Kaufkraftparität (KKP) – Definition & Berechnung

Autorin: - Inhaltlich geprüft von: Philipp Berger

Die Kaufkraftparität (KKP), auch bekannt als „purchasing power parity” (PPP), bietet einen theoretischen Ansatz zur Bestimmung von Wechselkursen. Mit zunehmender Vernetzung globaler Finanzmärkte werden Wechselkurse und deren Entwicklungen immer bedeutender.

International orientierte Anleger sollten für eine fundierte Investment-Strategie Wechselkursentwicklungen berücksichtigen. Die Kaufkraftparität kann in Verbindung mit dem Big-Mac-Index als Methode genutzt werden, um den langfristigen Trend von Wechselkursen einzuschätzen.

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Kaukraftparität (KKP) – Definition

Die Kaufkraftparität gibt an, wie viele Währungseinheiten eine bestimmte Menge von Waren und Dienstleistungen in unterschiedlichen Ländern kostet. Die Theorie der Kaufkraftparität basiert auf dem Grundsatz des Gesetzes vom einheitlichen Preis: Parität bedeutet Gleichheit und Kaufkraft bezieht sich auf den Wert des Geldes. Kaufkraftparität besagt also, dass eine Einheit einer Währung die gleiche Kaufkraft in jedem Land haben muss. Demzufolge verkauft sich ein Gut allerorten zum gleichen Preis.

Kaukraftparitätentheorem

Das Kaufkraftparitätentheorem beschreibt das Gesetz der Unterschiedslosigkeit der Preise, das durch Arbitragetätigkeit sichergestellt wird. Arbitrage liegt vor, wenn Vorteile aus unterschiedlichen Preisen für ein Gut auf unterschiedlichen Märkten gezogen werden. Falls beispielsweise in einem Land die Preise sinken, würden Wirtschaftssubjekte in diesem Land Güter kaufen, um sie im anderen Land zu einem höheren Preis wieder zu verkaufen. Die dadurch ausgelösten Nachfrage- bzw. Angebotseffekte gewährleisten eine Wiederherstellung der Preisidentität in den beiden Ländern.

Kaufkraftparitätentheorie – Formel & Berechnung

Kaufkraftparität kann in absoluter und in relativer Form betrachtet werden.

Kaufkraftparität (KKP) absoluter Form

Kaufkraftparität in absoluter Form setzt eine vollkommene Preisangleichung zwischen in- und ausländischen Gütern voraus. Es werden homogene bzw. gleichartige Güter, keine Transportkosten und keine staatlichen oder protektionistischen Maßnahmen angenommen. Die Kaufkraftparität in absoluter Form erklärt die Wechselkurshöhe durch das Verhältnis von Inlandspreisniveau in Inlandswährung zu Auslandspreisniveau in Auslandswährung.

Dies wird mit der folgenden Formel dargestellt:

\text{Wechselkurs} = \frac{p1}{p2}
\text{Inlandspreisniveau} = w \cdot p2

w: Wechselkurs

p1: Inlandspreisniveau

p2: Auslandspreisniveau

Gemäß der Formel wird deutlich, dass das Inlandspreisniveau mit dem Auslandspreisniveau multipliziert dem Wechselkurs entspricht. Damit ist die Gleichheit der Kaufkraft des Geldes in beiden Ländern sichergestellt. Güterarbitrageprozesse auf freien Märkten sorgen dafür, dass sich der Wechselkurs langfristig an sein gegebenes Gleichgewichtsniveau anpasst.

Kaufkraftparität (KKP) relativer Form

In der Realität kann die Kaufkraftparitätentheorie nicht umfänglich bestätigt werden. Völlig identische Güter existieren nur selten, da sich viele Produkte in ihrer Qualität, ihrer Leistung, ihrem Design etc. unterscheiden. Ein Beispiel für ein homogen angesehenes, international gehandeltes Gut ist Gold, bei dem die internationale Preisidentität recht genau zutrifft.

Darüber hinaus bestehen unterschiedliche Konsumentenpräferenzen, weil Konsumenten häufig ein Gut nicht als vollkommen identisch ansehen. So kann ein deutsches Bier unter den potentiellen Nachfragern beliebter sein als ein US-amerikanisches Bier.

Außerdem existieren Handelshindernisse wie Transportkosten und sowohl staatliche als auch protektionistische Maßnahmen. Diese Phänomene werden von der Kaufkraftparität in ihrer relativen Form berücksichtigt. Allerdings wird dabei eine Konstanz der Marktinhomogenität unterstellt. Dies impliziert beispielsweise, dass sich Transportkosten nicht ändern.

Die Kaufkraftparität in relativer Form wird anhand der folgenden Formel definiert:

\text{Wechselkurs} = \frac{1}{γ} \cdot \frac{p1}{p2}
\text{Inlandspreisniveau} = γ\cdot w \cdot p2

γ : konstant unterstelltes Ausmaß der Divergenz zwischen den beiden Preisniveaus.

Exkurs: Preisnotierung vs. Mengennotierung

Die Kaufkraftparität stellt einen theoretischen Ansatz zur Bestimmung von Wechselkursen dar. Der tatsächliche nominale Wechselkurs wird am Devisenmarkt bestimmt und kann sich im Minutentakt ändern. Der nominale Wechselkurs ist das Umtauschverhältnis zwischen zwei Währungen, welches auf zwei verschiedene Arten dargestellt werden kann:

  • Preisnotierung –  Preis einer ausländischen Währungseinheit ausgedrückt in inländischen Währungseinheiten (x€/1$ )

Beispiel des nominalen Wechselkurses am 12. Januar 2021 in Preisnotierung:

0,82 Euro kostete 1 Dollar.
1 US-Dollar ($) = 0,82 Euro (€)

  • Mengennotierung –  Preis einer inländischen Währungseinheit ausgedrückt in ausländischen Währungseinheiten (x$/1€)

Beispiel des nominalen Wechselkurses am 12. Januar 2021 in Mengennotierung:

1,21 Dollar kostete 1 Euro.
1 Euro (€) = 1,21 US-Dollar ($)

Preis- und Mengennotierung sind gegenseitige Kehrwerte. In der Wissenschaft sowie in diesem Artikel wird die Preisnotierung angewandt. In den Medien wird häufig die Mengennotierung verwendet.

Kaufkraftparität im Beispiel

Das Gesetz der Einheitlichkeit des Preises auf dem internationalen Markt soll am folgenden Beispiel genauer erklärt werden:

Es wird in der Ausgangssituation angenommen, dass mit einem Euro in Deutschland mehr Kaffee gekauft werden kann als in den Vereinigten Staaten. Dann könnten internationale Händler davon profitieren, Kaffee in Deutschland einzukaufen und diesen in den Vereinigten Staaten wieder zu verkaufen. Infolge der gestiegenen Nachfrage würden die deutschen Kaffeepreise steigen, während die amerikanischen Kaffeepreise sinken. Letztendlich wird sich dieser Prozess so lange fortsetzen, bis sich die Preise in beiden Ländern wieder angeglichen haben.

Big-Mac-Index

Seit 1986 erarbeitet der „Economist” jährlich den Big-Mac-Index. Die Daten dazu werden auf der folgenden Seite veröffentlicht. Die Idee besteht darin, dass der berühmte Hamburger auf der Welt nahezu identisch hergestellt und verkauft wird. Vor diesem Hintergrund kann der Big-Mac als homogenes Gut angesehen werden. Mithilfe von Preisdaten für einen Big-Mac aus zwei verschiedenen Ländern in der jeweiligen Landeswährung können Wechselkurse bestimmt werden.

Im Jahr 2002 kostete ein Big-Mac in der Eurozone 2,67€ und in den Vereinigten Staaten 2,49$. Somit ergibt sich nach der oben genannten Formel ein Big-Mac-Wechselkurs von 1,07 €/$. Zu dieser Zeit betrug der tatsächliche Wechselkurs 1,12 €/$. Die negative Differenz zwischen dem Big-Mac-Wechselkurs und dem tatsächlichen Wechselkurs deutet darauf hin, dass der Euro gegenüber dem US-Dollar um 4,6% unterbewertet sei.

Zehn Jahre später, im Jahr 2012, kostete der Big-Mac in der Eurozone 3,58€ und in den Vereinigten Staaten 4,33$. Dies impliziert einen Big-Mac-Wechselkurs von 0,83 €/$. Die positive Differenz zwischen diesem und dem zu dieser Zeit aktuellen Wechselkurses von 0,82 €/$ weist auf eine Überbewertung des Euro von 0,4% hin.

Tabelle: Der Big-Mac-Index und der aktuelle Wechselkurs im Vergleich (Raw Index, 2007 bis Januar 2021, The Economist)

Jahr Big-Mac-Preis-in € Big-Mac-Preis-in $ Big-Mac-Wechselkurs tatsächlicher Wechselkurs Unter-/Überbewertung in % des Euro ggü. dem US-Dollar
2007 3,06€ 3,41$ 0,90 0,73 22,2% überbewertet
2008 3,37€ 3,57$ 0,94 0,63 49,7% überbewertet
2009 3,31€ 3,57$ 0,93 0,72 29,3% überbewertet
2010 3,38€ 3,73$ 0,91 0,78 16% überbewertet
2011 3,44€ 4,07$ 0,85 0,70 21,2% überbewertet
2012 3,58€ 4,33$ 0,83 0,82 0,4% überbewertet
2013 3,62€ 4,56$ 0,80 0,78 2,3% überbewertet
2014 3,68€ 4,79$ 0,77 0,74 3,3% überbewertet
2015 3,70€ 4,79$ 0,77 0,91 15,4% unterbewertet
2016 3,82€ 5,04$ 0,76 0,91 16,6% unterbewertet
2017 3,91€ 5,30$ 0,74 0,88 15,8% unterbewertet
2018 4,04€ 5,51$ 0,73 0,85 14,1% unterbewertet
2019 4,08€ 5,74$ 0,71 0,89 20,3% unterbewertet
2020 4,21€ 5,71$ 0,74 0,88 16,3% unterbewertet
2021 4,25€ 5,66$ 0,75 0,82 8,8% unterbewertet

In diesem Zahlenbeispiel wird deutlich, dass die Kaufkraftparitätentheorie keine Methode zur exakten Bestimmung der Wechselkurse sein mag. Jedoch liefert sie in vielen Fallen einen Schätzwert und kann auf mögliche Unter- und Überbewertungen von Währungen hinweisen, wie im folgenden Bild zu sehen ist.

Über- bzw. Unterbewertungen aufzeigen mit der Kaufkraftparität

Der Mehrwert aus der Analyse der Kaufkraftparität für den Anleger wird im folgenden Abschnitt genauer beschrieben.

Kaufkraftparitätentheorie – Bedeutung für den Anleger

Preise für Wertpapiere werden auch von Wechselkursen bestimmt. Wenn ein Anleger sein Geld beispielsweise in eine Apple-Aktie investieren möchte, sollte er bei dem Kauf und Verkauf dieser Aktie den aktuellen Wechselkurs mit berücksichtigen, da eine Apple-Aktie in US-Dollar notiert ist. Grundsätzlich gilt, dass die Entwicklung von Wechselkursen einen Einfluss auf die Preise verschiedener Wertpapiere und damit auf die Anlagestrategien haben können.

So mag es für den Anleger aus Deutschland profitabel sein, wenn der Euro im Vergleich zum US-Dollar überbewertet ist und er vermehrt in US-amerikanische Wertpapiere investiert. Für jede Geldeinheit in Euro bekäme er dann relativ mehr Wertpapieranteile als in Zeiten, in denen der Euro weniger hoch bewertet ist. Falls mit der Zeit sowohl der Aktienkurs steigt als auch der US-Dollar an Wert zunimmt bzw. der Euro abwertet, könnte der Anleger einen doppelten Gewinn aus dem Verkauf seiner Aktie in der Zukunft generieren.

Im Fall einer möglichen Unterbewertung des Euro mag es für den Anleger hingegen vorteilhaft sein, Investitionen in US-amerikanische Wertpapiere zunächst aufzuschieben bis der Euro an Wert zugenommen hat. Gleichzeitig könnten Überlegungen aufgenommen werden, US-amerikanische Wertpapiere im Portfolio zu verkaufen. Mit dem freigewordenen Geld könnte der Anleger in Qualitätsaktien, die bestenfalls einen hohen inneren Wert besitzen und in Euro notiert sind, investieren.

Expansive Geldpolitik

Gemäß der Kaufkraftparitätentheorie entspricht der nominale Wechselkurs zwischen den Währungen zweier Länder dem Verhältnis zwischen inländischem Preisniveau (gemessen in Inlandswährung) und ausländischem Preisniveau (gemessen in Auslandswährung).

Betreibt  die Zentralbank in einem Land eine expansive Geldpolitik und führt dies zu einem Anstieg des Preisniveaus, folgt eine Abwertung der entsprechenden Währung im Vergleich zu der anderen Währung. Demzufolge kann eine expansive Geldpolitik einer Zentralbank nicht nur zu einem Wertverlust des Geldes führen, sondern auch dazu, dass mit einer inländischen Geldeinheit eine geringere Menge an Auslandswährung erworben werden kann.

Gleichzeitig führt eine Abwertung der Inlandswährung stets zu einer Aufwertung der Auslandswährung. Für das Ausland werden die inländischen Waren und Dienstleistungen günstiger, wodurch die Nachfrage nach inländischen Gütern steigen dürfte. Dieser Zusammenhang hätte wiederum einen positiven Effekt für die inländische Angebotsseite. Letztlich bedarf es zur Beurteilung der Wechselkurse einer umfangreichen Analyse für jedes einzelne Land.

Vorteile der Kaufkraftparität

Die Kaufkraftparitätentheorie kann als einfaches Instrument zur Bestimmung des Wechselkurses dienen und einen ersten Schätzwert liefern. Zudem können insbesondere langfristige Wechselkursentwicklungen in ihrem Ansatz erklärt werden. Daher stellt die Kaufkraftparitätentheorie einen ersten wichtigen Schritt zum Verständnis der Wechselkurse dar. Gemäß dieser Theorie werden anhaltende Schwankungen des nominalen Wechselkurses durch Veränderungen des Preisniveaus im In- und Ausland reflektiert. Der tatsächliche nominale Wechselkurs wird durch die Nachfrage und das Angebot an Fremdwährung am Devisenmarkt bestimmt.

Kaukraftparität in der Kritik

In der Summe gilt jedoch, dass sowohl die Wechselkursbestimmung anhand der Kaufkraftparität als auch die daraus folgenden Implikationen umstritten sind. Insbesondere für Länder mit niedriger Inflation, wie z.B. im Fall der Schweiz, konnte die Kaufkraftparität empirisch nicht bestätigt werden. Zudem finden kurzfristige Schwankungen der Preise für Waren und Dienstleistungen bei der Anwendung der Kaufkraftparität kaum Berücksichtigung.

Zur Überprüfung des Wechselkurses sollten Anleger möglichst viele Indikatoren (wie z.B. die Entwicklung von Zinssätzen, Leistungsbilanzen, Staatsschulden, Vertrauen in die Währung) hinzuziehen. Erst wenn alle Indikatoren in die gleiche Richtung weisen, könnten Anleger ihre Anlagestrategie anpassen.

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