Cash Flow Statement – Definition & Berechnung
Das Cash Flow Statement (deutsch: „Kapitalflussrechnung“ oder „Cashflow-Rechnung“) ist ein Finanzbericht, der die Veränderungen des Bestands an liquiden Mitteln eines Unternehmens während einer Berichtsperiode aufzeigt. Es gliedert sich in drei Bereiche: laufende Geschäftstätigkeit, Investitionstätigkeit und Finanzierungstätigkeit. Die einzelnen Bestandteile sowie die Interpretation des gesamten Cash Flow Reports sind Teil dieses Artikels.
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Cash Flow Statement – Definition
Das Cash Flow Statement zeigt die Ein- und Auszahlungen eines Unternehmens sowie die daraus resultierende Veränderung des Bestands an Zahlungsmitteln und Zahlungsmitteläquivalenten (auch Cash and Cash Equivalents) innerhalb einer Berichtsperiode.
Es gibt einen systematischen Überblick darüber, wofür liquide Mittel verwendet wurden und aus welchen Quellen sie stammen. Ist das Ergebnis am Ende positiv, so hat das Unternehmen in der betreffenden Periode an Liquidität gewonnen.
Kapitalflussrechnung in Jahres- und Zwischenberichten nach IFRS und HGB
Sowohl Jahresabschlüsse nach IFRS (International Financial Reporting Standards) als auch Konzernabschlüsse nach HGB (Handelsgesetzbuch) müssen eine Kapitalflussrechnung enthalten.
Häufig wird das Cash Flow Statement auch unterjährig erstellt. IFRS regeln mit IAS 34 den Inhalt eines Zwischenberichts, schreiben jedoch nicht selbst vor, welche Unternehmen quartalsweise berichten müssen. In den USA wird die Kapitalflussrechnung regelmäßig im Rahmen der Zwischenberichterstattung in Form 10-Q veröffentlicht.
Aufbau des Cash Flow Statement
Das gesamte Cash Flow Statement ist in drei Hauptbereiche gegliedert, in denen die Zahlungsströme aus den verschiedenen Aktivitäten des Unternehmens erfasst und analysiert werden.
- Cash Flow from Operating Activities zeigt die Geldflüsse aus dem Kerngeschäft des Unternehmens und gilt als zentraler Bestandteil der Kapitalflussrechnung.
- Cash Flow from Investing Activities gibt Aufschluss darüber, wie das Unternehmen seine Mittel für langfristige strategische Ziele einsetzt.
- Cash Flow from Financing Activities veranschaulicht den Umgang mit externen Finanzierungsquellen.
Cash Flow from Operating Activities
Der Cash Flow from operating Activities (Operating Cash Flow) betrachtet die Ein- und Auszahlungen aus der laufenden Geschäftstätigkeit. Darunter versteht man alle Zahlungsströme, die im Zusammenhang mit dem eigentlichen wirtschaftlichen Zweck eines Unternehmens stehen.
Bei einem Automobilhersteller ist dies beispielsweise die Produktion von Fahrzeugen. Auszahlungen für Löhne und Gehälter oder Lieferantenrechnungen gehören somit ebenfalls zum Kerngeschäft. Einzahlungen können unter anderem durch Zahlungen von Kunden erfolgen.
Ein positiver Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit kann zur Tilgung von Krediten oder für Neuinvestitionen verwendet werden. Umgekehrt kann ein negativer Cashflow durch Kreditaufnahme oder Desinvestitionen gedeckt werden.
Cash Flow from Investing Activities
Der Cash Flow from investing Activities (Investing Cash Flow) betrachtet die Ein- und Auszahlungen aus der Investitionstätigkeit. Für gewöhnlich haben Investitionen und Akquisitionen in diesem Abschnitt des Cash Flow Statements den größten Einfluss.
Als Investitionen werden beispielsweise Mittelabflüsse für Gebäude, Maschinen oder Grundstücke bewertet. Ausgaben für Investitionen werden auch CAPEX (Capital Expenditures) genannt. Akquisitionen umfassen dagegen Zukäufe und Übernahmen von gesamten Unternehmen oder Unternehmensteilen.
Cash Flow from Financing Activities
Der Cash Flow from financing Acitvities (Financing Cash Flow) betrachtet die Finanzierungstätigkeit eines Unternehmens und stellt gleichzeitig den letzten Teil des Cash Flow Statements dar. Vereinfacht bewertet dieser Cash Flows, also Ein- und Auszahlungen, zwischen Eigentümern und Gläubigern einer Gesellschaft.
Bei einem positiven Cash Flow from Financing Activities gewähren in der Regel Gläubiger dem Unternehmen Geldmittel. Ein Beispiel hierfür ist ein Kredit von einer Bank. Werden dagegen Verbindlichkeiten getilgt, Dividenden ausbezahlt oder Aktien zurückgekauft, entsteht ein negativer Cashflow, weil Geld das Unternehmen verlässt.
Grundbegriffe der Kapitalflussrechnung
Zum Verständnis der Cashflow-Rechnung ist das Verständnis der Begriffspaare „Erträge und Aufwendungen“ sowie „Einzahlungen und Auszahlungen“ von zentraler Bedeutung. Auch wenn sich diese Begriffspaare ähneln, beschreiben sie zwei unterschiedliche Vorgänge in einem Unternehmen.
Erträge und Aufwendungen
Erträge erhöhen den Gewinn eines Unternehmens, Aufwendungen vermindern ihn. Mit den Abschreibungen und den Rückstellungen gibt es beispielsweise zwei Positionen, die zwar in der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) berücksichtigt werden müssen, die aber nicht zahlungswirksam sind, also nicht direkt einen tatsächlichen Geldfluss auslösen.
Vereinfacht ausgedrückt: Wenn eine Abschreibung gebucht wird, ändert sich der Banksaldo des Unternehmens nicht. Ein Zahlungsstrom ist jedoch für die Klassifizierung als Aufwand oder Ertrag nicht relevant.
Einzahlungen und Auszahlungen
Wann immer der Zahlungsmittelbestand eines Unternehmens zu- oder abnimmt, also ein zahlungswirksamer Geschäftsvorfall vorliegt, handelt es sich um Einzahlungen und Auszahlungen.
Dabei ist es unerheblich, nach welchen Rechnungslegungsvorschriften das Unternehmen diese Positionen verbuchen kann. Entscheidend ist allein, dass Mittel das Unternehmen verlassen haben oder ihm zugeflossen sind. Es sind also nur die Ein- und Auszahlungen mit Hilfe des Cash Flow darzustellen.
Berechnung des Cash Flow Statement
Grundsätzlich gibt es zwei Methoden zur Ermittlung der Kapitalflussrechnung: die direkte und die indirekte Methode.
Die Unterscheidung zwischen direkter und indirekter Methode betrifft im Kern den Operating Cash Flow. Die Zahlungsströme aus Investitions- und Finanzierungstätigkeit werden dagegen regelmäßig direkt dargestellt.
- Die direkte Methode zeigt die wesentlichen Einzahlungen und Auszahlungen unmittelbar und gilt als besonders transparent. Sie wird in den Rechnungslegungsstandards ausdrücklich empfohlen.
- Die indirekte Methode leitet den operativen Cash Flow aus dem Periodenergebnis ab und korrigiert dieses um nicht zahlungswirksame Positionen (wie Abschreibungen oder Rückstellungen) sowie Veränderungen im Working Capital. In der Praxis ist sie weit verbreitet, weil sie sich häufig leichter aus veröffentlichten Abschlüssen ableiten lässt.
Direkte Methode
Bei der direkten Ermittlung der Cashflows werden die wesentlichen Einzahlungen und Auszahlungen eines Unternehmens unmittelbar erfasst und den drei Tätigkeitsbereichen zugeordnet. Die hierfür erforderlichen Daten liegen in der Regel ausschließlich dem Unternehmen selbst vor, da nicht alle relevanten Informationen veröffentlicht werden müssen.
Ein vollständiges Cashflow-Statement nach der direkten Methode wird nach folgendem Schema erstellt.
| Vorgang | +/- | Beispiel |
|---|---|---|
| Operative Einzahlungen | + | Ein Kunde bezahlt eine Rechnung. |
| Operative Auszahlungen | – | Das Unternehmen bezahlt Gehälter. |
| Cash Flow from operating Activities | = | |
| Einzahlungen aus Anlagenabgängen | + | Das Unternehmen verkauft eine gebrauchte Maschine. |
| Auszahlungen für Investitionen | – | Das Unternehmen kauft eine neue Fertigungshalle. |
| Cash Flow from investing Activities | = | |
| Einzahlungen aus Kapitalerhöhungen | + | Das Unternehmen führt eine ordentliche Kapitalerhöhung durch. |
| Auszahlungen an Gesellschafter | – | Das Unternehmen zahlt seinen Aktionären eine Dividende. |
| Einzahlungen aus Krediten | + | Das Unternehmen nimmt einen Kredit auf. |
| Auszahlungen für Kredite | – | Das Unternehmen tilgt einen Kredit. |
| Cash Flow from financing Activities | = | |
| Veränderung des Financing Cash Flow | = | Summe der Teilergebnisse |
| Financing Cash Flow am Anfang der Periode | + | |
| Financing Cash Flow am Ende der Periode | = |
Indirekte Methode
Die indirekte Methode hat ihren Ausgangspunkt beim Periodenergebnis beziehungsweise Jahresüberschuss eines Unternehmens. Als Grundlage genügt häufig ein veröffentlichter Geschäftsbericht des zu analysierenden Unternehmens.
Das Periodenergebnis wird im Rahmen der Berechnung um alle nicht zahlungswirksamen Aufwendungen und Erträge sowie um Veränderungen im Working Capital korrigiert. Dieses Vorgehen bezieht sich ausschließlich auf den Cash Flow from operating Activities.
| Vorgang | +/- | Beispiel |
|---|---|---|
| Jahresüberschuss / -fehlbetrag | + | Gewinn / Verlust laut Gewinn- und Verlustrechnung |
| Abschreibungen | + | Ein Grundstückswert verringert sich, weil Schwermetall gefunden wurde. |
| Zuschreibungen | – | Im Folgejahr stellt sich heraus, dass das Grundstück doch nicht belastet ist. |
| Zunahme von Rückstellungen | + | Das Unternehmen bucht Rückstellungen für auszuzahlende Pensionen. |
| Abnahme von Rückstellungen | – | Die Forderungsverluste fallen geringer aus, als mit der Rückstellung im Vorjahr geplant. |
| Zunahme von Vorräten & Forderungen | – | Der Lagerbestand nimmt zu. |
| Abnahme von Vorräten & Forderungen | + | Der Lagerbestand nimmt ab. |
| Zunahme von Verbindlichkeiten | + | Das Unternehmen bezahlt Lieferantenrechnungen nach 60 statt nach 30 Tagen. |
| Abnahme von Verbindlichkeiten | – | Das Unternehmen bezahlt Lieferantenrechnungen nach 10 statt nach 30 Tagen. |
| Cash Flow from operating Activities | = | |
| Einzahlungen aus Anlagenabgängen | + | Das Unternehmen verkauft eine gebrauchte Maschine. |
| Auszahlungen für Investitionen | – | Das Unternehmen kauft eine neue Fertigungshalle. |
| Cash Flow from investing Activities | = | |
| Einzahlungen aus Kapitalerhöhungen | + | Das Unternehmen führt eine ordentliche Kapitalerhöhung durch. |
| Auszahlungen an Gesellschafter | – | Das Unternehmen zahlt seinen Aktionären eine Dividende. |
| Einzahlungen aus Krediten | + | Das Unternehmen nimmt einen Kredit auf. |
| Auszahlungen für Kredite | – | Das Unternehmen tilgt einen Kredit. |
| Cash Flow from financing Activities | = | |
| Veränderung des Financing Cash Flow | = | Summe der Teilergebnisse |
| Financing Cash Flow am Anfang der Periode | + | |
| Financing Cash Flow am Ende der Periode | = |
Beispiele für die Kapitalflussrechnung mit der indirekten Methode
Für einige Investoren mag es zunächst irritierend erscheinen, dass bei der indirekten Ermittlung des Cashflows Positionen addiert werden, die den Unternehmensgewinn negativ beeinflussen, sich jedoch positiv auf den Cashflow auswirken.
Dieser scheinbare Widerspruch ergibt sich aus dem Ansatz der indirekten Methode, bei der der Ausgangspunkt der Unternehmensgewinn ist. Dieser Gewinn umfasst bereits sämtliche Aufwendungen und Erträge des Unternehmens.
Allerdings spiegeln nicht alle Aufwendungen und Erträge tatsächliche Zahlungsströme wider. Daher ist es erforderlich, diese Werte entsprechend zu bereinigen, um den tatsächlichen Cashflow korrekt darzustellen. Die folgenden Beispiele verdeutlichen, warum diese Anpassungen notwendig sind.
Beispiel 1 - Lagerbestand
Ein Investor möchte den Cash Flow für ein Unternehmen ermitteln. Der Gewinn gemäß der letzten Bilanz beträgt eine Million Euro. Zusätzlich ist der Lagerbestand des Unternehmens von 100.000 Euro auf 50.000 Euro gesunken.
Was nach einem Verlust für das Unternehmen klingen kann, ist aus Cash Flow Perspektive positiv zu werten. Eine Abnahme des Lagerbestandes bedeutet, dass Produkte verkauft wurden, die bereits in vorherigen Perioden gefertigt worden sind.
In der laufenden Periode kann also ein Umsatz und bestenfalls ein Zahlungseingang realisiert werden, ohne dass in gleicher Höhe zusätzliche Auszahlungen für die Herstellung anfallen. Daher werden die 50.000 Euro zu dem Gewinn von einer Million Euro hinzuaddiert.
Beispiel 2 - Abschreibungen
Der Investor setzt seine Analyse fort und entdeckt 100.000 Euro Abschreibungen in der Gewinn- und Verlustrechnung des Unternehmens. Dieser Aufwand soll den Wertverlust von Anlagegegenständen abbilden.
Obwohl die Abschreibungen den Gewinn des Unternehmens mindern, hat kein Geld das Unternehmen verlassen. Dies war bereits der Fall, als das Anlagevermögen angeschafft wurde. Daher stellen die Abschreibungen einen Aufwand dar, zu dem es keine Auszahlung gibt. Sie müssen also ebenfalls auf den Gewinn addiert werden, weil der ausgewiesene Wert sonst zu niedrig ist.
Cash Flow Statement – Interpretation & Bedeutung
Das Cash Flow Statement ermöglicht eine Beurteilung der Liquiditätssituation eines Unternehmens. Eine positive Veränderung des Finanzmittelfonds bedeutet, dass dem Unternehmen mehr liquide Mittel zugeflossen sind, als es verlassen haben.
Darüber hinaus kann das Cash Flow Statement Hinweise auf die Herkunft des Gesamtergebnisses liefern. Durch die drei Zwischenergebnisse kann ein Investor abschätzen, in welchem Cash Flow positive oder negative Ergebnisse erzielt wurden.
Analyse des Operating Cash Flow
Ist der Operating Cash Flow positiv, erlöst das Unternehmen mit seinem Kerngeschäft mehr Geld, als es ausgibt. Ausgaben für Personal, Material und allgemeine Verwaltungsaufgaben sind beispielsweise schon berücksichtigt. Das Ergebnis kann für Investitionen, Tilgungen oder Ausschüttungen verwendet werden.
Ein negatives Ergebnis in diesem Abschnitt kann auf erhebliche Probleme hindeuten. Insbesondere wenn der operative Cash Flow über mehrere Perioden negativ ist, sollte ein Investor den Grund dafür herausfinden.
Zudem hängt der Operating Cash Flow eng mit dem Cash Conversion Cycle zusammen. Denn neben einer ausreichenden Gewinnmarge muss ein Unternehmen auch auf seine Zahlungsziele achten, wenn es um das Thema Cash Management geht.
Beispiel: Gewährt ein Unternehmen beispielsweise seinen Kunden 60 Tage Zahlungsziel, muss aber seine Lieferantenrechnungen nach 30 Tagen bezahlen, finanziert es seine Kunden für 30 Tage. Auch auf diesem Weg kann ein geringer operativer Cash Flow entstehen, ohne dass ein Unternehmen Verluste schreibt.
Analyse des Investing Cash Flow
Der Investing Cash Flow ist im Vergleich zu seinem Vorgänger meistens negativ. Das hängt damit zusammen, dass getätigte Investitionen den Cash Flow belasten. Im Gegenzug haben Investitionen das Potenzial, den Cash Flow in den nächsten Perioden zu erhöhen.
Umgekehrt kann in diesem Abschnitt des Cash Flow Statements ein positiver Cash Flow Anlass zur Sorge bieten. Dies würde bedeuten, dass ein Unternehmen mehr Geld für den Verkauf von Anlagegegenständen erlöst hat, als für neue Anlagen ausgegeben wurde. Für ein solches Vorgehen sollte das Unternehmen plausible Erklärungen liefern. Andernfalls sieht es danach aus, dass Liquidität durch den Verkauf des „Tafelsilbers“ generiert wird. Die Probleme, die zu der geringen Liquidität geführt haben, werden damit jedoch für gewöhnlich nicht gelöst.
Beispiel: Ein Unternehmen hat einen positiven Investing Cash Flow. In seinem Abschlussbericht weist es jedoch darauf hin, dass im kommenden Jahr eine neue Produktionslinie gebaut wird. Die Maschinen, die derzeit in der Halle stehen, müssen dafür verkauft werden. Ein Käufer konnte bereits dieses Jahr gefunden werden. Daher können die Investoren beruhigt sein, dass der positive Cash Flow in diesem Fall kaum Anlass zur Sorge bietet.
Analyse des Financing Cash Flow
Der Financing Cash Flow kann einem Investor Informationen über die Finanzierungstätigkeiten eines Unternehmens liefern. In diesem Abschnitt können alle Transaktionen mit Kapitalgebern analysiert werden.
- Ein positiver Financing Cash Flow bedeutet, dass ein Unternehmen Geld erhalten hat. Grund hierfür kann eine Kapitalerhöhung (Eigenkapitalgeber) oder eine Kreditaufnahme (Fremdkapitalgeber) sein.
- Ein negativer Financing Cash flow kann dagegen auf Dividendenzahlungen oder Aktienrückkäufe (Eigenkapitalgeber) beziehungsweise Tilgungen von Krediten (Fremdkapitalgeber) zurückzuführen sein.
Hinweis: Eine pauschale Bewertung von positiven oder negativen Ergebnissen in dieser Sektion ist nicht möglich. Tilgungen senken den Financing Cash Flow, aber gleichzeitig auch die zukünftige Zinslast. Eine Kreditaufnahme sorgt im Gegenzug für Geldmittel, um diese beispielsweise zu investieren, bedeutet aber eine erhöhte Fremdkapitalquote und höhere Zinsaufwendungen.
Wer nutzt das Cash Flow Statement?
Aufgrund der möglichen Informationen des Cash Flow Statements können verschiedene Personen und Gruppen ein Interesse daran haben. Dabei gibt es sowohl interne als auch externe Adressaten des Cash Flow Statements eines Unternehmens.
- Buchhalter und Controller innerhalb des Unternehmens
Das Cash Flow Statement kann die Grundlage der internen Liquiditätsplanung oder eines Cash Forecasting sein.
- Mögliche Kreditgeber oder Lieferanten
Mit dem Cash Flow Statement können diese Geschäftspartner einschätzen, wie hoch die Rückzahlungswahrscheinlichkeit ihrer Kredite ist. Lieferanten gelten dabei ebenfalls als (Waren-)Kreditgeber.
- Mögliche Investoren
Das Cash Flow Statement kann wichtige Hinweise für eine Unternehmensbewertung liefern. Insbesondere die Entwicklung der Cash Flows vergangener Perioden kann mögliche Ansatzpunkte für Prognosen liefern.
- Bestehende Investoren
Im Rahmen der laufenden Überprüfung von Investitionen kann das Cash Flow Statement eine ähnlich wichtige Rolle spielen, wie bei der Auswahl neuer Wertpapiere. Negative Entwicklungen können beispielsweise vorzeitig ein Indiz dafür liefern, eine Position aufzulösen.
- Mitarbeiter und andere Vertragspartner
Mitarbeiter, Pensionäre oder Kunden sind darauf angewiesen, dass ein Unternehmen über ausreichende Liquidität verfügt. Ansonsten können die Zahlungen von Gehältern und Pensionen verzögert stattfinden oder nicht mehr durchgeführt werden. Vertragspartner, wie Kunden, sind wiederum darauf angewiesen, dass ein Unternehmen sich vorfinanzieren kann. Anders kann es nicht wie vereinbart Produkte liefern oder Dienstleistungen erbringen.
- Management
Dem Management obliegt die Aufgabe der Prüfung des Cash Flow Statements. Daraus lassen sich etwa strategische Anpassungen ableiten. Beispielsweise kann das Management anstehende Investitionen für kurze Zeit aussetzen, wenn aktuell ein Liquiditätsengpass droht.
Cash Flow Statement – Nachteile
Grundsätzlich ist die Kapitalflussrechnung weniger anfällig für bilanzpolitische Effekte als z.B. die Gewinn- und Verlustrechnung. Sie basiert auf tatsächlichen Zahlungsströmen innerhalb einer Periode und nicht auf einer periodengerechten Erfolgsermittlung. Dennoch können Unternehmen das Erscheinungsbild des Cash Flow Statements aktiv beeinflussen.
Dazu gehört beispielsweise das bewusste Aussetzen oder Vorziehen von Zahlungen. Denn obwohl das Cash Flow Statement eine Periode betrachtet, ist diese in der Regel identisch mit dem Geschäftsjahr bzw. den entsprechenden Quartalen. So kann ein Unternehmen eine Investition am 1. Januar eines Jahres tätigen, weil die Ausgabe den Cashflow des Vorjahres nicht beeinflussen soll.
Es ist nicht unüblich, Lieferantenrechnungen in den letzten Wochen des Jahres nicht mehr zu bezahlen, damit weniger Zahlungsmittel aus dem Unternehmen abfließen. Diese Zahlungen werden dann zu Beginn des folgenden Jahres nachgeholt.
Beispiel einer Cash Flow Berechnung
Für das folgende Praxisbeispiel wird der Geschäftsbericht des DAX-Konzerns Bayer aus dem Jahr 2019 verwendet. In diesem stellt das Unternehmen selbst ein Cash Flow Statement nach der indirekten Methode auf. Üblich ist der Vergleich mit einer oder mehreren Vorperioden. In diesem Fall hat Bayer das vorangegangene Geschäftsjahr als Vergleichszeitraum angegeben.
Operating Cash Flow
Als erster Abschnitt im Cash Flow Statement kann der Cash Flow from operating Activities analysiert werden.
Der Cash Flow aus operativen Tätigkeiten ist mit über 7 Milliarden Euro in beiden Jahren deutlich positiv. Neben dem Betriebsergebnis nach Steuern sind die Abschreibungen der größte Einflussfaktor auf den Cash Flow. Zudem konnte der Cash Flow from operating Activites im Betrachtungsjahr 2019 verglichen mit dem Vorjahr gesteigert werden. Dies kann aus Sicht eines Investors positiv bewertet werden.
Investing Cash Flow
Der Cash Flow from investing Activities ist negativ. Insgesamt wurde folglich Geld für Investitionen ausgegeben. Das Geschäftsjahr 2019 beschränkt sich dabei auf geringere Positionen als das Vorjahr. Vorgänge aus Investitionstätigkeiten summieren sich für 2018 auf mehr als 34 Milliarden Euro.
Dieser Wert ist maßgeblich auf die Position „Ausgaben für Akquisitionen (…)“ mit einem Wert von über 45 Milliarden Euro zurückzuführen. Der größte Teil dieser Position beinhaltet die Auszahlungen im Zusammenhang mit der Monsanto-Übernahme. Bayer schloss die Übernahme von Monsanto am 7. Juni 2018 ab. Das Unternehmen bezifferte die Transaktion auf 63 Milliarden US-Dollar einschließlich Schulden.
Financing Cash Flow
Wie bereits in den vorherigen Absätzen beschrieben, zeigt sich der Cash Flow from financing Activities als eine Art Ausgleichsposten. Da das Geschäftsjahr 2018 durch die Kaufpreiszahlung für Monsanto stark belastet war, hat Bayer Kredite über 65 Milliarden Euro aufgenommen.
Unter Berücksichtigung der anderen Positionen des Cash Flow Statements ergibt sich damit ein positiver Cash Flow from financing Activities mit mehr als 23 Milliarden Euro. Im Jahr 2019 wurden dagegen in Summe mehr Kredite getilgt, als neu aufgenommen.
Zusammenfassung
Für beide Geschäftsjahre ergibt sich insgesamt eine negative Veränderung des Zahlungsmittelbestands. Der Zahlungsmittelbestand wird zuerst von 7,435 Milliarden Euro auf 4,052 Milliarden Euro und anschließend auf 3,185 Milliarden Euro gesenkt. Jedoch verbleibt damit immer noch ein ausreichendes Cash-Polster.
Für die folgenden Perioden können Investoren beispielsweise darauf achten, dass die Zahlungsmittelbestände von Bayer nicht weiter sinken und somit möglicherweise ein kritisches Maß erreichen.
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