Weil PMI-Reihen frühzyklische Wendepunkte in der Konjunktur anzeigen können, werden sie von Unternehmen, Analysten und Investoren breit beobachtet.
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Purchasing Managers Index – Definition
Der „Purchasing Managers Index“ (PMI) erfasst laufende Geschäftstendenzen, insbesondere im verarbeitenden Gewerbe. Dazu melden Einkaufsmanager bzw. Einkaufs- und Supply-Management-Verantwortliche, ob sich konkrete Variablen wie Auftragseingang, Produktion, Beschäftigung, Lieferzeiten oder Lagerbestände im Vergleich zum Vormonat verbessert, nicht verändert oder verschlechtert haben.
ISM Manufacturing PMI
Der ISM Manufacturing PMI, der besonders in Finanzmärkten beachtet wird, basiert auf Antworten von Einkaufs- und Supply-Management-Verantwortlichen aus 18 Branchen des US-Verarbeitungssektors (z. B. Nahrungsmittel, Transportmittel, elektronische Ausrüstung). Das Panel ist nach dem North American Industry Classification System (NAICS) aufgebaut und wird nach dem Beitrag der jeweiligen Branchen zum US-Bruttoinlandsprodukt gewichtet.
In der Regel können die Befragten zwischen den drei Antwortmöglichkeiten (im Vergleich zum Vormonat) wählen:
- Verbesserung
- Keine Änderung
- Verschlechterung
ISM Manufacturing PMI – Termine und Veröffentlichung
Der ISM Manufacturing PMI erscheint in der Regel am ersten US-Werktag eines Monats um 10:00 ET. Der ISM Services PMI folgt üblicherweise am dritten US-Werktag zur gleichen Uhrzeit. In Deutschland entspricht 10:00 ET in der Regel 16:00 Uhr.
Purchasing Managers Index (PMI) – Termine 2026
Die Termine beziehen sich auf den Veröffentlichungsmonat. Die Reports beziehen sich in der Regel auf den vorangegangenen Berichtsmonat. Änderungen vorbehalten
Interpretation der PMI-Werte
Der Purchasing Managers Index kann zwischen 100 (alle Befragten melden eine Verbesserung) und 0 (alle Befragten melden eine Verschlechterung) liegen.
- Ein PMI von 50 bedeutet allgemein keine Veränderung gegenüber dem Vormonat.
- Ein Wert über 50 deutet auf eine Verbesserung bzw. Expansion des betrachteten Sektors hin.
- Ein Wert unter 50 kann dagegen eine Verschlechterung bzw. Kontraktion des betrachteten Sektors signalisieren.
Je weiter der PMI von 50 entfernt ist, desto breiter ist die Veränderung gegenüber dem Vormonat. Mehrere Werte unter 50 erhöhen das Signal für eine sektorale Abkühlung, sollten aber mit den Teilindizes, den Kommentaren im Report sowie anderen Konjunkturdaten abgeglichen werden.
ISM Supply Chain Planning Forecast
Der ISM Supply Chain Planning Forecast ergänzt die monatlichen ISM-PMI-Berichte um eine stärker vorausschauende Perspektive. Während der PMI kurzfristige Veränderungen gegenüber dem Vormonat misst, bündelt der Forecast zweimal jährlich die Einschätzungen der ISM Business Survey Panelists zum allgemeinen Geschäftsausblick für die kommenden sechs bis acht Monate. Er erscheint regulär im Mai und Dezember und hieß früher Semiannual Economic Forecast.
Aufbau des Purchasing Managers Index
Der PMI beruht auf einer monatlichen Befragung von Einkaufsverantwortlichen, die typischerweise besonders früh Änderungen in Auftragslage, Produktion und Lieferketten erkennen. Beim ISM Manufacturing PMI fließen fünf Teilindizes in den Gesamtwert ein:
- New Orders (Neuaufträge, die sich tendenziell vor anderen Indikatoren bewegen)
- Production
- Employment (Beschäftigung)
- Supplier Deliveries (Lieferzeiten der Zulieferer)
- Inventories (Lagerbestände)
Dabei ist die Komponente Supplier Deliveries besonders zu interpretieren: Beim ISM bedeutet ein Wert über 50 langsamere Lieferungen, während ein Wert unter 50 schnellere Lieferungen signalisiert. Langsamere Lieferungen können in normalen Aufschwungphasen auf hohe Nachfrage und Kapazitätsengpässe hindeuten, in Sondersituationen aber auch durch reine Angebots- oder Lieferkettenstörungen verursacht sein.
Purchasing Managers Index – Berechnung
Der PMI ist ein Diffusionsindex: Er misst nicht die Höhe der Aktivität, sondern Richtung und Breite der Veränderung gegenüber dem Vormonat. Für jede Teilfrage (z. B. neue Aufträge) werden die Anteile der Antworten besser/unverändert/schlechter in einen Teilindex umgerechnet:
P1 = Prozentsatz der Antworten, die eine Verbesserung melden
P2 = Prozentsatz der Antworten, die keine Veränderung melden
P3 = Prozentsatz der Antworten, die eine Verschlechterung melden
Aussagekraft des PMI
Allgemeine Bedeutung
Der Purchasing Managers Index soll Wirtschaftsakteuren Informationen über die aktuelle und zukünftige Geschäftslage zur Verfügung stellen. Er kann eine Entscheidungshilfe für Manager sein, um ihre kommende Geschäftsplanung genauer kalkulieren zu können. Auch Zentralbanken verwenden den PMI bei der Durchführung ihrer Geldpolitik.
Beispielsweise kann ein aufsteigender PMI in der Automobilindustrie (EU Automobile & Autoteile Output Index erstellt von S&P Global, vormals IHS Markit) auch für Lieferanten eine positive Geschäftsentwicklung bedeuten: Teilelieferanten erhöhen ihren Lagerbestand und gegebenenfalls auch ihre Preise.
Mithilfe des PMI können wirtschaftliche Trendänderungen (wie ein Wendepunkt in der Konjunktur oder spezifischer in der Arbeitslosenquote) identifiziert werden. Viele Analysten verwenden den PMI, um das BIP-Wachstum vorherzusagen.
Bedeutung für den Anleger
Ein Anleger kann den Purchasing Managers Index (PMI) in seine Investitionsentscheidungen einbeziehen, da dieser als Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung gilt. Der PMI wird häufig genutzt, um Trendänderungen, etwa in der Unternehmensproduktion, frühzeitig zu erkennen.
Durch eine vergleichende Analyse des PMI zwischen Sektoren (z. B. verarbeitendes Gewerbe vs. Dienstleistungssektor) oder Ländern (z. B. Deutschland vs. USA) kann ein Anleger eine erste Orientierung für die Portfolioallokation erhalten. Fällt beispielsweise der PMI für Deutschland deutlich höher aus als jener für die USA, könnte der Anleger erwägen, sein Engagement in deutschen Aktien zu erhöhen.
Finanzmärkte reagieren in der Regel sensibel auf unerwartete Veränderungen des PMI. Dabei ist zu beachten, dass die Märkte häufig stärker auf den Überraschungseffekt (die Abweichung vom erwarteten Konsenswert) reagieren als auf das reine Niveau des Index.
Auswirkungen auf den Euro-Dollar-Wechselkurs
Die Veröffentlichung der PMI-Werte kann Wechselkurse, die durch die Nachfrage und das Angebot an Fremdwährung an den Devisenmärkten bestimmt werden, beeinflussen.
- Wenn beispielsweise der ISM Manufacturing PMI höher als erwartet ausfällt, kann dies den US-Dollar stützen, sofern Marktteilnehmer daraus stärkere US-Wachstums-, Inflations- oder Zinserwartungen ableiten.
- Fällt der ISM Manufacturing PMI geringer als erwartet aus, kann dies den US-Dollar belasten und den Euro relativ zum US-Dollar stützen. Die tatsächliche Wechselkursreaktion hängt jedoch auch vom Zinspfad der US-Notenbank, von Eurozonen-Daten, der Risikostimmung und der Marktpositionierung ab.
ISM vs. S&P Global
Verschiedene PMIs werden unabhängig voneinander vom Institute for Supply Management (ISM) und von S&P Global (vormals IHS Markit) erhoben und veröffentlicht. Der ISM ist eine US-Non-Profit-Organisation und publiziert seit 1931 den Report On Business. S&P Global ist ein globaler Daten-/Indexanbieter mit PMI-Erhebungen für zahlreiche Länder und die Eurozone.
In der folgenden Tabelle werden zentrale Fakten und Unterschiede der beiden Anbieter zusammengefasst:
| Aspekt | Institute for Supply Management (ISM) | S&P Global (vormals IHS Markit) |
|---|---|---|
| Veröffentlichung seit | 1931 (Report On Business) | 1990er Jahre (PMI-Einführungen sukzessive; z. B. 1996 Deutschland) |
| Betrachtete Regionen | USA | >40 Länder/Regionen weltweit (u. a. Eurozone, Deutschland, USA), auch globale Indizes |
| Befragte Sektoren | Verarbeitendes Gewerbe, Dienstleistungen (Services) und Hospital. Services umfasst u. a. auch „Public Administration“ | Verarbeitendes Gewerbe, Dienstleistungen, teils Baugewerbe bzw. gesamte Privatwirtschaft (je nach Land/Studie) |
| Panel/Unternehmensmix | Supply-Management-Verantwortliche; Panel nach NAICS-Branchen und deren Beitrag zum US-BIP geschichtet | Nach Branche und Unternehmensgröße bzw. Beschäftigtenzahl strukturierte Panels, landesspezifisch abgestimmt |
| Anzahl der befragten Unternehmen | etwa 400 (Manufacturing, USA) | Landesspezifisch: typischerweise mehrere 100 Unternehmen je nationalem Datensatz; einzelne Länder- und Sektorenpanels können davon abweichen |
| Komponenten (Manufacturing) | Neue Aufträge, Produktion, Beschäftigung, Lieferzeiten, Lagerbestände | Neue Aufträge, Output/Produktion, Beschäftigung, Lieferzeiten (im Headline-PMI invertiert), Stocks of Purchases (Einkaufsbestände) |
| Gewichtung der Variablen | Gleichgewichtet: fünf Komponenten mit jeweils 20 % | Gewichtet: New Orders 30 %, Output 25 %, Employment 20 %, Suppliers’ Delivery Times 15 %, Stocks of Purchases 10 % |
| Indexvolatilität / Monatsrauschen | Tendenziell höhere Schwankung der Indexreihe | Tendenziell niedrigere Schwankung der Indexreihe |
| Bekannte PMI-Reihen | ISM Manufacturing, ISM Services, ISM Hospital (USA) | US Manufacturing/Services, Eurozone Manufacturing/Services/Composite, Global Composite u. a. |
| Veröffentlichungstermine | Manufacturing: 1. US-Werktag, Services: 3. US-Werktag, Hospital: 5. US-Werktag. Jeweils 10:00 ET (in Deutschland meist 16:00 Uhr, in kurzen Zeitumstellungsfenstern 15:00 Uhr) | Flash-PMIs meist in der 3.–4. Woche des Berichtsmonats. Final-PMIs: Manufacturing in der Regel am 1. Werktag, Services und Composite am 3. Werktag. Zeitangaben erfolgen bei S&P Global in UTC und unterscheiden sich je Region. |
Hinweise: (1) Beide Anbieter verwenden eine Diffusionslogik (Anteile „besser/gleich/schlechter“). (2) Lieferzeiten sind methodisch besonders zu interpretieren: Beim ISM bedeutet ein Wert über 50 langsamere Lieferungen. S&P Global invertiert die Lieferzeitenkomponente im Manufacturing-Headline-PMI. (3) Services-PMIs werden anders aggregiert als Manufacturing-PMIs: Bei S&P Global entspricht der Services PMI im Kern dem Business Activity Index, während Composite-PMIs Output/Business Activity aus Industrie und Dienstleistungen zusammenführen. (4) Panelgrößen und genaue Publikationszeiten können sich je Land/Studie leicht unterscheiden. Quellen u. a.: ISM PMI Reports und S&P Global PMI Calendar.
Zusammenfassung
Der Purchasing Managers Index gehört zu den viel beachteten Konjunkturfrühindikatoren zur Beurteilung der US-amerikanischen Wirtschaftsentwicklung.
Jeden Monat befragt das ISM Einkaufs- und Supply-Management-Verantwortliche, wie sich wichtige Kennzahlen wie Auftragseingang, Lagerbestände, Produktion, Lieferzeiten und Beschäftigung im Vergleich zum Vormonat verändert haben.
Der PMI kann Akteure aus der Wirtschaft, der Politik sowie der Finanzwelt beeinflussen. Einige Anleger nutzen die Kennzahl als einen Indikator zur Bewertung von Wertpapierkursen (z. B. Aktien oder Unternehmensanleihen). Vor allem im Zuge einer konjunkturellen Trendänderung zeigt sich: Der PMI bewegt Finanzmärkte.
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