Cash Flow Statement – Definition & Berechnung

Autor: - Inhaltlich geprüft von: Philipp Berger

Das Cash Flow Statement, auch bekannt als „Kapitalflussrechnung“ oder „Cashflow-Rechnung“, liefert Informationen über alle tatsächlichen Zahlungsströme, das heißt Ein- und Auszahlungen in einem Unternehmen. Mithilfe des Cash Flow Statements können Investoren und Unternehmen nachvollziehen, welche Quellen eines Unternehmens welche Zahlungsströme auslöst. Das Cash Flow Statement besteht aus drei individuellen Cash Flows: Cash Flow from Operating Activities, Cash Flow from Financing and Cash Flow from Investing Activities. Diese einzelnen Bestandteile sowie die Interpretation des gesamten Cash Flow Statements sind Teil dieses Artikels.

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Begriffe für das Verständnis der Kapitalflussrechnung

Zum Verständnis der Cashflow-Rechnung ist das Verständnis der Begriffspaare “Erträge und Aufwendungen” sowie “Einzahlungen und Auszahlungen” von zentraler Bedeutung. Auch wenn sich diese Begriffspaare ähneln, beschreiben sie zwei unterschiedliche Vorgänge in einem Unternehmen.

Erträge und Aufwendungen

Diese beiden Begriffe sind Bestandteil der Gewinn- und Verlustrechnung. Erträge erhöhen den Gewinn eines Unternehmens, Aufwendungen senken ihn. Mit Abschreibungen und Rückstellungen existieren beispielsweise zwei Positionen, die zwar in der Gewinn- und Verlustrechnung berücksichtigt werden müssen, die aber nicht zahlungswirksam sind, bei denen also nicht direkt ein tatsächlicher Geldfluss ausgelöst wird. Vereinfacht gesagt: Bei der Buchung einer Abschreibung verändert sich der Banksaldo des Unternehmens nicht. Für die Klassifizierung als Aufwand oder Ertrag ist ein Zahlungsstrom jedoch nicht von Bedeutung.

Einzahlungen und Auszahlungen

Immer wenn sich der Barmittelbestand eines Unternehmens erhöht oder verringert, es sich also um einen zahlungswirksamen Geschäftsvorgang handelt, handelt es sich um Einzahlungen und Auszahlungen. Dabei ist nicht relevant, nach welchen Rechnungslegungswerken das Unternehmen diese Positionen verbuchen darf. Entscheidend ist nur, dass Geldmittel das Unternehmen verlassen haben oder diese ihm zugeflossen ist. Lediglich Einzahlungen und Auszahlungen sollen also mithilfe des Cash Flows abgebildet werden.

Cash Flow Statement – Definition

Das Cash Flow Statement listet alle tatsächlichen Zahlungsströme eines Unternehmens (engl. “Cash Flow”, auch Geldfluss, Einzahlungsüberschuss oder Kassenzufluss) auf, das heißt Ein- und Auszahlungen in einem Unternehmen, und stellt die Verwendung systematisch gegenüber. Ist das Endergebnis positiv, haben die liquiden Mittel in der Berichtsperiode zugenommen.

Häufig wird das Cash Flow Statement zusätzlich vierteljährlich erstellt, da es in den Quartalsberichten von Unternehmen ausgewiesen wird. Jahresabschlüsse nach IFRS (International Finance and Reporting Standards) und Konzernjahresabschlüsse nach HGB (Handelsgesetzbuch) müssen bspw. ein Cashflow Statement enthalten.

Das gesamte Cash Flow Statement setzt sich aus drei Teilbereichen zusammen. Diese erfassen die Finanzströme aus verschiedenen Unternehmensbereichen. Den Kern des Cash Flow Statments bildet das operative Geschäft. Der Cash Flow from Operating Activities bildet Geldflüsse aus dem Kerngeschäft eines Unternehmens ab. Investitionen (Cash Flow from Investing Activities) und Finanzierungstätigkeiten (Cash Flow from Financing Activities) werden in separaten Abschnitten ausgewiesen.

Cash Flow Statement (Kapitalflussrechnung) - Erklärung der Zusammensetzung

Hinweis: Für den Cash Flow werden grundsätzlich nur zahlungswirksame Geschäftsvorfälle berücksichtigt. Das bedeutet, dass beispielsweise Rückstellungen und Abschreibungen kein Teil des Cash Flows sind, da es keinen tatsächlichen Zahlungsstrom gegeben hat.

Cash Flow from Operating Activities

Der Cash Flow from operating Activities (Cash Flow aus dem operativen Geschäft oder operativer Cash Flow) betrachtet die Ein- und Auszahlungen der laufenden Geschäftstätigkeit. Darunter sind alle Geldflüsse zu verstehen, die in Verbindung mit dem grundlegenden wirtschaftlichen Zweck eines Unternehmens stehen. Bei einem Automobilhersteller ist dies beispielsweise die Produktion von Automobilen. Auch Auszahlungen für Gehälter oder Lieferantenrechnungen gehören somit beispielsweise zum Kerngeschäft. Einzahlungen können unter anderem durch Zahlungen von Kunden realisiert werden.

Ein positiver Cash Flow from operating Activities kann beispielsweise für die Tilgung von Krediten oder neue Investitionen genutzt werden. Umgekehrt muss ein negativer Cash Flow möglicherweise durch die Aufnahme von Krediten oder Desinvestitionen gedeckt werden.

Cash Flow from Investing Activities

Der Cash Flow from investing Activities (Cash Flow aus der Investition) betrachtet die Ein- und Auszahlungen aus der Investitionstätigkeit. Für gewöhnlich haben Investitionen und Akqusitionen in diesem Abschnitt des Cash Flow Statements den größten Einfluss. Als Investitionen werden beispielsweise Mittelabflüsse für Gebäude, Maschinen oder Grundstücke bewertet. Ausgaben für Investitionen werden auch CAPEX (Capital Expenditures) genannt. Akquisitionen umfassen dagegen Zukäufe und Übernahmen von gesamten Unternehmen oder Unternehmensteilen.

Cash Flow from Financing Activities

Der Cash Flow from financing Acitvities (Cash Flow aus Finanzierung) betrachtet die Finanzierungstätigkeit eines Unternehmens und stellt gleichzeitig den letzten Teil des Cash Flow Statements dar. Vereinfacht bewertet dieser Cash Flows, also Ein- und Auszahlungen, zwischen Eigentümern und Gläubigern einer Gesellschaft. Bei einem positiven Cash Flow from Financing Activities gewähren in der Regel Gläubiger dem Unternehmen Geldmittel. Ein Beispiel hierfür ist ein Kredit von einer Bank. Werden dagegen Verbindlichkeiten getilgt, Dividenden ausbezahlt oder Aktien zurückgekauft, entsteht ein negativer Cashflow, weil Geld das Unternehmen verlässt.

Cash Flow Statement – Berechnung

Grundsätzlich existieren zwei Formen der Berechnung von Cash Flows. Es handelt sich dabei um die direkte und die indirekte Methode. Beide Ansätze führen zu dem gleichen Ergebnis, basieren aber auf unterschiedlichen Daten.

Die direkte Ermittlung benötigt eine umfangreichere Datenbasis und wird daher häufig von den Unternehmen selbst als internes Werkzeug verwendet.

Im Gegenzug benötigt das indirekte Verfahren weniger Daten beziehungsweise solche, die frei zugänglich sind, hat aber auch eine geringere Aussagekraft. Dennoch stellt es für externe Bewerter, wie Investoren oder Analysten, häufig die einzige Option dar.

Kapitalflussrechnung – Direkte Methode

Bei der direkten Ermittlung von Cash Flows werden zahlungswirksame Erträge (Einzahlungen) von zahlungswirksamen Aufwendungen (Auszahlungen) abgezogen. Diese Werte liegen häufig nur dem Unternehmen selbst vor, da nicht alle benötigten Daten veröffentlicht werden müssen.

Zusätzlich gewinnt die direkte Methode an Flexibilität, weil sie nicht von Bilanzkennzahlen wie beispielsweise dem Gewinn abhängt. Diese Form der Analyse kann folglich für jeden beliebigen Zeitraum durchgeführt werden. Ein Konzern kann beispielsweise jeden Monat ein Cash Flow Statement für interne Analysen aufstellen.

Ein vollständiges Cash Flow Statement nach der direkten Methode wird nach dem folgenden Schema gebildet.

Vorgang +/- Beispiel
  Operative Einzahlungen + Ein Kunde bezahlt eine Rechnung.
  Operative Auszahlungen Das Unternehmen bezahlt Gehälter.
Cash Flow from operating Activities =  
  Einzahlungen aus Anlagenabgängen + Das Unternehmen verkauft eine gebrauchte Maschine.
  Auszahlungen für Investitionen Das Unternehmen kauft eine neue Fertigungshalle.
Cash Flow from investing Activities =  
  Einzahlungen aus Kapitalerhöhungen + Das Unternehmen führt eine ordentliche Kapitalerhöhung durch.
  Auszahlungen an Gesellschafter Das Unternehmen zahlt seinen Aktionären eine Dividende.
  Einzahlungen aus Krediten + Das Unternehmen nimmt einen Kredit auf.
  Auszahlungen für Kredite Das Unternehmen tilgt einen Kredit.
Cash Flow from financing Activities =  
TOTAL CASHFLOW = Summe der Teilergebnisse

Kapitalflussrechnung – Indirekte Methode

Die indirekte Methode hat ihren Ausgangspunkt bei den Earnings (Jahresüberschuss) eines Unternehmens. Als Grundlage genügt ein Geschäftsbericht des zu analysierenden Unternehmens. Die Earnings werden im Rahmen der Berechnung um alle nicht zahlungswirksamen Aufwendungen und Erträge korrigiert. Dieses Vorgehen bezieht sich ausschließlich auf den Cash Flow from operating Activities.

Vorgang +/- Beispiel
  Jahresüberschuss / -fehlbetrag + Gewinn / Verlust laut Bilanz
  Abschreibungen + Ein Grundstückswert verringert sich, weil Schwermetall gefunden wurde.
  Zuschreibungen Im Folgejahr stellt sich heraus, dass das Grundstück doch nicht belastet ist.
  Zunahme von Rückstellungen + Das Unternehmen bucht Rückstellungen für auszuzahlende Pensionen.
  Abnahme von Rückstellungen Die Forderungsverluste fallen geringer aus, als mit der Rückstellung im Vorjahr geplant.
  Zunahme von Vorräten & Forderungen Der Lagerbestand nimmt zu.
  Abnahme von Vorräten & Forderungen + Der Lagerbestand nimmt ab.
  Zunahme von Verbindlichkeiten + Das Unternehmen bezahlt Lieferantenrechnungen nach 60 statt nach 30 Tagen.
  Abnahme von Verbindlichkeiten Das Unternehmen bezahlt Lieferantenrechnungen nach 10 statt nach 30 Tagen.
Cash Flow from operating Activities =  
  Einzahlungen aus Anlagenabgängen + Das Unternehmen verkauft eine gebrauchte Maschine.
  Auszahlungen für Investitionen Das Unternehmen kauft eine neue Fertigungshalle.
Cash Flow from investing Activities =  
  Einzahlungen aus Kapitalerhöhungen + Das Unternehmen führt eine ordentliche Kapitalerhöhung durch.
  Auszahlungen an Gesellschafter Das Unternehmen zahlt seinen Aktionären eine Dividende.
  Einzahlungen aus Krediten + Das Unternehmen nimmt einen Kredit auf.
  Auszahlungen für Kredite Das Unternehmen tilgt einen Kredit.
Cash Flow from financing Activities =  
TOTAL CASHFLOW = Summe der Teilergebnisse

Kapitalflussrechnung indirekte Methode – Beispiele

Auf einige Investoren kann es befremdlich wirken, dass bei der indirekten Ermittlung des Cash Flows Posten addiert werden, sich also positiv auf den Cash Flow auswirken, die einen negativen Einfluss auf den Gewinn des Unternehmens haben. Dieser Umstand geht darauf zurück, dass der Ausgangspunkt der indirekten Ermittlung der Unternehmensgewinn ist. Dieser berücksichtigt bereits alle Aufwendungen und Erträge des Unternehmens. Allerdings müssen mit Aufwendungen und Erträgen nicht immer Auszahlungen und Einzahlungen einhergehen. Warum diese Werte bereinigt werden müssen, wird in den folgenden Beispielen etwas deutlicher.

Beispiel 1 – Lagerbestand: Ein Investor möchte den Cash Flow für ein Unternehmen ermitteln. Der Gewinn gemäß der letzten Bilanz beträgt eine Million Euro. Zusätzlich ist der Lagerbestand des Unternehmens von 100.000 Euro auf 50.000 Euro gesunken. Was nach einem Verlust für das Unternehmen klingen kann, ist aus Cash Flow Perspektive positiv zu werten. Eine Abnahme des Lagerbestandes bedeutet, dass Produkte verkauft wurden, die bereits in vorherigen Perioden gefertigt worden sind. In der laufenden Periode kann also ein Umsatz und bestenfalls ein Zahlungseingang realisiert werden – ohne dass es Aufwendungen gibt. Daher werden die 50.000 Euro zu dem Gewinn von einer Million Euro hinzuaddiert.

Beispiel 2 – Abschreibungen: Der Investor setzt seine Analyse fort und entdeckt 100.000 Euro Abschreibungen in der Gewinn- und Verlustrechnung des Unternehmens. Dieser Aufwand soll den Wertverlust von Anlagegegenständen abbilden. Obwohl die Abschreibungen den Gewinn des Unternehmens mindern, hat kein Geld das Unternehmen verlassen. Dies war bereits der Fall, als das Anlagevermögen angeschafft wurde. Daher stellen die Abschreibungen einen Aufwand dar, zu dem es keine Auszahlung gibt. Sie müssen also ebenfalls auf den Gewinn addiert werden, weil der ausgewiesene Wert sonst zu niedrig ist.

Cash Flow Statement – Interpretation & Bedeutung

Das Cash Flow Statement ermöglicht eine Beurteilung der Liquiditätssituation eines Unternehmens. Ein positiver Cash Flow bedeutet, dass dem Unternehmen mehr liquide Mittel zugeflossen sind, als es verlassen haben. Darüber hinaus kann das Cash Flow Statement Hinweise auf die Herkunft des Gesamtergebnisses liefern. Durch die drei Zwischenergebnisse kann ein Investor abschätzen, in welchem Cash Flow positive oder negative Ergebnisse erzielt wurden.

Interpretation Cash Flow from Operating Activities

Ist dieser Cash Flow positiv, erlöst das Unternehmen mit seinem Kerngeschäft mehr Geld, als es ausgibt. Ausgaben für Personal, Material und allgemeine Verwaltungsaufgaben sind beispielsweise schon berücksichtigt. Das Ergebnis des Cash Flows from operating Activities kann für Investitionen, Tilgungen oder Ausschüttungen verwendet werden. Ein negatives Ergebnis in diesem Abschnitt kann auf erhebliche Probleme hindeuten. Insbesondere wenn der operative Cash Flow über mehrere Perioden negativ ist, sollte ein Investor den Grund dafür herausfinden.

Der Cash Flow from operating Activities hängt zudem eng mit dem Cash Conversion Cycle zusammen. Denn neben einer ausreichenden Gewinnmarge muss ein Unternehmen auch auf seine Zahlungsziele achten, wenn es um das Thema Cash Management geht. Gewährt ein Unternehmen beispielsweise seinen Kunden 60 Tage Zahlungsziel, muss aber seine Lieferantenrechnungen nach 30 Tagen bezahlen, finanziert es seine Kunden für 30 Tage. Auch auf diesem Weg kann ein geringer operativer Cash Flow entstehen, ohne das ein Unternehmen Verluste schreibt.

Hinweis: Liquidität ist in Unternehmen ein essenzieller Faktor. Wenn ein Unternehmen hohe (bilanzielle) Gewinne realisiert, aber zu lange auf sein Geld warten muss, kann es deshalb in Schwierigkeiten geraten. Aufgrund fehlender Liquidität mussten bereits Unternehmen Insolvenz anmelden, die grundsätzlich profitabel gearbeitet haben.

Interpretation Cash Flow from Investing Activities

Der Cashflow from investing Activities ist im Vergleich zu seinem Vorgänger meistens negativ. Das hängt damit zusammen, dass getätigte Investitionen den Cash Flow belasten. Im Gegenzug haben Investitionen das Potenzial, den Cash Flow in den nächsten Perioden zu erhöhen. Umgekehrt kann in diesem Abschnitt des Cash Flow Statements ein positiver Cash Flow Anlass zur Sorge bieten. Dies würde bedeuten, dass ein Unternehmen mehr Geld für den Verkauf von Anlagegegenständen erlöst hat, als für neue Anlagen ausgegeben wurde. Für ein solches Vorgehen sollte das Unternehmen plausible Erklärungen liefern. Andernfalls sieht es danach aus, dass Liquidität durch den Verkauf des „Tafelsilbers“ generiert wird. Die Probleme, die zu der geringen Liquidität geführt haben, werden damit jedoch für gewöhnlich nicht gelöst.

Beispiel: Ein Unternehmen hat einen positiven Cash Flow from Investing Activities. In seinem Abschlussbericht weist es jedoch darauf hin, dass im kommenden Jahr eine neue Produktionslinie gebaut wird. Die Maschinen, die derzeit in der Halle stehen, müssen dafür verkauft werden. Ein Käufer konnte bereits dieses Jahr gefunden werden. Daher können die Investoren beruhigt sein, dass der positive Cash Flow in diesem Fall kaum Anlass zur Sorge bietet.

Interpretation Cash Flow from Financing Activities

Der Cash Flow from financing Activities kann einem Investor Informationen über die Finanzierungstätigkeiten eines Unternehmens liefern. In diesem Abschnitt können alle Transaktionen mit Kapitalgebern analysiert werden. Ein positiver Cash Flow bedeutet, dass ein Unternehmen Geld erhalten hat. Grund hierfür kann eine Kapitalerhöhung (Eigenkapitalgeber) oder eine Kreditaufnahme (Fremdkapitalgeber) sein. Ein negativer Cash Flow from financing Activities kann dagegen auf Dividendenzahlungen oder Aktienrückkäufe (Eigenkapitalgeber) beziehungsweise Tilgungen von Krediten (Fremdkapitalgeber) zurückzuführen sein. Eine pauschale Bewertung von positiven oder negativen Ergebnissen in dieser Sektion ist nicht möglich. Tilgungen senken beispielsweise den Cash Flow, aber gleichzeitig auch die zukünftige Zinslast. Eine Kreditaufnahme sorgt im Gegenzug für Geldmittel, um diese beispielsweise zu investieren, bedeutet aber einer erhöhte Fremdkapitalquote und höhere Zinsaufwendungen.

Wer nutzt das Cash Flow Statement?

Aufgrund der möglichen Informationen des Cash Flow Statements können verschiedene Personen und Gruppen ein Interesse daran haben. Dabei gibt es sowohl interne als auch externe Adressaten des Cash Flow Statements eines Unternehmens.

  • Buchhalter und Controller innerhalb des Unternehmens
    Das Cash Flow Statement kann beispielsweise die Grundlage der internen Liquiditätsplanung oder eines Cash Forecasting sein.
  • Mögliche Kreditgeber oder Lieferanten
    Mit dem Cash Flow Statement können diese Geschäftspartner einschätzen, wie hoch die Rückzahlungswahrscheinlichkeit ihrer Kredite ist. Lieferanten gelten dabei ebenfalls als (Waren-)Kreditgeber.
  • Mögliche Investoren
    Das Cash Flow Statement kann wichtige Hinweise für eine Unternehmensbewertung liefern. Insbesondere die Entwicklung der Cash Flows vergangener Perioden kann mögliche Ansatzpunkte für Prognosen liefern.
  • Bestehende Investoren
    Im Rahmen der laufenden Überprüfung von Investitionen kann das Cash Flow Statement eine ähnlich wichtige Rolle spielen, wie bei der Auswahl neuer Wertpapiere. Negative Entwicklungen können beispielsweise vorzeitig ein Indiz dafür liefern, eine Position aufzulösen.
  • Mitarbeiter und andere Vertragspartner
    Mitarbeiter, Pensionäre oder Kunden sind darauf angewiesen, dass ein Unternehmen über ausreichende Liquidität verfügt. Ansonsten können beispielsweise die Zahlungen von Gehältern und Pensionen verzögert stattfinden oder nicht mehr durchgeführt werden. Vertragspartner, beispielsweise Kunden, sind wiederum darauf angewiesen, dass ein Unternehmen sich vorfinanzieren kann. Anders kann es nicht wie vereinbart Produkte liefern oder Dienstleistungen erbringen.
  • Management
    Dem Management obliegt die Aufgabe der Prüfung des Cash Flow Statements. Daraus lassen sich beispielsweise strategische Anpassungen ableiten. Beispielsweise kann das Management anstehende Investitionen für kurze Zeit aussetzen, wenn aktuell ein Liquiditätsengpass droht.

Cash Flow Statement – Nachteile

Grundsätzlich kann das Cash Flow Statement erheblich schwerer manipuliert werden als bspw. die Gewinn- und Verlustrechnung. Es basiert auf einer Zeitraumbetrachtung und kann auch durch Bilanz-politische Maßnahmen kaum verändert werden. Trotzdem können Unternehmen die Optik ihres Cash Flow Statements aktiv manipulieren.

Es handelt sich hierbei bspw. um das bewusste Aussetzen oder Vorziehen von Zahlungen. Denn obwohl das Cash Flow Statement einen Zeitraum betrachtet, ist dieser meistens identisch mit dem Wirtschaftsjahr oder den entsprechenden Quartalen. Somit kann ein Unternehmen beispielsweise eine Investition am 01. Januar eines Jahres tätigen, weil die Ausgabe den Cash Flow für das vorherige Jahr nicht beeinflussen soll.

Nicht unüblich ist es beispielsweise, Lieferantenrechnungen in den letzten Wochen des Jahres nicht mehr zu bezahlen, damit weniger Zahlungsmittel das Unternehmen verlassen. Diese Zahlungen werden dann Anfang des folgenden Jahres nachgeholt.

Hinweis: Ein Unternehmen kann mit den dargestellten Mechaniken zwar das Cash Flow Statement eines Jahres beeinflussen, aber die Geldflüsse nicht verhindern. Finden beispielsweise im Dezember keine Zahlungen an Lieferanten mehr statt, hat dies nur im ersten Jahr einen positiven Effekt auf Cash Flow, Working Capital und Cash Conversion Cycle. In allen folgenden Jahren steht der Entlastung im Dezember die Belastung im Januar durch die ausstehenden Zahlungen des Vorjahres gegenüber.

Beispiel einer Cash Flow Berechnung

Für das folgende Praxisbeispiel wird der Geschäftsbericht des DAX-Konzerns Bayer aus dem Jahr 2019 verwendet. In diesem stellt das Unternehmen selbst ein Cash Flow Statement nach der indirekten Methode auf. Üblich ist der Vergleich mit einer oder mehreren Vorperioden. In diesem Fall hat Bayer das vorangegangene Geschäftsjahr als Vergleichszeitraum angegeben.

Hinweis: Investoren können unter Zuhilfenahme älterer Geschäftsberichte eine längere Historie des Cash Flows abbilden, als aus einem einzelnen Bericht hervorgeht.

Als erster Abschnitt im Cash Flow Statement kann der Cash Flow from operating Activities analysiert werden.

Cash Flow Statement - Berechnung Cash Flow aus operativer Tätigkeit
Cash Flow aus operativer Geschäftstätigkeit - Berechnung

Der Cash Flow aus operativen Tätigkeiten ist mit über 7 Milliarden Euro in beiden Jahren deutlich positiv. Neben dem Betriebsergebnis nach Steuern sind die Abschreibungen der größte Einflussfaktor auf den Cash Flow. Zudem konnte der Cash Flow from operating Activites im Betrachtungsjahr 2019 verglichen mit dem Vorjahr gesteigert werden. Dies kann aus Sicht eines Investors positiv bewertet werden.

Cash Flow Statement - Berechnung Cash Flow aus Investitionstätigkeit
Cash Flow aus Investitionstätigkeit - Berechnung

Der Cash Flow from investing Activities ist negativ. Insgesamt wurde folglich Geld für Investitionen ausgegeben. Das Geschäftsjahr 2019 beschränkt sich dabei auf geringere Positionen als das Vorjahr. Vorgänge aus Investitionstätigkeiten summieren sich für 2018 auf mehr als 34 Milliarden Euro. Dieser Wert ist maßgeblich auf die Position „Ausgaben für Akquisitionen (…)“ mit einem Wert von über 45 Milliarden Euro zurückzuführen. Der größte Teil dieser Position beinhaltet den Kaufpreis für das Saatgutunternehmen Monsanto. Bayer beschloss im Jahr 2016 den Kauf von Monsanto für insgesamt 66 Milliarden Dollar.

Cash Flow Statement - Berechnung Cash Flow aus Finanzierungstätigkeit
Cash Flow aus Finanzierungstätigkeit - Berechnung

Wie bereits in den vorherigen Absätzen beschrieben, zeigt sich der Cash Flow from financing Activities als eine Art Ausgleichsposten. Da das Geschäftsjahr 2018 durch die Kaufpreiszahlung für Monsanto stark belastet war, hat Bayer Kredite über 65 Milliarden Euro aufgenommen. Unter Berücksichtigung der anderen Positionen des Cash Flow Statements ergibt sich damit ein positiver Cash Flow from financing Activities mit mehr als 23 Milliarden Euro. Im Jahr 2019 wurden dagegen in Summe mehr Kredite getilgt, als neu aufgenommen.

Cash Flow Statement - Ergebnis der Berechnung
Cash Flow Statement - Ergebnis

Für beide Geschäftsjahre ergibt sich ein negativer Cashflow. Der Zahlungsmittelbestand wird zuerst von 7,435 Milliarden Euro auf 4,052 Milliarden Euro und anschließend auf 3,185 Milliarden Euro gesenkt. Jedoch verbleibt damit immer noch ein ausreichendes Cash-Polster. Für die folgenden Perioden können Investoren beispielsweise darauf achten, dass die Zahlungsmittelbestände von Bayer nicht weiter sinken und somit möglicherweise ein kritisches Maß erreichen.

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