Current Ratio (Liquidität 3. Grades) – Definition & Berechnung

Autor: Pit Wilkens Inhaltlich geprüft von: Philipp Berger

Die Current Ratio (deutsch: „Liquidität 3. Grades“ oder „umsatzbedingte Liquidität“) misst die Schuldentilgungsfähigkeit eines Unternehmens unter Berücksichtigung aller Vermögenswerte. Bei einem Wert von 1 bzw. 100 % sind alle kurzfristigen Verbindlichkeiten durch entsprechende Vermögenswerte gedeckt. Wie dieser Wert berechnet und interpretiert wird, ist Gegenstand dieses Beitrags.

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Current Ratio – Definition

Mit der Current Ratio wird die Fähigkeit eines Unternehmens dargestellt, seine kurzfristigen Verbindlichkeiten (Laufzeit unter einem Jahr) zu bedienen. Zur Berechnung der Liquidität 3. Grades werden die kurzfristigen Vermögenswerte durch die kurzfristigen Verbindlichkeiten dividiert. Unabhängig davon, ob die Kennzahl in Prozent oder als Dezimalzahl dargestellt wird, bleibt ihre Aussagekraft gleich.

Grundsätzlich sollte der Wert der Current Ratio zwischen 1 und 1,7 liegen. Abweichungen sind in der Praxis jedoch möglich und nicht unüblich. Ein hoher Wert dieser Kennzahl bedeutet daher eine hohe Sicherheit für den Investor und das Unternehmen. Zu hohe Werte sollten jedoch ebenso vermieden werden wie zu niedrige Werte der Current Ratio. Die Liquidität 3. Grades kann sowohl als Prozentzahl als auch als Dezimalzahl dargestellt werden. Die Bedeutung ändert sich dadurch nicht.

Current Ratio – Berechnung

Vereinfacht werden für die Ermittlung der Liquidität 3. Grades die aktuellen Vermögensgegenstände durch die kurzfristigen Verbindlichkeiten dividiert. Die Formel für die Berechnung der Current Ratio lautet:

\text{Current Ratio} = \frac{Vermögensgegenstände}{Kurzfristige~Verbindlichkeiten}
\text{Current Ratio in \%} = \frac{Vermögensgegenstände}{Kurzfristige~Verbindlichkeiten} \times 100

Die für die Berechnung berücksichtigten Vermögensgegenstände bestehen aus:

  • Liquide Mittel (Kasse, Bank, Wertpapiere)
  • Kurzfristige Forderungen (aus Krediten, Sicherheiten oder Lieferungen und Leistungen)
  • Vorräte (Fertige und Unfertige Erzeugnisse)

Die Vermögensgegenstände werden unter der Annahme einbezogen, dass sie innerhalb eines Jahres veräußert werden. Es handelt sich daher in jedem Fall um Umlaufvermögen. Anlagevermögen wird nicht einbezogen.

Benötigte Bilanzpositionen

Für die kurzfristigen Verbindlichkeiten werden folgende Bilanzpositionen berücksichtigt:

  • Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
  • Verbindlichkeiten aus Löhnen, Gehältern und Boni
  • Kurzfristig fällige Steuern
  • Fällige Kredite und Darlehen

Alle benötigten Positionen finden sich in der Bilanz des analysierten Unternehmens. Möglicherweise gibt die untersuchte Gesellschaft aber auch die Current Ratio selbst an.

Da jedes Unternehmen Zwischensummen und Posten wie „Vermögensgegenstände“ ein wenig anders kalkuliert und die Rechenwege nicht immer einwandfrei nachvollziehbar sind, bietet es sich an, die oben genannten Posten selbstständig zu addieren.

Unterschied zwischen der Liquidität 1. Grades, 2. Grades & 3. Grades

Der Liquidität 3. Grades (Current Ratio) ist die Liquidität 1. Grades (Cash Ratio) und Liquidität 2. Grades (Quick Ratio bzw. Acid Test) vorgelagert.  Die vorgelagerten Liquiditätsgrade berücksichtigen weniger Aktiva aus der Bilanz. Als Folge sind die Werte auch deutlich geringer.

Die Current Ratio soll die mittelfristige Schuldentilgungsfähigkeit insgesamt darstellen. Die Liquidität 1. und 2. Grades sind dagegen kurzfristige Indikatoren und werden z.B. für die kurzfristige Liquiditätsplanung verwendet. Die Liquidität 1. Grades gilt darüber hinaus als Indikator für das Insolvenzrisiko.

Current Ratio – Interpretation und Bedeutung

Anhand der Current Ratio lassen sich relativ einfach erste Rückschlüsse auf die finanzielle Gesundheit des Unternehmens ziehen. Ein Wert unter 1 sollte immer vermieden werden. Dies würde bedeuten, dass das Unternehmen mehr kurzfristige Verbindlichkeiten als kurzfristige Vermögenswerte hat. Dieser Umstand stellt ein Warnsignal dar.

Umgekehrt ist eine zu hohe Liquidität ebenso schädlich. Bei Werten über 1,7 kann davon ausgegangen werden, dass das Vermögen nicht effizient eingesetzt wird. Neben einem zu hohen Kassenbestand sind zu hohe Vorräte häufige Ursachen für Liquiditätsabweichungen. Die Möglichkeiten zur Reduzierung sind vielfältig. Die Investition von liquiden Mitteln, der Abbau von Lagerbeständen und zusätzliche Marketinganstrengungen sind nur einige davon.

Wie hoch sollte die Liquidität 3. Grades sein?

Die Entwicklung der Liquidität gibt weiterhin Auskunft über die Stabilität der Unternehmenssituation. Konstante Liquiditätskennziffern zwischen 1 und 1,7 deuten auf eine entspannte Situation hin. Stark steigende oder fallende Werte können hingegen auf strukturelle Probleme hinweisen.

Insbesondere bei Einzelhandelsunternehmen, die mit ihren Lieferanten lange Zahlungsfristen aushandeln können und beim Verkauf sofort bezahlt werden, können die Werte der Liquidität 3. Bedingt durch hohe Verbindlichkeiten (aufgrund langer Zahlungsziele) und einen schnellen Warenumschlag liegen die Werte häufig leicht unter dem geforderten Minimum von 1.

Die Bedeutung der Liquidität 3. Grades liegt letztendlich im Auge des Betrachters. Shareholder werden generell niedrigere Werte befürworten (höhere Rentabilität) und Stakeholder eher hohe Werte (höhere Sicherheit).

Nachteile der Liquidität 3. Grades

Jeder Analyst muss sich darüber im Klaren sein, dass Liquiditätsgrade statische Kennzahlen sind. Sie sind daher anfällig für bilanzpolitische Maßnahmen. Werden beispielsweise im Dezember keine Rechnungen mehr bezahlt, steigen die Verbindlichkeiten. Werden stattdessen auch noch nicht fällige Rechnungen bezahlt, sinken sie. Die Current Ratio wird dadurch enorm beeinflusst. Dieser Aspekt muss daher im Auge behalten werden.

Des Weiteren weist die Liquidität 3. Grades keine Altersstruktur und keine Fälligkeiten auf. Wenn man davon ausgeht, dass die Forderungen noch lange nicht fällig sind, die Verbindlichkeiten aber kurz vor der Fälligkeit stehen, spiegelt der Liquiditätswert nicht die Realität wider.

Current Ratio als bilanzabhängige Kennzahl

Externe Gutachter haben in der Regel nicht genügend Einblick, um die Qualität der Aktiva beurteilen zu können. Stille Reserven oder stille Lasten werden daher im Liquiditätsgrad nicht ausreichend berücksichtigt. In der Praxis kann der Bestand aufgrund hoher Nachfrage viel mehr wert sein als in der Bilanz ausgewiesen, oder viel weniger, wenn sich die Qualität im Laufe der Zeit verschlechtert hat.

Schließlich sollten Investoren auch periodische Ereignisse berücksichtigen. Rückzahlungstermine von Krediten, Zahlungstermine und Quartalsabschlüsse können die Liquidität in beide Richtungen beeinflussen. Daher ist es wichtig, auch die aktuelle Nachrichtenlage im Auge zu behalten.

Beispiel für eine Current Ratio

Als Beispiel für eine Berechnung der Current Ratio dient hier SAP SE. Die Daten wurden aus dem Geschäftsbericht 2018 entnommen. Die übrigen Verbindlichkeiten wurden nicht weiter erläutert. In den „Forderungen und sonstigen Vermögensgegenständen“ sind auch konzerninterne Forderungen enthalten. Ob diesen auch bilanzierte Verbindlichkeiten gegenüberstehen, ist unklar.

Liquidität 3. Grades - Bilanz Passiva SAP
Beispiel für die Berechnung der Liquidität 3. Grades - Verbindlichkeiten aus Bilanz Passiva von SAP
Liquidität 3. Grades - Bilanz Aktiva SAP
Beispiel für die Berechnung der Liquidität 3. Grades - Anlagevermögen aus Bilanz Aktiva von SAP
\text{Current Ratio SAP} = \frac{0,001~Mrd.~EUR + 5,016~Mrd.~EUR + 4,909~Mrd.~EUR}{13,150~Mrd.~EUR} = 0,75

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