Bollinger Bands Indikator – Erklärung, Berechnung & Beispiel

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Bollinger Bands im Überblick

Indikator-Steckbrief: Bollinger Bands
Kategorie Volatilität
Darstellung Direkt auf dem Preischart (Overlay) mit drei Linien: oberes Band, Mittellinie, unteres Band
Standardparameter Periode: 20 (SMA), Standardabweichung: 2
Wertebereich Unbegrenzt – passt sich dynamisch an das Preisniveau an
Typische Zeitrahmen Intraday (5 Min – 4 Std), Daily, Weekly
Märkte Aktien, Forex, Futures, Kryptowährungen, Rohstoffe – universell einsetzbar
Entwickelt von John Bollinger, CFA, CMT – Anfang der 1980er-Jahre

Bollinger Bands: Signale und Interpretation

Bollinger Bands liefern keine absoluten Kauf- oder Verkaufssignale, sondern relative Informationen darüber, ob der Preis aktuell hoch oder niedrig einzuordnen ist. Diese relative Einordnung kann mit weiteren Indikatoren oder der Price Action kombiniert werden, um Handelsentscheidungen abzuleiten.

Aufbau der Bollinger Bands mit oberem und unterem Band, Mittellinie (20-Perioden-SMA) sowie der variablen Bandbreite als Maß für die aktuelle Marktvolatilität.
Aufbau der Bollinger Bands mit oberem und unterem Band, Mittellinie (20-Perioden-SMA) sowie der variablen Bandbreite als Maß für die aktuelle Marktvolatilität.

Kaufsignal

Ein mögliches bullisches Signal kann entstehen, wenn der Kurs das untere Bollinger Band berührt oder kurzzeitig unterschreitet und anschließend wieder in den Bereich zwischen den Bändern zurückkehrt. Dies zeigt, dass der Kurs relativ zum aktuellen Volatilitätsumfeld niedrig notiert.

Als besonders aussagekräftig gilt das sogenannte W-Bottom (W-Boden):

  • Der Kurs bildet ein erstes Tief nahe bzw. unter dem unteren Band, erholt sich und fällt dann erneut.
  • Das zweite Tief befindet sich in der Regel innerhalb des unteren Bands.
  • Der Ausbruch über das Zwischenhoch bestätigt das Muster.
Bullisches W-Bottom nach John Bollinger
Bullisches W-Bottom nach John Bollinger: Das zweite Kurstief bleibt meist innerhalb des unteren Bands. Der Ausbruch über das Zwischenhoch bestätigt das Umkehrmuster.

Verkaufssignal

Analog dazu kann ein mögliches bärisches Signal entstehen, wenn der Kurs das obere Band berührt oder überschreitet und danach zurückfällt. Dies zeigt, dass das aktuelle Kursniveau im Kontext der Volatilität relativ hoch ist.

John Bollinger beschreibt hierzu das M-Top (M-Gipfel):

  • Der Kurs bildet ein erstes Hoch nahe oder über dem oberen Band, fällt zurück, steigt erneut.
  • Das zweite Hoch hält sich in der Regel innerhalb des oberen Bands.
  • Der Bruch der Zwischenunterstützung bestätigt das Verkaufssignal.
Bärisches M-Top nach John Bollinger: Das zweite Kurshoch bestätigt die nachlassende Aufwärtsdynamik. Der Bruch der Zwischenunterstützung liefert das eigentliche Verkaufssignal.
Bärisches M-Top nach John Bollinger: Das zweite Kurshoch bestätigt die nachlassende Aufwärtsdynamik. Der Bruch der Zwischenunterstützung liefert das eigentliche Verkaufssignal.

Squeeze – Volatilitätskontraktion

Ziehen sich die Bänder stark zusammen (erkennbar an einem niedrigen BandWidth-Wert), signalisiert dies eine Phase extrem niedriger Volatilität – den sogenannten Squeeze.

Ein Squeeze deutet häufig auf eine bevorstehende starke Kursbewegung hin, ohne jedoch die Richtung vorherzusagen. Händler warten hier auf einen Ausbruch über das obere Band (bullisch) oder unter das untere Band (bärisch) und nutzen zusätzliche Indikatoren zur Richtungsbestätigung.

Head Fake – Fehlausbruch nach einem Squeeze

Ein wichtiger Risikofaktor beim Bollinger-Band-Squeeze ist der sogenannte Head Fake. Dabei bricht der Kurs zunächst scheinbar in eine Richtung aus, dreht kurz darauf jedoch um und setzt die eigentliche Bewegung in die Gegenrichtung fort. Gerade nach längeren Phasen, in denen die Bänder zusammengezogen waren, kann der erste Ausbruch täuschen.

Bollinger Bands – Volatilitätskontraktion („Squeeze“)
Der Bollinger-Band-Squeeze kündigt häufig größere Kursbewegungen an: Eng zusammenlaufende Bänder weisen auf eine Phase geringer Volatilität hin. Auf diese Kontraktion folgt oft ein dynamischer Ausbruch, der den Beginn eines neuen Trends markieren kann.

Zur Reduzierung solcher Fehlsignale achten Händler häufig auf zusätzliche Bestätigungen:

  • steigendes Handelsvolumen beim Ausbruch,
  • einen Schlusskurs außerhalb der Konsolidierungszone,
  • Momentum-Bestätigung durch Relative Strength Index (RSI), MACD oder ähnliche Indikatoren,
  • einen erfolgreichen Rücktest der Ausbruchszone.

Hinweis: Entscheidend ist dabei der Vergleich mit der eigenen Historie des jeweiligen Basiswerts: Ein „niedriger“ BandWidth-Wert ist relativ zu früheren BandWidth-Werten desselben Marktes und desselben Zeitrahmens zu beurteilen.

Walking the Bands

In starken Trends „wandert“ der Kurs entlang eines der äußeren Bänder. In einem Aufwärtstrend berührt der Kurs wiederholt das obere Band, während das untere Band kaum getestet wird. Dies ist kein Verkaufssignal, sondern ein Zeichen von Trendstärke. Erst wenn der Kurs das gegenüberliegende Band erreicht, kann ein Trendwechsel in Betracht gezogen werden.

Bollinger Bands – Trendstärke („Walking the Bands“)
„Walking the Bands“ bestätigt einen starken Aufwärtstrend: Berührt oder begleitet der Kurs über mehrere Perioden hinweg das obere Bollinger Band, spricht dies für hohe Trenddynamik. Rücksetzer bis zur Mittellinie sind in diesem Umfeld häufig normale Konsolidierungen und nicht zwangsläufig Verkaufssignale.

Divergenz

Divergenzen treten auf, wenn der Kurs ein neues Hoch (oder Tief) bildet, ein begleitender Indikator wie der Relative Strength Index (RSI) oder %b jedoch nicht bestätigt. Eine bärische Divergenz am oberen Band warnt vor nachlassender Aufwärtsdynamik, eine bullische Divergenz am unteren Band signalisiert mögliches Erholungspotenzial.

Bollinger Bands – Divergenz mit RSI
Bärische RSI-Divergenz als Frühwarnsignal: Während der Kurs neue Hochs markiert und das obere Bollinger Band testet, bestätigt der RSI die Aufwärtsbewegung nicht mehr. Der anschließende Bruch der Mittellinie (20-Tage-Durchschnitt) signalisiert eine nachlassende Trendstärke und erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Trendwende.

Mean Reversion vs. Trendfolge

Bollinger Bands können sowohl in Mean-Reversion-Strategien als auch in Trendfolge-Ansätzen eingesetzt werden. Entscheidend ist die Marktphase.

In Seitwärtsmärkten bewegen sich Kurse häufig zwischen oberem und unterem Band. In diesem Umfeld werden Rückläufe zur Mittellinie oder zum gegenüberliegenden Band oft als Mean-Reversion-Setup interpretiert. Berührt der Kurs beispielsweise das untere Band und stabilisiert sich anschließend, kann dies auf eine mögliche Rückkehr zum gleitenden Durchschnitt hindeuten.

In starken Trendphasen ist die Interpretation dagegen anders. Ein Kurs am oberen Band kann in einem Aufwärtstrend ein Zeichen von Stärke sein, während ein Kurs am unteren Band in einem Abwärtstrend anhaltende Schwäche anzeigen kann. Händler, die in solchen Phasen gegen den Trend handeln, riskieren eine Serie von Fehlsignalen.

  • Seitwärtsmarkt: Bandberührungen können als mögliche Übertreibung und Rückkehr zur Mittellinie interpretiert werden.
  • Aufwärtstrend: Wiederholte Berührungen des oberen Bands sprechen eher für Trendstärke als für ein Verkaufssignal.
  • Abwärtstrend: Wiederholte Berührungen des unteren Bands sprechen eher für anhaltende Schwäche als für ein Kaufsignal.

Hinweis: Vor der Interpretation eines Bollinger-Band-Signals sollte zuerst die Marktphase bestimmt werden. Ein identisches Signal kann in einer Seitwärtsphase eine andere Bedeutung haben als in einem starken Trend.

Wichtige Bollinger-Regeln

Ein häufiger Fehler bei der Interpretation der Bollinger Bänder besteht darin, Berührungen der äußeren Bänder als sofortiges Kauf- oder Verkaufssignal zu verstehen. John Bollinger betont jedoch, dass solche Berührungen zunächst nur sogenannte „Tags“ sind – also Hinweise darauf, dass der Kurs relativ zum aktuellen Volatilitätsumfeld hoch oder niedrig notiert.

Besonders wichtig sind dabei folgende Grundregeln:

  • Ein Kontakt mit dem oberen Band ist für sich genommen kein Verkaufssignal.
  • Ein Kontakt mit dem unteren Band ist für sich genommen kein Kaufsignal.
  • Schlusskurse außerhalb der Bänder sind zunächst eher als Zeichen von Stärke bzw. Schwäche zu verstehen und nicht als Umkehrsignal.
  • In starken Trends kann der Kurs über längere Zeit am oberen oder unteren Band entlanglaufen („Walking the Bands“).

Hinweis: Die Bestätigung durch weitere Indikatoren oder Price Action kann die Zuverlässigkeit der Signale erhöhen. John Bollinger selbst empfiehlt die Kombination mit zwei bis drei nicht-korrelierten Indikatoren.

Berechnung der Bollinger Bands

Die Berechnung der Bollinger Bands erfolgt in drei Schritten.

  • Im ersten Schritt wird ein einfacher gleitender Durchschnitt (SMA) über die gewählte Periodenzahl berechnet. Er bildet die Mittellinie der Bollinger Bands.
  • Im zweiten Schritt wird die Standardabweichung derselben Schlusskurse über denselben Zeitraum ermittelt. Sie dient als dynamisches Maß für die aktuelle Marktvolatilität.
  • Im dritten Schritt werden das obere und das untere Band gebildet, indem die Standardabweichung mit einem Faktor multipliziert und zur Mittellinie addiert bzw. von ihr subtrahiert wird.

Schritt 1 – Mittellinie (SMA):

SMA = \frac{P_1 + P_2 + \dots + P_n}{N}

Dabei ist N die gewählte Periodenzahl (Standard: 20) und P der jeweilige Schlusskurs. Dieser gleitende Durchschnitt bildet das Zentrum der Bollinger Bands und dient gleichzeitig als Trendfilter.

Schritt 2 – Standardabweichung:

\sigma = \sqrt{\frac{1}{N}\sum_{i=1}^{N}(P_i - SMA)^2}

Die Standardabweichung misst, wie stark die einzelnen Schlusskurse vom Durchschnitt abweichen. Je höher die Volatilität, desto größer fällt σ aus – und desto weiter öffnen sich die Bänder.

Schritt 3 – Oberes und unteres Band:

\text{Oberes Band} = SMA + (k \times \sigma)
\text{Unteres Band} = SMA - (k \times \sigma)

Dabei steht k für den Standardabweichungs-Multiplikator (Standard: 2). Bei einer 20-Perioden-Einstellung mit k = 2 schließen die Bänder in der Praxis etwa 88–90 % der Kursdaten ein. Eine Berührung der äußeren Bänder markiert daher eine auffällige Kursposition relativ zum aktuellen Volatilitätsumfeld.

Abgeleitete Kennzahl – %b

\%b = \frac{P - \text{Unteres Band}}{\text{Oberes Band} - \text{Unteres Band}}

%b zeigt die relative Position des Kurses innerhalb der Bänder an. Ein Wert von 1 bedeutet, dass der Kurs exakt am oberen Band liegt, ein Wert von 0 am unteren Band. Werte über 1 oder unter 0 signalisieren einen Ausbruch aus den Bändern.

Abgeleitete Kennzahl – BandWidth

\text{BandWidth} = \frac{\text{Oberes Band} - \text{Unteres Band}}{SMA}

BandWidth normiert die Breite der Bänder relativ zur Mittellinie und macht die Volatilität über verschiedene Kursniveaus hinweg vergleichbar. Besonders niedrige BandWidth-Werte deuten auf einen Squeeze hin – eine Phase extremer Volatilitätskontraktion, die häufig einer starken Kursbewegung vorausgeht.

Berechnungsvarianten

Die klassische Berechnung der Bollinger Bands verwendet einen einfachen gleitenden Durchschnitt (SMA) und die Standardabweichung der Schlusskurse über denselben Zeitraum. Diese Variante mit 20 Perioden und dem Faktor 2 gilt als Standardeinstellung.

In der Praxis können Plattformen oder Händler jedoch abweichende Einstellungen verwenden:

  • Andere Durchschnittsarten: Statt eines SMA kann je nach Plattform oder Strategie auch ein exponentieller gleitender Durchschnitt (EMA) oder ein anderer Moving Average verwendet werden.
  • Andere Preisgrundlagen: Neben Schlusskursen können auch typische Preise, gewichtete Preise oder andere Kursreihen als Berechnungsbasis dienen.
  • Andere Multiplikatoren: Der Standardwert 2 kann je nach Periode und Markt angepasst werden, um die Bänder enger oder weiter zu setzen.

Hinweis: Wichtig ist dabei, dass Parameteränderungen die Aussage des Indikators verändern. Engere Bänder liefern mehr Signale, aber auch mehr Fehlsignale. Breitere Bänder reduzieren die Signalhäufigkeit, können dafür aber spätere Hinweise liefern.

Typische Bollinger Bands-Einstellungen

Die Standardeinstellung von 20 Perioden und 2 Standardabweichungen stammt von John Bollinger selbst und bildet für die meisten Märkte und Zeitrahmen einen guten Ausgangspunkt.

  • Eine kürzere Periode (z. B. 10) macht die Bänder reaktionsschneller – sie folgen den Kursbewegungen enger und liefern häufigere Signale, allerdings mit höherer Fehlsignal-Quote.
  • Eine längere Periode (z. B. 50) glättet die Bänder und filtert kurzfristiges Rauschen, reagiert aber langsamer auf Trendwechsel.

Der Standardabweichungs-Multiplikator beeinflusst die Breite der Bänder direkt:

  • Ein höherer Faktor (z. B. 2,5) erzeugt breitere Bänder, sodass der Kurs seltener die äußeren Grenzen erreicht – die Signale werden weniger, aber zuverlässiger.
  • Ein niedrigerer Faktor (z. B. 1,5) verengt die Bänder und führt zu häufigeren Berührungen mit den Außenlinien.

Bollinger empfiehlt, bei einer Verkürzung der Periode auch den Multiplikator zu reduzieren und umgekehrt: z. B. 10 Perioden mit Faktor 1,9 oder 50 Perioden mit Faktor 2,1.

Hinweis: Die Standardeinstellungen dienen als Ausgangspunkt. Je nach Basiswert, Zeitrahmen und persönlichem Handelsstil können individuelle Anpassungen sinnvoll sein.

Beispiel: Bollinger Bands im Chart

Der folgende Chart zeigt den S&P Index Cash mit Bollinger Bands. Gut erkennbar sind die Phasen enger Bänder (Squeeze) vor dynamischen Ausbrüchen sowie die typische Ausweitung der Bänder in Trendphasen.

Bollinger-Bänder in TradingView einstellen

Die Bollinger Bänder gehören in TradingView zu den fest integrierten Standard-Indikatoren und müssen nicht als Skript importiert werden. In wenigen Schritten lassen sie sich auf jedem Chart aktivieren:

  • Schritt 1: Den gewünschten Basiswert öffnen (z.B. den S&P 500 über das Symbol „SPX“ oder den E-mini-Future „ES“).
  • Schritt 2: In der oberen Toolbar auf „Indikatoren“ (Indicators) klicken, um die Indikator-Suche zu öffnen.
  • Schritt 3: Im Suchfeld „Bollinger Bands“ oder „BB“ eingeben und den Treffer aus der Kategorie der eingebauten Indikatoren (Technicals) auswählen.
  • Schritt 4: Mit einem Klick werden die Bollinger Bänder direkt auf dem Kurschart (als Overlay) hinzugefügt.
  • Schritt 5: Über das Zahnrad-Symbol (Einstellungen) lassen sich unter „Inputs“ die Periodenlänge (Standard: 20) und die Standardabweichung (Standard: 2) anpassen; unter „Style“ sind Farbe, Liniendarstellung und die Füllung zwischen den Bändern einstellbar.

Hinweis: Eine größere Standardabweichung verbreitert die Bänder und erzeugt seltenere, aber signifikantere Berührungen; eine kürzere Periode lässt die Bänder schneller auf Kursänderungen reagieren.

Bollinger Bands – Stärken und Schwächen

Stärken

  • Visuell intuitiv – die drei Linien sind auf einen Blick erfassbar und zeigen sowohl Trend als auch Volatilität
  • Dynamisch anpassungsfähig – die Bänder reagieren automatisch auf Veränderungen der Marktvolatilität, anders als statische Envelopes
  • Universell einsetzbar – funktioniert in nahezu allen Märkten und Zeitrahmen, von Intraday bis Monatscharts
  • Liefert durch den Squeeze ein wertvolles Frühwarnsignal für bevorstehende starke Kursbewegungen

Schwächen

  • Nachlaufend – basiert auf historischen Daten und kann Trendwechsel nicht voraussagen, sondern nur bestätigen
  • Keine isolierte Signalquelle – ein Berühren der Bänder allein reicht nicht als Kauf- oder Verkaufssignal aus
  • Fehlsignale in trendstarken Phasen – beim „Walking the Bands“ kann das Erreichen des oberen Bands fälschlicherweise als Überkauft-Signal missverstanden werden
  • Parameterabhängig – die Qualität der Signale variiert je nach gewählter Periode und Standardabweichung

Mögliche Kombinationen mit anderen Indikatoren

Die Bollinger Bands entfalten ihre Stärke besonders in Kombination mit anderen Indikatoren der technischen Analyse:

  • RSI (Relative Strength Index) – zur Bestätigung von Überkauft-/Überverkauft-Zonen an den äußeren Bändern
  • MACD – liefert Momentum-Signale, die einen Squeeze-Ausbruch richtungsmäßig einordnen
  • Volumenindikatoren (OBV, VWAP) – bestätigen, ob ein Ausbruch aus den Bändern von Handelsaktivität getragen wird
  • Stochastik-Oszillator – identifiziert Wendepunkte innerhalb der Bänder, besonders in Seitwärtsphasen
  • Price Action & Chartmuster – W-Bottoms und M-Tops erhalten mehr Gewicht, wenn sie durch Candlestick-Formationen bestätigt werden
  • Keltner Channels – die Kombination mit Bollinger Bands hilft, den Squeeze präziser zu identifizieren (Bollinger innerhalb der Keltner = Squeeze)

Hintergrund und Geschichte der Bollinger Bands

  • 1960: Wilfrid Ledoux nutzt als einer der Ersten Kurvenpaare um den Dow Jones Industrial Average als langfristiges Timing-Instrument – die Frühform der Trading Bands.
  • Mitte der 1970er: Prozentualen Envelopes um gleitende Durchschnitte finden Verbreitung. Marc Chaikin schlägt vor, die Bandbreite so zu wählen, dass 85 % der Kursdaten des Vorjahres eingeschlossen werden.
  • 1983: John Bollinger stellt seinen Ansatz erstmals im Financial News Network (dem späteren CNBC) vor. Die Idee: Die Standardabweichung statt eines festen Prozentsatzes bestimmt die Bandbreite und macht die Bänder adaptiv.
  • 1992: Veröffentlichung des richtungsweisenden Artikels „Using Bollinger Bands“ im Fachmagazin Technical Analysis of Stocks & Commodities (Ausgabe 10:2).
  • 2001: Erscheinen des Standardwerks „Bollinger on Bollinger Bands“ bei McGraw-Hill – bis heute die umfassendste Referenz zum Thema.
  • Seit den 2000er-Jahren: Breite Adaption in allen gängigen Charting-Plattformen. Entwicklung erweiterter Kennzahlen wie %b und BandWidth sowie Integration in algorithmische Handelssysteme.

Fazit zu Bollinger Bands

Die Bollinger Bands sind ein vielseitiges und robustes Werkzeug der technischen Analyse, das Trend- und Volatilitätsinformation in einem einzigen Overlay vereint. Ihre Stärke liegt in der relativen Bewertung des Kursniveaus: Sie beantworten die Frage, ob der aktuelle Preis im historischen Kontext hoch oder niedrig ist, ohne dabei absolute Kauf- oder Verkaufssignale zu geben.

Entscheidend für den erfolgreichen Einsatz ist die Kombination mit mindestens einem weiteren, nicht korrelierten Indikator sowie ein solides Verständnis der Marktstruktur. Wer sich vertieft mit dem Thema befassen möchte, findet im Standardwerk „Bollinger on Bollinger Bands“ (John Bollinger, McGraw-Hill 2001) die ausführlichste Darstellung direkt vom Entwickler.

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