Unternehmensanleihen – Definition & Erklärung

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Was ist eine Unternehmensanleihe? – Definition

Unternehmensanleihen sind meist festverzinsliche Wertpapiere eines Unternehmens mit dem Versprechen, eine Reihe von Zinszahlungen in festen Beträgen zu leisten und den Kapitalbetrag bei Fälligkeit zurückzuzahlen. Durch die Emission (Ausgabe) von Anleihen kann sich ein Unternehmen zu festgelegten Konditionen (bzgl. Volumen, Laufzeit, Verzinsung der Anleihen usw.) Fremdkapital beschaffen.

Zahlungsflüsse einer gängigen Unternehmensanleihe

Hinweis: Die genaue Ausgestaltung hängt von den jeweiligen Anleihebedingungen ab. So gibt es beispielsweise auch variabel verzinsliche Anleihen, Nullkuponanleihen, nachrangige Anleihen oder Anleihen ohne feste Endfälligkeit.

6 wichtige Merkmale einer Unternehmensanleihe

Zu den zentralen Merkmalen von Unternehmensanleihen gehören die Spezifikation von:

Begriff Erklärung
Emittent Als Emittent wird der Herausgeber der Anleihe beschrieben. Emittenten von Unternehmensanleihen sind Unternehmen, die zum Zwecke der Kapitalbeschaffung Anleihen auf den Finanzmärkten ausgeben.
Fälligkeitsdatum Das Fälligkeitsdatum einer Anleihe ist der Tag, an dem das investierte Kapital gemäß den Anleihebedingungen an den Anleger zurückfließen soll. Bei Zahlungsausfällen oder besonderen Anleihebedingungen kann die tatsächliche Rückzahlung davon abweichen.
Nennwert Der Nennwert, auch bekannt als Fälligkeitswert, Rückzahlungswert oder Nominalwert einer Anleihe, ist der Nennbetrag, der bei Fälligkeit zurückgezahlt werden soll. Anleihen können einen Nennwert in unterschiedlicher Höhe haben, und ihre Preise werden üblicherweise als Prozentsatz des Nennwertes angegeben.
  • Eine Anleihe, deren Kurs über ihrem Nennwert liegt, wird mit einem Aufschlag auf den Nennwert gehandelt.
  • Eine Anleihe, deren Kurs unter ihrem Nennwert liegt, wird mit einem Abschlag auf den Nennwert gehandelt.
  • Und eine Anleihe, deren Kurs genau dem Nennwert entspricht, wird zum Nennwert gehandelt.
Kuponsatz Der Kuponsatz einer Anleihe ist der jährliche Prozentsatz ihres Nennwerts, der an den Anleihegläubiger (Anleger) gezahlt wird.
  • Einige Anleihen leisten jährlich Kuponzahlungen, während andere halbjährliche, vierteljährliche oder monatliche Zahlungen leisten.
  • Bei variabel verzinslichen Anleihen kann sich die Kuponhöhe nach einer vorab festgelegten Formel verändern.
  • Nullkuponanleihen leisten dagegen vor Fälligkeit keine laufenden Zinszahlungen.
Währung Anleihen werden in unterschiedlichen Währungen notiert. Manchmal geben Unternehmen aus Ländern mit instabilen Währungen auf Euro oder US-Dollar notierte Anleihen aus, um mehr Investoren für sich zu gewinnen. Für Anleger kann daraus ein Währungsrisiko entstehen, wenn die Anleihewährung von der Heimatwährung abweicht.
Kurswert Der Kurswert wird durch die Preisentwicklung an den Finanzmärkten bestimmt. Der Kurs einer Anleihe ist in Prozent des Nennwertes notiert. Im Unterschied zu den vorherigen Merkmalen von Unternehmensanleihen ist der Kurswert nicht festgelegt. Je nach Handelsplatz und Darstellung kann zwischen dem reinen Kurs ohne aufgelaufene Stückzinsen und dem tatsächlich zu zahlenden Preis inklusive Stückzinsen unterschieden werden.

Hinweis: Die genannten Merkmale (mit Ausnahme des Kurswerts) beziehen sich auf die Bedingungen einer Anleihe und werden vom jeweiligen Unternehmen bestimmt und veröffentlicht.

Rendite einer Unternehmensanleihe – Erklärung

Die Rendite einer Unternehmensanleihe gibt den Ertrag einer Kapitalanlage an, ausgedrückt in Prozent pro Jahr. Sie berücksichtigt nicht nur die laufenden Zinszahlungen (Kupons), sondern auch mögliche Kursgewinne oder Kursverluste bis zur Fälligkeit oder bis zum Verkauf der Anleihe.

Im Vergleich zum Kuponsatz bildet die Rendite somit den tatsächlichen Ertrag realistischer ab, sofern die zugrunde gelegten Zahlungen wie erwartet erfolgen. Der Kuponsatz beschreibt lediglich die vertraglich vereinbarte Zinszahlung bezogen auf den Nennwert der Anleihe. Die Rendite berücksichtigt dagegen auch, zu welchem Kurs die Anleihe gekauft wurde.

Im Normalfall steigt die Rendite einer Unternehmensanleihe mit dem eingeschätzten Ausfallrisiko, einem Anstieg des Marktzinses bzw. der Renditeanforderung sowie einem Rückgang des Anleihekurses. Bei längeren Laufzeiten kann die Rendite höher sein. Dies hängt jedoch von der jeweiligen Zinsstrukturkurve ab.

Zu beachten ist außerdem, dass Anleihekurse häufig als sogenannter Clean Price dargestellt werden. Der tatsächlich zu zahlende Betrag kann zusätzlich aufgelaufene Stückzinsen enthalten. Zusätzlich können Stückzinsen, Transaktionskosten und Steuern die tatsächliche Nettorendite beeinflussen.

Hinweis: Unternehmensanleihen werden an der Börse oder außerbörslich zum aktuellen Kurs gehandelt, nicht zwingend zum Nennwert. Fällt der Kurs beispielsweise von 100% auf 95%, steigt die Rendite entsprechend, sofern am Ende der Laufzeit der volle Nennwert (100%) zurückgezahlt wird. Kurs und Rendite stehen dabei in umgekehrtem Verhältnis zueinander.

Berechnung der Rendite einer Unternehmensanleihe

Die genaue Rendite einer Unternehmensanleihe wird häufig als Rendite bis zur Fälligkeit (Yield to Maturity) berechnet. Dabei wird der Zinssatz gesucht, mit dem sich alle künftig erwarteten Zahlungen der Anleihe (Kupons und Rückzahlung des Nennwerts) auf den heutigen Kaufpreis abzinsen lassen.

Vereinfacht lässt sich die Berechnung über folgende Barwertgleichung darstellen:

Kaufpreis=\sum_{t=1}^{n}\frac{Kuponzahlung_t}{(1+r)^t}+\frac{Nennwert}{(1+r)^n}

Dabei steht r für die gesuchte Rendite pro Periode, n für die Anzahl der verbleibenden Perioden bis zur Fälligkeit und t für die jeweilige Zahlungsperiode. Der Kaufpreis entspricht dem heutigen Wert aller erwarteten Zahlungen.

Da sich die Rendite in dieser Gleichung nicht immer einfach direkt umstellen lässt, wird sie in der Praxis häufig mit Finanzrechnern, Tabellenkalkulationen oder Näherungsverfahren berechnet. Eine häufig verwendete überschlägige Näherung für die jährliche Rendite lautet:

Rendite~p.a.\approx\frac{Kupon+\frac{Nennwert-Kaufpreis}{Restlaufzeit}}{\frac{Nennwert+Kaufpreis}{2}}

Diese Näherungsformel berücksichtigt die jährliche Kuponzahlung sowie den durchschnittlichen jährlichen Kursgewinn oder Kursverlust bis zur Rückzahlung zum Nennwert. Sie eignet sich vor allem zur schnellen Orientierung.

Die folgende Abbildung zeigt beispielhaft die Kursentwicklung einer als sehr sicher geltenden Unternehmensanleihe mit einem Kuponsatz von 2%, fünf Jahre vor Fälligkeit, in verschiedenen Marktzinsszenarien:

Exemplarischer Kursverlauf einer Unternehmensanleihe - Diagramm
Kurs einer Unternehmensanleihe unter Berücksichtigung unterschiedlicher Marktzinsniveaus (in Anlehnung an Deutsche Finanzagentur)

Hinweis: Es besteht ein entgegengesetzter Zusammenhang zwischen dem Kurs einer bereits emittierten festverzinslichen Anleihe und dem allgemeinen Marktzinssatz.

  • Sinkt der Marktzins, steigt der Anleihekurs in der Regel.
  • Steigt der Marktzins, sinkt der Anleihekurs in der Regel.

Ist eine Unternehmensanleihe sicher? – 3 Bewertungsfaktoren

Credit Rating

Ein Credit Rating, auch bekannt als „Kreditbeurteilung“, „Kreditbewertung“ oder „Bonitätsprüfung“, beurteilt die Zahlungsfähigkeit von Unternehmen.

Um eine erste Orientierung bezüglich des Ausfallrisikos einer Unternehmensanleihe zu erhalten, werden häufig die Bewertungen der drei großen US-amerikanischen Ratingagenturen Moody’s, Fitch sowie Standard & Poor’s in Betracht gezogen. Die Ergebnisse der Credit Ratings können einen bedeutenden Einfluss auf die Höhe des festgelegten Kuponsatzes sowie des Anleihekurses haben.

Unter Anwendung der Bonitätseinstufung externer Ratingagenturen werden Anleihen häufig in „Investment Grade“ und „Non-Investment Grade“ unterschieden.

  • Als Investment Grade gelten bei S&P und Fitch in der Regel Ratings von BBB- oder besser, bei Moody’s Ratings von Baa3 oder besser.
  • Anleihen, die unter die Kategorie Non-Investment Grade fallen, werden auch als Junk Bonds bezeichnet.

Hinweis: Ratings sind lediglich die Einschätzung der jeweiligen Ratingagentur und stellen keine Handlungsempfehlung dar.

Kupon

Ein hoher Kuponsatz kann auf eine geringe Bonität bzw. Credit Rating des Unternehmens hinweisen. Zur Kompensation dieses Risikos wird häufig ein Zinsaufschlag (Credit Spread) verlangt. Auch externe Faktoren wie Inflation und das allgemeine Zinsniveau beeinflussen den Kuponsatz neuer Anleihen: Bei hoher Inflation oder einem hohen allgemeinen Zinsniveau werden Anleihen häufig nur mit höheren Kupons nachgefragt, während niedrige Leitzinsen tendenziell niedrigere Kupons begünstigen.

Kurswert

Der Kurs einer Unternehmensanleihe bildet sich durch Angebot und Nachfrage an der Börse oder im außerbörslichen Handel. Im Unterschied zum Kuponsatz kann der Kurs während der Laufzeit der Anleihe schwanken und ist nicht festgelegt.

Es gibt eine Reihe von Faktoren, die den Kurs einer Unternehmensanleihe beeinflussen können. Die Richtung einzelner Effekte lässt sich häufig beschreiben, der tatsächliche Kurs ergibt sich jedoch aus dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Die zentralen Faktoren umfassen:

  • Ergebnisse aus Kreditbeurteilungen von externen Ratingagenturen (im Normalfall führt eine Verbesserung der Kreditbeurteilung zu einem höheren Kurs der Anleihe, während eine Verschlechterung der Kreditbeurteilung zu einem sinkenden Kurs führt)
  • Höhe des Marktzinses (steigt der Zinssatz am Kapitalmarkt, sinkt der Kurs einer bereits emittierten festverzinslichen Unternehmensanleihe im Normalfall. Die Nachfrage nach bereits emittierten Unternehmensanleihen sinkt zugunsten der Nachfrage neu emittierter Anleihen, da diese für gewöhnlich einen höheren Kuponsatz versprechen)
  • Credit Spread (steigt der vom Markt verlangte Risikoaufschlag für ein Unternehmen oder eine Branche, sinkt der Kurs der betroffenen Anleihe tendenziell)
  • Inflation (bei steigender Inflation sinkt tendenziell die Nachfrage nach bereits emittierten festverzinslichen Unternehmensanleihen, da der Anleger infolge seiner festen Zinsansprüche real weniger Geld erhält. Der Kurs der Unternehmensanleihe sinkt tendenziell)
  • Laufzeit (je mehr sich eine Anleihe ihrem Fälligkeitsdatum nähert, desto näher bewegt sich der Kurs tendenziell in Richtung 100%, sofern keine erheblichen Ausfallrisiken bestehen und keine besonderen Ausstattungsmerkmale entgegenstehen)
  • Liquidität (Anleihen mit geringer Liquidität oder großen Geld-Brief-Spannen können stärkeren Kursschwankungen unterliegen und sind im Bedarfsfall möglicherweise nur mit Abschlag veräußerbar)
  • Aktienkurs des Unternehmens (ein Anstieg des Aktienkurses kann auf eine Verbesserung der wirtschaftlichen Situation des Unternehmens hindeuten, womit die Bonität des Unternehmens tendenziell steigt und damit auch der Anleihekurs. In Stressphasen können Aktien- und Anleihekurse jedoch gleichzeitig fallen, wenn sich die Finanzlage des Unternehmens verschlechtert)

Welche Arten von Unternehmensanleihen gibt es?

Anleihen können in unterschiedliche Arten kategorisiert werden, die neben der Bonitätseinstufung externer Ratingagenturen weitere Aspekte berücksichtigen. Dadurch kann ein Anleger die Unterschiede zwischen Anleihen genauer erkennen.

Im Folgenden werden mehrere häufig berücksichtigte Aspekte mit ihrer Kategorisierung zusammengefasst.

Fremdemissionen und Selbstemissionen

Ein Unternehmen kann zwischen Fremd- und Eigenemission seiner Anleihen wählen. Dabei geht es um die Platzierung der Unternehmensanleihen:

  • Bei einer Fremdemission unterstützt eine oder mehrere Banken das Unternehmen gegen Gebühr bei der Platzierung seiner Anleihen. Das Unternehmen profitiert vom Know-how, der Marktkenntnis und dem Vertrieb der Bank. Je nach Vereinbarung kann die Bank die Anleihen im Rahmen einer Festübernahme zunächst selbst übernehmen oder sie auf Basis einer Best-Efforts-Platzierung lediglich bestmöglich am Markt platzieren. Ob eine Bank nicht platzierte Anleihen selbst übernimmt, hängt daher von der konkreten vertraglichen Ausgestaltung ab.
  • Bei einer Selbstemission platziert das Unternehmen seine Anleihen ohne die klassische Unterstützung einer Bank. Damit möchte das Unternehmen insbesondere Bankgebühren sparen und seine Unabhängigkeit im Rahmen der Emission bewahren. Gleichzeitig trägt es einen größeren Teil des Platzierungs- und Vertriebsaufwands selbst.

Unterscheidung anhand der Verzinsung

Die Verzinsung einer Anleihe wird mit ihrem Kuponsatz beschrieben, die auf verschiedene Arten erfolgen kann:

  • Eine Kupon-Anleihe mit fester, regelmäßiger Verzinsung (Standardanleihe) stellt eine häufige Anleiheart dar. Diese Anleihe hat bis zum Ende ihres Fälligkeitsdatums eine konstant hohe Verzinsung mit gleichbleibendem Zinsertrag.
  • Eine Kupon-Anleihe mit variabler Verzinsung (Floater) weist einen flexiblen Kuponsatz auf, der regelmäßig anhand einer vorab festgelegten Formel angepasst wird. Häufig orientiert sich der Kuponsatz an einem Referenzzinssatz zuzüglich einer festen Marge. In vielen Fällen wird zusätzlich eine Unter- oder Obergrenze für die mögliche Höhe des Kuponsatzes festgelegt. Darüber hinaus gibt es inflationsindexierte Anleihen, bei denen sich nicht nur der Kuponsatz, sondern auch beispielsweise der Rückzahlungsbetrag an der Inflation ausrichten kann.
  • Eine Stufenzinsanleihe weist einen mit der Restlaufzeit zunehmenden oder abnehmenden Kuponsatz auf. Die Veränderung des Kuponsatzes wird in den Anleihebedingungen festgelegt.
  • Eine Nullkuponanleihe (Zero-Bond) zahlt vor ihrer Fälligkeit keine laufenden Zinsen. Solche Anleihen werden meistens mit einem Abschlag auf ihren Nennwert herausgegeben. Die vollständige Auszahlung erfolgt am Fälligkeitsdatum, an dem der Anleihegläubiger den Nennwert erhalten soll.

Vorrangige und nachrangige Anleihen

Die Rangordnung regelt die Reihenfolge, nach der die Ansprüche von Anleihebesitzern im Fall eines Zahlungsausfalls oder einer Insolvenz bedient werden:

  • Vorrangige Anleihen (Senior Bonds) sind Unternehmensanleihen, die im Fall eines Insolvenzverfahrens vor nachrangigen Gläubigern bedient werden.
  • Nachrangige Anleihen werden erst bedient, wenn sämtliche Forderungsansprüche von Gläubigern mit einem höheren Rang beglichen worden sind.

Für den Anleger einer nachrangigen Anleihe kann dies einen vollständigen Ausfall seines investierten Geldes bedeuten. Aufgrund des erhöhten Ausfallrisikos wird auf nachrangige Anleihen grundsätzlich ein höherer Kuponsatz oder eine höhere Rendite verlangt. Häufig sind ewige Anleihen (d.h. Anleihen ohne Fälligkeit) nachrangige Anleihen.


Besicherte und unbesicherte Anleihen
  • In der Regel sind Unternehmensanleihen nicht gesondert besichert, d.h. es handelt sich um unbesicherte Anleihen (Unsecured Bonds). Ein Unternehmen haftet grundsätzlich mit seinem Gesellschaftsvermögen.
  • Daneben können Unternehmen besicherte Anleihen ausgeben, bei denen bestimmte Vermögenswerte oder Garantien als zusätzliche Sicherheit dienen. Als Sicherheiten können je nach Struktur beispielsweise Forderungen, Immobilien, Finanzanlagen oder andere Vermögenswerte verwendet werden.

Der Begriff Covered Bond sollte dabei nicht mit jeder besicherten Unternehmensanleihe gleichgesetzt werden. Gedeckte Schuldverschreibungen wie Pfandbriefe sind im europäischen Kontext besonders regulierte Instrumente, die typischerweise von Kreditinstituten begeben und durch eine gesonderte Deckungsmasse abgesichert werden.


Unterscheidung anhand der Laufzeit

Die Laufzeit einer Anleihe beschreibt den Zeitraum zwischen der Emission (Ausgabe) der Anleihe und dem Fälligkeitsdatum (Tag, an dem das investierte Kapital wieder an den Anleger zurückfließen soll). Bei einer normalen Zinsstrukturkurve ist die Rendite bei Anleihen mit längeren Laufzeiten häufig höher.

Unternehmensanleihen unterliegen unterschiedlichen Laufzeiten, die vom jeweiligen Unternehmen unter Berücksichtigung seiner Interessen fest vereinbart werden. Anleihen können häufig nach den folgenden Laufzeiten unterschieden werden:

  • kurzfristig (bis 4 Jahre)
  • mittelfristig (4 bis 8 Jahre)
  • langfristig (mehr als 8 Jahre)

Anleihen mit einer Laufzeit von einem Jahr oder weniger werden häufig als Geldmarktpapiere bezeichnet. Anleihen mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr nennt man Kapitalmarktpapiere. Anleihen ohne Fälligkeit werden als ewige Anleihen bezeichnet. Sie leisten periodische Zinszahlungen, versprechen aber keine feste Rückzahlung des Kapitalbetrags zu einem bestimmten Fälligkeitszeitpunkt. Insbesondere in den USA sowie in Großbritannien kommen solche Anleihen, auch bekannt als “Perpetual Bonds”, häufiger vor.


Weitere Anleiheformen und Ausstattungsmerkmale

Neben Verzinsung, Laufzeit, Rang und Besicherung können Unternehmensanleihen weitere besondere Merkmale aufweisen:

  • Kündbare Anleihen (Callable Bonds) können vom Emittenten unter bestimmten Bedingungen vorzeitig zurückgezahlt werden. Für Anleger entsteht dadurch ein Wiederanlagerisiko, wenn die Rückzahlung in einem niedrigeren Zinsumfeld erfolgt.
  • Wandelanleihen (Convertible Bonds) geben Anlegern unter bestimmten Bedingungen das Recht, die Anleihe in Aktien des Unternehmens umzuwandeln. Sie verbinden damit Eigenschaften von Fremdkapital und Eigenkapital.
  • Strukturierte Anleihen verbinden eine Schuldverschreibung mit zusätzlichen Ausstattungsmerkmalen, häufig mit einer derivativen Komponente. Die Verzinsung oder Rückzahlung kann dabei von der Entwicklung eines Basiswertes abhängen, z.B. von Aktien, Indizes, Zinssätzen, Währungen, Rohstoffen oder einem Korb mehrerer Basiswerte. Solche Produkte werden häufig von Banken emittiert und können je nach Ausgestaltung deutlich komplexer und riskanter sein als klassische Unternehmensanleihen.
  • Grüne, soziale oder nachhaltigkeitsbezogene Anleihen dienen der Finanzierung bestimmter Projekte oder knüpfen die Finanzierungskonditionen an Nachhaltigkeitsziele. Die tatsächliche Wirkung hängt von der konkreten Ausgestaltung, Berichterstattung und Kontrolle ab.
  • Garantierte Anleihen können zusätzlich durch Garantien eines Mutterunternehmens, einer Bank oder einer anderen Partei abgesichert sein. Auch hier ist entscheidend, wie belastbar die jeweilige Garantie im Einzelfall ist.

Beispiele für langfristige und ewige Anleihen: In der Vergangenheit haben die US-Konzerne Walt Disney und Coca-Cola Anleihen mit einer Laufzeit von 100 Jahren ausgegeben. Anleihen ohne Fälligkeit wurden beispielsweise von der Deutschen Bank herausgegeben.

Vorteile einer Unternehmensanleihe

Durch die Ausgabe von Anleihen können sich Unternehmen Kapital direkt von Investoren beschaffen. Anleihen stellen für Unternehmen eine Alternative zum Bankkredit dar, um sich Fremdkapital zu beschaffen. Dabei sind Unternehmen in der Lage, die Bedingungen einer Anleihe selbst zu bestimmen. Ob sich Nachfrager für die Anleihe finden, zeigt sich im Rahmen der Platzierung und anschließend im Handel.

Mit dem neuen Kapital können Unternehmen Investitionen finanzieren, die beispielsweise eine Ausweitung des Unternehmens oder die Bereiche Forschung und Entwicklung fördern. Darüber hinaus kann das Unternehmen im Rahmen einer Fremdfinanzierung von steuerlichen Vorteilen profitieren, sofern Zinsaufwendungen nach den jeweils geltenden steuerlichen Regeln abzugsfähig sind.

Ein zentraler Vorteil, der häufig in Verbindung mit Unternehmensanleihen genannt wird, liegt in der geringeren Volatilität des Anleihekurses im Vergleich zum Aktienkurs. Dies gilt vor allem für vorrangige Anleihen guter Bonität. Zudem präferieren manche Anleger die festgelegten Konditionen einer Anleihe, die dem Anleger einen besseren Planungshorizont verschaffen.

Im Fall einer Unternehmensinsolvenz liegt ein Vorteil einer Anleihe gegenüber einer Aktie darin, dass Anleihebesitzer in den Rückzahlungsverpflichtungen gegenüber den Aktionären grundsätzlich vorrangig bedient werden.

Auch zwischen Anleihen eines Unternehmens können Unterschiede in der Bevorzugung der Zahlungszuflüsse bestehen. Senior Bonds sind beispielsweise Unternehmensanleihen, die im Insolvenzfall vorrangig vor nachrangigen Anleihen bedient werden. 

Hinweis: In der Summe sehen einige Anleger das Investieren in Unternehmensanleihen als eine im Vergleich zu Aktien häufig risikoärmere Anlageklasse, insbesondere wenn Bonität, Rang, Laufzeit und Liquidität der Anleihe solide sind. Dennoch kann auch bei Anleihen ein Teil- oder Totalverlust entstehen.

Nachteile und Risiken

Beim Handeln mit Unternehmensanleihen können Anleger unter anderem folgende zentrale Risiken berücksichtigen:

  1. Emittentenrisiko bzw. Bonitätsrisiko – Eine Verschlechterung der Zahlungsfähigkeit des Unternehmens kann zu einem sinkenden Kurs der Anleihe führen. Im Extremfall drohen Zahlungsausfall und Totalverlust.
  2. Zinsänderungsrisiko – Ein Anstieg des allgemeinen Marktzinssatzes kann zu einer Abnahme des Anleihekurses führen. Dieses Risiko ist bei längeren Laufzeiten häufig höher.
  3. Inflationsrisiko – Ein Anstieg der Inflation kann einen Kursrückgang einer bereits emittierten festverzinslichen Unternehmensanleihe bewirken und die reale Kaufkraft der Zinszahlungen verringern.
  4. Währungsrisiko – Unternehmensanleihen können in einer Fremdwährung notiert sein. Eine Abwertung der Fremdwährung verursacht für Anleger einen Währungsverlust.
  5. Liquiditätsrisiko – Nicht jede Unternehmensanleihe wird regelmäßig und mit engen Geld-Brief-Spannen gehandelt. Ein Verkauf vor Fälligkeit kann deshalb nur mit Preisabschlägen oder zeitlicher Verzögerung möglich sein.
  6. Kündigungs- und Wiederanlagerisiko – Kündbare Anleihen können vom Emittenten vorzeitig zurückgezahlt werden. Anleger müssen den Betrag dann möglicherweise zu niedrigeren Zinsen wieder anlegen.
  7. Rang- und Strukturrisiko – Nachrangige, ewige, strukturierte oder besonders komplex ausgestattete Anleihen können im Verlustfall deutlich riskanter sein als vorrangige Standardanleihen. Bei strukturierten Anleihen hängt die Rückzahlung oder Verzinsung häufig von zusätzlichen Bedingungen oder Basiswerten ab.

Es zeigt sich, dass der Kurs einer Unternehmensanleihe von vielen Faktoren abhängig sein kann, auf die das Unternehmen selbst kaum Einfluss hat. Dazu können auch die Bonitätseinstufungen von bekannten Ratingagenturen gehören. Möglicherweise sinkt der Kurs einer Unternehmensanleihe, ohne dass die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens gesunken ist. Falls der Inhaber dieser Unternehmensanleihe kurzfristig Geld benötigt und seine Anleihe verkauft, kann damit ein Verlust einhergehen.

Viele Unternehmensanleihen haben einen Mindestbetrag einer handelbaren Anleihe von 1.000 EUR und mehr. Bei institutionellen Anleihen können die Stückelungen auch deutlich höher liegen. Für Kleinanleger stellt dies ggf. eine Hürde oder eine Verringerung der Diversifikation im Portfolio dar. Zudem sind Unternehmensanleihen keine Bankeinlagen und daher grundsätzlich nicht durch eine Einlagensicherung geschützt.

Hinweis: Eine genaue Analyse einer Unternehmensanleihe aus Sicht des Anlegers bedarf der Berücksichtigung und Abwägung einer Vielzahl von Bedingungen, Risiken sowie Vor- und Nachteilen. Diese wurden in diesem Artikel allgemein beschrieben. Eine abschließende Beurteilung, ob ein Investor Anleihen oder Aktien eines Unternehmens vorziehen sollte, kann nicht gegeben werden. Letztlich ist eine Investitionsentscheidung abhängig von den individuellen Bedürfnissen, der Risikobereitschaft und dem Einkommen eines Anlegers.

Worauf Anleger vor dem Kauf achten sollten

Vor dem Kauf einer Unternehmensanleihe sollten Anleger nicht allein auf den Kupon oder die angezeigte Rendite achten. Entscheidend sind die vollständigen Anleihebedingungen und die Frage, ob die Anleihe zum eigenen Risikoprofil passt. Wichtige Prüfpunkte sind insbesondere:

  • Prospekt und Anleihebedingungen einschließlich Laufzeit, Rang, Rückzahlungsmodalitäten, Kündigungsrechten und Covenants
  • Bonität und Geschäftsmodell des Emittenten sowie mögliche Veränderungen im Markt- und Wettbewerbsumfeld
  • Rating der Anleihe oder des Emittenten, sofern vorhanden, sowie die Aussagekraft und Grenzen dieses Ratings
  • Handelsplatz, Liquidität und Geld-Brief-Spanne, insbesondere wenn ein Verkauf vor Fälligkeit möglich sein soll
  • Stückelung, Gebühren, Stückzinsen und Steuern, da sie die tatsächlich erzielbare Nettorendite beeinflussen können
  • Besondere Ausstattungsmerkmale wie Nachrangigkeit, Wandlungsrechte, vorzeitige Kündigungsmöglichkeiten oder Nachhaltigkeitskomponenten

Hinweis: Bei Anleihen, die an Privatanleger vertrieben werden, können außerdem Basisinformationsblätter oder vergleichbare Informationsdokumente relevant sein. Diese Dokumente ersetzen keine eigene Analyse, können aber zentrale Kosten-, Risiko- und Produktinformationen zusammenfassen.

Unternehmensanleihen vs. Aktien

Für viele Anleger stellt sich die Frage, ob sie in Aktien oder Anleihen eines Unternehmens investieren sollen. Die folgende Tabelle stellt in komprimierter Form die wesentlichen Unterschiede zwischen Anleihen und Aktien eines Unternehmens dar:

Kriterien Anleihe Aktie
Investition Kredit Beteiligung am Unternehmen
Anleger Inhaber einer Anleihe ist „Gläubiger“ Inhaber einer Aktie ist „Anteilseigner“
Art des Kapitals Unternehmen beschafft sich Fremdkapital Unternehmen beschafft sich Eigenkapital
Finanzierung Fremdfinanzierung Eigenfinanzierung
Konditionen Größtenteils festgelegte Konditionen (z.B. Kuponsatz, Laufzeit, Rückzahlungsbetrag), abhängig von den Anleihebedingungen keine festgelegten Rückzahlungs- oder Dividendenkonditionen
Erträge Ertrag aus Kuponzahlungen sowie ggf. Kursgewinnen Ertrag aus Dividendenzahlungen sowie ggf. Kursgewinnen
Zahlungsausfall Ausbleibende Zins- oder Tilgungszahlungen können einen vertraglichen Default auslösen; gesetzliche Insolvenzeröffnungsgründe richten sich nach dem geltenden Insolvenzrecht Ausbleibende Dividendenzahlungen lösen in der Regel keinen Default und keinen Insolvenzgrund aus
Fristigkeit der Kapitalbereitstellung meist befristet; bei ewigen Anleihen unbefristet unbefristet
Forderungsanspruch vertraglicher Anspruch auf Zins- und Rückzahlung, sofern keine Ausfälle eintreten und die Anleihebedingungen nichts anderes vorsehen kein Anspruch auf Rückzahlung des Anlagebetrages
Rang des Forderungsanspruches grundsätzlich vorrangiger Anspruch des Fremdkapitalgebers gegenüber dem Eigenkapitalgeber; abhängig von Rang und Besicherung der Anleihe Anspruch des Eigenkapitalgebers wird zuletzt bedient (Residualanspruch)
mögliche Erträge bei positiver Unternehmensentwicklung im Allgemeinen niedriger im Allgemeinen höher
Risikoprofil im Allgemeinen geringer, sofern Bonität, Rang und Ausstattung solide sind im Allgemeinen höher

Da Fremdkapitalgeber (z.B. Inhaber einer Anleihe) grundsätzlich einen vorrangigen Anspruch auf die Rückzahlung ihrer Forderungen besitzen, gelten Investitionen in Anleihen häufig als risikoärmer. Forderungen von Eigenkapitalgebern (z.B. Aktionären) werden erst dann (anteilig) zurückgezahlt, wenn alle vorrangigen Forderungen der Fremdkapitalgeber bedient wurden.

Der Vorteil einer Aktieninvestition besteht darin, dass im Fall einer positiven Unternehmensentwicklung die Rendite aus Dividendenzahlung sowie Aktienkursanstieg (deutlich) höher als der festgelegte Kuponsatz sowie der Anstieg im Anleihekurs ausfallen kann.

Zusammenfassung

Eine Unternehmensanleihe ist ein Wertpapier, das Gläubigeransprüche verbrieft. Anleger haben in der Regel Anspruch auf Zinsen und Rückzahlung des Kapitals zu festgelegten Terminen. Die Bedingungen können sich je nach Anleihe stark unterscheiden, etwa bei Laufzeit, Verzinsung, Rang, Besicherung, Kündigungsrechten und Risiko. Für Unternehmen sind Anleihen ein Finanzierungsinstrument, für Anleger eine Kapitalanlage.

Die Bedeutung von Unternehmensanleihen für Finanzierung und Anlage hängt stark vom Marktumfeld ab, insbesondere von Zinsen, Kreditspreads, Refinanzierungsbedarf und Risikobereitschaft der Anleger. Für eine aktuelle Einschätzung sollten daher neben den Anleihebedingungen auch Daten von Zentralbanken, Börsen, Ratingagenturen und Emissionsstatistiken berücksichtigt werden.

Häufige Fragen

Wie funktioniert die Ausgabe von Unternehmensanleihen?

Finanztransaktionen können über den Primärmarkt oder den Sekundärmarkt abgewickelt werden. Auf dem Primärmarkt werden Käufe einer Neuemission durchgeführt. Insofern finden Erstemissionen von Unternehmensanleihen grundsätzlich am Primärmarkt statt. Die Nachfrager sind meist professionelle bzw. institutionelle Anleger. Hingegen findet auf dem Sekundärmarkt ein Handel zwischen Inhabern von Wertpapieren statt.

Wer gibt Unternehmensanleihen aus?

Sowohl deutsche als auch internationale Firmen können Anleihen herausgeben. Dazu gehören beispielsweise auch große Aktiengesellschaften (z.B. Facebook, Amazon). Aus unterschiedlichen Gründen präferieren sie die Emission von Anleihen statt zusätzlicher Aktien.

Ferner gibt es sogenannte Industrieanleihen, die überwiegend von Unternehmen aus den Bereichen Industrie und Handel herausgegeben werden.

Warum geben Unternehmen Anleihen heraus?

Grundsätzlich emittieren Unternehmen Anleihen, um sich mit Fremdkapital zu finanzieren. Allgemein gibt es zahlreiche Gründe, wieso ein Unternehmen Anleihen herausgibt, wie z.B.:

  • Finanzierung eines größeren Investitionsprojektes
  • Expansion der Geschäftstätigkeit (z.B. ins Ausland, Kauf eines anderen Unternehmens, Erweiterung der Produktlinie)
  • Tilgung kurzfristiger Schulden (z.B. Lieferantenkredite)
  • bessere Finanzierungsalternative als z.B. ein Bankkredit oder die Emission von Aktien (Folge: Umstrukturierung der Passivseite in der Bilanz)

Warum kauft die EZB Unternehmensanleihen?

Die Europäische Zentralbank (EZB) kaufte zwischen Juni 2016 und Juli 2023 Unternehmensanleihen. Diese geldpolitische Sondermaßnahme (Corporate Sector Purchase Programme (CSPP)) gilt als sogenanntes Quantitative Easing (QE), das eingesetzt wird, wenn Leitzinsen bereits nahe null liegen. Allgemein wollte die EZB die Geldmenge erweitern.

Die Hintergründe dafür lagen einerseits in der Minimierung von Deflationsrisiken und andererseits in der Unterstützung der Unternehmen während der Corona-Pandemie 2020/21. In erster Linie sollten Finanzierungsbedingungen in der Realwirtschaft gestärkt und die Refinanzierungskosten von Unternehmen direkt gesenkt werden. Die Folge: Unternehmen erhalten (neues) Kapital zu tendenziell günstigeren Zinsen. Dies gilt möglicherweise auch für Firmen mit riskanteren Geschäftsmodellen.

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