US-Arbeitsmarktdaten – Erklärung & Bedeutung

Autorin: Inhaltlich geprüft von: Philipp Berger

US-Arbeitsmarktdaten bzw. Arbeitsmarktstatistiken, im Englischen “Current Employment Statistics” (CES), umfassen wertvolle Informationen bezüglich der nicht-landwirtschaftlichen (engl. nonfarm) Beschäftigung, Arbeitsstunden und Löhne aufgeteilt nach Branchen und Regionen der USA.

Viele Akteure aus der Wirtschafts- und Finanzwelt, und im Speziellen das Federal Reserve System (Fed), beobachten US-Arbeitsmarktdaten genau, da sie zu den wichtigsten Indikatoren zur Beurteilung der Konjunkturentwicklung in den USA gehören.

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US-Arbeitsmarktdaten – Definition

U.S. Bureau of Labor Statistics (BLS) Die US-Arbeitsmarktdaten liefern eine Zusammenfassung über die aktuelle Arbeitsmarktsituation in den USA, einschließlich der Beschäftigung (z.B. Schaffung von Stellen in bestimmten Industriesektoren), Arbeitslosigkeit, Realeinkommen und deren Veränderungen.

Zuständig für die monatliche Ermittlung und Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten ist das U.S. Bureau of Labor Statistics (BLS) (deutsche Übersetzung: US-Büro für Arbeitsstatistik), eine Abteilung des Arbeitsministeriums der USA.

Mögliche Auswirkungen sowie die historische Entwicklung der Arbeitslosigkeit in den USA werden im Artikel weiter unten dargestellt. Sämtliche Arbeitsmarktberichte des U.S. Bureau of Labor Statistics (jeden Monat seit dem Jahr 1994) werden auf dieser Seite veröffentlicht.

US-Arbeitsmarktdaten Termine

Die Zusammenfassung der aktuellen US-Arbeitsmarktdaten am ersten Freitag jeden Monats um 08:30 Eastern Time bzw. 14:30 MEZ wird vor allem in der Finanzwelt mit Spannung erwartet.

US-Arbeitsmarktdaten Termine 2024
05. Januar 2024
02. Februar 2024
08. März 2024
05. April 2024
03. Mai 2024
07. Juni 2024
05. Juli 2024
02. August 2024
06. September 2024
04. Oktober 2024
01. November 2024
06. Dezember 2024

US-Messgrößen der Arbeitslosigkeit (U-1 bis U-6)

Seit 1994 veröffentlicht das Bureau of Labor Statistics Daten zu verschiedenen Definitionen einer Arbeitslosigkeit, umschrieben mit U-1, U-2, U-4, U-5, und U-6:

  • U-1: Personen, die mindestens 15 Wochen arbeitslos sind, in Prozent der Erwerbsbevölkerung.
  • U-2: Personen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben plus vorher befristete Beschäftigte, in Prozent der Erwerbsbevölkerung.
  • U-3: Alle Arbeitslosen in Prozent der Erwerbsbevölkerung (offizielle Quote).
  • U-4: Alle Arbeitslosen plus entmutigte Arbeitnehmer in Prozent der Erwerbsbevölkerung zuzüglich entmutigter Arbeitnehmer.
  • U-5: Alle Arbeitslosen plus entmutigte Arbeitnehmer plus geringfügig Beschäftigte in Prozent der Erwerbsbevölkerung zuzüglich aller geringfügig Beschäftigten.
  • U-6: Alle Arbeitslosen plus geringfügig Beschäftigte plus der Personen, die aus wirtschaftlichen Gründen eine Teilzeitstelle haben, in Prozent der Erwerbsbevölkerung zuzüglich der geringfügig Beschäftigten.

Dabei sind geringfügig Beschäftigte und entmutigte Arbeiter (als Untergruppe der geringfügig Beschäftigten) Personen, die nicht als arbeitslos gezählt werden, weil sie in den letzten 4 Wochen vor der Umfrage keine Arbeit gesucht haben. Häufig gelten Daten zur U-6 als aufschlussreicher als jene zur U-3, da U-6 u.a. Personen berücksichtigt, die in einer Teilzeitbeschäftigung sind, obwohl sie in Vollzeit arbeiten würden.

Nach dem US-Büro für Arbeitsstatistik gilt eine Person als arbeitslos, die keine Arbeit hat, in den letzten 4 Wochen aktiv nach Arbeit gesucht hat und derzeit für eine Arbeit zu Verfügung steht. Diese Einstufung ist unabhängig davon, ob die Person Arbeitslosengeld bezieht.

Chart & Entwicklung der US-Arbeitsmarktdaten

Die folgende Karte der USA, veröffentlicht vom US-Arbeitsministerium, stellt die lokale Arbeitslosenrate in den 50 Bundesstaaten für Oktober 2023 dar.

Karte der lokalen US-Arbeitsmarktdaten in den USA
Karte der lokalen US-Arbeitsmarktdaten in den USA (10/2023)

Weiterführend stellt die folgende Grafik der Federal Reserve Bank of St. Louis die aggregierte Arbeitslosenquote in den USA dar.

Im Zuge der Corona-Pandemie 2020/21 lag die Arbeitslosenquote in den USA auf einem historischen Höchstwert von 14,8 % im April 2020 und war damit deutlich höher als während der Finanzkrise 2008/09 mit einem Höchstwert von 10 % im Oktober 2009. Im Zuge der Großen Depression im Jahr 1932 waren etwa 25 % aller US-Amerikaner arbeitslos.   

Eine relativ niedrige Arbeitslosenquote von 3,5 % konnte die USA im Dezember 2019 erreichen. Die historisch durchschnittliche Arbeitslosenquote (von 1948 bis 2021) beträgt etwa 5,8 %.

Bedeutung der US-Arbeitsmarktdaten

Konjunkturindikator

US-Arbeitsmarktdaten werden von Akteuren aus der Wirtschaft, Politik sowie der Finanzwelt zur Einschätzung der konjunkturellen Lage in den USA verwendet. So geht eine höhere Beschäftigung grundsätzlich mit einer positiveren Stimmung unter den Akteuren einher, die sich in einem intensiveren Investitions- und Ausgabeverhalten zeigen kann. Im Unterschied dürfte eine geringere bzw. abnehmende Beschäftigung zu einer Zurückhaltung von Wirtschaftsaktivitäten führen.

Zudem spiegelt eine höhere Beschäftigung tendenziell eine niedrigere Arbeitslosigkeit in einem Land wider. In diesem Zusammenhang führt ein konjunktureller Abschwung zu einer zunehmenden Arbeitslosigkeit, während ein konjunktureller Aufschwung mit einer abnehmenden Arbeitslosigkeit verbunden ist.

Das Okunsche Gesetz besagt: Eine Reduktion des realen Bruttoinlandsproduktes um 1 % ist mit einer Zunahme der Arbeitslosenquote um etwa 2 % verbunden.

Inflationsindikator

Da die Berichte zu US-Arbeitsmarktdaten die durchschnittlichen Löhne u.a. in einzelnen Industrien darstellen, kann dieser Hinweise auf künftige Preisentwicklungen geben. Im Bericht zum Realeinkommen (engl.: “Real Earnings Summary”) werden monatliche Änderungen zum realen durchschnittlichen Stundenlohn oder Wochendienst aller Arbeitnehmer bekannt gegeben.

Grundsätzlich ist eine stabile Inflationsrate (prozentualer Anstieg des Preisniveaus innerhalb eines Jahres) von etwa 2 % ein gängiges Ziel, um nachhaltiges Wirtschaftswachstum sowie soziale Gerechtigkeit in einem Land zu fördern. Nehmen Löhne in vielen Industrien der USA im Vergleich zu den Vormonaten deutlich zu, kann dies eine ansteigende Preisentwicklung signalisieren.

In der Regel führen steigende Löhne zu einer erhöhten gesamtwirtschaftlichen Nachfrage nach Gütern. Bei einem konstanten Angebot führt dies zu einem erhöhten Preisniveau auf dem Gütermarkt. 

Exkurs: Wirtschaftliche Folgen der Arbeitslosigkeit

Je geringer die Beschäftigung ist, desto größer tendenziell die Arbeitslosigkeit in den USA. Im Zuge dessen kann es zu möglichen wirtschaftlichen Folgen kommen, die die Konjunktur eines Landes beeinträchtigen können:

  • Gesamteinkommen der privaten Haushalte sinkt
  • Steuereinnahmen sinken
  • Steuerausgaben, z.B. in Form von Arbeitslosenhilfe, steigen
  • Staatsdefizit steigt
  • Abnahme des Bruttoinlandsproduktes (BIP)
  • Abnahme der Konsumausgaben (engl. Retail Sales)
  • Senkung des Preisniveaus (siehe engl. Consumer Price Index) aufgrund der zurückgegangenen Nachfrage 

Auswirkungen auf die Fiskal- und Geldpolitik

Die Fiskal- und Geldpolitik kann nach schlechten US-Arbeitsmarktdaten wie folgt reagieren, um die Beschäftigung wieder anzukurbeln:

  • Expansive Fiskalpolitik der Regierung – z.B. Senkung der Unternehmenssteuer, Senkung der Mehrwertsteuer, Einmalzahlungen, Erhöhung staatlicher Investitionen 
  • Expansive Geldpolitik der US-amerikanischen Zentralbank Federal Reserve System – z.B. Senkung des Leitzinssatzes (siehe auch Fed-Zinsentscheid), Ankauf von Staats- und Unternehmensanleihen (umschrieben als “Quantitative Easing”)

In diesem Rahmen hat die Fed ein besonderes Interesse an den aktuellen Arbeitsmarktdaten, da ihre beiden geldpolitischen Ziele in der Förderung von Preisniveaustabilität sowie Vollbeschäftigung liegen.

Bedeutung der US-Arbeitsmarktdaten für die Börse

Statistiken und Berichte zu US-Arbeitsmarktdaten untersuchen die Beschäftigungssituationen in einzelnen Industrien. Dazu gehören z.B. Einzelhandel (genauer: Autohändler, Nahrungsmittel oder Elektronik- und Gartenfachgeschäfte), Freizeit- und Gastgewerbe, Landwirtschaft, Herstellung, Bildung, staatliche Einrichtungen und Finanzsektor.

Angesichts dessen kann ein Anleger die Beschäftigungszahlen einzelner Industrien genau untersuchen und ggf. im Fall einer merklichen Beschäftigungszunahme oder -abnahme relativ zu anderen Industrien die Gewichtung seines Portfolios anpassen. Beispielsweise kann ein signifikanter Beschäftigungsanstieg in der Automobilindustrie einen ansteigenden Aktienkurs der entsprechenden Unternehmen signalisieren.

US-Arbeitsmarktbericht

Neben den US-Arbeitsmarktdaten publiziert das U.S. Bureau of Labor Statistics jeden ersten Freitag im Monat einen US-Arbeitsmarktbericht (auch bekannt als “Beschäftigungs-, Stellen- oder Jobbericht” oder im Englischen “Employment Report”). Dieser enthält eine Zusammenfassung der aktuellen Beschäftigungssituation und damit Informationen zu Herausforderungen und Trends, wie beispielsweise:

  • (Bemerkenswerte) Jobzuwächse in bestimmten Branchen (z.B. Einzelhandel, Automobilbranche, Finanzsektor, Gastgewerbe oder Pflege)
  • Beschäftigungszuwächse nach demografischen Merkmalen
  • Zuwächse im durchschnittlichen Stundenlohn
  • Zahl der Langzeitarbeitslosen (d.h. Personen, die 27 Wochen oder länger arbeitslos sind)
  • Gründe der Arbeitslosigkeit (z.B. familiäre Verpflichtungen, Schulbesuch oder pandemiebedingt) 
  • Teilzeitbeschäftigung
  • Telearbeit
  • Im Inland oder im Ausland geborene Arbeitnehmer

Fazit

Die US-Arbeitsmarktdaten werden vom U.S. Bureau of Labor Statistics veröffentlicht und basieren auf einer stichprobenbasierten Beschäftigungsschätzung im Rahmen einer monatlichen Umfrage. Anhand dieser Zahlen kann der aktuelle wirtschaftliche Wohlstand bzw. dessen Veränderung in den USA gemessen werden, da eine Rezession in der Regel mit einer zunehmenden Arbeitslosigkeit verbunden ist.   

Insbesondere der monatliche US-Arbeitsmarktbericht wird von vielen Akteuren aus der Wirtschaft, der Politik sowie der Finanzwelt mit Spannung erwartet, da er wertvolle Informationen zu aktuellen Trends sowie Herausforderungen der Beschäftigungssituation einzelner Industrien liefert. Vor allem bei unerwarteten Ergebnissen zeigt sich: Die Veröffentlichung aktueller US-Arbeitsmarktdaten bewegt Finanzmärkte.

Häufige Fragen

Wer ist erwerbstätig?

Gemäß dem U.S. Bureau of Labor Statistics ist eine Person erwerbstätig, wenn sie während der Bezugswoche der Umfrage eine der vier Kriterien erfüllt:

Mindestens eine Stunde als bezahlter Arbeitnehmer gearbeitet hat
Mindestens eine Stunde im eigenen Betrieb, Beruf, Gewerbe oder Bauernhof gearbeitet hat
Vorübergehend von ihrem Arbeitsplatz, Geschäft oder Bauernhof abwesend war, unabhängig davon, ob sie für die Freizeit bezahlt wurde oder nicht
Mindestens 15 Stunden unbezahlt in einem Betrieb oder Bauernhof eines Familienangehörigen gearbeitet hat

Darüber hinaus gelten z.B. Freiwilligenarbeit, unbezahlte Praktika, unbezahlte Trainingsprogramme oder im eigenen Haus Putzen, Streichen, Reparieren oder andere Hausarbeiten nicht als Beschäftigung.

Wer ist nicht erwerbstätig?

In der US-Arbeitsmarktstatistik wird eine Person als nicht erwerbstätig eingestuft, wenn sie während der Bezugswoche nicht erwerbstätig war und nicht aktiv nach Arbeit gesucht hatte (oder vorübergehend entlassen wurde).

Demzufolge ist eine Person nicht erwerbstätig, die während der Erhebungswoche weder als erwerbsfähig noch als arbeitslos eingestuft wurde. Ein Studium oder Familienpflichten erweisen sich häufige als Gründe, wieso eine Person nicht erwerbstätig ist.

Wie werden die US-Arbeitsmarktdaten ermittelt?

Zur Ermittlung der Daten befragt das U.S. Bureau of Labor Statistics knapp 150.000 Unternehmen sowie Regierungsbehörden, die etwa 700.000 einzelne Arbeitsplätze repräsentieren sollen.

Mithilfe dieser Umfrage bzw. Primärstatistik wird dann eine Schätzung der Anzahl der Beschäftigten, der durchschnittlichen Arbeitsstunden und Löhne in den USA, den 50 Bundesstaaten sowie wichtiger Ballungsräume erstellt. Dabei geht es um die zentrale Fragestellung, ob sich die geschätzten Durchschnittswerte im Vergleich zum Vormonat bzw. Vorjahr verschlechtert oder verbessert haben.

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