Gewinn – Definition & Berechnung

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Der Gewinn, auch bekannt als „Unternehmensgewinn“, „Bilanzgewinn“, „Earnings“, „Income“, „Profit“ oder „Ergebnis“, ist eine Bilanzkennzahl, die eine Analyse des Unternehmenserfolges ermöglichen kann. Investoren können anhand des Gewinnes weitere Kennzahlen, ableiten oder den Gewinn als alleinstehende Kennzahl auswerten. Dabei sollten Investoren darauf achten, dass der Gewinnbegriff nicht klar abgegrenzt ist und unterschiedlich verwendet werden kann.

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Gewinn – Definition

In einem wirtschaftlichen Kontext bezeichnet der Gewinn allgemein den Überschuss der Erträge über die Aufwendungen der gleichen Periode. Negative Gewinne werden als Verlust bezeichnet.

Aus der Perspektive der Kapitalerhaltung ist dann von einem Gewinn die Rede, wenn sich das Eigenkapital eines Unternehmens erhöht hat oder es mindestens um einen definierten Wert (beispielsweise die Inflationsrate) gestiegen ist. Unter dem Gesichtspunkt der Substanzerhaltung liegt erst dann ein Gewinn vor, wenn sich der Barwert zukünftiger Cash Flows eines Unternehmens erhöht hat.

Für die Analyse von Unternehmen und die Bewertung von Aktien kann ebenfalls der Bilanzgewinn abgegrenzt werden. Dabei handelt es sich um eine Bilanzposition, die alle bisherigen Geschäftsergebnisse kumuliert darstellt. Der Bilanzgewinn kann als Summe der Gewinnrücklagen, des Gewinn- / Verlustvortrages und des Jahresüberschusses / -fehlbetrages verstanden werden.

Rechtliche Grundlagen

Im deutschen Handelsrecht ist die Grundlage eines Gewinns die Gewinn- und Verlustrechnung, kurz GuV. Die Gliederung dieses Rechnungslegungswerkes ist in § 275 HGB definiert. Der Gewinn selbst ist in der GuV aber nicht zu finden. Das Ergebnis ist stattdessen der sogenannte „Jahresüberschuss / Jahresfehlbetrag“, der in der Praxis immer wieder mit dem Gewinn gleichgesetzt wird.

Neben einer möglichen Analysefunktion für Investoren entscheidet der Gewinn maßgeblich über die Ausschüttungen eines Unternehmens. Dividendenzahlungen dürfen nach deutschem Handelsrecht den Gewinn nicht übersteigen.

Hinweis: Bei den Begriffen Gewinn und Jahresüberschuss handelt es sich grundsätzlich um unterschiedliche Kennzahlen mit verschiedenen Berechnungsgrundlagen. Die Ergebnisse können identisch sein, müssen es aber nicht. Der Gewinn eines Unternehmens baut allerdings auf dem GuV-Ergebnis auf. Die genauen Unterschiede der beiden Kennzahlen werden in dem entsprechenden Absatz gesondert erläutert.

Berechnung und Formel

Abhängig von der jeweiligen Begriffsdefinition und Interpretation des Begriffes „Gewinn“ existieren verschiedene Formeln für die Berechnung der Kennzahl. Aus dem allgemeinen Sprachgebrauch lässt sich die folgende Formel ableiten:

Gewinn=Erträge-Aufwendungen

oder

Gewinn=Einnahmen-Ausgaben

Diese Formeln lassen sich auf unternehmensbezogene, aber auch allgemeine Situationen anwenden. Verkauft ein Unternehmen beispielsweise seine Güter teurer als es sie einkauft oder oberhalb der Produktionskosten, entsteht ein Gewinn. Auch wenn ein Investor Aktien oder Immobilien teurer verkauft, als er sie eingekauft hat, entsteht ein Gewinn. Es handelt sich hierbei um einen Gewinn vor möglichen Steuern. Diese können das Ergebnis sowohl bei Unternehmen als auch Privatpersonen im Nachgang schmälern. Daher sind die obenstehenden Formeln je nach Betrachtungsweise um nachgelagerte Abzüge zu ergänzen.

Die Definition der Bilanzposition „Gewinn“ ist im direkten Vergleich umfangreicher aufgebaut. Die Ausgangskennzahl ist der Jahresüberschuss oder Jahresfehlbetrag aus der GuV. Addiert werden Gewinnvorträge aus der vorherigen Periode. Diese können sowohl negativ als auch positiv sein. Entnahmen aus (Gewinn-) Rücklagen erhöhen grundsätzlich den Bilanzgewinn, während Zuführungen diesen schmälern. Insbesondere die Handhabung der Rücklagen obliegt dem Management eines Unternehmens.

Das wird in der folgenden Formel berücksichtigt:

Gewinn=\text{Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag}+Gewinnvorträge+Entnahmen~aus~Rücklagen-Zuführungen~zu~Rücklagen

Hinweis: Im Rahmen der Bilanzbetrachtung sind Rücklagen und Rückstellungen begrifflich voneinander abzugrenzen. Rücklagen stellen Eigenkapital dar und entstehen durch die Einbehaltung von bisherigen Gewinnen. Rückstellungen gelten dagegen als Verbindlichkeit (Fremdkapital) und sind für konkrete Zukunftsereignisse zu bilden. Beispielsweise muss ein Unternehmen Rückstellungen bilden, wenn es Waren erhalten, aber noch keine Rechnung vorliegen hat.

Interpretation des Gewinns

Als grundsätzliches Ziel von Wirtschaftsunternehmen unterstellt unter anderem das HGB eine Gewinnerzielungsabsicht. Das Gewinnstreben ist damit eine elementare Eigenschaft von Unternehmen.  Unternehmensgewinne werden von Investoren häufig mit Wachstum assoziiert und daher positiv bewertet. Je höher der Gewinn im Vergleich zum eingesetzten Kapital ausfällt, desto besser. Diese Interpretation gilt jedoch nur für das allgemeine Gewinnverständnis als Unterschiedsbetrag aus Erträgen und Aufwendungen.

Der Bilanzgewinn eines Unternehmens muss im Vergleich deutlich differenzierter betrachtet werden, da eine pauschale Aussage anhand des Gewinns nicht möglich ist. Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass es sich um eine fortgeschriebene Bilanzposition handelt. Sie beinhaltet folglich alle Ergebnisse der vorangegangenen Geschäftsjahre. Aus diesem Grund kann eine Analyse im Zeitverlauf sinnvoll sein. Im Jahresvergleich können Investoren beispielsweise die Veränderungen des Bilanzgewinnes betrachten. Unabhängig der bilanzpolitischen Entscheidungen können Investoren davon ausgehen, dass eine steigende Gewinnposition im Zeitverlauf ein positiver Indikator ist.

Zu betrachten ist allerdings in jedem Fall die Dividende des Unternehmens, da die Gewinnposition primär zum Ausgleich von Fehlbeträgen oder zur Zahlung von Dividenden (alternativ zum Rückkauf eigener Aktien) verwendet wird. Ein sinkender Bilanzgewinn muss folglich kein negativer Indikator sein, wenn dieser über Dividenden an die Investoren ausgeschüttet wird.

Nachteile der Kennzahl

Eine Schwierigkeit bei der Analyse des Gewinnes ist die große Einflussmöglichkeit des Managements. Dabei geht es nicht um Erhöhungen oder Senkungen durch unternehmerische Entscheidungen. Vielmehr kann ein Unternehmen beinahe frei entscheiden, welchen Gewinn es ausweist. Bis zu 50 Prozent des Jahresüberschusses können beispielsweise in die Gewinnrücklage eingestellt werden. Dies würde den Gewinn deutlich verringern.

Bezüglich Entnahmen aus Rücklagen gibt es keine Begrenzung. Ein Unternehmen kann folglich trotz Jahresfehlbetrages in der Bilanz einen Gewinn ausweisen, indem es Entnahmen aus den Rücklagen vornimmt. Dies verringert tendenziell die Aussagekraft der Gewinnkennzahl selbst. Ein direkter Rückschluss auf den Unternehmenserfolg einer bestimmten Periode ist nicht möglich.

Ebenfalls nachteilig bei der Interpretation des Gewinns kann sich dessen missverständlicher Sprachgebrauch auswirken. Nicht immer ist klar, was genau mit dem Gewinnbegriff in einer Situation ausgesagt werden soll, beziehungsweise wie dieser definiert ist. Dies kann sowohl auf Finanzmedien als auch auf Unternehmen selbst zutreffen. Beispielsweise kann ein Unternehmen den positiven Gewinn eines Jahres hervorheben, obwohl der Jahresüberschuss negativ war. Daher kann die Aussagekraft des Gewinns durch die Ergänzung um GuV oder Cash Flow bezogene Kennzahlen verbessert werden.

Der Gewinn im internationalen Kontext

Nach internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS) gibt es keinen signifikanten Unterschied zwischen verschiedenen Gewinnbegriffen. In den vorwiegend englischen Regelwerken ist stattdessen von „Earnings“ die Rede. Diese werden, angelehnt an die Gewinn- und Verlustrechnung in unterschiedliche Kategorien gegliedert.

Ein umfassender Wert ist der EBITDA (Earnings before Interests Taxes Amortisation and Depreciation). Der EBITDA gibt den Gewinn (bzw. Ertrag) eines Unternehmens vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen wieder. Dadurch können beispielsweise der Einfluss von Unternehmensgröße und Kapitalstruktur im Vergleich mit anderen Unternehmen verringert werden.

Als EBIT (Earnings before Interests Taxes) gilt der Gewinn inklusive Abschreibungen, aber vor Zinsen und Steuern. Auf diesem Wege können regionale (steuerliche) Aspekte und die Kapitalstruktur eines Unternehmens dessen Gewinn nicht verändern.

Abschließend gibt es die EBT (Earnings before Taxes) und EAT (Earnings after Taxes). Diese beiden Werte entsprechen dem Jahresüberschuss vor und nach Steuern im HGB. Anders als im HGB stellt der Gewinn nach IFRS ausschließlich das Ergebnis der Gewinn- und Verlustrechnung dar. Eine Bilanzposition vergleichbar mit dem Bilanzgewinn ist in den IFRS nicht vorgeschrieben.

Unterschied zwischen Gewinn und Jahresüberschuss

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die Begriffe Gewinn und Jahresüberschuss häufig synonym verwendet. Die obenstehende Berechnungsformel zeigt jedoch, dass der Jahresüberschuss Bestandteil des Gewinns ist, aber nicht mit diesem übereinstimmen muss. Diese sprachliche Vermischung geht so weit, dass Kennzahlen, wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (kurz: KGV oder PE Ratio), gar nicht mit dem Bilanzgewinn gebildet werden, obwohl ihre Bezeichnung dies impliziert. Das KGV entsteht beispielsweise aus dem Kurs je Aktie und dem Jahresüberschuss.

Dennoch kann es bei der Berechnung von Kennzahlen sinnvoll und erforderlich sein, den Jahresüberschuss statt dem Gewinn zu verwenden. Ein möglicher Vorteil ist beispielsweise die geringere Anfälligkeit des Jahresüberschusses gegenüber Entscheidungen des Managements.

Beispiel für die Anwendung des Gewinns

Die Funktion und Zusammensetzung des Gewinns zeigt sich beispielsweise bei der Betrachtung des Jahresabschlusses 2020 der Vonovia SE. Die Gewinn- und Verlustrechnung des Unternehmens weist zum 31.12.2020 einen Jahresfehlbetrag von ca. 53,5 Millionen Euro aus. Diesem Wert gegenüber steht ein Gewinnvortrag von circa 61 Millionen Euro, der in den Vorjahren entstanden ist. Um den endgültigen Bilanzgewinn von einer Milliarde Euro zu erreichen, werden insgesamt mehr als 990 Millionen Euro aus Kapital- und Gewinnrücklagen entnommen.

Berechnung des Gewinns am Beispiel der Vonovia SE (2020)
Berechnung des Gewinns am Beispiel der Vonovia SE (Bilanzausschnitt 2020)

Investoren können aufgrund dieser Entwicklung ableiten, dass Vonovia im folgenden Geschäftsjahr bis zu einer Milliarde Euro an Dividenden ausschütten kann. Für das Jahr 2019 wurde beispielsweise auf Basis des Bilanzgewinnes von ca. 913 Millionen Euro eine Dividendenausschüttung von 851 Millionen Euro vorgenommen. Der übrige Betrag ergibt den bereits erwähnten Gewinnvortrag.

Aufgrund der bisherigen Geschäftspraxis des Unternehmens kann ein Investor folglich konkrete Erwartungen an mögliche Ausschüttungen formulieren. Fest steht eine mögliche Dividende allerdings erst nach ihrer Feststellung auf der nächsten Hauptversammlung.

Beispiel für den Zusammenhang zwischen Dividendenausschüttung und Gewinn
Zusammenhang zwischen Dividendenausschüttung und Gewinn (Bilanzausschnitt, Vonovia SE, 2020)

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