Short Squeeze – Definition & Bedeutung

Autor: Maik Engelkamp Inhaltlich geprüft von: Philipp Berger

Short Squeeze bezeichnet ein Marktphänomen, bei dem ein rascher Anstieg des Aktienkurses dazu führt, dass Leerverkäufer, die auf fallende Kurse gewettet haben, Aktien zurückkaufen müssen, um ihre Verluste zu minimieren. Dies treibt den Aktienkurs weiter nach oben. Damit es zu einem Short Squeeze kommt, muss ein ungewöhnlich hoher Anteil an Leerverkaufspositionen („Shorts“) in dem Wertpapier vorhanden sein.

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Short Squeeze – Definition

Ein Short Squeeze ist ein plötzlicher, starker Kursanstieg eines Wertpapiers, das in großem Umfang leer verkauft wurde. Dieses Phänomen tritt typischerweise auf, wenn ein signifikanter Teil der Leerverkäufer gezwungen ist, seine Positionen zu schließen, um weitere Verluste zu vermeiden. Der daraus resultierende starke Kaufdruck „drückt“ (engl. „squeeze“) die Leerverkäufer, auch „Shorts“ genannt, aus ihren Positionen und treibt den Kurs des Wertpapiers weiter nach oben.

Wie funktioniert ein Short Squeeze?

Ein Short Squeeze beginnt häufig mit einem unerwarteten Kursanstieg einer Aktie. Wenn der Kurs weiter steigt, müssen die Leerverkäufer, die immer größere Verluste erleiden, ihre Positionen glattstellen. Beim Leerverkauf (Short Selling) geschieht dies durch den Rückkauf der Position, wodurch wieder Nachfrage nach dem Wertpapier entsteht und der Kurs weiter steigt.

Das Short Squeeze-Verfahren läuft in der Regel wie folgt ab.

Schritt 1: Leerverkäufer leihen sich Aktien eines Vermögenswerts, von dem sie glauben, dass er im Preis fallen wird, um sie zu kaufen, nachdem er gefallen ist.

  • Bei einem Kursfall kaufen sie die Aktien zu einem tieferen Preis zurück. Die Differenz zwischen dem Preis, zu dem sie die Leerverkaufsposition eröffnet haben, und dem niedrigeren Preis, zu dem sie die Aktien zurückkaufen, um die Leerverkaufsposition zu schließen, wird nach Abzug der Transaktionskosten als Gewinn gutgeschrieben.
  • Bei einem Kursanstieg sind sie gezwungen, die Aktien zu einem höheren Preis zurückzukaufen. Die Differenz zwischen dem höheren Einkaufspreis und dem ursprünglichen Verkaufspreis muss als Verlust gebucht werden.

Schritt 2: Da die Leerverkäufer ihre Positionen mit Kaufaufträgen auflösen, treibt dieser Ausstieg den Aktienkurs kurzfristig nach oben. Dieser schnelle Kursanstieg zieht gegebenenfalls weitere Käufer für das Wertpapier an.

Schritt 3: Die Kombination aus neuen Käufern und in Panik geratenen Shorts führt zu einem rasanten Kursanstieg, der verblüffend und beispiellos sein kann.

Wie entsteht ein Short Squeeze?

Ein Short Squeeze entsteht, wenn sich Leerverkäufer auf eine Aktie konzentrieren, die sie für überbewertet halten.

Beispiel Tesla: Anfang 2020 war Tesla aufgrund seines innovativen Ansatzes im Bereich Elektrofahrzeuge bei vielen Anlegern beliebt, die auf das Wachstumspotenzial des Unternehmens setzten. Gleichzeitig war Tesla die am stärksten leerverkaufte Aktie an den US-Börsen, wobei mehr als 18 % der ausstehenden Aktien leerverkauft waren.

Leerverkäufer eröffnen Positionen in Aktien, die sie für überbewertet halten und von denen sie einen Kursrückgang erwarten. Aber auch gut begründete Leerverkaufspositionen können sich als riskant erweisen. Positive Entwicklungen wie unerwartet gute Nachrichten, Produktankündigungen oder Gewinnsprünge können plötzlich das Interesse der Käufer wecken und den Aktienkurs rasch in die Höhe treiben.

Erweist sich die Trendwende der Aktie als nachhaltig, drohen Leerverkäufern hohe Verluste. In dieser Situation entscheiden sie sich häufig, ihre Positionen schnell zu schließen, auch wenn dies mit erheblichen Verlusten verbunden ist.

Dieser Kaufdruck führt zu einem Short Squeeze: Jeder Rückkauf eines Leerverkäufers treibt den Kurs weiter nach oben und zwingt andere Leerverkäufer, ebenfalls zu kaufen, um ihre Verluste zu begrenzen. Im Fall von Tesla werden die Short-Verluste im Jahr 2020 auf 40 Milliarden Dollar geschätzt, mehr als bei jeder anderen Aktie.

Wer handelt bei Short Squeezes noch mit?

Sogenannte „Contrarian-Investoren“ (antizyklische Investoren) kaufen beispielsweise Aktien mit hohen Leerverkaufsquoten, um das Potenzial für einen Short Squeeze auszunutzen. Ein rascher Anstieg des Aktienkurses ist zwar attraktiv, aber nicht ohne Risiken. Die Aktie kann aus gutem Grund geshortet sein, z. B. wegen schlechter Zukunftsaussichten.

Daytrader, die auf volatile Kursbewegungen angewiesen sind, um einen Gewinn zu generieren, beobachten häufig ebenfalls Aktien, die übermäßig geshortet wurden. Wenn der Kurs plötzlich an Fahrt gewinnt, steigt die Trader ein in der Hoffnung, einen Short Squeeze zu erwischen, der zu einem dramatischen Kursanstieg führen könnte.

Risiken eines Short Squeezes

Es gibt viele Beispiele für Aktien, die sich trotz hoher Leerverkaufsquoten positiv entwickelt haben, weil sie tatsächlich unterbewertet waren. Es gibt aber auch viele geshortete Aktien, deren Kurse weiter fallen. Eine hohe Shortquote bedeutet nicht, dass der Kurs zwangsläufig steigen wird.

Es bedeutet vielmehr, dass viele Leute glauben, dass er fallen wird. Wer in der Hoffnung auf einen Short Squeeze kauft, sollte andere (und bessere) Gründe haben, um zu glauben, dass der Kurs der Aktie sich langfristig erholen wird.

Short Interest Ratio

Die Short Interest Ratio, auch bekannt als „Days to Cover“, ist ein Indikator für die Intensität der Leerverkäufe einer Aktie. Sie misst die Anzahl der Tage, die erforderlich wäre, um alle leerverkauften Aktien auf der Grundlage des durchschnittlichen täglichen Handelsvolumens der Aktie unter normalen Marktbedingungen zu decken.

Beispiel: Wenn eine Million Aktien leerverkauft wurden und das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen bei 100.000 Aktien liegt, beträgt die Short Interest Ratio 10 Tage. Dies bedeutet, dass es theoretisch 10 Tage dauern würde, um alle leerverkauften Positionen auf Basis des aktuellen Handelsvolumens zu decken.

Eine höhere Short Interest Ratio deutet auf ein größeres Potenzial für einen Short Squeeze hin. Denn bei einem plötzlichen Kursanstieg wird es für Leerverkäufer schwieriger, ihre Positionen schnell zu schließen, ohne den Kurs weiter nach oben zu treiben.

Als Faustregel gilt: Je höher die Anzahl der Tage bis zur Deckung, desto anfälliger ist die Aktie für einen Short Squeeze. Wenn beispielsweise die Short Interest Ratio für Aktie „X“ zwei Tage beträgt, während sie für Aktie „Z“ 20 Tage beträgt, ist Aktie „Z“ potenziell anfälliger für einen Short Squeeze.

Short Squeeze und Naked Short Selling

Ungedeckte Leerverkäufe (Naked Short Selling) sind Leerverkäufe einer Aktie, ohne sich den Vermögenswert zuvor von einer anderen Person zu leihen. Dabei handelt es sich um Leerverkäufe von Aktien, deren Existenz nicht bestätigt worden ist.

Laut der Securities and Exchange Commission (SEC – Börsenaufsicht der USA) sind ungedeckte Leerverkäufe illegal. Die Taktik des ungedeckten Leerverkaufs ist mit einem hohen Risiko verbunden. Dennoch kommen Naked Shorts aufgrund der Diskrepanzen zwischen dem elektronischen und dem Papierhandel immer noch vor und können zu einer Verschärfung von Short Squeezes beitragen, da sie zusätzliche Leerverkäufe ermöglichen, die andernfalls nicht möglich wären.

Short Squeeze im Beispiel

Ein prominentes Beispiel für einen Short Squeeze der jüngeren Vergangenheit ist das Unternehmen GameStop. GameStop wurde aufgrund des zunehmenden Wettbewerbs und des Rückgangs der Kundenfrequenz in Einkaufszentren zum Short-Ziel erkärt. Bald darauf war das Interesse an Leerverkäufen auf über 100 % der ausstehenden Aktien angewachsen.

Trendwende

Anfang 2021 machte jedoch eine positive Aktienanalyse für das Unternehmen die Runde, wonach es in ein paar Jahren wieder Gewinne erzielen könnte. Diese Aktienanalyse wurde auch auf dem Online-Portal Reddit besonders häufig angepriesen. Darüber hinaus gingen große Investoren, wie Michael Burry von Scion Asset Management und Ryan Cohen, Mitbegründer von Chewy, eine Long-Position (Wette auf steigende Aktienkurse durch den Kauf der Aktien oder den Kauf von Call-Optionen auf die Aktien) ein.

Schneeballefekt

Ab diesem Zeitpunkt war es ein Schneeballeffekt, bei dem Kleinanleger GameStop Aktien und Call-Optionen im großen Stil kauften, was zusätzlich zu einem Gamma Squeeze führte. Aufgrund von Hedgefonds, die große Leerverkäufe getätigt hatten und gezwungen waren, ihre Positionen zu schließen, um ihre Verluste zu verringern, stieg der Aktienkurs von GameStop in weniger als sechs Monaten von unter 5 $ pro Aktie auf 483 $.

Der ungebremste Kursanstieg verdrängte einige Leerverkäufer und zog verschiedene namhafte Investoren und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens an, darunter Elon Musk und den Risikokapitalgeber Chamath Palihapitiya.

Short Squeeze am Beispiel von GameStop (GME)
Short Squeeze - Auswirkungen auf den Kurs einer Aktie am Beispiel von GameStop (GME)

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