Credit Rating – Definition, Codes & Tabelle

Autorin: - Inhaltlich geprüft von: Philipp Berger

Ein Credit Rating – auch bekannt als „Kreditbeurteilung“, „Kreditbewertung“ oder „Bonitätsprüfung“ – umfasst die Einstufung der Zahlungsfähigkeit bzw. Bonität von Wirtschaftssubjekten (Staaten, Unternehmen und private Haushalte) und Finanzinstrumenten (mit Sicherheiten unterliegenden Schuldverschreibungen). Credit Ratings und ihre Nachjustierungen im Zeitverlauf können einen Einfluss auf das Verhalten von Investoren haben und beeinflussen somit die Preisentwicklung auf den Finanzmärkten.

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Credit Rating – Definition

Credit Ratings stellen ein methodisches Vorgehen dar, um die Kreditwürdigkeit von Staaten, Unternehmen, Personen oder Finanzinstrumenten zu quantifizieren. Dazu werden Wahrscheinlichkeiten, dass der Emittent seinen Zahlungsverpflichtungen vollkommen, partiell oder fristgerecht nicht nachkommen kann, geschätzt.

Je höher die Ausfallwahrscheinlichkeit bewertet wird, desto niedriger fällt der Risikograd des Schuldners aus. Demzufolge werden auf das von dem Schuldner begebene Fremdkapital höhere Zinszahlungen in Form eines erhöhten Credit Spreads gefordert. Credit Ratings basieren auf Meinungen von Experten und sollen keine Prognosen oder Empfehlungen darstellen.

Internes vs. Externes Rating

Im Finanzwesen können Kreditbeurteilungen intern oder extern erfolgen. Interne Ratings führen im Regelfall Banken durch, um die Bonität ihrer Kunden zu überprüfen. Die daraus resultierenden Ergebnisse werden nicht veröffentlicht.

Eine interne Kreditbeurteilung hat einen direkten Einfluss auf die Kreditbewilligung der Bank sowie die Kreditkonditionen für die Schuldner. Außerdem gilt, dass im Rahmen der Bankenaufsicht nach BASEL III Banken umso mehr Eigenkapital (max. 8% des gesamten Kernkapitals) als Kapitalpuffer vorhalten müssen, je schlechter ihre interne Kreditbeurteilung ausfällt.

Dagegen wird eine externe Kreditbeurteilung von einer eigenständigen Ratingagentur durchgeführt und vom jeweiligen Unternehmen beauftragt. Insofern sind Ratingagenturen von den Zahlungen der Emittenten abhängig. Da die zentralen Ergebnisse der externen Kreditbeurteilung grundsätzlich veröffentlicht werden, stehen die Auswertungen nicht nur Fremdkapital-, sondern auch Eigenkapitalgebern bzw. Aktionären zur Verfügung.

Die bekanntesten Anbieter für externe Ratings sind Standard & Poor´s, Moody´s und Fitch. Eine ausführliche Erklärung zu der Definition und den Aufgaben von Ratingagenturen wird in diesem Artikel geliefert.

Relevante Faktoren für ein Credit Rating

Grundsätzlich gilt, dass externe Kreditbeurteilungen aufgrund einer komplexeren Bewertungssituation verbunden mit einer erhöhten Nutzung von Informationsquellen aufwendiger sind. Die von den Prüfern herangezogenen Faktoren sind davon abhängig, welcher (potentielle) Schuldner oder welches Finanzinstrument bewertet werden soll. Dabei sollen Credit Ratings zukunftsgerichtet und unabhängig sein.

Wichtige Faktoren für Unternehmen

Im Folgenden werden die zentralen Faktoren, die für ein Credit Rating eines Unternehmens herangezogen werden, zusammengefasst:

  • Finanzielle Leistungsfähigkeit (zur Bewertung der finanziellen Leistungsfähigkeit sowie ihrer Kennzahlen siehe z.B. Equity to Asset Ratio, Free Cash Flow und Financing Cash Flow
  • Marktsituation
  • Wettbewerbsposition und -situation
  • Corporate Governance/Qualität des Managements
  • Betriebsinterne Faktoren
  • Ökonomische, regulatorische und politische Einflüsse
  • Auskunftsverhalten des Unternehmens

Wichtige Faktoren für Staaten

Im Unterschied umfassen Ratings für einen Staat die folgenden zentralen Faktoren:

  • Wirtschaftliche Leistungsfähigkeit
  • Fiskalische Leistungsfähigkeit
  • Staatsverschuldung
  • Monetäre Stabilität
  • Effektivität der staatlichen Institutionen
  • Demografie
  • Auskunftsverhalten des Staates

In einem Credit Rating werden die zur Verfügung stehenden Informationen bezüglich dieser Faktoren gesichtet und dahingehend analysiert, welche Einflüsse die Faktoren auf die Zahlungsfähigkeit des Emittenten haben können. Auch das zukünftige Potential eines Unternehmens oder eines Staates wird ausgewertet.

Berücksichtigung von vergangenen und zukünftigen Entwicklungen

Zudem werden mögliche Auswirkungen vorhersehbarer Ergebnisse untersucht. Dazu werden erwartete Konjunkturverläufe sowie branchenspezifische und gesamtwirtschaftliche Faktoren inbegriffen ihrer Anfälligkeit berücksichtigt. Ferner wird von den Prüfern das in der Vergangenheit gezeigte Verhalten bezüglich der Zins- und Tilgungsverpflichtungen bewertet, was insbesondere bei einem internen Rating eine wichtige Rolle spielt. 

Des Weiteren können die Einstufungen des Credit Ratings im Rahmen ihrer Überwachung angepasst werden. Anpassungen finden häufig dann statt, wenn neue Entwicklungen oder Veränderungen bzw. ein Wandel stattfinden oder erwartet werden. Diese beziehen sich beispielsweise auf das Geschäftsumfeld, die Marktsituation, die Technologien, die finanzielle Situation oder auch auf die gesamtwirtschaftliche Konjunktur, fiskalische oder monetäre Regularien sowie die Finanzmärkte.

Um potentielle Ratingänderungen transparent zu gestalten, wird neben der aktuellen Einstufung häufig ein Ausblick gegeben, d.h. ob sich die Einstufung möglicherweise “positiv”, “stabil” oder “negativ” entwickeln wird.

Länderrating – Tabelle & Beispiele

Ratingagenturen vergeben Noten im Rahmen ihres Credit Ratings. Eine Ratingskala dient als Maßstab zur Bewertung des relativen Kreditrisikos von Emittenten. Für die Einstufung der Bonität werden häufig Buchstabencodes verwendet.

In der Regel beginnt eine Ratingskala mit “AAA” bzw. “Triple-A” (impliziert die höchste Bonität) und endet schließlich mit “C” (impliziert die niedrigste Bonität). In der folgenden Abbildung (Quelle) wird beispielhaft das langfristige Credit Rating für Staatsanleihen von Standard & Poor´s für April 2021 dargestellt.

Gängige Ratingskalen

Weiterführend fasst die folgende Tabelle die jeweilige Ratingskala mit ihrer Bedeutung sowie ihrer Ausfallwahrscheinlichkeit der drei wichtigsten Ratingagenturen Moody´s, Standard & Poor´s und Fitch zusammen. Die Tabelle bezieht sich auf ein Long-Term-Rating mit einer Dauer von über 360 Tagen. 

Moody’s Standard & Poor´s Fitch Englische Bezeichnung Beschreibung Ausfallwahr- scheinlichkeit Gruppe des Investment Grades
Aaa AAA AAA Prime Schuldner höchster Bonität, Ausfallrisiko kaum vorhanden 0,1% Investment

Grade

Aa1 AA+ AA+ High Grade Ausfallrisiko vernachlässigbar, lediglich langfristige Prognose in einigen Punkten ungewiss 0,3%
Aa2 AA AA
Aa3 AA- AA-
A1 A+ A+ Upper medium grade Sichere Anlagemöglichkeit, sofern keine gesamtwirtschaftlichen Ereignisse auftreten 0,5%
A2 A A
A3 A- A-
Baa1 BBB+ BBB+ Lower medium grade Grundsätzlich gute Anlage mit stärkeren Auswirkungen auf das Geschäft im Krisenfall 1,9%
Baa2 BBB BBB
Baa3 BBB- BBB-
Ba1 BB+ BB+ Non-Investment grade Spekulativ, bei einer schlechteren wirtschaftlichen Situation können Ausfälle eintreten 11,5% Non-Investment
Grade/
spekulativer Bond/
Junk-Bond
Ba2 BB BB
Ba3 BB- BB-
B1 B+ B+ Highly speculative Hoch spekulativ, bei einer schlechteren wirtschaftlichen Situation Ausfälle wahrscheinlich 30,8%
B2 B B
B3 B- B-
Caa1 CCC+ CCC Substantial risk Nur bei positiver Entwicklung keine Ausfälle zu erwarten 56,6%
Caa2 CCC CC Extremely speculative
Caa3 CCC- In default with little prospect for recovery In Zahlungsverzug bzw. Insolvenz beantragt
Ca CC C
C
C D D Selective / Restricted default Teilweiser oder vollständiger Ausfall der Forderung

In der letzten Spalte der Tabelle wird dargestellt, ab welchem Skalenpunkt ein Wertpapier als Investment Grade und als Non-Investment Grade bezeichnet wird. In der Finanzbranche kann die Eingliederung einer Investition in diese beiden Gruppen von zentraler Bedeutung sein. Manchen Versicherungen oder Pensionsfonds ist es per Gesetz nicht erlaubt, Schuldverschreibungen mit einem Non-Investment Grade Rating zu erwerben. Diese Begriffe sollen im Folgenden näher erläutert werden.

Beispiel für Ratingcodes von Staaten und Unternehmen: 2021 hat die Ratingagentur Moody´s die Anleihen der drei Aktiengesellschaften Apple mit Aa1, Boeing mit Baa2 und Staples mit B2 eingestuft. Im Länderrating für 2019 der Ratingagentur Standard & Poor´s wird Deutschland mit AAA, USA mit AA+, China mit A+, Italien mit BBB bewertet.

Investment Grade

Ein Rating von AAA bis BBB- liegt im Investment Grade und soll Anleihen von bester bis mittlerer Bonität umfassen. Anhand dieser Bezeichnung können Emissionen mit einer relativ geringen Ausfallwahrscheinlichkeit kenntlich gemacht werden. Schuldner mit einem solchen Rating können sich zu besseren Kreditkonditionen (niedrigeren Zinsen) Fremdkapital beschaffen. So dürften risikoaverse Investoren Emissionen mit einem Investment Grade denen mit einem Non-Investment Grade bevorzugen.

Non-Investment Grade

Als “Non-Investment Grade”, auch bekannt als “High Yield” oder “Junk”,  bezeichnet man ein niedriges Rating unterhalb von BBB-. Anleihen mit einem Rating von Ba1 (Moody´s Rating) und  BB+ (Standard and Poor´s und Fitch Rating) und darunter werden als spekulativ betrachtet. Emittenten einer solchen Anleihe besitzen eine niedrige Bonität, womit eine relativ hohe Ausfallrate der Kredite verbunden ist. Aufgrund des höheren Ausfallrisikos werden Anleger in der Regel mit höheren Zinszahlungen in Form eines erhöhten Credit Spreads kompensiert.

Unter Unternehmen, deren Anleihen als Non-Investment Grade eingestuft sind, befinden sich häufig Start-ups oder Unternehmen mit einer niedrigen finanziellen Leistungsfähigkeit. Um Investoren für sich zu gewinnen, müssen diese Unternehmen eine relativ höhere Rendite versprechen. In der Regel unterliegen Non-Investment Grade Anleihen höheren Kursschwankungen.

Vorteile der Credit Ratings für Unternehmen und Staaten

Das zentrale Ziel eines Unternehmens sowie eines Staates in der Beauftragung eines externen Credit Ratings liegt in der leichteren Kapitalbeschaffung am Kapitalmarkt. Durch die Ausgabe von Schuldverschreibungen, auch Anleihen, Obligationen oder Bonds genannt, können sich Unternehmen und Staaten Kapital direkt von den Investoren beschaffen.

Häufig wird ein externes Rating auch genutzt, um die relative Kreditqualität einer Emission zu veröffentlichen und Informationsasymmetrien abzubauen. Damit möchten Emittenten Anleger für sich gewinnen. Mit dem frischen Kapital können Investitionen finanziert werden, die beispielsweise eine Ausweitung des Unternehmens oder die Bereiche Forschung und Entwicklung fördern. 

Ferner können Credit Ratings auch als Instrument des Risikomanagements für den Schuldner genutzt werden. So stehen Ratingagenturen im ständigen Kontakt mit ihren Auftraggebern. Während ihrer Geschäftsbeziehung geben Ratingagenturen den Unternehmen Hinweise darüber, welche Anforderungen zur Verbesserung eines Ratings bestehen.       

Bedeutung für den Anleger

Anleger können die Ergebnisse aus Credit Ratings als Orientierungshilfe für kurz- und mittelfristige Investitionsentscheidungen sehen. Dabei sollte beachtet werden, dass Credit Ratings lediglich die Zahlungsfähigkeit des Kreditnehmers untersuchen. Wird im Rahmen einer Überwachung eines Credit Ratings die Einstufung herabgesetzt, könnte dies zu einem fallenden Kurs des Wertpapiers führen.

Anhand einer vergleichenden Analyse der Ratingeinstufungen für einzelne Unternehmen und unter Berücksichtigung der eigenen persönlichen Risikobereitschaft können Anleger erste Einschätzungen über ihre Investitionen treffen. Allerdings können Credit Ratings keine Hinweise auf zukünftige Wertentwicklungen von Aktienpreisen geben. Für Eigenkapitalgeber bzw. Aktionäre sind die Resultate aus einem Credit Rating weniger relevant, weil diese lediglich die Rückzahlungsverpflichtungen bezüglich des Fremdkapitals begutachten. 

Darüber hinaus gilt, dass ein künftiger Zahlungsausfall eines Unternehmens in keinem Fall ausgeschlossen werden kann, auch wenn ein Unternehmen die beste Ratingeinstufung erhalten würde. Dies war z.B. im Zuge der Finanzkrise im Jahr 2008 vermehrt der Fall. Für Anleger bedeutet dies, dass sie für eine fundierte Anlageentscheidung weitaus mehr Indikatoren als die Einstufung externer Ratings berücksichtigen sollten.

Credit Rating in der Kritik

Credit Ratings umfassen Bonitätsprüfungen, in denen die Beurteilung der Zahlungsfähigkeit der jeweiligen Emittenten im Vordergrund steht. Sie können einen großen Einfluss auf die globalen Finanzmärkte einschließlich der internationalen Kapitalflüsse besitzen. Im Zuge einer Bonitätseinstufung entscheiden Ratingagenturen über die Finanzierungskonditionen von Staaten, Unternehmen sowie privaten Haushalten.

Die drei US-amerikanischen Ratingagenturen Moody´s, Fitch sowie Standard & Poor´s dominieren mit einem Anteil von über 85% den Markt für externe Credit Ratings. Eine derartige Marktstellung sowie die Gründe für ein solches Oligopol sollten stets kritisch hinterfragt werden.

So wird häufig auf die fehlende Transparenz von Seiten der großen Ratingagenturen hingewiesen, da z.B. Bewertungsverfahren sowie Ausfallmerkmale und deren Gewichtung kaum veröffentlicht werden. Informationen dazu werden von den Ratingagenturen als Geschäftsgeheimnisse deklariert.

In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass Bewertungssysteme von Ratingagenturen instabil sein können. Im Fall der Subprime-Krise in den Vereinigten Staaten in 2008 wurden fehlerhafte Bonitätsbewertungen von Seiten der Ratingagenturen aufgedeckt, die wiederum zu weitreichenden finanzwirtschaftliche Konsequenzen weltweit führten.

Letztendlich sollten Wirtschaftsakteure nicht allein auf Credit Ratings vertrauen, sondern sich eine eigene Meinung bezüglich der Bonität von Emittenten bilden.

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