Deep Value Investing – Definition & Bedeutung

Autor: Maik Engelkamp

Deep Value Investing ist eine Anlagestrategie, bei der Aktien mit deutlichem Abschlag auf ihren geschätzten inneren Wert oder auf Fundamentaldaten gekauft werden. Häufig handelt es sich um unbeliebte Titel, teils auch in schwierigen Situationen, wobei Insolvenznähe keine Voraussetzung ist. Zur Wertermittlung kommen Kennzahlenvergleiche, intrinsische Verfahren (DCF-Methode) und substanzorientierte Ansätze zum Einsatz.

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Deep Value Investing – Definition

Deep Value Investing ist eine Anlagestrategie, die gezielt sehr günstig bewertete Aktien kauft. Meist geschieht dies durch systematische Auswahlverfahren, bei denen etwa die günstigsten 10 Prozent aller verfügbaren Aktien ermittelt werden. Die Strategie kann aber auch durch individuelle Einzelanalysen umgesetzt werden.

Hinweis: Der Begriff „Deep Value“ bezieht sich auf das Ausmaß der Unterbewertung. Gemeint ist ein besonders großer Abschlag (Margin of Safety) gegenüber einem plausibel begründeten Wertmaßstab.

Wie funktioniert Deep Value Investing?

Typischerweise wird ein breit diversifiziertes Portfolio aus Aktien aufgebaut, die im Vergleich zu ihren Fundamentaldaten sehr günstig wirken. Dafür nutzt man einfache Bewertungskennzahlen wie das KGV (P/E-Ratio), das KBV (P/B-Ratio) oder Kennzahlen, die bei unterschiedlicher Verschuldung besser vergleichbar sind, etwa EV/EBITDA.

Ergänzend gibt es zwei weitere wichtige Blickwinkel:

  • Substanzorientierter Ansatz:
    • Hier fragt man: Was wäre das Unternehmen „wert“, wenn man es grob über seine Vermögenswerte bewertet?
    • Vereinfacht gesagt wird dabei der Wert des Umlaufvermögens minus aller Verbindlichkeiten ermittelt. Dies zielt auf Fälle ab, in denen der Aktienkurs sehr niedrig ist, gemessen an der „Substanz“.
  • Intrinsischer Ansatz:
    • Hier fragt man: Wie viel Geld kann das Unternehmen voraussichtlich in Zukunft erwirtschaften?
    • Bei der Discounted-Cashflow-Methode (DCF) werden erwartete zukünftige Cashflows geschätzt und auf heute abgezinst. Liegt der aktuelle Börsenpreis deutlich darunter, kann das als Unterbewertung gelten.

In der Praxis kombinieren viele Investoren diese Perspektiven: erst ein günstiges Screening (Kennzahlen), dann ein Plausibilitätscheck über Substanz und/oder zukünftige Ertragskraft – und immer mit Diversifikation, weil einzelne „sehr billige“ Aktien auch dauerhaft problematisch bleiben können.

Deep-Value-Screens führen oft zu Unternehmen, die am Markt unbeliebt sind, operative Probleme haben oder in einer schwierigen Phase stecken. Die zugrunde liegende Idee ist, dass Anleger Risiken und schlechte Nachrichten in solchen Fällen teilweise übergewichten – wodurch die Aktie zeitweise unter ihren tatsächlichen wirtschaftlichen Wert fallen kann.

Anwendungsbeispiel

Als einfaches Beispiel für die Anwendung der Deep-Value-Investing-Methodik werden fünf große Unternehmen aus dem Pharma-/Healthcare-Umfeld herangezogen.

  • Schlusskurse: 30.12.2024
  • Finanzdaten: Geschäftsjahr 2024
  • Enterprise Value (EV) in diesem Beispiel näherungsweise: Marktkapitalisierung (31.12.2024) + langfristige Schulden (2024) − Cash (2024). Kurzfr. Schulden/weitere EV-Anpassungen bleiben unberücksichtigt.
  • Quelle (Beispieldaten): Macrotrends
Aktie Kurs ($/Aktie) EV (≈ $B) Umsatz 2024 ($B) EBITDA 2024 ($B) EPS 2024 ($/Aktie) EV/Sales EV/EBITDA P/E
Johnson & Johnson 139,09 347,04 88,82 26,11 5,79 3,91 13,29 24,02
Pfizer Inc. 24,64 177,95 63,63 19,42 1,41 2,80 9,16 17,47
Novartis AG 93,95 199,05 51,72 20,66 5,87 3,85 9,64 16,00
Merck & Co Inc. 94,81 264,39 64,17 24,72 6,74 4,12 10,70 14,07
Abbott Laboratories 110,14 197,72 41,95 10,04 7,64 4,71 19,69 14,42
Durchschnitt 3,88 12,50 17,20
Median 3,91 10,70 16,00

Hinweis: Dieses Beispiel zeigt die Methodik im Kleinen. Echtes Deep-Value-Screening wird in der Regel auf viele Aktien angewendet.

Mögliche Interpretation

Die Kennzahlenanalyse zeigt Bewertungsunterschiede. Folgende Schlussfolgerungen sind möglich:

  • Kennzahlen sind kontextabhängig: Ein höheres Kurs-Gewinn-Verhältnis oder EV/EBITDA kann auf hohe Wachstumserwartungen, geringeres Risiko oder temporär verzerrte Gewinne hinweisen. Daher sollten Sondereffekte und Konjunkturzyklen geprüft und möglichst bereinigt werden.
  • Relativ günstig in dieser Auswahl: Merck & Co sowie Novartis erscheinen im Vergleich zum Durchschnitt günstiger bewertet. Pfizer zeigt das niedrigste EV/EBITDA, was jedoch auch auf erhöhte Unsicherheit hinweisen kann.
  • Höhere Bewertungsniveaus: Abbott fällt mit dem höchsten EV/EBITDA auf, was auf höhere Profitabilität, ein anderes Geschäftsmodell oder Bilanzbesonderheiten hinweisen kann. Johnson & Johnson liegt ebenfalls über dem Durchschnitt.

Hinweis: Diese Analyse dient ausschließlich der Veranschaulichung der Methodik und stellt keine Anlageberatung oder Handlungsempfehlung dar.

Ursprünge von Deep Value Investing

Deep Value Investing wird häufig auf Benjamin Graham zurückgeführt, der als Vater des Value Investing gilt. Im Kern geht es darum, in Aktien zu investieren, deren Preis deutlich unter einem plausibel begründeten wirtschaftlichen Wert liegt. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen:

  • Börsenkurs: beobachtbar, kurzfristig stark schwankend
  • Innerem Wert: Schätzung auf Basis von Fundamentaldaten, Annahmen und Sicherheitsmarge (Margin of Safety)

Grahams Ansatz: Sicherheitsmarge & Finanzkennzahlen

Graham popularisierte regelbasierte Kriterien, um sehr günstig bewertete Aktien zu identifizieren. Dazu zählen in der Praxis häufig niedrige Bewertungskennzahlen (z. B. KGV und KBV) sowie in der besonders strengen Form substanznahe Ansätze wie „Net-Nets“ (Aktien unterhalb des Net Current Asset Value).

Ein wesentliches Element ist dabei stets die Margin of Safety: Je größer der Abschlag auf einen vernünftig begründeten Wertmaßstab, desto robuster soll das Investment gegenüber Fehlern in der Analyse sein.

Kernidee: Wert entsteht nicht dadurch, dass etwas „schon lange gefallen ist“, sondern wenn der Preis im Verhältnis zu soliden Fundamentaldaten ausreichend niedrig ist – idealerweise mit Sicherheitsmarge und Diversifikation.

Graham-Newman Partnership

Graham setzte seine Forschung und Lehre praktisch um und gründete die Graham-Newman Partnership, die von den 1930er bis in die 1950er-Jahre tätig war. Graham-Newman kaufte Aktien, die deutlich unter konservativen Wertmaßstäben gehandelt wurden – in extremen Fällen sogar unter substanznahen Kennzahlen.

Dabei beschäftigte Graham-Newman zwei seiner Schüler, die später zu den bekanntesten Investoren der Geschichte wurden: Warren Buffett und Walter Schloss.

Im Laufe der Jahre entwickelte sich Warren Buffett weg vom Grahams Ansatz hin zum Kauf „wunderbarer Unternehmen zu einem fairen Preis“ (häufig als Quality Investing bezeichnet). Walter Schloss blieb dagegen dem Fokus auf günstige Bewertungen deutlich länger treu.

Buffett berichtet für Berkshire Hathaway über lange Zeiträume von rund 19,9% p. a. (1965–2024). Für Schloss werden in der Literatur je nach Zeitraum Größenordnungen von ca. 15–16% p. a. über mehrere Jahrzehnte berichtet (z. B. in biografischen/akademischen Aufarbeitungen wie Fordham Gabelli Center).

Risiken von Deep Value Investing

Deep Value Investing bedeutet, sehr günstig bewertete Aktien zu kaufen, ohne zwingend auf Qualität zu achten. Deep-Value-Investoren sind oft nicht bereit, für Qualität eine hohe Prämie zu zahlen, sondern fokussieren sich auf Titel, die im Verhältnis zu Fundamentaldaten oder Substanzkennzahlen extrem günstig sind.

Viele der günstigsten Aktien gehören jedoch zu Unternehmen mit schwachen Finanzkennzahlen, gescheiterten Geschäftsstrategien oder strukturellen Problemen. Einige kämpfen mit hohen Schulden, operativen Verlusten oder einem Management, das die Wende nicht schafft. Solche Aktien können zu sogenannten Value Traps werden – Aktien, die zwar billig wirken, deren Wert sich aber (z. B. aufgrund dauerhafter Ertragsschwäche) langfristig nicht erholt.

Warren Buffett beschreibt eine frühe Ausprägung solcher Schnäppchenjagd als „Cigar Butt“-Investing – sinngemäß: wie ein aufgesammelter Zigarrenstummel, der nur noch einen letzten Zug hat. (Quelle: Berkshire Hathaway Shareholder Letters, z. B. 1989)

Deep Value Investing und Börsenpsychologie

Unterbewertete Aktien können deshalb überdurchschnittliche Renditen erzielen, da es zeitweise zu Fehlbewertungen kommen kann – unter anderem aufgrund der Börsenpsychologie.

Typische Erklärgründen sind:

  • Überreaktion: Anleger schreiben jüngste Trends (z. B. schlechte Ergebnisse, negative News) zu stark in die Zukunft fort und bewerten Verliereraktien übermäßig pessimistisch. (Siehe z. B. De Bondt & Thaler)
  • Verlustaversion: Anleger reagieren häufig stärker auf Verluste als auf gleich große Gewinne, was Risikoaversion in „negativ belegten“ Aktien verstärken kann (Prospect Theory).
  • Mean Reversion (Rückkehr zum Mittelwert): Langfristig kommt es in manchen Fällen zu Rückkehrbewegungen (Reversal).

Deep-Value-Investoren suchen systematisch nach sehr günstig bewerteten Aktien und investieren in ein diversifiziertes Portfolio. Unter bestimmten Marktbedingungen können sie so von Überreaktionen und späteren Bewertungsanpassungen profitieren. Dies ist jedoch weder garantiert noch risikolos.

Was führt dazu, dass sich schlechte Unternehmen verbessern?

Wenn Erholungen auftreten, lassen sie sich häufig (vereinfachend) über drei Mechanismen erklären: Rückkehr zum Mittelwert, Management-/Strategiewechsel und externen Druck (u. a. durch aktivistische Investoren).

Rückkehr zum Mittelwert (Mean Reversion)

Ein Teil der „Erholung“ günstiger Aktien kann aus zwei Komponenten bestehen:

  • Fundamentale Normalisierung: Margen, Cashflows oder Umsatzentwicklung stabilisieren sich nach einer Schwächephase.
  • Bewertungsnormalisierung: Der Markt ist bereit, wieder höhere Kurse zu zahlen (Re-Rating).

Einfluss des Managements

Das Management spielt häufig eine entscheidende Rolle, wenn ein Unternehmen operativ wieder auf Kurs kommen soll. Typische Sanierungsmaßnahmen umfassen:

  • Austausch des Top-Managements bzw. neue Governance-Strukturen.
  • Neuausrichtung der Strategie (z. B. Verkauf unrentabler Sparten, Fokussierung auf Kernbereiche).
  • Verbesserung der Kapitalallokation (Capex-Disziplin, Working-Capital-Management, Schuldenabbau).

Solche Maßnahmen können die Wahrscheinlichkeit einer operativen Erholung erhöhen – sind aber stark situationsabhängig und funktionieren nicht bei strukturell überholten Geschäftsmodellen.

Deep Value Investing vs. Value Investing

Deep Value Investing ist im Kern eine Teilmenge von Value Investing. Der Unterschied liegt vor allem im Grad der Unterbewertung und in der Frage, ob (und wie stark) zusätzliche Qualitätsfilter genutzt werden.

  • Deep Value Investing: Fokus auf die extrem günstigsten Aktien (z. B. nach Bewertungskennzahlen). Qualitätsmerkmale (Profitabilität, Verschuldung, Stabilität) werden häufig nicht oder erst nachgelagert berücksichtigt. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit von Value-Trap-Risiken.
  • Value Investing (breiter gefasst): Auswahl eines „Value“-Bereichs (günstig, aber nicht zwingend extrem) und häufig Kombination mit weiteren Filtern, z. B. Qualität/Profitabilität/solide Bilanz.

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