Retail Sales (Einzelhandelsumsätze) – Definition & Bedeutung
Retail Sales (auf Deutsch: Einzelhandelsumsätze) erfassen monatlich die nominalen Umsätze von Betrieben des US-Einzelhandels und der Gastronomie. Ein zentraler Bestandteil des Bruttoinlandsproduktes (BIP), als Maß für die wirtschaftliche Leistung einer Volkswirtschaft, ist der Konsum der Verbraucher. Dieser Indikator wird von vielen Akteuren aus der Wirtschafts- und Finanzwelt genau beobachtet, da er zeitnahe Hinweise auf die Entwicklung der Konsumausgaben und der Konjunktur liefert.
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Retail Sales – Definition
Retail Sales umfassen den monatlichen Gesamtumsatz des US-Einzelhandels und der Gastronomie und gelten als wichtiger Frühindikator für die Konsumnachfrage sowie die wirtschaftliche Entwicklung. Sie basieren auf den Umsätzen von Einzelhandelsunternehmen (ohne Umsatzsteuer, aber inklusive Onlinehandel) und werden unter anderem für die BIP-Berechnung und Konjunkturanalyse verwendet.
In der Regel basiert die Messung der Einzelhandelsumsätze auf einer Datenstichprobe, die die gemeldeten Einzelhandelsumsätze von Gastronomie- und Einzelhandelsgeschäften umfasst. Viele Reihen werden zusätzlich kalender- und saisonbereinigt veröffentlicht. Da die Werte nicht preisbereinigt sind, können Veränderungen auf Mengen- wie auf Preiseffekte zurückgehen.
Retail Sales – Veröffentlichung und Termine
Der Advance Monthly Retail Trade Report erscheint üblicherweise etwa zwei Wochen nach Ende des jeweiligen Berichtsmonats um 8:30 Uhr Eastern Time (ET). Dies entspricht in Deutschland meistens 14:30 Uhr Ortszeit.
| Retail Sales Termine 2026 | |
| Datum | Uhrzeit (deutsche Zeit) |
|---|---|
| 14. Januar 2026 | 14:30 Uhr |
| 10. Februar 2026 | 14:30 Uhr |
| 6. März 2026 | 14:30 Uhr |
| 1. April 2026 | 14:30 Uhr |
| 21. April 2026 | 14:30 Uhr |
| 14. Mai 2026 | 14:30 Uhr |
| 17. Juni 2026 | 14:30 Uhr |
| 16. Juli 2026 | 14:30 Uhr |
| 14. August 2026 | 14:30 Uhr |
| 16. September 2026 | 14:30 Uhr |
| 15. Oktober 2026 | 14:30 Uhr |
| 17. November 2026 | 14:30 Uhr |
| 16. Dezember 2026 | 14:30 Uhr |
Zusammensetzung der Retail Sales
Das U.S. Census Bureau erhebt die monatlichen Einzelhandelsumsätze über die Monthly Retail Trade Survey (MRTS). Deren Stichprobe umfasst rund 13.000 Unternehmen mit Beschäftigten. Die Teilnahme an dieser monatlichen Erhebung ist freiwillig. Für die früh veröffentlichte Schätzung nutzt die Advance Monthly Retail Trade Survey (MARTS) eine Teilstichprobe von rund 4.800 Erhebungseinheiten.
Die frühere Annual Retail Trade Survey (ARTS) wurde nach dem Berichtsjahr 2022 eingestellt. Ihre Funktion übernimmt seit dem Berichtsjahr 2023 die Annual Integrated Economic Survey (AIES), deren Ergebnisse unter anderem als jährliche Referenzwerte für die monatlichen Statistiken dienen. Für Unternehmen, die zur AIES ausgewählt wurden und einen entsprechenden Zugangscode erhalten haben, ist die Teilnahme verpflichtend.
Einzelhandel
Der Einzelhandel (engl. retail sector oder retail trade) umfasst Betriebe, deren Haupttätigkeit darin besteht, Waren im Allgemeinen ohne Weiterverarbeitung in kleinen Mengen an die breite Öffentlichkeit zu verkaufen und damit verbundene Dienstleistungen zu erbringen. Typischerweise dienen die Waren dem persönlichen oder häuslichen Verbrauch.
Maßgeblich für die statistische Zuordnung ist die Haupttätigkeit des Betriebs. Einzelhandelsverkäufe von Herstellern, Großhändlern oder Dienstleistungsunternehmen, die nicht primär dem Einzelhandel zugeordnet sind, fließen daher nicht in die Retail-Sales-Schätzungen ein. Die Waren beziehen Einzelhändler beispielsweise vom Großhandel oder direkt vom Hersteller.
Die folgende Abbildung stellt vereinfacht eine gängige Lieferkette einer Ware dar.
Beispiele aus dem Einzelhandel
Einzelhändler sind beispielsweise Supermärkte, Discounter, Fachgeschäfte oder Warenhäuser. United States Census veröffentlicht verschiedene Retail Sales, die unterschiedliche Branchen berücksichtigen, wie z. B.:
- Fahrzeugverkäufe
- Bekleidungsverkauf
- Lebensmittelverkäufe
- Verkäufe von Elektronik und Geräten
Häufig werden Retail Sales in der Gesamtsumme und ohne Fahrzeugverkäufe untersucht. Der Grund dafür ist, dass Autoverkäufe die Gesamtsumme der Einzelhandelsumsätze verzerren können, da sie mit relativ hohen Werten verbunden sind und saisonalen Schwankungen unterliegen.
E-Commerce
Das United States Census gibt Daten heraus, die Retail Sales in der Gesamtsumme und nur für den Online-Handel (engl. Electronic Commerce, kurz: E-Commerce) umfassen. Im Online-Handel werden Waren verkauft, bei dem der Käufer seine Bestellung über das Internet aufgibt.
Die folgende Grafik der Federal Reserve Bank of St. Louis zeigt den prozentualen E-Commerce-Anteil am gesamten US-Einzelhandel, quartalsweise. Auffällig sind der deutlich ausgeprägtere Pandemie-Peak und die anschließende Normalisierung.
Retail Sales – Interpretation & Bedeutung
Allgemeine Bedeutung
Retail Sales stellen einen guten Indikator zur Begutachtung der wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes dar. Sie signalisieren Trends bei den (verschiedenen) Konsumausgaben. Insbesondere in den USA sind die Verbraucherausgaben für die wirtschaftliche Leistung zentral, da sie knapp 70 % des US-amerikanischen BIP ausmachen.
Ansteigende Einzelhandelsumsätze stehen zunächst für höhere nominale Verkaufserlöse im erfassten Einzelhandels- und Gastronomiesektor. Zusammen mit weiteren Konjunktur- und Preisindikatoren können steigende Retail Sales auf eine Belebung der Konsumaktivität hinweisen.
Sowohl die Nachfrage als auch die Preise sind zentrale Komponenten von Retail Sales. Beispielsweise ist es möglich, dass der Preis einer Produktsparte deutlich steigt und gleichzeitig die Nachfrage abnimmt, sodass sich die Einzelhandelsumsätze im Vergleich zum Vormonat kaum verändert haben.
Bedeutung für den Anleger
Finanz- und Investmentunternehmen verwenden Statistiken zu Retail Sales zur Messung jüngster Wirtschaftstrends. Ein Vorteil der Einzelhandelsumsätze als Wirtschaftsindikator liegt in der monatlichen Aktualität der Umfragen und Berichte (beispielsweise im Unterschied zur vierteljährlichen Messung des BIP).
Einige Finanzmarktakteure verwenden Retails Sales auch als makroökonomischen Frühindikator:
- Abnehmende Einzelhandelsumsätze tragen tendenziell zur Zurückhaltung der Anleger bei.
- Dagegen können zunehmende Einzelhandelsumsätze Investitionsentscheidungen positiv beeinflussen.
Mithilfe einer vergleichenden Analyse der Einzelhandelsumsätze zwischen Brachen des Einzelhandels (z. B. Fahrzeugverkäufe vs. Bekleidungsverkauf) kann ein Anleger eine erste Orientierung für die Gewichtung seines Portfolios erhalten.
Retail Sales im Zeitverlauf
Die folgende Grafik der Federal Reserve Bank of St. Louis zeigt die nominalen, saisonbereinigten monatlichen Umsätze von Betrieben des Einzelhandels und der Gastronomie (engl. „Retail Trade and Food Services“) in Millionen US-Dollar seit 1992.
Verwendung der Retail Sales Daten
Zahlreiche Unternehmen, Einzelpersonen, Institutionen und Regierungen nutzen Daten des Retail Sales für unterschiedliche Zwecke. Die folgenden Punkte listen einige zentrale Verwendungszwecke auf:
- Berechnung des Bruttoinlandprodukts (BIP)
- Schätzung aktueller Wirtschaftstrends
- Verwendung als Input für Erzeugerpreisindizes und Produktivitätsmessungen
- Überwachung der Kreditvergabe an Privatkunden
- Schätzung von Geschäftstätigkeitsindizes
- Schätzung jüngster Verbraucheraktivitäten
- Marktforschung
- Produktentwicklung
Zusammenfassung
Die Einzelhandelsumsätze sind ein allgemeiner makroökonomischer Wirtschaftsindikator, der die nominalen Umsätze von Betrieben des Einzelhandels und der Gastronomie misst. Sie liefern zeitnahe Hinweise auf die Entwicklung der Konsumaktivität und können bei der Einschätzung der Wirtschaftsleistung einer Volkswirtschaft helfen. Die Werte sind nicht preisbereinigt. Deshalb bilden sie die reale Nachfrage bzw. die verkauften Mengen nicht ab.
Einige Finanzmarktakteure nutzen Retail Sales als Grundlage für die Bewertung von Wertpapieren (z. B. Aktien, Unternehmensanleihen).
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