Bruttoinlandsprodukt (BIP) – Definition & Bedeutung

Autorin:

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP), im Englischen Gross Domestic Product (GDP), gilt als wichtiger Indikator (Hinweis) für Konjunktur und Wachstum einer Volkswirtschaft. Es misst die gesamte im Inland entstandene Wirtschaftsleistung in einem bestimmten Zeitraum.

Mit einem Bruttoinlandsprodukt von über knapp 21 Billionen US-Dollar weist die USA mit Abstand das weltweit höchste BIP im Jahr 2021 auf. Danach folgen China (14,7 Billionen US-Dollar), Japan (3,8 Billion US-Dollar) und Deutschland (3,8 Billionen US-Dollar). Das Bruttoinlandsprodukt wird von vielen Akteuren in der Wirtschafts- und Finanzwelt im Rahmen ihrer Investitionsentscheidungen verwendet.

Staatlich geprüftes Ausbildungsprogramm

Vermögensaufbau plus monatliches Einkommen an der Börse

Generiere ein regelmäßiges Einkommen an der Börse, indem du ein klares System, mit sofort umsetzbarem Investment-Wissen aus der Praxis erlernst. Erlerne die Strategie, die dir einen statistischen und wissenschaftlich belegbaren Vorteil an der Börse verschafft.

Siegel ZFU Langfristig orientierter Vermögensaufbau
Profitable, geprüfte Aktien- und Optionsstrategien
In jeder Marktlage Geld verdienen

Bruttoinlandsprodukt – Definition

Das Bruttoinlandsprodukt entspricht dem Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen, die innerhalb der geografischen Grenzen einer Volkswirtschaft in einem Zeitraum produziert werden. Es beinhaltet den Endwert eines Produktes und nicht die darin enthaltenen Teile oder Vorleistungen. In der Regel wird das Bruttoinlandsprodukt für Jahre und Quartale berechnet.

Destatis LogoIn Deutschland ermittelt das Statistische Bundesamt das vierteljährliche BIP und überprüft die Schätzung jeden Monat, wenn es aktualisierte Daten erhält.

Bureau of Economic Analysis (BEA) Logo In den USA ermittelt das Bureau of Economic Analysis (BEA) (Deutsche Übersetzung: Büro für Wirtschaftsanalyse), eine Abteilung des Handelsministeriums der USA, das vierteljährliche BIP. Zudem überprüft das BEA die Schätzung jeden Monat, wenn es aktualisierte Daten erhält.

BIP Berechnung

Die Komponenten des Bruttoinlandsprodukts umfassen den privaten Konsum (C), den staatlichen Konsum (G), die inländischen Investitionen (I), und die Exporte minus Importe (X-M).

Formal ist das BIP (Y) gleich:

Y = C + G + I + X - M

Das Bruttoinlandsprodukt einzelner Länder wird häufig mithilfe dieser Formel (Verwendungsgleichung) berechnet.

In vielen Ländern ist die wichtigste Komponente des Bruttoinlandsprodukts der private Konsum. In den USA machen Verbraucherausgaben, u.a. approximativ gemessen an den Einzelhandelsumsätzen (engl.: Retail Sales), knapp 70 % des US-amerikanischen BIP aus. Der Anteil des privaten Konsums am deutschen BIP macht lediglich etwa 50 % aus (Stand: 2019).

Beitrag der Komponenten am BIP für Deutschland

Arten des BIP

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Bruttoinlandsprodukt eines Landes zu messen. In der Regel wird zwischen den folgenden vier Definitionen des BIP eines Landes unterschieden:

  • Nominales BIP: Summe aller in aktuellen Marktpreisen bewerteten Güter, welche in einem Land während einer bestimmten Zeitperiode (ein Jahr oder ein Quartal) für den Endverbraucher produziert wurden. Das nominale Bruttoinlandsprodukt schließt Preiserhöhungen mit ein.
  • Reales BIP: Summe aller zu Preisen des Basisjahres bewerteten Güter, welche in einem Land während einer bestimmten Zeitperiode für den Endverbraucher produziert wurden. Das reale Bruttoinlandsprodukt ist preisbereinigt und damit unabhängig von Preisveränderungen, d.h. Auswirkungen der Inflation werden eliminiert.
  • Pro-Kopf-BIP: Verhältnis des Bruttoinlandsprodukts zur durchschnittlichen Bevölkerung eines Landes in einem Jahr. Da die Bevölkerungszahl eines Landes teils stark von anderen Ländern abweicht, ist das Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt die beste Methode, um das BIP zwischen den Ländern zu vergleichen.
  • BIP-Wachstumsrate: Prozentualer Anstieg des Bruttoinlandsprodukts innerhalb einer bestimmten Zeitperiode. Die BIP-Wachstumsrate gibt an, wie viel mehr Güter eine Volkswirtschaft produziert hat als im Vorjahr.

Bruttoinlandsprodukt – Interpretation & Bedeutung

Bedeutung für die Wirtschaft

Das Bruttoinlandsprodukt wird von Akteuren der Wirtschaft, Politik und Finanzwelt genau beobachtet, da es zu den am häufigsten verwendeten Indikatoren gehört, um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes zu bewerten. Auch Zentralbanken können ihre Geldpolitik nach den jüngsten BIP-Entwicklungen eines Landes ausrichten.

Es gibt zahlreiche Faktoren, die einen tendenziell positiven (+) oder tendenziell negativen () Einfluss auf das nominale Bruttoinlandsprodukt eines Landes haben, wie z.B.:

  • Jährliche BIP-Wachstumsrate (+)
  • Technologischer Fortschritt und Wissen (+)
  • Jährliche Arbeitslosenquote ()
  • Verlauf wichtiger Aktienindizes (+)
  • Nettoexporte (+) kurzfristig
  • Leitzinserhöhung der Federal Reserve System (Fed) ()/(+) langfristig
  • Jährliche Inflation (+)/() langfristig
  • Staatsverschuldung (+)/() langfristig
  • Ölpreis (+)/() langfristig

Die BIP-Wachstumsrate (prozentualer Anstieg der Kennzahl) spiegelt den Konjunkturverlauf eines Landes wider. Eine negative Wachstumsrate bedeutet eine schrumpfende Wirtschaft, was eine Rezession signalisieren kann. Eine Rezession wird häufig dadurch definiert, dass das saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt in mindestens zwei aufeinander folgenden Quartalen gegenüber dem Vorquartal sinkt. Hingegen bedeutet eine positive Wachstumsrate eine expandierende Wirtschaft, was einen Aufschwung signalisieren kann.

Die folgende Weltkarte des International Monetary Fund (IMF) stellt die BIP-Wachstumsraten einzelner Länder für das Jahr 2021 dar:

BIP-Wachstumsraten einzelner Länder im Jahr 2021
BIP-Wachstumsraten einzelner Länder im Jahr 2021

Das Bruttoinlandsprodukt wird häufig zur Messung der Wohlfahrt eines Landes verwendet. Allerdings können viele ökologische und soziale Aspekte von Wohlfahrt nicht durch den (materiellen) BIP-Indikator erfasst werden.

Ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum eines Landes erfordert den geringen Einsatz natürlicher Ressourcen (z.B. Rohstoffe, Meerestiere) und einen geringen Ausstoß von umweltgefährlichen Stoffen, um negative Effekte (z.B. Klimawandel, gesundheitlich einschränkende Feinstaubbelastungen) in der Zukunft zu minimieren.

Bedeutung für Anleger

Das Bruttoinlandsprodukt eines Landes kann eine erste Orientierung zur Investitionsentscheidung schaffen, da es als Maß für die Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft interpretiert wird.

Ein Anleger kann die BIP-Wachstumsraten der Länder miteinander vergleichen, um eine erste Orientierung zur Ländergewichtung seines Portfolios zu erhalten. Eine negative BIP-Wachstumsrate kann auf wirtschaftliche Schwierigkeiten im Land hindeuten. Sehr hohe BIP-Wachstumsraten (im Vergleich zu anderen Ländern) können Inflation verursachen und sprechen tendenziell für kein nachhaltiges Wachstum.

Die USA verzeichneten vor der Finanzkrise in 2008/09 vergleichsweise hohe BIP-Wachstumsraten von durchschnittlich über 3 % für die Jahre 2004 bis 2007. Danach folgten negative BIP-Wachstumsraten für die beiden Jahre 2008 (-0,1 %) und 2009 (-2,5 %). Hohe Wachstumsraten könnten auf eine Überhitzung der Wirtschaft hindeuten. Zu viel Geld ist im Umlauf, sodass Anleger beginnen, ihr überschüssiges Geld in weniger produktive Unternehmen zu investieren.

Da das Bruttoinlandsprodukt die Wirtschaftsleistung eines Landes in der Vergangenheit misst, ist es grundsätzlich kein passendes Instrument, um Finanzmärkte in der Zukunft einzuschätzen. Daher scheinen Frühindikatoren, wie der Purchasing Managers Index (PMI), der ZEW-Index oder der ifo-Geschäftsklimaindex, angemessenere Instrumente zu sein, um die zukünftige Wirtschaftslage und damit gegebenenfalls auch Aktienpreisentwicklungen zu bewerten. Idealerweise sollten für Investitionsentscheidungen mehrere Wirtschafts(früh)indikatoren gleichzeitig berücksichtigt werden.

Pro-Kopf-BIP als Wohlstandsindikator

Pro-Kopf-BIP weltweit

Das Pro-Kopf-BIP stellt einen guten Indikator dar, um den Lebensstandard bzw. den materiellen Wohlstand eines Landes zu messen. Ökonomen nutzen das Pro-Kopf-BIP häufig, um die Produktivität einzelner Länder zu untersuchen.

Das Pro-Kopf-BIP wird formal definiert:

Pro~Kopf~BIP=\frac{BIP}{Anzahl~der~Einwohner}

Die folgende Weltkarte des IMF stellt das Pro-Kopf-BIP einzelner Länder für das Jahr 2019 dar:

Pro-Kopf-BIP einzelner Länder im Jahr 2019
Pro-Kopf-BIP einzelner Länder im Jahr 2019

Sowohl das BIP als auch die Bevölkerung sind die zentralen Faktoren für das Pro-Kopf-BIP. Das Pro-Kopf-BIP steigt bei sinkender Bevölkerungszahl und konstantem Bruttoinlandsprodukt. Technologischer Fortschritt führt zu einer erhöhten Produktion bei gleicher Bevölkerungszahl und kann somit das Pro-Kopf-BIP signifikant erhöhen.

Die reichsten Länder der Welt

Die folgende Tabelle stellt die reichsten Länder der Welt gemessen an ihrem durchschnittlichen jährlichen Pro-Kopf-BIP in US-Dollar von 2019 dar:

Platz Land Pro-Kopf-BIP in Tausend US-Dollar
1. Luxemburg 115,84
2. Schweiz 85,69
4. Irland 80,48
3. Macau (Sonderverwaltungsregion der Volksrepublik China) 81,16
5. Norwegen 75,75
6. Island 69,57
7. Singapur 65,64
8. USA 65,25
9. Katar 62,92
10. Dänemark 60,30

Deutschland befand sich im Jahr 2019 auf Platz 19 (Pro-Kopf-BIP: 46,47 Tausend US-Dollar) und damit noch hinter seinen Nachbarländern Niederlande (52,49 Tausend US-Dollar), Österreich (50,25 Tausend US-Dollar) und Belgien (46,54 Tausend US-Dollar).

Mitgliedsstaaten der Eurozone, in der die Europäische Zentralbank (EZB) für eine einheitliche Geldpolitik zuständig ist, besaßen ein durchschnittliches Pro-Kopf-BIP von 39,13 Tausend US-Dollar und Mitgliedsländer der Europäischen Union (EU) von 35,13 Tausend US-Dollar.

Die ärmsten Länder der Welt

Die nächste Tabelle stellt die ärmsten Länder der Welt gemessen an ihrem Pro-Kopf-BIP in US-Dollar im Jahr 2019 dar:

Platz Land Pro-Kopf-BIP in  US-Dollar
1. Burundi (Ostafrika) 257
2. Südsudan 310
3. Malawi 378
4. Zentralafrikanische Republik 480
5. Mosambik 488
6. Sierra Leone 527
7. Madagaskar 540
8. Niger 554
9. Eritrea 566
10. Kongo 574
11. Afghanistan 586

Bruttoinlandsprodukt der USA und Deutschland im Vergleich

Die folgende Grafik der Weltbank stellt das Pro-Kopf-BIP (in Kaufkraftparität (KKP) oder im Englischen Purchasing Power Parity (PPP)) von Deutschland und den USA im Zeitverlauf dar. Zum genaueren Vergleich des Pro-Kopf-BIP zwischen Ländern wird häufig die Kaufkraftparität verwendet, wodurch Unterschiede in den Lebenshaltungskosten zwischen Ländern herausgerechnet werden.

Pro-Kopf-BIP der USA und von Deutschland im Zeitverlauf (in US-Dollar, kaufkraftbereinigt, Quelle: Worldbank):


Aus der Grafik wird deutlich, dass die USA über Jahrzehnte ein höheres Pro-Kopf-BIP erwirtschaften konnte als Deutschland. 2019 hatte die USA ein Pro-Kopf-BIP von 65.280 US-Dollar, während das Pro-Kopf-BIP für Deutschland mit 55.891 US-Dollar um knapp 17 % niedriger ausfiel (in KKP).

Ein Grund für das relativ hohe Bruttoinlandsprodukt in den USA dürfte darin liegen, dass die meisten größten börsennotierten Unternehmen der Welt (z.B. Apple, Microsoft, Alphabet Inc, Amazon, Facebook und Tesla) aus den USA kommen. Zudem leistet der Arbeiter in den USA im Durchschnitt deutlich mehr Arbeitsstunden als der Arbeiter in Deutschland, der grundsätzlich mehr Freizeit hat.

Die folgende Tabelle fasst den Beitrag jeder Komponente zum Bruttoinlandsprodukt der USA und Deutschlands für das Jahr 2019 zusammen. Die Komponenten des Bruttoinlandsprodukts umfassen den privaten Konsum (C), den staatlichen Konsum (G), die inländischen Investitionen (I), und die Exporte minus Importe (X-M).

Komponenten des BIP der USA und Deutschlands in 2019:

USA (in jeweiligen Preisen, Milliarden US-Dollar), prozentualer Anteil am Bruttoinlandsprodukt Deutschland (in jeweiligen Preisen, Milliarden Euro), prozentualer Anteil am Bruttoinlandsprodukt
Privater Konsum (C) 14,429 (68 %) 1,807 (52 %)
Staatlicher Konsum (G) 3,714 (17 %) 0,704 (20 %)
Bruttoanlageinvestitionen (I) 3,826 (18 %) 0,748 (22 %)
Exporte minus Importe (Nettoexporte) (X-I) -569 (-3 %) 0,200 (6 %)
Summe BIP (Y) 21,373 3,459

Der private Konsum in den USA leistet den deutlich stärksten Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt (68 %). Gleichzeitig exportiert die USA weniger Waren und Dienstleistungen als es importiert, sodass die (Exporte minus Importe) das Bruttoinlandsprodukt negativ beeinflussen. Dagegen fällt der Saldo (Exporte minus Importe) für Deutschland positiv aus, sodass die Nettoexporte (im Unterschied zu den USA) einen positiven Einfluss auf das BIP in Deutschland haben.

Allerdings sind die Statistiken zum Bruttoinlandsprodukt einzelner Länder nicht gänzlich miteinander vergleichbar, da u.a. unterschiedliche Verbuchungen genutzt werden könnten. Zudem könnten Statistiken zum Bruttoinlandsprodukt leicht manipuliert werden. Beispielsweise bestand der Verdacht für die USA, dass sie ihre Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt verschönen würden, um letztlich Kapital von Investoren weltweit zu locken.

Zusammenfassung

Das Bruttoinlandsprodukt gilt als das wichtigste Maß für die Wirtschaftsaktivität eines Landes. Es misst den Wert aller Waren und Dienstleistungen, die über einen bestimmten Zeitraum innerhalb der Grenzen eines Landes hergestellt wurden.

Obwohl das Bruttoinlandsprodukt als Wirtschaftsindikator mit einigen Nachteilen (z.B. die nur quartalsweise Berechnung, die Verwendung vergangener Daten oder die leichte Manipulation von Statistiken) verbunden ist, wird es von vielen Akteuren der Wirtschaft, Politik und Finanzwelt zur strategischen Entscheidungsfindung unterstützend verwendet.

Wie du attraktive Qualitätsaktien findest & ein monatliches Zusatzeinkommen generierst

Lerne, in herausragende Qualitätsaktien zu einem günstigen Preis zu investieren. Baue dir ein zweites Einkommen auf, mit dem du unabhängig der Marktlage Geld verdienen kannst. Mit dem staatlich geprüften Ausbildungsprogramm von DeltaValue ist der Einstieg schnell, zeitsparend und profitabel möglich. Klicke hier um zu erfahren wie auch du Vermögen an der Börse aufbauen kannst.

DeltaValue GmbH hat 4,83 von 5 Sternen | 232 Bewertungen auf ProvenExpert.com
Langfristiger Vermögensaufbau plus regelmäßige Einnahmen an der Börse