Quick Ratio (Liquidität 2. Grades) – Definition & Berechnung

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Quick Ratio – Definition

Die Quick Ratio zeigt, ob ein Unternehmen über ausreichend Liquidität verfügt, um seine kurzfristigen Verbindlichkeiten zu decken. Dafür werden besonders schnell liquidierbare Vermögenswerte (insbesondere Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente) ins Verhältnis zu den kurzfristigen Schulden gesetzt. Vorräte werden dabei nicht berücksichtigt.

Ein höherer Wert signalisiert grundsätzlich eine stärkere kurzfristige Liquiditätsdeckung, sollte jedoch immer im Branchen- und Unternehmenskontext interpretiert werden.

Begriffsherkunft: Der Begriff Acid Test stammt ursprünglich aus der Goldprüfung, bei der mit Säure (engl. acid) getestet wurde, ob ein Metall echtes Gold ist. Übertragen auf die Finanzwelt beschreibt er eine „harte Probe“ der Unternehmensliquidität – eine schnelle, strenge Bewertung der Zahlungsfähigkeit ohne Einbeziehung aller Details.

Berechnung der Quick Ratio (direkte Methode)

Die Quick Ratio wird berechnet, indem die Summe der am schnellsten liquidierbaren Positionen des Umlaufvermögens eines Unternehmens durch die Summe der kurzfristigen Verbindlichkeiten dividiert wird.

Abhängig von der Berechnungsmethode kann das Ergebnis ein Prozentsatz oder ein Dezimalwert sein. Die Prozentformel lautet

Quick~Ratio=\frac{Zahlungsmittel+kurzfristig~marktgängige~Wertpapiere+kurzfristige~Nettoforderungen}{kurzfristige~Verbindlichkeiten}\times~100

Was zählt zu den Quick Assets?

Die in der Quick Ratio berücksichtigten Vermögenswerte werden häufig als Quick Assets bezeichnet. Gemeint sind Vermögenswerte, die sehr kurzfristig und ohne wesentliche Wertabschläge in Zahlungsmittel umgewandelt werden können. In der Praxis wird dabei oft ein Zeitraum von rund 90 Tagen als grobe Orientierung verwendet. Entscheidend bleibt jedoch immer, ob die jeweilige Bilanzposition tatsächlich kurzfristig verfügbar und verlässlich realisierbar ist.

Zu den Quick Assets zählen typischerweise Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente, kurzfristig marktgängige Wertpapiere bzw. Investments sowie kurzfristige Nettoforderungen. Vorräte, aktive Rechnungsabgrenzungsposten, Vorauszahlungen und andere nicht unmittelbar liquidierbare Vermögenswerte werden dagegen in der Regel nicht berücksichtigt.


Welche kurzfristigen Verbindlichkeiten zählen dazu?

Zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten zählen alle Verpflichtungen, die innerhalb des relevanten kurzfristigen Zeitraums zu erfüllen sind. Je nach Rechnungslegungsstandard und Bilanzausweis können dazu insbesondere folgende Posten gehören:

  • Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
  • kurzfristige Bankdarlehen und Kontokorrentverbindlichkeiten
  • Steuerverbindlichkeiten
  • Lohn- und Gehaltsverbindlichkeiten
  • sonstige kurzfristige Verbindlichkeiten
  • kurzfristige Rückstellungen
  • der kurzfristige Anteil langfristiger Finanzverbindlichkeiten

Entscheidend ist nicht nur die Bezeichnung des Bilanzpostens, sondern dessen tatsächliche Fälligkeit.


Herkunft der Daten

Die Informationen für die Ermittlung der Quick Ratio stammen aus der Bilanz eines Unternehmens. Investoren finden die Bilanz eines Unternehmens beispielsweise im jährlichen Geschäftsbericht. Dieser wird in der Regel auch auf der Homepage des Unternehmens veröffentlicht, z. B. unter Investor Relations.

Zusätzlich zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten benötigen Investoren aus den Aktiva alle Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente, kurzfristig marktgängigen Wertpapiere bzw. Investments sowie kurzfristigen Nettoforderungen. Die kurzfristigen Forderungen bestehen für gewöhnlich aus Forderungen, die durch Lieferungen und Leistungen entstanden sind.

Bei der Abgrenzung der kurzfristigen Verbindlichkeiten ist der jeweils angewandte Rechnungslegungsstandard zu beachten: Neben der Fälligkeit innerhalb von zwölf Monaten können beispielsweise auch der operative Geschäftszyklus oder Refinanzierungsrechte eine Rolle spielen.

Indirekte Berechnungsalternative

Für die Ermittlung der Quick Ratio existiert eine praxistaugliche indirekte Näherung. Dabei wird der Zähler aus dem Umlaufvermögen bzw. den kurzfristigen Vermögenswerten abgeleitet, indem nicht kurzfristig liquidierbare Posten entfernt werden – insbesondere Vorräte sowie sonstige nicht schnell realisierbare Umlaufposten.

  • Bei HGB-Abschlüssen ist zu beachten, dass aktive Rechnungsabgrenzungsposten nicht zum Umlaufvermögen gehören, sondern als eigener Bilanzposten ausgewiesen werden. Sie dürfen daher nicht zusätzlich aus dem Umlaufvermögen herausgerechnet werden.
  • Bei IFRS- oder US-GAAP-orientierten Darstellungen können Vorauszahlungen bzw. Prepaid Expenses dagegen in den kurzfristigen Vermögenswerten enthalten sein und sollten dann für die Quick-Ratio-Berechnung abgezogen werden.

Der so ermittelte Betrag wird durch die kurzfristigen Verbindlichkeiten geteilt. Bei konsistenter Postenzuordnung entspricht das Ergebnis der direkten Berechnung.

Quick~Ratio=\frac{Umlaufvermögen-Vorräte-nicht~schnell~liquidierbare~sonstige~Umlaufposten}{kurzfristige~Verbindlichkeiten}\times~100

Eine äquivalente Darstellung über die Bilanzsumme ist nur als rechnerische Ableitung sinnvoll: Von der Bilanzsumme sind neben dem Anlagevermögen zusätzlich Vorräte sowie alle weiteren nicht schnell liquidierbaren Aktiva abzuziehen. Wichtig ist, dass einzelne Posten nicht doppelt berücksichtigt werden.

Hinweis: Neben diesen beiden Berechnungsansätzen gibt es verschiedene Varianten und vereinfachte Formeln zur Ermittlung einer Näherungslösung. Investoren sollten daher darauf achten, wie die Quick Ratio berechnet wird, sofern sie die Berechnung nicht selbst vornehmen.

Quick Ratio – Interpretation & Bedeutung

Die Quick Ratio zeigt, inwieweit ein Unternehmen seine kurzfristigen Verbindlichkeiten fristgerecht begleichen kann, ohne auf den Verkauf von Vorräten angewiesen zu sein. Weicht die Kennzahl von einem branchen- oder unternehmensspezifischen Zielwert ab, kann das Management gezielt gegensteuern.

Investoren nutzen die Kennzahl, um die Finanzsteuerung und Liquiditätsplanung des Managements zu beurteilen. Banken und Lieferanten verwenden sie zudem als eine von mehreren Risikokennzahlen.

Was ist eine gute Quick Ratio?

Eine Quick Ratio um 1 bzw. 100 % gilt häufig als grober Orientierungswert. Sie signalisiert, dass die kurzfristigen Verpflichtungen rechnerisch durch schnell verfügbare Vermögenswerte gedeckt sind. Ein Bereich von etwa 1 bis 1,2 (bzw. 100–120 %) kann in vielen Fällen als solide gelten, ist jedoch kein allgemeingültiger Optimalwert.

Der ideale Zielbereich variiert stark nach Branche, Geschäftsmodell und Unternehmensgröße.

Beispiel: Branchenabhängigkeit der Quick Ratio

Ein identischer Quick Ratio Wert kann je nach Unternehmen unterschiedlich zu bewerten sein.

  • Handelsunternehmen halten häufig größere Vorratsbestände. Da Vorräte in der Quick Ratio nicht berücksichtigt werden, kann die Kennzahl niedriger ausfallen als die Current Ratio. Bei schnell drehenden Waren muss ein niedrigerer Wert nicht automatisch kritisch sein.
  • Dienstleistungsunternehmen haben oft geringe Vorräte. Die Quick Ratio kann daher näher an der Current Ratio liegen und eine stärkere Aussagekraft für die kurzfristige Liquiditätsdeckung haben.
  • Industrieunternehmen können lange Produktions- und Zahlungszyklen aufweisen. Hier sind Forderungslaufzeiten, Vorratsdauer und Zahlungsziele besonders wichtig für die Interpretation.
  • Subscription- oder SaaS-Unternehmen erhalten teilweise Vorauszahlungen von Kunden. Dadurch können kurzfristige Vertragsverbindlichkeiten entstehen, ohne dass daraus unmittelbar ein gleich hoher Zahlungsmittelabfluss folgt.

Ein pauschaler Zielwert ist daher nur eingeschränkt aussagekräftig. Sinnvoller ist der Vergleich mit Unternehmen derselben Branche sowie die Analyse der eigenen historischen Entwicklung.

Geringe Werte

Werte unter 1 können auf eine unzureichende Deckung der kurzfristigen Schulden hinweisen und damit potenzielle Liquiditätsengpässe oder Zahlungsstockungen signalisieren. Dies kann die Bonität belasten und die Finanzierungskonditionen verschlechtern. Solche Schwellen sind jedoch als Faustregeln zu verstehen.

Überhöhte Werte

Werte deutlich über dem branchenüblichen Niveau können auf überschüssige Liquidität hinweisen. Diese Mittel erwirtschaften meist nur geringe Renditen und können daher als nicht produktiv eingesetztes Kapital gelten.

In zyklischen Branchen, bei bevorstehenden Investitionen, unsicheren Märkten oder konservativer Finanzpolitik kann eine erhöhte Liquiditätsreserve bewusst gewollt sein. Investoren erwarten in solchen Fällen häufig eine nachvollziehbare Kapitalallokation – etwa durch Investitionen, Schuldentilgung, Dividenden oder Aktienrückkäufe.

Fazit: Sowohl zu niedrige als auch ungewöhnlich hohe Quick-Ratio-Werte können kritisch sein. Niedrige Werte können auf bevorstehende Liquiditätsprobleme hinweisen, während sehr hohe Werte auf ungenutztes Kapital oder eine besonders vorsichtige Finanzpolitik hindeuten können. Entscheidend ist die Einordnung im Branchen- und Unternehmenskontext.

Entwicklung der Quick Ratio im Zeitverlauf

Die Analyse der Quick Ratio über mehrere Perioden liefert zusätzliche Erkenntnisse zur Liquiditäts- und Finanzstrategie eines Unternehmens. Eine steigende, sinkende oder konstante Entwicklung kann Hinweise auf Veränderungen im operativen Geschäft oder im Finanzmanagement geben.

  • Eine steigende Quick Ratio kann auf eine verbesserte Liquiditätslage hinweisen, etwa durch höhere Zahlungsrückflüsse, gestiegene Gewinne oder eine vorsichtigere Mittelverwendung. Sie kann aber auch darauf deuten, dass vorhandene Liquidität nicht produktiv investiert wird.
  • Eine sinkende Quick Ratio kann Ausdruck erhöhter Investitionstätigkeit, gestiegener kurzfristiger Verbindlichkeiten oder sinkender Umsätze sein. In Kombination mit anderen Kennzahlen kann sie frühzeitig auf Liquiditätsrisiken oder strukturelle Veränderungen im Geschäftsmodell hinweisen.

Bei der Interpretation ist der Ausgangswert entscheidend: Steigende, sinkende oder konstante Werte können – je nach Ausgangsniveau – positiv oder negativ zu bewerten sein.

Beispiel: Analyse im Zeitablauf

Unternehmen A weist eine Quick Ratio von 115 % auf. Dieser Wert liegt im beispielhaft genannten Orientierungsbereich und signalisiert eine solide kurzfristige Liquiditätsdeckung. Eine konstante Entwicklung wäre daher grundsätzlich positiv zu bewerten.

Steigende Werte könnten hingegen darauf hinweisen, dass zunehmend Kapital ungenutzt in liquiden Mitteln gebunden ist, während sinkende Werte auf eine schwächere Liquiditätsposition hindeuten können.

Unternehmen B hat eine Quick Ratio von 80 %. Dieser Wert liegt unterhalb von 100 % und weist auf eine mögliche Unterdeckung der kurzfristigen Verbindlichkeiten hin. Eine konstante oder sinkende Entwicklung wäre hier negativ, während steigende Werte positiv zu interpretieren wären, da sie auf eine verbesserte Liquidität hindeuten.

Hinweis: Ein Unternehmensvergleich ist nur eingeschränkt sinnvoll, da die Quick Ratio stark von der Branche, der Kapitalstruktur und dem Geschäftsmodell abhängt.

Gründe für hohe oder niedrige Quick Ratio-Werte

Eine zu geringe Quick Ratio (unter 1) kann verschiedene Ursachen haben. Häufig resultiert sie aus einer hohen kurzfristigen Fremdkapitalquote, die die Liquidität durch Zinszahlungen und Rückführungsverpflichtungen belastet. Versäumt ein Unternehmen rechtzeitig zu refinanzieren oder umzuschulden, können erhebliche Beträge als kurzfristige Verbindlichkeiten klassifiziert werden – wodurch die Quick Ratio weiter sinkt.

Hohe Quick-Ratio-Werte können hingegen auf eine starke Liquiditätsreserve, geringe kurzfristige Verbindlichkeiten oder zurückhaltende Investitionstätigkeit hinweisen. Sie können aber auch durch hohe Forderungsbestände entstehen. Wird das Mahnwesen unzureichend betrieben oder verlängern sich die Zahlungsziele, steigen die Forderungen an – der Zähler der Quick Ratio erhöht sich, ohne dass sich die tatsächliche Zahlungsfähigkeit im gleichen Umfang verbessert haben muss.

Einflussfaktor: Forderungsstruktur eines Unternehmens

Für die Interpretation der Quick Ratio ist auch die Struktur und Qualität der Forderungen relevant. Unternehmen tragen ein Forderungsausfallrisiko, wenn Kunden ihre Rechnungen nicht begleichen. Besonders riskant ist eine hohe Abhängigkeit von wenigen Großkunden, da Zahlungsausfälle dann stärker ins Gewicht fallen.

Neben der Kundenkonzentration sollten Investoren auch die Altersstruktur der Forderungen, überfällige Forderungen, Wertberichtigungen, erwartete Kreditverluste, Zahlungsziele und die durchschnittliche Forderungslaufzeit berücksichtigen.

Zwei Unternehmen mit identischer Quick Ratio können daher unterschiedlich bewertet werden, je nach Verteilung und Einbringlichkeit ihrer Forderungen. Eine breite Streuung auf viele Kunden gilt unter Liquiditäts- und Risikogesichtspunkten als vorteilhaft.

Bedeutung der Forderungsstruktur
  • Unternehmen A hat zwei Kunden, von denen jeder 500.000 EUR an offenen Forderungen aufweist.
  • Unternehmen B beliefert dagegen 20 Kunden, bei denen jeweils 50.000 EUR offenstehen.

Beide Unternehmen haben somit Forderungen in Höhe von insgesamt 1.000.000 EUR in der Bilanz.

Kommt es jedoch zu einem Forderungsausfall, wäre die Auswirkung bei Unternehmen A deutlich gravierender: Der Verlust eines einzelnen Kunden entspräche 50 % der Gesamtforderungen, während bei Unternehmen B nur 5 % betroffen wären.

Hinweis: Unternehmen können sich durch eine Forderungsausfallversicherung absichern. In diesem Fall relativiert sich das Risiko einer ungleichmäßigen Forderungsstruktur, was im Geschäftsbericht häufig entsprechend vermerkt wird.

Quick Ratio – Nachteile der Kennzahl

Wie viele andere Liquiditätskennzahlen weist auch die Quick Ratio einige strukturelle Schwächen auf. Zwar ist die Liquidität eines Unternehmens ein wichtiger Bewertungsaspekt, doch die Kennzahl berücksichtigt weder die Ertragslage noch die Rentabilität.

So kann ein Unternehmen seine Quick Ratio beispielsweise durch die Aufnahme langfristiger Kredite oder durch eine Kapitalerhöhung kurzfristig verbessern, obwohl das operative Geschäft Verluste schreibt. Bei kurzfristiger Kreditaufnahme ist der Effekt dagegen nicht eindeutig, da regelmäßig sowohl die liquiden Mittel als auch die kurzfristigen Verbindlichkeiten steigen.

Damit zeigt sich, dass die Kennzahl kurzfristig beeinflussbar ist und allein kein umfassendes Bild der finanziellen Situation liefert. Erst im Zusammenspiel mit weiteren Kennzahlen entsteht ein aussagekräftigeres Gesamtbild.

Fälligkeit der Posten wird nicht berücksichtigt

Die Quick Ratio ist eine statische Bilanzkennzahl, die auf den Werten eines bestimmten Stichtags basiert. Dadurch bleibt unberücksichtigt, wann Forderungen oder Verbindlichkeiten tatsächlich fällig werden.

Beispiel: Entsteht eine Forderung genau zum Bilanzstichtag, wird sie erst zu einem späteren Zeitpunkt zahlungswirksam. Eine gleichzeitig ausgewiesene Verbindlichkeit kann dagegen unmittelbar nach dem Stichtag fällig sein. Diese Fristigkeitsstruktur, auch als Altersstruktur der Posten bezeichnet, lässt sich mit der Quick Ratio nicht abbilden. Ihre Analyse erfolgt separat im Rahmen einer Fristigkeitsanalyse.

Einfluss von Rechnungslegungsstandards

Da die Quick Ratio auf Bilanzwerten basiert, hängt ihre Aussagekraft auch von den angewandten Rechnungslegungsstandards ab. Unterschiedliche Normen (z. B. HGB, IFRS oder US-GAAP) sehen abweichende Bewertungsansätze und Ausweisregeln vor.

Ohne genaue Kenntnis dieser Bewertungsgrundlagen und möglicher Wahlrechte kann ein Investor die Quick Ratio daher nur eingeschränkt interpretieren. Die Vergleichbarkeit zwischen Unternehmen kann dadurch erheblich beeinträchtigt sein.

Hinweis: Für IFRS-Abschlüsse sind zudem die seit 2024 geltenden Änderungen zur Klassifizierung von Schulden und Covenants relevant. Ab Geschäftsjahren, die am oder nach dem 1. Januar 2027 beginnen, ersetzt IFRS 18 den bisherigen IAS 1 und verändert die Darstellung des Abschlusses, was bei langfristigen Zeitreihen ebenfalls zu berücksichtigen ist.

Unterschied zwischen der Quick Ratio und anderen Liquiditätsgraden

Neben der Quick Ratio (Liquidität 2. Grades) werden häufig zwei weitere Kennzahlen zur Beurteilung der Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens herangezogen: die Cash Ratio (Liquidität 1. Grades) und die Current Ratio (Liquidität 3. Grades). Diese unterscheiden sich in der Zusammensetzung der einbezogenen Vermögenswerte und damit in ihrer Aussagekraft.

Kennzahl Bezeichnung Berechnung Interpretation / Richtwert
Liquidität 1. Grades Cash Ratio (Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente + ggf. kurzfristig marktgängige Wertpapiere) / (kurzfristige Verbindlichkeiten) 20 % – 50 % als grober Orientierungswert
Zeigt, welcher Anteil der kurzfristigen Schulden sehr kurzfristig bezahlt werden kann.
Liquidität 2. Grades Quick Ratio (Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente + kurzfristig marktgängige Wertpapiere + kurzfristige Nettoforderungen) / (kurzfristige Verbindlichkeiten) Rund 100 % oder mehr als grober Orientierungswert
Beurteilung der Zahlungsfähigkeit ohne Verkauf von Vorräten.
Liquidität 3. Grades Current Ratio (Umlaufvermögen) / (kurzfristige Verbindlichkeiten) 150 % – 200 % als grober Orientierungswert
Zeigt, ob kurzfristige Schulden durch das gesamte Umlaufvermögen gedeckt sind.

Quick Ratio – Beispiel

Ein Lieferant möchte die Liquiditätssituation seines Kunden einschätzen. Er steht vor der Entscheidung, ob er eine Lieferung auf Zahlungsziel oder gegen Vorkasse anbietet. Aus dem Geschäftsbericht seines Kunden erhält er die folgenden Bilanzdaten.

Aktiva Passiva
Anlagevermögen 1.900.000 Eigenkapital 1.800.000
Umlaufvermögen Fremdkapital
Vorräte 600.000 Langfristige Rückstellungen 800.000
Forderungen LuL 270.000 Ausstehende Steuern 45.000
Wertpapiere 100.000 Verbindlichkeiten LuL 285.000
Barmittel 60.000
Summe Aktiva 2.930.000 Summe Passiva 2.930.000

Ermittlung

Anhand der vorliegenden Daten ermittelt der Lieferant die Quick Ratio seines Kunden. Dabei ergänzt er die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen (LuL) um die ausstehenden Steuern. Diese werden ebenfalls kurzfristig fällig und müssen daher bei der Ermittlung der Quick Ratio einbezogen werden. Die Rückstellungen werden in diesem Beispiel als langfristig unterstellt und daher nicht in den Nenner aufgenommen.

Quick~Ratio=\frac{Barmittel+Wertpapiere+Forderungen~LuL}{Ausstehende~Steuern+Verbindlichkeiten~LuL}\times~100
Quick~Ratio=\frac{60.000+100.000+270.000}{285.000+45.000}\times~100≈130\%

Ergebnis

Folglich ergibt sich für das betrachtete Unternehmen eine Quick Ratio von rund 130 %.

  • Aus Investorensicht könnte dies ein Hinweis auf eine komfortable Liquiditätsreserve sein, sollte aber im Branchen- und Unternehmenskontext interpretiert werden.
  • Aus der Perspektive eines Lieferanten bedeutet dieses Ergebnis, dass der potenzielle Kunde seine kurzfristigen Verbindlichkeiten rechnerisch durch schnell verfügbare Vermögenswerte decken kann. Bei der abschließenden Kreditentscheidung sollten unter anderem die Zahlungs- und Mahnhistorie, die Kreditlinien und die Branchenlage berücksichtigt werden.

Ergänzende Working-Capital-Kennzahlen

Für eine fundierte Einschätzung der kurzfristigen Liquidität sollte die Quick Ratio mit weiteren Working-Capital-Kennzahlen kombiniert werden. Diese Kennzahlen zeigen, wie schnell Forderungen eingehen, Vorräte verkauft und Lieferanten bezahlt werden.

  • Days Sales Outstanding (DSO): Misst die durchschnittliche Forderungslaufzeit und zeigt, wie lange Kunden im Durchschnitt bis zur Zahlung benötigen.
  • Days Inventory Outstanding (DIO): Misst die durchschnittliche Lagerdauer der Vorräte und ist besonders bei Handels- und Industrieunternehmen relevant.
  • Days Payable Outstanding (DPO): Misst die durchschnittliche Zahlungsdauer gegenüber Lieferanten.
  • Cash Conversion Cycle: Verknüpft Forderungslaufzeit, Lagerdauer und Lieferantenzahlungsziel und zeigt, wie lange Kapital im operativen Geschäftszyklus gebunden ist.

Diese Kennzahlen helfen zu beurteilen, ob eine hohe Quick Ratio tatsächlich auf eine stabile Liquiditätslage hindeutet oder vor allem durch langsam einbringliche Forderungen geprägt ist.

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