Bermuda-Option – Erklärung & Beispiel
Eine Bermuda-Option (engl.: „Bermudan Option“) ist eine Mischung aus europäischer (Ausübung nur am Verfallstag) und amerikanischer Option (Ausübung während der Laufzeit möglich). Sie wird eingesetzt, wenn eine gewisse Flexibilität erwünscht ist, eine ständige Ausübungsmöglichkeit jedoch nicht erforderlich ist. Beliebt sind Bermudas im Bereich der Zins- und Währungsderivate sowie bei strukturierten Finanzprodukten.
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Bermuda-Option – Definition
Eine Bermuda-Option ist eine exotische Option, die nur an vertraglich vorab festgelegten Terminen (z. B. monatlich, quartalsweise) ausgeübt werden darf. Der letzte dieser Ausübungstermine fällt in der Regel auf den Fälligkeitstag. Bei klassischen Optionen existiert sie als Call oder Put. Im Zinsbereich, insbesondere bei Swaptions, spricht man hingegen häufig von Payer- und Receiver-Swaptions.
Der Name spielt darauf an, dass Bermuda geografisch zwischen den USA und Europa liegt – sinnbildlich für die Ausübungsart zwischen europäisch (nur am Laufzeitende) und amerikanisch (jederzeit). Vereinzelt finden sich außerdem Bezeichnungen wie Semi-American, Mid-Atlantic oder Quasi-American Option.
Mögliche Gestaltungsvarianten
In der Praxis gibt es einige Gestaltungsvarianten von Bermuda-Optionen. Dazu zählen
- Lock-out-Phase
Die Option darf erst ab einem bestimmten Zeitpunkt ausgeübt werden, z. B. erst nach 12 Monaten. Danach ist die Ausübung nur zu festgelegten Terminen möglich, etwa jeweils zum Quartalsende. Zum Beispiel: Ausübung frühestens nach einem Jahr, dann immer am 31. März, 30. Juni, 30. September, 31. Dezember. - Kalenderregel
Die Option kann regelmäßig zu bestimmten Zeitpunkten ausgeübt werden, zum Beispiel am ersten Geschäftstag jedes Monats. - Stufenmodell (progressive Freischaltung)
Die Anzahl möglicher Ausübungstermine steigt mit der Laufzeit. Beispiel: In den ersten 6 Monaten keine Ausübung, danach jedes Halbjahr, in den letzten 12 Monaten jedes Quartal. - Eventbasierte Termine
Die Ausübung ist nur zu bestimmten Ereignissen erlaubt, sofern diese Ereignisse bzw. die daraus folgenden Ausübungstermine vorab eindeutig definiert und vertraglich festgelegt sind, beispielsweise nach Veröffentlichung von Quartalszahlen oder nach Dividendenausschüttung. Sind die Termine nicht eindeutig vorab bestimmt, handelt es sich eher um eine eventabhängige exotische Option als um eine klassische Bermuda-Option. - Hybride Ausübungsstruktur
Manche Strukturen kombinieren eine anfängliche Sperrfrist mit anschließend häufigeren Ausübungsmöglichkeiten. Denkbar ist beispielsweise, dass die Option zunächst nicht ausgeübt werden darf und danach monatlich, quartalsweise oder in Sonderfällen sogar kontinuierlicher ausgeübt werden kann. Solche Varianten liegen an der Grenze zwischen klassischer Bermuda-Option und individuell strukturierter exotischer Option.
Bermuda-Optionen werden meist außerbörslich (OTC) gehandelt. Sie sind weniger verbreitet als Vanilla-Optionen.
Preisbildung einer Bermuda-Option
Da Bermuda-Optionen zu mehreren diskreten Zeitpunkten ausgeübt werden können, kann die geschlossene Black-Scholes-Formel für europäische Optionen nicht direkt angewendet werden, da diese nur einen einzigen Ausübungszeitpunkt kennt. Black-Scholes-ähnliche Annahmen können jedoch innerhalb numerischer Bewertungsverfahren genutzt werden.
Gängige Bewertungsmethoden sind
- Binomial-/Trinomialbaum: Die Laufzeit wird in viele kleine Schritte geteilt. Die Option wird per Rückwärtsinduktion bewertet (am Ende beginnen, Entscheidung „ausüben vs. weiterhalten“ an jedem erlaubten Termin).
- Finite-Differenzen (PDE): Mathematisches Gitterverfahren, das (ähnlich wie Bäume) frühe Ausübung an den Terminpunkten erlaubt.
- Monte-Carlo mit „Least-Squares“ (LSM): Viele Preisverläufe werden simuliert. Mittels Regressionsschätzung wird an jedem erlaubten Termin entschieden, ob Ausübung sinnvoll ist. (Ein einfaches Monte-Carlo-Verfahren ohne LSM reicht für solche Ausübungsentscheidungen nicht.)
- Zinsprodukte: In der Praxis kommen zusätzlich Zinsmodell-Spezifika (z. B. Hull-White, LMM) zum Einsatz.
Ausübung von Bermuda-Optionen
Die Ausübung von Bermuda-Optionen folgt dem Grundprinzip wie bei regulären Optionen, nur eben an den erlaubten Terminen.
- Call: Liegt der Kurs des Basiswerts am Ausübungstermin über dem Strike, ist die Option grundsätzlich im Geld (der Käufer kann zum niedrigeren Strike kaufen).
- Put: Liegt der Marktpreis unter dem Strike, ist die Option grundsätzlich im Geld (der Käufer kann zum höheren Strike verkaufen).
Ob tatsächlich ausgeübt wird, hängt bei Bermuda-Optionen jedoch nicht allein davon ab, ob sie im Geld sind. An jedem erlaubten Ausübungstermin wird zusätzlich geprüft, ob der sofortige Ausübungswert höher ist als der Wert des Weiterhaltens bis zu einem späteren Termin. Bei Aktienoptionen können etwa Dividenden eine Rolle spielen, bei Anleihe- oder Zinsprodukten Kupons, Zinsstrukturveränderungen oder Refinanzierungsvorteile.
Beispiel für eine Bermuda-Option
Ein institutioneller Anleger hält eine variabel verzinsliche Anleihe (Floater) und profitiert aktuell von hohen Zinsen. Er fürchtet sinkende Zinsen und möchte sich das Recht sichern, künftig fest zu empfangen / variabel zu zahlen (klassische Receiver-Swaption). Bei Swaptions spricht man anstelle von Call und Put in der Regel von Payer- und Receiver-Swaptions.
Das folgende vereinfachte Zahlenbeispiel unterstellt einen USD-Zinsmarkt auf SOFR-/OIS-Basis. Zur Einordnung: Der 5-Jahres-Par-Swap-Satz liegt im Beispiel bei 4,00 %. Der Strike der Swaption (der feste Satz, zu dem der Anleger beim Ausüben in den Swap eintritt) beträgt 3,50 %. Die genannten Prämien sind rein illustrative Beispielwerte.
Variante 1: Vanilla (europäische) Swaption
- Nominal: 10.000.000 USD
- Ausübungsart: Europäisch (einmalig)
- Prämie: 10.000 USD je 1 Mio (entspricht 100.000 USD gesamt)
- Ausübbar: Einmal in 12 Monaten
- Strike (Fixzins im Swap): 3,50 %
- Bei Ausübung: Eintritt in einen 5-Jahres-Swap (ab dem Ausübungstag) zum Strike 3,50 % (fest empfangen, float zahlen).
Variante 2: Bermuda-Swaption
- Nominal: 10.000.000 USD
- Ausübungsart: Bermuda
- Prämie: 11.500 USD je 1 Mio (entspricht 115.000 USD gesamt)
- Ausübbar: vierteljährlich im ersten Jahr (nach 3, 6, 9 und 12 Monaten)
- Strike (Fixzins im Swap): 3,50 %
- Bei Ausübung: Eintritt in einen 5-Jahres-Swap zum Strike 3,50 % ab dem jeweiligen Quartalstermin. Für diese beispielhafte Darstellung wird vereinfachend angenommen, dass an jedem Ausübungstermin ein neuer 5-Jahres-Swap beginnt. In der Praxis sind Bermudan Swaptions häufig co-terminal ausgestaltet: Dann bleibt das Enddatum des zugrundeliegenden Swaps fix, sodass die verbleibende Swaplaufzeit bei späterer Ausübung kürzer wird.
- Verfall: Wird zu keinem Termin ausgeübt, verfällt die Option wie eine europäische Option wertlos.
Beispielszenarien
Die zusätzliche Flexibilität einer Bermuda-Option wirkt sich vor allem in dynamischen Marktsituationen aus. Je nach Verlauf des Zinsniveaus kann sie einen spürbaren Unterschied machen.
- Szenario A: Nach drei Monaten kommt es zu einem deutlichen Zinsrückgang
Der 5-Jahres-Swap-Satz fällt auf 3,00 %.- Mit einer Bermuda-Option kann der Anleger sofort reagieren und die Zinsen für fünf Jahre zu 3,50 % festschreiben. Das ist ein klarer Vorteil, da 3,50 % über dem aktuellen Marktniveau liegen.
- Bei einer europäischen Option hingegen wäre eine Ausübung erst am Endtermin möglich. Steigt der Markt bis dahin wieder auf beispielsweise 3,70 %, verfällt die Option wertlos und der frühe Vorteil geht verloren.
- Fazit: Die Bermuda-Option zahlt sich in diesem Fall deutlich aus.
- Szenario B: Die Zinssenkung verläuft langsamer.
Der Satz sinkt erst nach zwölf Monaten auf 3,40 %. In diesem Fall könnten sowohl die Bermuda- als auch die europäische Option sinnvoll ausgeübt werden. Das Ergebnis wäre nahezu identisch – die zusätzliche Prämie der Bermuda-Option war hier im Grunde der „Versicherungsbeitrag“ für eine Flexibilität, die letztlich nicht benötigt wurde. - Szenario C: Das Zinsniveau bleibt konstant oder steigt sogar leicht und liegt stets über 3,50 %.
In diesem Fall verfallen beide Optionen wertlos. Die Bermuda-Variante war teurer, bot aber keinen tatsächlichen Mehrwert.
Vorteile von Bermuda-Optionen
Bermuda-Optionen verbinden Eigenschaften europäischer und amerikanischer Optionen und bieten dadurch einige Vorteile, auch wenn sie mit gewissen Einschränkungen einhergehen.
Ein zentraler Vorteil ist die höhere Flexibilität: Mehrere Ausübungstermine verringern das sogenannte Timing-Risiko. Entwickelt sich beispielsweise das Zinsniveau früher als erwartet günstig, kann die Option bereits zu einem früheren Termin genutzt werden. Eine Absicherung lässt sich also rechtzeitig „festzurren“, ohne bis zum Laufzeitende warten zu müssen.
Darüber hinaus ermöglichen Bermuda-Optionen eine bessere Passgenauigkeit. Die Ausübungstermine können an unternehmensspezifische Zeitpunkte wie Kupon- oder Bilanzstichtage angepasst werden. Besonders im Zinsbereich (etwa bei Swaps oder Swaptions) ist das sehr praxisnah und erleichtert die Integration in bestehende Strukturen.
Ein weiterer Vorteil liegt in der Gestaltung von Kündigungs- oder Beendigungsrechten. Wird die Bermuda-Komponente als eingebettetes Recht verwendet (z. B. bei einem Cancellable Swap), kann ein bestehendes Geschäft zu vorher definierten Terminen beendet oder angepasst werden, ohne jedes Mal einen separaten Markt-Unwind verhandeln zu müssen. Die zusätzliche Flexibilität spiegelt sich allerdings in der Optionsprämie wider.
Preislich liegt die Bermuda-Option ceteris paribus typischerweise zwischen einer europäischen und einer amerikanischen Option: Sie ist in der Regel günstiger als eine voll flexible amerikanische Option, bietet aber deutlich mehr Handlungsspielraum als eine rein europäische.
Nachteile
Da zusätzliche Ausübungsmöglichkeiten einen Wert darstellen, fällt die Prämie höher aus als bei einer vergleichbaren europäischen Option. Zudem kann die Option nur an den vorab definierten Terminen ausgeübt werden. Wer eine günstige Marktbewegung zwischen diesen Terminen verpasst, kann sie nicht nutzen.
Bei wenig liquiden OTC-Strukturen kann zudem ein vorzeitiger Ausstieg schwieriger sein als bei standardisierten Optionen. Selbst wenn eine Glattstellung möglich ist, können Modellannahmen, Geld-/Brief-Spannen (Bid-Ask-Spreads) und Verhandlungen mit der Gegenpartei den tatsächlich erzielbaren Preis beeinflussen.
Hinzu kommt eine gewisse Komplexität. Bewertung, Absicherung (Hedging) und Dokumentation solcher Instrumente (insbesondere im OTC-Bereich) sind anspruchsvoller. Auch das Gegenparteirisiko sollte stets beachtet werden.
Schließlich erfordert eine Bermuda-Option operative Disziplin, da an jedem Ausübungstermin eine Entscheidung getroffen werden muss, ob die Option ausgeübt oder weitergehalten wird.
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